Interview mit VisualVest – Robo Advisory Markt 2020 Im Gespräch mit Dr. Olaf Zeitniz, Geschäftsführer, VisualVest

VisualVest ist der Robo Advisor von Union Investment, dem Asset Manager der Genossenschaftsbanken. Dies unterscheidet ihn von anderen Robo-Advice-Anbietern, da er die jahrelange Erfahrung einer etablierten Fondsgesellschaft nutzen kann. Diesen USP und weitere erklärt uns Dr. Olaf Zeitnitz im Rahmen einer großer Interviewserie mit verschiedenen Robo Advisors. Zudem erklärt er, warum ein Junior-Depot nachhaltig sein sollte und wie sich der Markt nach der Corona-Krise verändern wird.


Das Interview mit VisualVest im Überblick:


Olaf Zeitniz, VisualVest im Interview

Hallo Herr Zeitnitz, was genau macht VisualVest in maximal zwei Sätzen?

VisualVest ist ein digitaler Vermögensverwalter, ein sogenannter Robo Advisor. Mit VisualVest können Privatkunden online in breit gestreute Portfolios aus ETFs oder rein nachhaltigen Fonds investieren.

Welche Anlagephilosophie hat VisualVest?

Wir möchten Anleger beim langfristigen Vermögensaufbau unterstützen. Darum verfolgen wir mit unserem Ansatz eine langfristige Strategie und achten konsequent darauf, dass die Risiken gut und breit gestreut werden. Dazu setzen wir auf einen Multi-Asset-Ansatz und legen bei all unseren Anlagestrategien großen Wert auf eine globale Streuung. Die besten Ergebnisse ergeben sich langfristig im Zusammenspiel der globalen Aktienmärkte mit den klassischen festverzinslichen Staatsanleihen.

Diese Anlageklassen bilden konsequenterweise auch den Anlageschwerpunkt bei unseren Portfolios. Je nach Risikoklasse werden die Anlageklassen unterschiedlich gewichtet, sodass jeder Anleger eine passende Strategie findet. Zusätzlich dazu ist das Thema Nachhaltigkeit ein wichtiger Bestandteil unserer Anlagestrategien.

An welche Zielgruppen richtet sich VisualVest mit seinem Produktangebot und wie viele AuM und Kunden haben Sie im jeweiligen Segment?

Wir richten uns an eine onlineaffine Zielgruppe, die auf der Suche nach Alternativen zu Tagesgeld und Co. ist. Das Alter spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle – natürlich sind die meisten jungen Leute von Anfang an Digital Natives, aber auch viele Anleger „Ü45“ suchen nach digitalen Anlagemöglichkeiten. Wir möchten die professionelle Vermögensverwaltung auch Kleinsparern zugänglich machen, deshalb haben wir die Einstiegshürden bewusst niedrig angesetzt. Einen Sparplan kann man bei VisualVest bereits ab einem Sparbetrag von 25 EUR monatlich starten. Über 80 % unserer Kunden besitzen einen Sparplan, weshalb das von uns verwaltete Vermögen kontinuierlich steigt.

 


Im Zuge der Corona-Krise haben unsere Autoren noch mit einer Reihe weiterer Robo Advisors über die Beeinflussung der Branche durch die Krise gesprochen:

Zur Interview-Übersicht


Was kostet den Privatkunden mit einem Anlagevolumen von 10.000 EUR der Service von VisualVest und wie konkurrenzfähig sind Sie damit ggü. anderen Robo Advisern sowie klassischen Asset Managern?

Robo Advisor können ihren Service günstiger als die klassischen Vermögensverwalter anbieten, da die komplette Geldanlage automatisiert und digitalisiert stattfindet – so muss z.B. auch kein teures Filialnetz unterhalten werden. Die Servicegebühr für die Vermögensverwaltung bei VisualVest beträgt 0,6 % pro Jahr, damit sind wir etwas günstiger als der Durschnitt der Robo Advisor.

Vor allem bei kleineren Anlagesummen, sind wir einer der günstigsten Anbieter. Für einen Privatkunden mit einem Anlagevolumen von 10.000 Euro beträgt die Servicegebühr demnach 60 EUR pro Jahr.

Wie sehen Ihre Anlagestrategie und das Risikomanagement aus?

Bei VisualVest setzen wir auf eine Kombination aus menschlicher Expertise und computergestützten Algorithmen. Die Experten von VisualVest und das Portfoliomanagement von Union Investment (Investmentkomitee) behalten die Geldanlagen der Kunden und die Finanzmärkte ständig im Blick und passen die Anlagestrategien, wenn nötig, für die Kunden an. Dabei greifen wir auf jahrzehntelange Erfahrung, komplexe Datenbestände sowie wissenschaftliche Modelle zurück. Die Gewichtung der jeweiligen Anlageklassen ergibt sich durch langfristige Volatilitäts- und Korrelationsdaten der Anlageklassen zueinander und der jeweiligen Risikotoleranzgröße des Portfolios. Falls eine Anpassung der Portfoliozusammensetzung aufgrund veränderter Marktbedingungen erforderlich ist, führen wir die Optimierungen für unsere Kunden automatisch durch. Um noch besser und schneller auf langfristige Markttrends reagieren zu können, haben wir seit einiger Zeit das Machine Learning Tool „Malina“ im Einsatz. Malina wurde von KI(künstliche Intelligenz)-Experten unserer Muttergesellschaft Union Investment entwickelt. Basierend auf Malinas Prognosen haben wir unsere Anlagestrategien bereits mehrfach optimiert.

Zusätzlich dazu überprüft VisualVest kontinuierlich die in den Portfolios enthaltenen Fonds und tauscht diese aus, falls es neue, bessere Alternativen gibt. Ein automatisches „Rebalancing“ ist ebenfalls im Service enthalten.

Unserem Ansatz bleiben wir seit Beginn von VisualVest treu. Auch in der Zukunft wird unser Risikomanagement konsequent auf Langfristigkeit und nicht auf kurzfristiges und damit hektisches Hin und Her ausgerichtet sein.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Anbietern für Robo Advisory, B2B sowie B2C. Wie differenziert sich VisualVest, d. h., was genau ist Ihr USP?

Wir haben nicht nur einen USP, sondern mehrere Aspekte, die uns von anderen Robo Advisors abheben:

  • Nachhaltige Geldanlage: Das Thema Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal von VisualVest, denn VisualVest war der erste Robo Advisor, bei dem in ein breit gestreutes Portfolio aus nachhaltigen Fonds investiert werden konnte. Bei der Auswahl der Fonds für unsere Geldanlagen sind wir sehr gründlich und anspruchsvoll. Das gilt für die nachhaltigen Fonds umso mehr.
  • Tochter von Union Investment: Als 100-prozentige Tochter der Union Investment unterscheidet sich VisualVest von anderen Anbietern, da wir die jahrelangen Erfahrungen einer etablierten Fondsgesellschaft mit der Schnelligkeit, Einfachheit und Transparenz eines modernen Onlineangebots kombinieren.
  • Niedrige Einstiegshürden: Anleger können bei VisualVest schon ab einem Sparbetrag von 25 EUR im Monat in ein Portfolio aus Fonds anlegen. Dadurch ermöglichen wir jedem Sparer, sein Geld professionell verwalten zu lassen.
  • Unverbindliches Testen: VisualVest bietet Interessenten darüber hinaus die Möglichkeit, sich ganz unverbindlich und ohne die Eingabe persönlicher Daten einen Anlagevorschlag erstellen zu lassen. Dieser kann dann auch gespeichert werden, sodass Interessenten beobachten können, wie sich die Geldanlage bei einer tatsächlichen Investition entwickelt hätte. Dies bietet insbesondere für Anleger ohne großes Finanzwissen den Vorteil, sich langsam mit dem Thema vertraut machen zu können.

Welche (Marketing-) Strategie nutzen Sie, um neue Kunden zu gewinnen? Welche Rolle spielen Partnerschaften?

Auch im Marketing setzen wir größtenteils auf Onlinewerbemaßnahmen, da wir die Zielgruppe so am besten erreichen. Die größte Herausforderung besteht darin, das Vertrauen der Kunden in diese neue Form der Geldanlage zu gewinnen. Darum setzen wir auf Transparenz und umfangreiche Informationen in verständlicher Sprache.

Auch Partnerschaften sind ein wichtiger Bestandteil bei VisualVest. Als Teil der Union Investment Gruppe hat es sich VisualVest zur Aufgabe gemacht, gewonnene Kenntnisse über technische Innovationen und Anwendungsszenarien in die Genossenschaftliche FinanzGruppe zu übertragen. Die Technologie von VisualVest wird deshalb als sogenannte White-Label-Lösung unter dem Namen „MeinInvest“ den genossenschaftlichen Banken, zu denen unter anderem die Volks- und Raiffeisenbanken gehören, zur Verfügung gestellt. Auf diese Weise können die MeinInvest-Banken die digitale Vermögensverwaltungslösung für ihr eigenes Produktangebot nutzen.

In welchem Geschäftsfeld sehen Sie das größte Wachstumspotenzial? Auf welche Bereiche möchten Sie sich entsprechend in Zukunft fokussieren bzw. um welche Bereiche möchten Sie Ihr Geschäft ggf. erweitern?

Wir setzen derzeit und auch in der Zukunft auf Sparpläne. Mit Sparplänen erhalten Anleger einen guten Durchschnittspreis, können schon mit kleineren Beträgen starten und müssen nicht ständig nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt suchen. Zusätzlich dazu sehen wir großes Wachstumspotenzial in den nachhaltigen Anlagestrategien. Auch die Erweiterung bestehender Services um neue technologische Features wird in Zukunft wichtig sein.

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Nun zu den Herausforderungen in der Corona-Krise…

Wie hat sich die Corona-Krise bisher auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Sie?

Auch wenn die Finanzmärkte im ersten Quartal deutliche Verluste verzeichneten und auch unsere Nettozuflüsse kurzfristig sanken, konnten wir unsere AuM seit Beginn des Crashs steigern. Dies lag daran, dass viele Anleger die niedrigen Kurse als Chance für die neue Eröffnung eines Depots oder eine erneute Einzahlung gesehen haben. Zusätzlich sorgen die vielen Sparpläne dafür, dass unsere AuM kontinuierlich ansteigen. Die größte Herausforderung besteht darin, die Anleger zu beruhigen und das Vertrauen in uns zu bestärken.


Wir verfolgen einen langfristigen Ansatz, dies haben wir unseren Kunden auch immer wieder erklärt. Viele unserer Kunden haben dies verstanden, weshalb es nur wenig Verkäufe während der Corona-Krise gab. Wir informieren unsere Kunden immer aktiv, wenn es an den Märkten turbulent wird – auch zum Thema Coronavirus haben wir unsere Anleger durch unseren Blog und den Newsletter über unser aktuelles Vorgehen und entsprechende Maßnahmen informiert.

Wie hat sich die Corona-Krise auf die Rendite Ihrer Kunden ausgewirkt? Wie sehen Sie sich damit im Vergleich zu Ihren Wettbewerbern?

Zum Jahreswechsel starteten unsere Portfolios nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2019 unverändert positiv ins neue Jahr. Seit dem weltweiten Ausbruch der Viruspandemie Mitte Februar verzeichneten die Aktienmärkte weltweit jedoch die schärfste Korrektur seit der Weltwirtschaftskrise. Dieser Entwicklung mussten natürlich auch unsere Portfolios Tribut zollen. Im ersten Quartal ergaben sich somit deutliche Verluste. Unser ausgewogenes Portfolio aus klassischen ETFs (VestFolio 4) endete im ersten Quartal mit einem Wertverlust von -10,24 %. Unsere GreenFolios, Portfolios aus rein nachhaltigen Fonds, lagen im ersten Quartal etwas besser. Die Anlageklassen mit den größten Verlusten lagen im Aktien- und Rohstoffbereich. Aber auch die festverzinslichen Rentensegmente der Unternehmensanleihen und der Emerging Markets wiesen tiefrote Wertentwicklungen auf. Einzig die klassischen Staatsanleihen konnten von der Corona-Krise als sicherer Hafen profitieren. In unseren Portfoliostrukturen achten wir deshalb grundsätzlich darauf, dass die Staatsanleihen als sicherer Hafen immer eine prominente Gewichtung erhalten. Leider hat die leicht positive Entwicklung in dieser Anlageklasse die deutlich negativen Entwicklungen bei allen anderen Anlageklassen nur etwas abmildern können. Allerdings haben die risikoärmeren Portfolios durch die höhere Gewichtung der Staatsanleihen klar besser abgeschnitten als die risikoreicheren Portfolios. Seit Anfang April ist über die gesamte Breite unserer Portfolios eine signifikante Erholung eingetreten. Im Vergleich mit anderen Robo Advisors kamen wir sehr gut durch die Krise und konnten mit unserer breiten Streuung überzeugen.

Welche mittel- bis langfristigen Risiken erwarten Sie durch die Corona-Pandemie für sich und den Robo Advisory Markt allgemein?

Aufgrund der massiven Ausbreitung des Corona-Virus weltweit und der damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen ist es sehr wahrscheinlich, dass es zu einer tiefen globalen Rezession kommen wird. Die Auswirkungen auf die Konjunktur werden umso stärker ausfallen, je mehr Länder betroffen sind und je länger bzw. stärker sich das Virus dort verbreitet. Zudem wird es ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen, wie lange die Eindämmungsmaßnahmen das öffentliche Leben und die wirtschaftliche Aktivität lähmen werden. Eine Prognose über den weiteren Pandemieverlauf und die Dauer der notwendigen Eindämmungsmaßnahmen ist mit erheblichen Unsicherheiten behaftet und kann derzeit von niemandem vorausgesagt werden. Daher gestaltet sich der Ausblick für die Kapitalmärkte schwierig. Diese Unsicherheit und die Gefahr erneuter Kursverluste stellt natürlich auch für uns und die komplette Branche ein Risiko dar.

Welche Chancen könnten durch die Krise entstehen?

Entscheidend für eine nachhaltige Erholung der Märkte wird ein rückläufiges Wachstum der Infektionszahlen sein. Mittel- bis langfristig bieten sich für Anleger so Chancen, sobald die Viruspandemie glaubwürdig unter Kontrolle gebracht wurde. Die aktuelle Krise zementiert das Niedrigzinsumfeld auf unbestimmt Zeit und erhöht deshalb umso mehr die Notwendigkeit privater Spar- und Vorsorgeprodukte mit Investmentfonds, durch welche Anleger an den Renditechancen der Kapitalmärkte partizipieren können. Auch die Digitalisierung schreitet durch die Corona-Krise – sowohl bei Privatkunden, aber auch bei Unternehmen – noch schneller voran. Dies erhöht langfristig die Akzeptanz von digitalen Angeboten wie VisualVest.

Eine letzte Frage haben wir noch für Sie…

Was wollten Sie in einem Interview schon immer einmal sagen, wurden es aber nie gefragt?

Sollte ein Junior-Depot, das heißt eine Geldanlage für das eigene Kind, nachhaltig sein?
Hier wäre meine Antwort ganz klar „Ja“. Denn wenn man für die Zukunft des eignen Kindes sparen möchte, sollte dafür gesorgt werden, dass diese Zukunft auch in einer intakten Umwelt und Gesellschaft stattfindet.

Herzlichen Dank für das Interview!

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