Interview mit Kapilendo – Robo Advisory Markt 2020 Im Gespräch mit Björn Siegismund, CIO, Kapilendo

Kapilendo sagt von sich, dass sie für den Kunden Finanzinnovation erlebbar machen und die Brücke zwischen der traditionellen und digitalen Finanzwelt schlagen. Da liegt es nahe, dass auch die Vermögensverwaltung digital und damit über einen Robo Advice angeboten wird. Im Rahmen einer großen Interview-Serie mit verschiedenen Robo Advisors haben wir mit Björn Siegismund gesprochen, der uns seine USPs erklärt und einen Blick auf den Post-Corona-Markt wirft.


Das Interview mit Kapilendo im Überblick:


 

Hallo Herr Siegismund, was genau macht Kapilendo in maximal zwei Sätzen?

Als digitale Bank für den Mittelstand bietet Kapilendo mittelständischen Kunden neben klassischen Krediten und Nachrangfinanzierungen Kapitalmarktmaßnahmen wie tokenbasierte Anleihen- und digitale Aktienplatzierungen sowie Anlagelösungen im digitalen Wealth-Management, einen Robo Advisor Service und alternative Investmentstrategien. Ab Mai 2020 erweitert sich das Leistungsspektrum der Kapilendo um Geschäftskonten und Visa-Debitkarten.

Welche Anlagephilosophie hat Kapilendo?

Drei Grundsätze prägen unsere Anlagephilosophie: 1) Risikomanagement durch gute Portfoliokonstruktion, 2) globale Chancen nutzen und breit streuen und 3) kostengünstig umsetzen mit ETFs. Wir setzen diese Grundsätze auf Basis des renommierten Allwetter-Ansatzes um, der attraktive Renditen mit geringen Schwankungen ermöglicht.

An welche Zielgruppen richtet sich Kapilendo mit seinem Produktangebot und wie viele AuM und Kunden haben Sie im jeweiligen Segment?

Mit dem Wertspeicher-Portfolio sprechen wir Anleger an, die Ihr Vermögen wertstabil erhalten möchten und eine Alternative zum Tagesgeld suchen. Das Allwetter-Portfolio eignet sich für Anleger, die auf Basis einer der erfolgreichsten Anlagestrategien einen Vermögensaufbau bei gleichzeitig geringer Schwankung erzielen wollen. 

 


Im Zuge der Corona-Krise haben unsere Autoren noch mit einer Reihe weiterer Robo Advisors über die Beeinflussung der Branche durch die Krise gesprochen:

Zur Interview-Übersicht


 

Was kostet den Privatkunden mit einem Anlagevolumen von 10.000 EUR der Service von Kapilendo und wie konkurrenzfähig sind Sie damit ggü. anderen Robo Advisors sowie klassischen Asset Managern?


Beim Allwetter-Portfolio liegt die Gesamtgebühr bei 0,92 % pro Jahr, was bei 10.000 EUR gerade einmal 7,67 EUR pro Monat sind. Im Vergleich zu anderen Robo Advisors zählen wir damit zu den günstigen Anbietern. Hinzu kommt, dass wir unseren Kunden ein sehr umfangreiches Investment-Cockpit kostenlos zur Verfügung stellen, wo sie zusätzliche Anlageklassen einpflegen und so einen Gesamtüberblick über Ihr Vermögen erhalten können.

Wie sehen Ihre Anlagestrategie und das Risikomanagement aus?

Wir haben bereits sehr große Erfahrung mit der Vermögensanlage. Was beim Risikomanagement in der Praxis funktioniert und was nicht, haben wir selbst erlebt. Der erste und wichtigste Schritt beginnt daher bei uns bereits mit der sorgfältigen Portfoliokonstruktion: Für jede Marktphase existieren Anlageklassen, die in diesem Moment besonders gut abschneiden und welche, die sich dann nicht gut entwickeln. Wir stellen die Portfolios so zusammen, dass für jede Marktphase die Risiken und Chancen ausgeglichen verteilt sind. Das ermöglicht uns, gut durch Krisen zu kommen, ohne hektisch hin und her handeln zu müssen.

Im Ergebnis hat diese Strategie langfristig aktienähnliche Renditen erzielt, aber nur mit einem Drittel des Risikos. Gerade hochfrequentes Kaufen und Verkaufen aufgrund risikogesteuerter Ansätze wie des Value-at-Risk verliert in Krisen meist überproportional. Wir haben unseren Ansatz auch deswegen beibehalten, weil er wieder einmal das gehalten hat, was er verspricht.

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Anbietern für Robo Advisory, B2B sowie B2C. Wie differenziert sich Kapilendo, d.h. was genau ist Ihr USP?

Die Vermögensverwaltung bei Kapilendo unterscheidet sich in vier wesentlichen Dingen von anderen Anbietern:

1) Eine besonders robuste Anlagestrategie, wie der aktuelle Robo-Echtgeldtest beweist.
2) Eine nachhaltige Geldanlage ist wahlweise möglich
3) Transparente Lösungen, die optimal nach den Anlagezielen Vermögenserhalt und Vermögensaufbau ausgerichtet sind
4) Bei Bedarf ein persönlicher Kontakt und umfassende digitale Services

 

Welche (Marketing-) Strategie nutzen Sie, um neue Kunden zu gewinnen? Welche Rolle spielen Partnerschaften?

Mit den vielfältigen Angeboten innerhalb der Kapilendo-Gruppe, die weit über das Wertpapierportfolio hinausgegen, nutzen wir bereits unterschiedliche Kanäle und Partnerschaften für die Kundenansprache. Besonders Anbieter, mit denen wir ein gemeinsames Verständnis hinsichtlich Qualität und Innovation haben oder man sich gegenseitig gut ergänzen kann, stehen im Fokus unserer Partnerschaft.

In welchem Geschäftsfeld sehen Sie das größte Wachstumspotenzial? Auf welche Bereiche möchten Sie sich entsprechend in Zukunft fokussieren bzw. um welche Bereiche möchten Sie Ihr Geschäft ggf. erweitern?

Wir sehen besonders zwei Entwicklungen in der Zukunft: Zum einen verlangen Kunden heute einen gesamtheitlichen Betreuungsansatz, der über die ETF-Anlage hinausgeht. Vermögensanlage muss keine reine Fondsanlage sein. Mit privaten Krediten, digitalen Wertpapieren und Beteiligungen sind heute schon sinnvolle Ergänzungen auch mit kleinen Beträgen möglich.

Zum anderen gewinnt die Liquiditätsanlage für Unternehmen und Privatpersonen aufgrund der Strafzinsen und des Risikos einer Bankinsolvenz immer mehr an Bedeutung. Hier haben wir kapitalmarktbezogene Anlagelösungen entwickelt, die wir in unserem 360°-Finanzcockpit für Unternehmen digital eingebunden haben.

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Nun zu den Herausforderungen in der Corona-Krise…

Wie hat sich die Corona-Krise bisher auf Ihr Geschäft ausgewirkt? Was sind aktuell die größten Herausforderungen für Sie?

Die Corona-Krise hat zu einer großen Verunsicherung bei vielen Kunden geführt. Eine Herausforderung war, mit möglichst vielen Kunden persönliche Gespräche zu führen und mögliche Auswirkungen auf ihr Depot sowie sinnvolle nächste Schritte zu besprechen. Auch wenn es sehr intensive Wochen waren, haben diese Gespräche doch viel Positives gebracht.

Wie hat sich die Corona-Krise auf die Rendite Ihrer Kunden ausgewirkt? Wie sehen Sie sich damit im Vergleich zu Ihren Wettbewerbern?

Auch unsere Strategien haben in dieser einzigartigen Krise Verluste verzeichnen müssen. Allerdings hielten sich diese im Vergleich zu den herben Verlusten an den Börsen und auch zu unseren Wettbewerbern stark in Grenzen. Platz 1 im aktuellen Echtgeldtest belegt dies. Wir sind der einzige Robo Advisor, der nach Kosten die Benchmark schlagen konnte. Über den Zeitraum von einem Jahr gesehen, liegen unsere Kunden im Plus.

Welche mittel- bis langfristigen Risiken erwarten Sie durch die Corona-Pandemie für sich und den Robo Advisory Markt allgemein?

Wir beobachten mit Sorge, dass viele Mitwettbewerber in der Krise enttäuscht haben. Das wirft möglicherweise ein schlechtes Licht auf die Branche. Dabei ist es mehr denn je wichtig, dass Sparer vom unverzinsten Tagesgeld wegkommen und beginnen, sich mit kostengünstigen und komfortablen Anlagelösungen zu beschäftigen.

Welche Chancen könnten durch die Krise entstehen?

Zum einen glaube ich, dass es eine Bereinigung von Robo-Anbietern geben wird, bei der sich Qualität und Stabilität durchsetzen werden. Zum anderen werden Kunden von z. B. Banken und Beratern merken, wie wichtig es in der heutigen Zeit ist, auf die Kosten bei der Geldanlage zu achten.

Eine letzte Frage haben wir noch für Sie…

Was wollten Sie in einem Interview schon immer einmal sagen, wurden es aber nie gefragt?

Mein wichtigster Rat beim Thema Finanzen an mich selbst: Niemals alles auf eine Karte setzen und nicht versuchen, für den ersten Schritt den optimalen Zeitpunkt abzuwarten … denn den erkennen wir immer erst, wenn er hinter uns liegt.

Herzlichen Dank für das Interview!

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