Robo Advisor Markt 2020 – Herausforderungen im Zuge der Corona-Krise Robo Advice Anbieter zur aktuellen Lage im Interview

Die Corona-Krise stellt auch die weiterhin junge Robo Advisory Branche vor neue Herausforderungen. In den letzten zwei Jahren konnten Robo Advisors jährlich ihren Kundenstamm in Deutschland um ca. 50% erhöhen (wenn auch rückläufig). Für 2020 steht davor ein Fragezeichen, in einem Markt, der noch nicht auf ein Prozent Marktpenetration kommt.

Wir haben uns nun gefragt, wie Robo Advisors durch die Corona-Krise gekommen sind…

… Robo Advisors waren angetreten, um die Vermögensverwaltung digital zu revolutionieren. Der Robo Advice Markt besteht heute aus Anbietern von traditionellen Banken und eigenständigen Start-ups. Die Kommunikation läuft auch im Regelbetrieb ausschließlich via Telefon, E-Mail und Chat.

War dies ein Wettbewerbsvorteil in der Corona-Krise und erwarten Robo Advisors zukünftig mehr Neugeschäft oder führt der im Zuge der Corona-Krise heftige Markteinbruch zu einer Konsolidierung der Branche, weil mittelfristig niemand mehr investieren wird?

Diese und andere Fragen beantworten uns die Robo Advisors bevestor, Diversifikator, ginmon, growney, investify, Kapilendo, quirion und VisualVest im Rahmen einer großen Interviewserie:

Wie hat sich die Corona-Krise bisher auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Sie?

Kapilendo: (…) Eine Herausforderung war, mit möglichst vielen Kunden persönliche Gespräche zu führen und mögliche Auswirkungen auf ihr Depot sowie sinnvolle nächste Schritte zu besprechen. Auch wenn es sehr intensive Wochen waren, haben doch diese Gespräche viel Positives gebracht.

growney: Wir hatten am Anfang sehr viele Rückfragen von unseren Kunden zu dem Thema. Von „Können Sie eigentlich im aktuellen Umfeld arbeiten?“, über“ Ist mein Geld sicher?“ hin zu „Wie kann ich meine Anteile verkaufen“. Nach knapp einer Woche änderten sich die Anfragen in Richtung „Wie kann ich die Schwäche des Marktes nutzen, um zu investieren?“. Erfreulich ist, dass wir seit Ausbruch der Krise nach wie vor sehr viel mehr Einzahlungen als Auszahlungen haben und weiterhin jeden Tag viele Neukunden gewinnen. (…)

investify: (…) Wir glauben, dass die Krise unser Geschäftsmodell bestätigt: Digitalisierung und Outsourcing von regulatorischen Tätigkeiten werden immer wichtiger in der Finanzbranche – auch wegen der Folgen der Corona-Krise.

VisualVest: (…) konnten wir unsere AuM seit Beginn des Crashs steigern. Dies lag daran, dass viele Anleger die niedrigen Kurse als Chance für die neue Eröffnung eines Depots oder eine erneute Einzahlung gesehen haben. Zusätzlich sorgen die vielen Sparpläne dafür, dass unsere AuM kontinuierlich ansteigen. Die größte Herausforderung besteht darin, die Anleger zu beruhigen und das Vertrauen in uns zu bestärken. (…)


„Vermögensverwaltung geht nur mit persönlicher Beratung!“ hieß es lange von den etablierten Banken. Doch die Corona-Krise sollte zeigen, dass es auch anders geht.

Wie gut das funktioniert hat, haben unsere Kollegen in ihrem Artikel über die Nutzung digitaler Kanäle während der Corona-Krise gezeigt:


Wie hat sich die Corona Krise auf die Rendite Ihrer Kunden ausgewirkt? Wie sehen Sie sich damit im Vergleich zu Ihren Wettbewerbern?

 

VisualVest: (…) Im ersten Quartal ergaben sich somit deutliche Verluste. Unser ausgewogenes Portfolio aus klassischen ETFs (VestFolio 4) endete im ersten Quartal mit einem Wertverlust von -10,24 %. Unsere GreenFolios, Portfolios aus rein nachhaltigen Fonds, lagen im ersten Quartal etwas besser. Die Anlageklassen mit den größten Verlusten lagen im Aktien- und Rohstoffbereich. Aber auch die festverzinslichen Rentensegmente der Unternehmensanleihen und der Emerging Markets wiesen tiefrote Wertentwicklungen auf. Einzig die klassischen Staatsanleihen konnten von der Corona-Krise als sicherer Hafen profitieren. (…) Seit Anfang April ist über die gesamte Breite unserer Portfolios eine signifikante Erholung eingetreten. (…)

growney: Ein Anleger, der zu den höchsten Kursen in unser risikoreichstes Portfolio investiert hat, liegt aktuell ca. 18 % hinten. Der Kunde, der zum gleichen Zeitpunkt in die niedrigste Risikostufe angelegt hat, weist Stand heute einen Verlust von 5,5 % auf. Mit diesem Ergebnis haben wir uns im Vergleich zu unseren Wettbewerbern und im Vergleich mit unserer Orientierungsmarke, dem MSCI World, sehr gut geschlagen.

bevestor: Wenn man sich einen Überblick bei unabhängigen Performancevergleichen der Robos ansieht, dann waren wir dort im Jahr 2019 auf den vorderen Plätzen. In Bezug auf den sehr kurzen Betrachtungszeitraum der Kursverwerfungen haben wir uns im vorderen Mittelfeld der Anbieter bewegt.

quirion: (…) auch wenn auch unsere Portfolios natürlich ebenfalls von der Corona-Krise betroffen waren. Die Kunden haben hier sehr besonnen reagiert. Vermutlich auch deshalb, weil sie verstanden haben, dass eine digitale Vermögensverwaltung kein Trading-Produkt ist. (…)

Diversifikator: Die Rendite der Portfolios war absolut gesehen schlecht, im Vergleich zu Benchmarks und Wettbewerbern aber gut. Das gilt vor allem im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds. In der Krise haben sich vor allem die einfachen Trendfolgeportfolios, aber auch die ESG- und Impactportfolios sehr gut bewährt.

investify: Auch unsere Kundenportfolios waren im Februar und März von den starken Verwerfungen an den Finanzmärkten betroffen und konnten vor diesen nicht gänzlich geschützt werden. Im Monat April haben sie allerdings von den wieder steigenden Aktienmärkten profitiert und deutlich zugelegt. Generell sind wir und unsere Kunden besser als die allermeisten Wettbewerber durch die Krise gekommen – der Fokus auf Qualität hat sich buchstäblich bezahlt gemacht.


Im Zuge der Corona-Krise haben unsere Autoren mit den Robo Advisors detailliert über den Robo Avisors Markt und die Beeinflussung der Robo Advisory Branche durch die Krise gesprochen:

Zur Übersicht der Robo Advisor Interview-Serie


Welche mittel- bis langfristigen Risiken erwarten Sie durch die Corona-Pandemie für sich und den Robo Advisory Markt allgemein?

 

ginmon: Für einige der unabhängigen Robo Advisors könnte diese Krise existenzielle Risiken bedeuten. Somit wäre durchaus eine Situation denkbar, in der der Markt nach der Krise von Anbietern dominiert wird, die sich durch große Produktanbieter im Hintergrund finanzieren. Dies wäre sehr schade, denn dadurch könnte die Mission, „unabhängige, transparente Vermögensverwaltung, die stets im Sinne des Kunden ist” verloren gehen, mit der die unabhängigen Anbieter gestartet sind.

bevestor: (…) Aktuell erwarten unsere Volkswirte eine U-förmige Erholungsphase an den Märkten. Längerfristig blicken wir also durchaus positiv auf die Märkte. Wir glauben nicht, dass ein exogener Schock wie die Corona-Pandemie nachhaltig negative  Auswirkungen  auf den Robo Advisory Markt  hat.

Diversifikator: Der Vertrieb für B2C-Angebote bleibt das größte Problem und neu hinzu kommen schwierigeren Finanzierungsbedingungen. Beide Arten von Problemen betreffen Diversifikator aber nicht.

investify: Wir und unsere B2B-Partner hoffen, dass die Krise das ohnehin schwache Wertpapiergeschäft in Deutschland nicht dauerhaft lähmt.

Kapilendo: Wir beobachten mit Sorge, dass viele Mitwettbewerber in der Krise enttäuscht haben. Das wirft möglicherweise ein schlechtes Licht auf die Branche. Dabei ist es mehr denn je wichtig, dass Sparer vom unverzinsten Tagesgeld wegkommen und beginnen, sich mit kostengünstigen und komfortablen Anlagelösungen zu beschäftigen.

Welche Chancen könnten durch die Krise entstehen?

Diversifikator: Robo-Advisor-Technologie wird zunehmend für den Vertrieb von ETFs und anderen Fonds genutzt werden. Die Unzufriedenheit mit teuren aktiven Portfolios hat weiter zugenommen und ESG- und Impactstrategien wird jetzt zugetraut, auch in schwierigen Märkten attraktiv zu sein. Passive und verantwortungsvolle Angebote, auch von Robo Advisors, werden deshalb künftig (noch) stärker nachgefragt werden.

quirion: (…) Kunden und Interessenten erkennen, das Robos gut und günstig sind. Im Gegensatz zu aktiv gemanagten Fonds, die teuer sind und den Markt langfristig doch nicht schlagen.

VisualVest: (…) Die aktuelle Krise zementiert das Niedrigzinsumfeld auf unbestimmte Zeit und erhöht deshalb umso mehr die Notwendigkeit privater Spar- und Vorsorgeprodukte mit Investmentfonds, durch welche Anleger an den Renditechancen der Kapitalmärkte partizipieren können. Auch die Digitalisierung schreitet durch die Corona-Krise– sowohl bei Privatkunden, aber auch bei Unternehmen – noch schneller voran. Dies erhöht langfristig die Akzeptanz von digitalen Angeboten wie VisualVest.

ginmon: Die Kontaktverbote spielen Anbietern, die ihren Vertrieb und ihre Produkte digital strukturiert haben natürlich in die Hände. So werden viele Kunden nun die Vorzüge von digitalen Anbieter erleben, wie z.B. die digitale Kontoeröffnung oder die Transparenz und allzeit Verfügbarkeit eines Online-kundencenters. Dies könnte dauerhaft zu einem Umdenken bei vielen Kunden führen.


In unsicheren Zeiten ist es wichtiger denn je, dass Finanzdienstleister gute Partner ihrer Kunden bleiben und sich als Teil der Lösung präsentieren. Weitere Informationen hierzu finden Sie: hier.


Interviews mit Robo Advisors zur jeweiligen Anlagephilosophie, -strategie und USP sowie zur aktuellen Marktsituation und zur Corona-Krise

Übersicht aller geführten Einzel-Interviews:

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Eine Antwort auf “Robo Advisor Markt 2020 – Herausforderungen im Zuge der Corona-Krise

  • Der Kunde

    Erfahrungen mit Cominvest während der Corona-Krise
    Als langjähriger Kunde der Bank habe ich mich im Dezember 2019 für die „Wir für Sie“ Anlage entschieden und Ballance als Analgestrategie ausgewählt. Nach anfänglichen Gewinnen, die ich erfreulicherweise auf meinem Konto bis zur letzten Februarwoche 2020 verzeichnet habe, folgte bedingt durch die Corona-Pandemie der Absturz. Dieser war Aufgrund des Marktumfelds nicht überraschend, obwohl man sich an dieser Stelle als Kunde Anpassungen gewünscht hätte, die den Absturz etwas abmildern würden.
    Die Anpassungen folgten Mitte März 2020 und zwar zu dem Zeitpunkt als die Kurse am niedrigsten waren. Das ETF-Aktienpaket der Anlage wurde zum tiefst erreichten Stand der Corona-Krise verkauft. Auf diese Weise wurde der maximale Verlust von knapp 40 % für den Kunden (MICH) realisiert, Gesamtverlust belief sich auf über 15%.
    Daraufhin erfolgte eine „Umschichtung“ der Anlage indem ca. 1/3 des Investbetrages als festgesetztes Geld auf dem Konto und 2/3 in sichere Anlgeformen (z.B. Renten, Anleihen) gesteckt wurden. Im Prinzip nichts verwerfliches, leider wurde jedoch die darauffolgende Markterholung größtenteils verschlafen.
    Die darauffolgenden Gewinne waren minimal, sodass heute (05.06.2020) immer noch über 10% Anlagevelust relativ zum Höchststand im Februar 2020 besteht, obwohl der Dax sowie der Dow nur noch wenige Prozentpunkte von ihren Höchstständen entfernt sind.
    Was bedeutet das?
    1. Cominvest hat keine Maßnahmen im Februar während des Kursverfalls getroffen.
    2. ETF-Aktienpaket wurde zum tiefstmöglichen Kurs verkauft.
    3. Umschichtung verfehlte den Markt, es erfolgten marginale Kursgewinne.
    4. Performance von Cominvest weit unterhalb der Performance des Marktes.
    D.h. hätte Cominvest keine Umschichtung im März vollzogen und die gefallenen Anlagepakete nicht angefasst, hätten sich die Verluste der Krise heute erholt. Leider bleibe ich durch die Cominvest-Anlagestrategie während der Corona-Krise auf einem Verlust von über 10 % hängen.
    Kurzum: Verkauf zum tiefsten Stand, Aufholjagt größtenteils verschlafen – worst case!

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