Robo Advisors in Luxemburg Ein Wettbewerbervergleich

Robo Advisors wollen die Vermögensverwaltung digital revolutionieren. Aus der Start-up-Szene bekannt, besitzen mittlerweile viele der etablierten Anbieter einen eigenen Robo Advisor. Doch wie entwickelt sich dieses Konzept im Anlagebereich der Finanzindustrie in Luxemburg? Wir haben uns den Markt etwas genauer angesehen.

Robo what?

Unter dem Begriff „Robo Advice“ hat sich seit einigen Jahren die Definition des digitalen und voll automatisierten Vermögensverwalters etabliert. Diese Beschreibung greift allerdings zu weit, denn der Robo Advisor an sich ist nur die eine web- und/oder App-basierte Kundenschnittstelle zur Ermittlung des für den Investor geeigneten Risikoprofils. Er digitalisiert also lediglich die WpHG-Klassifizierung, rs, welche im klassischen Beratungsgespräch der Kundenberater übernimmt.

Die Differenzierung der Robo Advisors findet erst im nachgelagerten Prozess des eigentlichen Asset Managements statt, indem das Risikoprofil in eine strategische Asset Allokation übersetzt und diese mit konkreten Anlageprodukten umgesetzt wird.

International verwalten Robo Advisors ca. 480 Mrd. EUR Asset under Management (AuM), was ungefähr der Hälfte des deutschen Publikumsfondsmarkts entspricht. Vanguard Personal Advisor Services ist mit ca. 110 Mrd. EUR weltweit der größte Anbieter und hat somit global einen ca. 20%igen Marktanteil. Die Top-5-Robo-Advisors verwalten ca. 170 Mrd. EUR, was einem Marktanteil von ca. 40 % entspricht. Das Wachstum der Branche wird insgesamt auf über 2.300 Mrd. EUR AuM in den nächsten fünf Jahren geschätzt.

Der europäische Markt ist mit einem Volumen von ca. 14 Mrd. EUR AuM vergleichsweise klein, er entspricht in etwa der Größe des global drittgrößten Robo Advisor Betterment. In Europa wiederum ist Großbritannien mit knapp 5,5 Mrd. EUR AuM der größte Markt, gefolgt von Deutschland mit rund 3,9 Mrd. EUR AuM. Gemessen an der Einwohnerzahl stellt der luxemburgische Markt weniger als ein Hundertstel des deutschen Anlagemarkts dar und ist somit für das Privatkundenprodukt Robo Advisory ein Nischenmarkt.

Vier Robos of Luxembourg

Auf dem luxemburgischen Markt sind aktuell die vier Robo Advisors KeyPrivate, Birdee, SpeedInvest und Investify aktiv.

2016 lancierte die Keytrade Bank den ersten B2C Robo KeyPrivate in Ergänzung zu ihrem Online-Brokerage-Angebot. Die Keytrade Bank gehört zur französischen Crédit-Mutuel-Arkéa-Gruppe und ist eine Tochter der Arkéa Direct Bank. Zur Umsetzung des dem Robo Advice nachgelagerten Portfoliomanagements nutzt sie die Middleware Birdee des 2007 gegründeten belgischen FinTech Gambit Financial Solutions.

2017 trat Gambit Financial Solutions mit dem eigenen Robo-Advice-Angebot Birdee in den luxemburgischen B2C-Markt ein. Gambit Financial Solutions gehört heute zum Teil der französischen BNP Paribas Asset Management.

Ebenfalls 2017 launchte die Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat (BCEE) als erste Retailbank mit luxemburgischen Wurzeln den Robo Advisor SpeedInvest. BCEE ist die luxemburgische Sparkasse und vollständig in Staatsbesitz.

Seit 2018 ist auch Investify auf dem Markt präsent. Der Robo Advisor ist bereits seit 2015 in Deutschland aktiv und eine Tochter des deutschen FinTech Axigo, welches ähnlich wie Gambit Financial Solutions seine Softwarebausteine auch im B2B-Geschäft platziert.

Robo Advisors: Investitionsstrategien und Rebalancing

Ein Blick auf die Investmentansätze der vier Robo Advisors zeigt das klassische Bild von einfachen, meist über ETFs umgesetzten Strategien. Die angebotenen Vermögensverwaltungen unterscheiden sich bezüglich ihrer strategischen Allokationen in der Anzahl der Risikoprofile (drei bis zehn), der Zahl an eingesetzten ETFs und Investmentfonds sowie der Individualisierbarkeit durch den Kunden. Alle Anbieter bezeichnen ihre strategische Asset Allokation als aktiv mit bis zu täglichem Rebalancing.

SpeedInvest, der Robo Advisor der luxemburgischen Sparkasse, positioniert sich mit nur drei Strategien (cautious, balanced und dynamic) als Basisanbieter. Je nach Anlagehorizont, finanziellen Möglichkeiten und Risikoappetit wird dem Anleger eine strategische Allokation mit 80 % Aktien und 20 % Anleihen in der „dynamic“-Strategie, 50 % Aktien und 50 % Anleihen in der „balanced“-Strategie oder 20 % Aktien und 80 % Anleihen in der „cautious“-Strategie angeboten. Die Umsetzung der jeweiligen Asset Allokation erfolgt mit ETFs innerhalb eines SICAV-Fonds, der dem Kunden ins Depot gebucht wird.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Erfahren Sie alle 2 Wochen von unseren Experten, was gerade wichtig ist.

Senden Sie mir den BankingHub Newsletter zu. Ich bin ausdrücklich damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Birdee bietet seinen Kunden fünf strategische Allokationen (defensive, stable, moderate, protector, dynamic) nach einem ähnlichen Aufbau aus Anleihen- und Aktien-ETFs und alloziert zudem Immobilienfonds in den risikoreicheren Strategien. Darüber hinaus werden ESG-Ausgestaltungen angeboten. Anders als bei SpeedInvest findet die Umsetzung der gewählten Strategie nicht durch Investition in eine SICAV-Fondshülle statt, sondern die ETFs und Fonds werden – wie auch bei allen anderen Anbietern – direkt auf dem Kundenkonto gehandelt.

Bei KeyPrivate wird der Anleger in eines von zehn Risikoprofilen alloziert, die sich in ihrer Gewichtung von Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Cash unterscheiden. Zur Investition in den Aktienanteil kommen fünf ETFs (Aktien der Eurozone, amerikanische Aktien, japanische Aktien, Schwellenländeraktien und Aktien des Wirtschaftsraums Pacific Ocean (ex. Japan)) zum Einsatz. Zur Investition in den Anleihenanteil werden ebenfalls fünf ETFs (Inflation-linked, Schwellenländeranleihen, High-Yield-Anleihen, Unternehmens- und Staatsanleihen der Eurozone) verwendet. Für die Investition in Rohstoffe stehen ETCs auf Gold und Edelmetalle zur Verfügung. KeyPrivate nutzt die Birdee-Technologie, sodass beide Anbieter zur Bestimmung der strategischen Asset Allokation auf einem Black-Litterman-Portfoliooptimierungsalgorithmus basieren, ergänzt um die jeweilige Hausmeinung der Anlageexperten.

Bei Investify werden die Kunden auf Basis eines proprietären Scorings in sieben Risikoklassen alloziert. Die eingesetzten ETFs und Themenfonds werden in Abhängigkeit von ihrer historischen Volatilität ebenfalls in sieben Risikoklassen alloziert. Die Zuordnung der Investments zum Kunden erfolgt auf Basis einer linearen Risikoallokation, indem der individuelle Risikoscore durch kapitalgewichtete Investments unterschiedlich und individuell abgebildet wird. Ein Kundenportfolio setzt sich stets aus der Basisanlage und den vom Kunden optional gewählten Themeninvestments zusammen, sodass im Durchschnitt ca. 21 Produkte auf einem Kundenkonto alloziert sind. Investify positioniert sich somit als Robo Advisor mit einer höchstmöglichen Individualisierbarkeit durch den Kunden und spricht somit eher erfahrene Anleger mit dem Wunsch nach einer eigenen Einflussnahme an.

Robo Advisors: Performance und Transparenz

Anders als im Fondsbereich, in dem die Produktqualität transparent über den Fondspreis gemessen werden kann, ist die Asset-Management-Leistung der Robo Advisors intransparent, da die Strategien auf den individuellen Kundenkonten umgesetzt werden, und die Performance nicht zertifiziert veröffentlicht wird.

Um diese Schwäche auszugleichen und Transparenz in den deutschen Markt zu bringen, zeigt brokervergleich.de einen Echtgeldtest, bei dem die Webseitenbetreiber bei allen deutschen Anbietern ein Depot mit i. d. R. ausgewogenem Risikoprofil eröffnet haben, um die Performancedaten online zur Verfügung zu stellen. Allerdings können so lediglich für Investify, das auch auf dem deutschen Markt aktiv ist, bei brokervergleich.de Performancedaten angesehen werden. KeyPrivate veröffentlicht auf seiner Webseite Quartalsberichte, in denen die Performance der zehn verschiedenen Anlagestrategien ausgewiesen wird. Für SpeedInvest und Birdee werden keine Daten veröffentlicht.

Robo Advisors: Minimalinvestment

Auch beim geforderten Mindestanlagevolumen unterscheiden sich die Anbieter deutlich. Während SpeedInvest mit 500 EUR und Birdee sowie Investify mit 1.000 EUR niedrige Einstiegsvolumina in ihrem Geschäftsmodell verankert haben, spricht KeyPrivate Kunden erst ab einem Einstiegsvolumen von mindestens 15.000 EUR an.

Robo Advisor Luxemburg: alle B2C-Anbieter im Überblick / BankingHubAbbildung 1: Robo Advisor Luxemburg: alle B2C-Anbieter im Überblick

Robo Advisors: Managementgebühr und Fondskosten

Ein Blick auf die Kostenstruktur der Robo Advisors zeigt geringe Unterschiede. Es wird eine Managementgebühr vom Anbieter verlangt, die zwischen 0,25 % p. a. und 1 % p. a. liegt. Für die Führung des Depots, auf dem die Anlagestrategie umgesetzt wird, fallen keine weiteren Kosten seitens der eingesetzten Depotbanken und auch keine zusätzlichen Transaktionskosten bei einer Portfolioumschichtung z. B. im Rahmen des Rebalancing oder bei Ein- und Auszahlungen an.

Da die Umsetzung der Strategien bei allen Anbietern hauptsächlich durch ETFs auf Aktien und Anleihen erfolgt, liegen die Fondskosten bei minimal ca. 0,30 % p. a. Durch den Einsatz von Investmentfonds fallen bei Birdee und Investify je nach Allokation und individueller Ausgestaltung höhere Fondskosten an.

Auffällig ist die Kostenstruktur bei SpeedInvest. Hier werden nur 0,25 % p. a. (exkl. MwST.) Managementgebühr verlangt, aber zusätzlich fallen 1 % p. a. Fondskosten für die SICAV an. Da in der SICAV-Fondshülle ETFs liegen, ist davon auszugehen, dass der Kunde somit auf Gesamtkostenbasis zusätzlich minimal ca. 0,30 % p. a. für diese zahlt und somit ähnliche Gebühren wie bei den anderen Robo Advisors anfallen.

KeyPrivate scheint tatsächlich der günstigste Anbieter aufgrund der niedrigen Management- und Fondskosten zu sein. Eine genaue Analyse lässt sich aber nur im tatsächlichen Livebetrieb mit Echtgeld erstellen.

Das verlangen die Anbieter: Gebührenstruktur / BankingHubAbbildung 2: Das verlangen die Anbieter: Gebührenstruktur

Fazit zu Robo Advisors in Luxemburg – klein, aber fein

Das Marktpotenzial für luxemburgische Robo Advisors ist im europäischen Vergleich klein. Gleichzeitig wurde von vier Anbietern bereits ein adäquates Angebot geschaffen, welches dem Einsteiger ein einfaches Anlegen über drei Basisstrategien ermöglicht und dem versierten Anleger Individualisierbarkeit anbietet. Eine tatsächliche Diffusion in den Massenmarkt erwarten wir auch erst dann, wenn der Robo Advice zum Standardangebot jeder Bank gehört.

Referenzen

Robo-Advisor Pros (2019): Robo-advisors With the Most Assets Under Management – 2019
Keytrade Bank Luxembourg (2017): KeyPrivate – The first Robo-Advisor in Luxembourg
Keytrade Bank Luxembourg (2017): Special terms and conditions discretionary portfolio management service
Keytrade Bank Luxembourg (2015): Keytrade Bank relies on Birdee for its online solution for discretionary asset management
Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat, Luxembourg (BCEE) (2019): A unique way to invest
Birdee (2019): How do you select the ETFs?
investify (2018): Strategie und Anlageprozess
aixigo AG (2019): aixigo AG – Wer wir sind
investify (2019): So funktioniert’s

Glossar

ETF: Ein börsengehandelter Fonds (englisch exchange-traded fund, ETF) ist ein Investmentfonds, der an einer Börse gehandelt wird. Er wird im Normalfall nicht über die emittierende Investmentgesellschaft, sondern über die Börse am Sekundärmarkt erworben und veräußert. Die meisten börsengehandelten Fonds sind passiv verwaltete Indexfonds. Weitere Details siehe: wikipedia (2019): Börsengehandelter Fonds

SICAV ist die Abkürzung des französischen Begriffs „société d’investissement à capital variable“ oder des italienischen Begriffs „società di investimento a capitale variabile“ und bezeichnet eine nach französischem, belgischem, luxemburgischem, schweizerischem, maltesischem, spanischem oder italienischem Recht gegründete Investmentgesellschaft mit variablem Grundkapital. Weitere Details siehe wikipedia (2019): SICAV

ESG ist die englische Abkürzung für „Environment Social Governance“, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Der Begriff wird international in Unternehmen als auch in der Finanzwelt verwendet, um auszudrücken, ob und wie bei Entscheidungen von Unternehmen und in der unternehmerischen Praxis sowie bei Firmenanalysen von Finanzdienstleistern ökologische und sozial-gesellschaftliche Aspekte sowie die Art der Unternehmensführung beachtet beziehungsweise bewertet werden. Weitere Details siehe: Lexikon der Nachhaltigkeit (2015): Environment Social Governance (ESG)

Mit BankingHub keinen Trend verpassen

Einfach E-Mail-Adresse eingeben, und Sie erhalten alle 2 Wochen die neuesten Analysen und Berichte unserer Banking-Experten – direkt in Ihr Postfach.

Senden Sie mir den BankingHub Newsletter zu. Ich bin ausdrücklich damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Autor Arnd Heßeler / BankingHub

Arnd Heßeler

Executive Manager Office Luxemburg
Autor Joel Theisen / BankingHub

Joël Theisen

Senior Consultant Office Luxemburg

Sylvia Drewling

Consultant Office Berlin

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mit BankingHub immer auf dem Laufenden!

Einfach E-Mail-Adresse eingeben, und Sie erhalten alle 2 Wochen die neuesten Analysen und Berichte unserer Banking-Experten – direkt in Ihr Postfach. Sie können den Newsletter jederzeit wieder kündigen.