Interview mit Diversifikator – Robo Advisory Markt 2020 Im Gespräch mit Prof. Dr. Dirk Söhnholz, Geschäftsführer, Diversifikator

Der Robo Advisor Diversifikator setzt seinen Schwerpunkt insbesondere auf das Angebot von ESG-Aktienportfolios (Environmental, Social und Governance-Faktoren) für B2B-Kooperationspartner und bietet hier laut eigener Aussage das konsequenteste Angebot an ESG- und Impactportfolios. Prof. Dirk Söhnholz ist nicht nur Geschäftsführer und Gesellschafter von Diversifikator, sondern auch Honorarprofessor für Asset Management an der Universität Leipzig. Wir haben mit ihm im Rahmen einer großen Interviewserie mit verschiedenen Robo Advice Anbietern nicht nur über die eigenen Produkte, sondern auch über seine Sicht auf den Markt im Kontext der Corona-Krise gesprochen.


Das Interview mit Diversifikator im Überblick:


  

Hallo Herr Söhnholz, was genau macht Diversifikator in maximal zwei Sätzen?

Prof. Dr. Dirk Soehnholz / Interview mit Robo Advisor Diversifikator / Robo Advice / Robo Advisory 2020
Diversifikator bietet standardisierte und individuelle, passive ETF- und Aktienportfolios an mit Fokus auf gute Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien (ESG) sowie Impact.

Welche Anlagephilosophie hat Diversifikator?

Wir nennen unsere Philosophie RETRO: Regelbasiert, Evidenzbasiert, Transparent, Robust und Optimierungsfrei.

An welche Zielgruppen richtet sich Diversifikator mit seinem Produktangebot und wie viele AuM und Kunden haben Sie im jeweiligen Segment?

Diversifikator bietet Portfolios für alle Kundengruppen an – von sogenannten Klein- bis zu Großanlegern. Der Fokus liegt auf dem indirekten Portfolioangebot über Kooperationspartner (B2B). Die Kundenzahl und die Assets under Advice sind noch gering. Inzwischen hat Diversifikator aber Partnerverträge mit einem Robo Advisor, einem Fondsanbieter und mehreren Vermögensverwaltern abgeschlossen, und es sind auch institutionelle Mandate in der Diskussion.

 


Im Zuge der Corona-Krise haben unsere Autoren noch mit einer Reihe weiterer Robo Advisors über die Beeinflussung der Branche durch die Krise gesprochen:

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Was kostet den Privatkunden mit einem Anlagevolumen von 10.000 EUR der Service von Diversifikator und wie konkurrenzfähig sind Sie damit ggü. anderen Robo Advisors sowie klassischen Asset Managern?

Für B2B-Partner kosten die Portfolios typischerweise 0,15 % bis 0,3 % pro Jahr plus Umsetzungskosten – und bei ETF-Portfolios zuzüglich ETF-Kosten. Dazu kommen für Endkunden die Kosten für die Vermögensverwaltungs- bzw. Bankpartner, also insgesamt ca. 0,25 % bis 1,5 % pro Jahr. Von Selbstbedienern verlangt Diversifikator 1,2 % pro Jahr. Damit sind die direkten ESG-Aktienportfolios für und über Partner sehr günstig, während die ETF-Selbstbedienungsportfolios im Vergleich zu Robo-Advisors relativ teuer sind.

Die ESG-Aktienportfolios sind für B2B-Partner besonders attraktiv, weil sie damit ESG-Daten- und Indexlizenzkosten sparen und zusätzlich das ESG-Know-how von Diversifikator nutzen können.

Wie sehen Ihre Anlagestrategie und das Risikomanagement aus?

Mit der RETRO-Investmentphilosophie verfolgen wir möglichst einfache und regelbasierte Strategien. Es werden Aktien und ETFs sowie für Spezialmandate auch Anleihen genutzt, aber weder Derivate noch strukturierte oder illiquide Produkte. Bei der Selektion werden für die ETF-Auswahl vor allem Indexeignung und Kosten berücksichtigt. Für die Aktien- und Anleiheselektion werden in erster Linie ESG-Kriterien genutzt. Zur Selektion von Aktien wird zusätzlich der maximale Vergangenheitsverlust berücksichtigt.

Einige der ETF-Portfolios nutzen eine einfache und bewährte Trendfolgeregel zur Allokationssteuerung. Die Regeln und die Portfolios werden einmal jährlich geprüft und rebalanziert. Bisher erfolgten nur geringfügige Regeländerungen. Es werden keine daten- und modellabhängigen Optimierungen genutzt und auch kein intransparentes maschinelles Lernen. Dieser einfache Ansatz hat sich für unterschiedlichste Portfolios in guten und schlechten Marktphasen gut bewährt.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Anbietern für Robo Advisory, B2B sowie B2C. Wie differenziert sich Diversifikator, d. h., was genau ist Ihr USP?

Diversifikator hat das breiteste Angebot an passiven Anlagestrategien und das breiteste, aber auch konsequenteste Angebot an ESG- und Impactportfolios. Portfolios können für B2B-Partner einfach auch für kleine Anlagevolumina maßgeschneidert werden. Für die Deutsche Wertpapiertreuhand wurden so in kurzer Zeit 16 verantwortungsvolle Portfolios aufgesetzt. Solche Angebote und Services liefern weder andere Robo Advisors noch traditionelle Anbieter.

Obwohl Diversifikator gerade zum zweiten Mal in Folge als eines der hundert innovativsten WealthTech-Unternehmen der Welt ausgezeichnet wurde, gehört die Technik nicht zum USP.

Welche (Marketing-) Strategie nutzen Sie, um neue Kunden zu gewinnen? Welche Rolle spielen Partnerschaften?

Das Marketing erfolgt fast ausschließlich über die Direktansprache von potenziellen B2B-Partnern. Hinzu kommt mit prof-soehnholz.com ein B2B-Blog mit Fokus auf ESG.

In welchem Geschäftsfeld sehen Sie das größte Wachstumspotenzial? Auf welche Bereiche möchten Sie sich entsprechend in Zukunft fokussieren bzw. um welche Bereiche möchten Sie Ihr Geschäft ggf. erweitern?

Wir sehen das größte Wachstumspotenzial für günstige, maßgeschneiderte ESG- und Impactportfolios. Wir arbeiten derzeit vor allem an automatisierbaren Individualisierungsoptionen für B2B-Partner.


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Nun zu den Herausforderungen in der Corona-Krise…

Wie hat sich die Corona-Krise bisher auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Sie?

Die Krise hat keine großen Auswirkungen auf das Geschäft gehabt. Die größte Herausforderung  ist der Vertrieb.

Wie hat sich die Corona-Krise auf die Rendite Ihrer Kunden ausgewirkt? Wie sehen Sie sich damit im Vergleich zu Ihren Wettbewerbern?

Die Rendite der Portfolios war absolut gesehen schlecht, im Vergleich zu Benchmarks und Wettbewerbern aber gut. Das gilt vor allem im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds. In der Krise haben sich vor allem die einfachen Trendfolgeportfolios, aber auch die ESG- und Impactportfolios sehr gut bewährt.

Welche mittel- bis langfristigen Risiken erwarten Sie durch die Corona-Pandemie für sich und den Robo Advisory Markt allgemein?

Der Vertrieb für B2C-Angebote bleibt das größte Problem, und neu hinzu kommen schwierigere Finanzierungsbedingungen. Beide Arten von Problemen betreffen Diversifikator aber nicht.

Welche Chancen könnten durch die Krise entstehen?

Robo-Advisor-Technologie wird zunehmend für den Vertrieb von ETFs und anderen Fonds genutzt werden. Die Unzufriedenheit mit teuren aktiven Portfolios hat weiter zugenommen und ESG- und Impactstrategien wird jetzt zugetraut, auch in schwierigen Märkten attraktiv zu sein. Passive und verantwortungsvolle Angebote, auch von Robo-Advisors, werden deshalb künftig (noch) stärker nachgefragt werden.

Eine letzte Frage haben wir noch für Sie…

Was wollten Sie in einem Interview schon immer einmal sagen, wurden es aber nie gefragt?

Ich wurde bisher zu selten gefragt, warum die Performance unserer einfachen und oft sehr nachhaltigen Portfolios häufig so gut ist. Die Antwort: Die Performance ist so gut, weil die Portfolios so einfach und so nachhaltig sind.

Herzlichen Dank für das Interview!

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