Interview mit EVERGREEN – Robo Advisory Markt 2020 Im Gespräch mit Iven Kurz, CEO und Gründer von EVERGREEN

EVERGREEN ist ein junges Unternehmen, welches seinen Robo Advisor erst im Jahr 2019 – kurz vor der Corona-Krise – an den Start gebracht hat.

Gründer Iven Kurz, welcher vor EVERGREEN Instituts-Portfolios gemanagt hat, setzt mit seinem Produkt auf „Passive Dynamic Investment (PDI)“, eine sicherheitsorientierte Anlagestrategie, die das Marktexposure über Futures dynamisch steuert. Wie sich diese Strategie im Detail ausgestaltet und welche Kunden EVERGREEN mit seinem Angebot fokussiert, verrät er uns im Rahmen einer Interview-Serie.

 

Das Interview mit EVERGREEN im Überblick:


   

Iven Kurz, CEO und Gründer von Evergreen / Interview mit Robo Advisor Evergreen

Hallo Herr Kurz, was genau macht EVERGREEN in maximal zwei Sätzen?

EVERGREEN ist Risikomanager für die private Kapitalanlage.

Welche Anlagephilosophie hat EVERGREEN?

Eigentlich sind wir Fondsmanager und kommen aus dem institutionellen Bereich. Deshalb besteht unsere Hauptmotivation im sogenannten „Customer-Centric Asset Management“, also dem kundenorientierten Asset Management.

Ich selbst habe über 11 Milliarden EUR als Leiter der Quantitativen Wertsicherungsstrategien bei Metzler Asset Management verantwortet. Dieses professionelle Know-how wollen wir mit EVERGREEN für jeden zugänglich machen. Da man im Bereich Wertsicherung sehr schnell sein muss, ist EVERGREEN im Prinzip ein Robo auf Speed. Die Verteilung der Anlageinstrumente, die sogenannte Asset-Allokation, muss jeden Tag optimiert werden. Deshalb verzichten wir auf ETFs und nutzen unsere eigenen EVERGREEN-Fonds PDI Yin und PDI Yang, die preislich fast auf ETF-Niveau liegen. 

Und darin besteht letztlich unsere Motivation: professionelle, sicherheitsorientierte Geldanlage, individuell auf jeden Anleger zugeschnitten, täglich optimiert und zu Kosten auf ETF-Niveau.

An welche Zielgruppen richtet sich EVERGREEN mit seinem Produktangebot?

Unser Angebot richtet sich an sicherheitsorientierte private und institutionelle Anlegerinnen und Anleger, die eine flexible, also täglich verfügbare Kapitalanlage suchen und diese auf ihr persönliches Risikoempfinden und ihre Ertragserwartungen anpassen möchten.

Da bei EVERGREEN die Geldanlage inklusive täglichem Risikomanagement bereits ab 1 EUR möglich ist, kann unser Service sowohl von Anlegern mit kleinem Vermögen als auch von vermögenden Privatkunden und Institutionen wahrgenommen werden.

 

 

Im Zuge der Corona-Krise haben unsere Autoren noch mit einer Reihe weiterer Robo Advisors über die Beeinflussung der Branche durch die Krise gesprochen:

Zur Interview-Übersicht


 

Was kostet den Privatkunden mit einem Anlagevolumen von 10.000 EUR der Service von EVERGREEN und wie konkurrenzfähig sind Sie damit ggü. anderen Robo Advisors sowie der klassischen Beratung in der Filiale und vermögensverwaltenden Fonds?

Mit 0 EUR Service-, Depot- und Transaktionsgebühren, unabhängig vom Anlagebetrag, ist EVERGREEN der einzige Anbieter einer individuellen Kapitalanlage mit täglichem Risikomanagement, der keine zusätzlichen Gebühren verlangt. Die Produktkosten betragen 0,59 % p. a.

Wie sehen Ihre Anlagestrategie und das Risikomanagement aus?

Bei dem von uns umgesetzten Anlagemechanismus handelt es sich um „Passive Dynamic Investing“ kurz PDI.

In einem Satz: PDI ist eine synthetische Optionsstrategie, welche das Auszahlungsprofil einer multidimensionalen Collar-Struktur repliziert.

Es handelt sich um eine hoch entwickelte Wertsicherungsstrategie, welche das Schwankungsrisiko unserer Anlegerinnen und Anleger genau quantifiziert und mittels dynamischer Asset-Allokation, also täglicher Anpassung der Anlagestruktur, prognosefrei steuert. „Passive“ deshalb, weil wir auf die „aktive“ Auswahl von Einzeltiteln verzichten und unser globales Anlageuniversum kostengünstig über Futures (nicht ETFs!) abbilden, „dynamic“, weil wir die Aktien-, Renten- und Cash-Quoten in unseren Anlegerdepots mittelbar über die Asset-Allokation unserer Fonds täglich anpassen.

Der Mechanismus zeichnet sich durch die dynamische Portfoliosteuerung, also die deutliche Reduzierung von Risiken in Krisenphasen und die prognosefreie Partizipation im positiven Marktumfeld aus. Zwar gibt es bei anderen Anbietern ebenfalls Ansätze zur prognosefreien Dynamik, allerdings zeigt die Erfahrung der vergangenen Monate, dass diese Ansätze akademisch teilweise überholt sind und allenfalls halbherzig umgesetzt wurden. In einem Portfolio bestehend aus ETFs ist die tägliche Optimierung der Anlagequoten schon aus Kostengründen quasi unmöglich. Hier kommt uns unsere jahrelange Erfahrung als quantitative Wertsicherungsmanager zugute.

Etwas genauer, für alle, die es interessiert:
Die Grundlage des Investmentansatzes bildet ein global diversifiziertes Future-Portfolio, mit dem sich an Marktbewegungen globaler Aktien- und Rentenmärkte beteiligt wird. Der Vorteil in der Nutzung von Futures im Vergleich zu anderen Finanzinstrumenten liegt in ihrer geringen Kostenstruktur, ihrer hohen Liquidität und ihrer Hebelwirkung. Zur Wertsicherung dieses Portfolios wird dann eine Collar-Optionsstruktur definiert, welche aus einem Protective Put und einem Long Call besteht. Eine solche Collar-Optionsstruktur bildet eine Wertuntergrenze und eine Wertobergrenze für die Preisentwicklung des zugrunde liegenden Finanzinstruments. Die Umsetzung dieser Collar-Optionsstruktur erfolgt in Form einer synthetischen Multi-Asset-Option. Bei einer Multi-Asset-Option handelt es sich um eine Option, der mehrere Finanzinstrumente zugrunde liegen. Dies ist in einem Portfolio kostengünstiger, als Optionen für alle einzelnen Finanzinstrumente einzugehen, und erlaubt es, Korrelationseffekte zwischen den einzelnen Finanzinstrumenten abzubilden. Diese Option wird synthetisch umgesetzt, d. h., es wird keine physische Option eingegangen, sondern das Auszahlungsprofil der Option wird im Portfolio repliziert. Als letzte Komponente der Wertsicherung erfolgt eine Zeitdiversifikation. Dabei wird anstatt einer Multi-Asset-Option mit längerer Laufzeit eine rollierende Staffelung von kurzfristigen Multi-Asset-Optionen erstellt, um eine hohe Dynamik der Wertsicherungsstrategie sicherstellen zu können. Die Umsetzung der Zeitdiversifikation erfolgt analog zur Umsetzung einer einzelnen Option synthetisch.

Für Expertinnen und Experten, die sich noch stärker für den Ansatz interessieren, haben wir auf dem Podcast-Channel „The Wall Street Lab“ das Konzept der dynamischen Asset-Allokation detailliert erläutert. Zum Podcast (in Englisch).

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Anbietern für Robo Advisory, B2B sowie B2C. Wie differenziert sich EVERGREEN, d.h. was genau ist Ihr USP?

EVERGREEN ist aktiver Risikomanager für Privatanleger/-innen und hat seine Wurzeln im institutionellen Asset Management sowie Risiko-Overlay für Versicherungen, Pensionskassen, Unternehmen und Stiftungen. Unsere Hauptmotivation besteht im kundenorientierten Asset Management und nicht in dem Verkauf von statischen ETF-Portfolios. Mit unserer dynamischen Asset-Allokation managen wir die Kapitalmarktrisiken für unsere Anlegerinnen und Anleger. Diese kaufen kein statisches ETF-Risiko, sondern dynamisches Risikomanagement. Die Dynamik unseres Risikomanagements kann taggleich hier für alle nachvollzogen werden: Zum Risikomanagement bei EVERGREEN

Außerdem verzichten wir komplett auf Servicegebühren, Depotgebühren und Transaktionskosten. Die Mindestanlage beträgt 1 Euro, und über die EVERGREEN Pockets können alle Anleger/-innen ihre Sparziele mit unterschiedlichen Risiko-Ertrag-Vorgaben separat besparen.

Der Markt braucht EVERGREEN, weil Geldanlagen mit Risiken verbunden sind und diese Risiken professionell gemanagt werden müssen. Wir nennen das „Subscribing to Risk Management“.

Welche (Marketing-) Strategie nutzen Sie, um neue Kunden zu gewinnen?

Unsere wichtigsten Multiplikatoren sind die Weiterempfehlungen durch unsere Kunden und unser Contentangebot auf unserem Blog und unserem YouTube-Kanal. Wir möchten unsere Kunden nicht „überreden“, sondern überzeugen. Das geht nur mit dem besten Produkt und dem besten Service zum besten Preis.

In welchem Geschäftsfeld sehen Sie das größte Wachstumspotenzial? Auf welche Bereiche möchten Sie sich entsprechend in Zukunft fokussieren bzw. um welche Bereiche möchten Sie Ihr Geschäft ggf. erweitern

Den größten Bedarf sehen wir im B2C-Bereich bei den nicht finanzaffinen Menschen. Diese werden faktisch durch kein Onlineangebot adäquat abgeholt.

Weiteren Bedarf sehen wir bei finanzaffinen Menschen mit hohem Kostenbewusstsein und Sicherheitsbedürfnis. Für kostenbewusste Anleger/-innen ist das Angebot an Robo Advisors unattraktiv, da diese bei den Gesamtkosten aus Produkt- und Servicegebühr eher mit klassischen Publikumsfonds konkurrieren, ohne einen Mehrwert zu generieren. Bei den sicherheitsorientierten Anlegerinnen und Anlegern fehlt ein adäquates, dynamisches Risikomanagement der Kapitalanlage.

Als erfahrener Asset Manager bieten wir unseren Asset-Management-Service für B2B-Partner ohne eigenes Asset Management in Form von Investment Advisory und White Label Funds mit individuellem Ertrags- und Risikoziel an. Zeitnah starten wir mit zwei radikalen Nachhaltigkeitsfonds, die wir gemeinsam mit einem Bankpartner auflegen. Außerdem sind wir mit Versicherungen und anderen Robo Advisors im Gespräch, die eine individuelle Investmentlösung für ihre Kunden suchen.

 

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Erhalten Sie alle 2 Wochen die neuesten Analysen und Berichte unserer Banking-Experten.

 

Nun zu den Herausforderungen in der Corona-Krise…

Welche Chancen könnten durch die Krise entstehen?

Wir haben faktisch mit dem Beginn der Covid-19 Pandemie unser Geschäft gestartet und haben deshalb keinen Vergleich zu „besseren“ Zeiten. Die Pandemie birgt aus meiner Sicht keine spezifischen Risiken für das digitale Vermögensmanagement. Dennoch rückt die Notwendigkeit eines professionellen Risikomanagements bei der Kapitalanlage stärker in den Fokus. Sowohl für kleine als auch für große Vermögen steht häufig der Kapitalerhalt an erster Stelle, kombiniert mit einem adäquaten Ertrag. Diese „Sicherheitslücke“ bei der privaten Geldanlage schließen wir.

Eine letzte Frage haben wir noch für Sie…

Was wollten Sie in einem Interview schon immer einmal sagen, wurden es aber nie gefragt?

Das Konzept Robo Advisor, welches das Gebührensparmodell „ETF“ mit Service- und Depotgebühren quasi wieder auf das Kostenniveau von aktiv gemanagten Fonds hebt, sehe ich sehr kritisch. Ich persönlich sehe wenig Mehrwert im aktuellen Konzept eines Robo Advisor. Ein ETF-Portfolio lässt sich bequem selbst zusammenstellen, Anleitungen gibt es dafür genug und oftmals kostenlos. Dafür eine jährliche Servicegebühr zu verlangen, die teilweise das 3- bis 4-Fache der ETFs beträgt, passt nicht zum Ursprungsgedanken des günstigen ETF-Investments. Die niedrigen Assets under Management bei den Robos auf der einen Seite und die stetig steigenden Volumina bei den ETF-Sparplänen auf der anderen belegen das recht eindrucksvoll. Ich wage zu behaupten, dass das Modell „Robo Advisor“, so wie es heute existiert, nämlich ohne echten Mehrwert für Anlegerinnen und Anleger, nicht mehr lange bestehen kann.

Als digitaler Vermögensmanager bieten wir unseren Nutzern einen echten, individuellen Asset-Management-Service – „Customer-Centric Asset Management“. Hinzu kommt die Hilfestellung bei der privaten Vermögensanalyse und -strukturierung. Der Kombination von kundenorientiertem, dynamischem Vermögensmanagement und individuellem Service gehört die Zukunft.

Herzlichen Dank für das Interview

Mit BankingHub keinen Trend verpassen

Erhalten Sie alle 2 Wochen die neuesten Analysen und Berichte unserer Banking-Experten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Erhalten Sie alle 2 Wochen die neuesten Analysen und Berichte unserer Banking-Experten.