FinCompare als digitale Plattform für KMU-Kredite und Finanzierungslösungen Interview mit Stephan Heller, Gründer und Geschäftsführer von FinCompare

FinCompare ist der führende Anbieter digitaler Plattformen für KMU-Kredite und Finanzierungslösungen, die Banken, KMU und Berater auf einer einzigartigen Plattform zusammenführen. Das 2016 gegründete Unternehmen möchte Open Banking als neuen Standard für die KMU-Kreditbranche etablieren. Mit der FinCompare-Plattform können Banken ihren KMU-Kunden maßgeschneiderte eigene Firmenkredite oder Alternativen von Drittanbietern anbieten.

 


Hallo Stephan, ich freue mich sehr über das gemeinsame Interview. FinCompare besteht mittlerweile seit 2017 am Markt. Bitte stell uns einmal euer Geschäftsmodell übergreifend vor.

FinCompare ist als unabhängiger Marktplatz für KMU-Finanzierung gestartet. Wir bieten KMU und Selbstständigen die Möglichkeit, auf unserer Plattform verschiedene Finanzierungsformen zu finden, zu vergleichen und abzuschließen. Wir kombinieren dabei Technologie und kompetente Beratung: Unser Finanzierungsberaterteam steht zu jedem Zeitpunkt parat, um den Kunden bis zum Abschluss der für ihn passenden Finanzierungsvariante zu begleiten. Mittlerweile nutzen aber nicht nur wir selbst unsere Plattform – wir wachsen stark über unsere B2B-Kunden. Zum Beispiel richten wir uns mit der FinCompare-Plattform auch an freie Finanzberater, Makler etc. Zwischenzeitlich nutzen uns sogar Banken als White-Label-Lösung für ihre Geschäfts- und Firmenkunden.

Skizziere einmal, wie eine klassische Finanzierungsberatung bei FinCompare bis zum Abschluss der Finanzierung mit einem Firmenkunden abläuft.

Unsere eigenen Kunden kommen im Normalfall durch Internetrecherche auf unsere Plattform. Dort finden sie verschiedene Möglichkeiten zur Finanzierung, zum Beispiel Firmenkredit, Firmenleasing, Factoring oder Einkaufsfinanzierung. Anschließend ermittelt unsere Engine auf Basis von einigen allgemeinen Fragen zum Finanzierungszweck und zum Unternehmen passende Finanzierer. Daraufhin meldet sich einer unserer persönlichen Finanzberater mit einer ersten Finanzierungseinschätzung und bespricht den Finanzierungsbedarf mit dem Unternehmer.

Danach begleiten unsere Berater den Unternehmer im weiteren Prozess (z. B. beim Hochladen weiterer notwendiger Dokumente wie BWA und Jahresabschluss) bis zum erfolgreichen Abschluss. Wenn alle relevanten Dokumente griffbereit vorliegen, kann die Finanzierungsanfrage taggleich abgeschlossen werden, und der Kunde erhält innerhalb weniger Tage seinen Finanzierungsbetrag ausgezahlt.

Wichtig ist für uns zu erfahren, wofür der Unternehmer Liquidität braucht. Wir haben für jede Situation die passgenaue Finanzierungsvariante. Dabei ist nicht immer der klassische Bankkredit die beste Option, obwohl dieser anfangs am häufigsten angefragt wird.

Nach welchen Kriterien wählt ihr eure Finanzierungspartner aus? Was sind dabei die entscheidenden Faktoren?

Für uns ist es wichtig, den Markt an Finanzierungslösungen möglichst breit abzudecken. Unternehmer, die zu uns auf die Plattform kommen, erwarten einen unabhängigen und möglichst vollständigen, deutschlandweiten Vergleich von seriösen und erfahrenen Finanzierern. Viele KMU, die zu uns kommen, suchen aber auch gezielt nach neuen Lösungen, wie sie beispielsweise FinTechs bieten.

Genau nach diesen Kundenwünschen suchen wir die Finanzierungspartner passend aus: Wir wollen auf FinCompare.de ein möglichst breites Spektrum von Anbietern haben, die bereits etabliert am Markt sind oder innovative Finanzierungslösungen bieten. Selbstverständlich sind auch die Konditionen ein wichtiger Faktor. Uns geht es ja auch immer darum, dem Firmenkunden eine Alternative zur Hausbank aufzuzeigen.


 

An FinCompare sind unter anderem der Venture Capital Fund des niederländischen Finanzkonzerns ING, die österreichische UNIQA Group und der Wagniskapitalgeber Speedinvest beteiligt. Inwieweit unterstützen euch diese Partner bei der weiteren Entwicklung?

Wir sind sehr glücklich über unsere Investoren. Die ING hat mit der Interhyp Gruppe den digitalen Pionier in der Baufinanzierungsvermittlung im Portfolio. Von diesen Erfahrungen lernen wir sehr viel und können auch Synergien heben. Damit werden wir noch große Wachstumspotenziale realisieren.

UNIQA ist der größte Versicherungskonzern in Österreich und als Vorreiter der Digitalisierung im Versicherungsbereich bekannt.

Speedinvest ist einer der besten und bekanntesten Frühphasenfinanzierer am Markt und Partner der ersten Stunde von uns. Wir profitieren ungemein von dieser Investorenkonstellation. Es ist „smart money“, also Kapital und Know-how, im besten Sinne des Begriffs.

Mit Blick auf die Corona-Pandemie: Welchen Einfluss hat aus deiner Sicht die Pandemie auf die Kreditvergabe und an welchen Stellen unterstützt FinCompare hierbei Firmenkunden?

COVID-19 ist vor allem mit Blick auf den Lockdown im März beziehungsweise April 2020 mit einer solchen Wucht auf den Mittelstand eingestürzt, dass von einem Tag auf den anderen über alle Branchen hinweg das Geschäft und damit die Einnahmen weggebrochen sind. Die Folge war ein unglaublicher Finanzierungsbedarf über alle Unternehmensgrößen.

Die Bundesregierung hat erfreulicherweise schnell gehandelt und umfangreiche Hilfen bereitgestellt. Nur etwa ein Prozent der Unternehmer hat beispielsweise einen KfW-Kredit beantragt, obwohl laut unseren Umfragen sieben von zehn Liquiditätsbedarf infolge der Krise haben. Der Flaschenhals ist hier das Hausbankprinzip: Jeder KfW-Kredit muss über die Hausbank beantragt werden. Uns erreichen tagtäglich unglaublich viele Anrufe von Unternehmern, die völlig verzweifelt sind, weil sie im Stich gelassen wurden.

Das betrifft natürlich auch viele Unternehmen, die wirtschaftlich an sich völlig gesund sind. Wir helfen hier, wo wir können, und haben sehr vielen dieser Unternehmen erfolgreich Finanzierungen bzw. Banken für die Beantragung von KfW-Krediten vermitteln können. Aber die Bundesregierung sollte FinTechs, die die Technologielösungen als Hebel für die schnelle Verteilung anbieten, viel besser einbinden. In anderen Ländern ist dies längst Standard.

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Euer Softwaretool wird zwischenzeitlich auch als White-Label-Lösung an Geschäftsbanken lizenziert. Welche Kernfunktionalitäten nutzen die Geschäftsbanken hier insbesondere?

Die Vorteile für Banken liegen in der digitalen FinCompare-Plattform und dem ganzheitlichen Konzept, das klar die Einbindung von bankeigenen Finanzierungsexperten miteinbezieht. Diese können persönlich mit ihren Geschäfts- und Firmenkunden über die FinCompare-Plattform jegliches Finanzierungsvorhaben realisieren.

Über die Plattform werden Unterlagen eingesammelt, dort findet die gesamte Kunden- und Beraterkommunikation statt, und es ist auch der Ort, wo die Kreditverträge geschlossen werden. Das ganze System funktioniert wie eine digitale Kundenakte über die – mithilfe von Technologie – ein dynamischer Finanzierungsmix vorgeschlagen wird.

Durch das breite Angebot an gewerblichen Finanzierungslösungen der Bank selbst bzw. über den Marktplatz durch Drittanbieter kommt auf diese Weise das Beste aus analoger und digitaler Welt zusammen. Die angeschlossenen Banken profitieren von einer hohen Realisierung für ihre Kunden, schnellen Prozessen und von einer großen Kundenzufriedenheit. FinCompare stellt dafür im Hintergrund die technologische Plattform bereit.

Welchen Einfluss hat aus deiner Sicht die fortschreitende Digitalisierung auf die Geschäftsmodelle traditioneller Banken im Bereich der Kreditvergabe? Welche Technologien spielen hierbei deiner Meinung nach eine entscheidende Rolle?

Die Banken stehen vor dem Problem, großflächig Kosten senken und gleichzeitig massiv in Digitalisierung investieren zu müssen. Zugleich gibt es viele neue Anbieter wie die Neo-Banken, die ihre Kunden über das Smartphone bedienen. Da sehe ich einige traditionelle Geschäftsmodelle der Banken erodieren.

Der einzige Grund, warum ich künftig überhaupt noch Banken brauche, ist meiner Ansicht nach die persönliche Beratung. Das heißt, den breiten Kundenzugang, den Banken immer noch haben, sollten sie nutzen für kundenzentrierte Angebote. Dazu ist gerade auf Firmenkundenebene die Kompetenz in der Beratung von größter Bedeutung. Diese muss ausgebaut und durch Technologie ergänzt sowie skaliert werden.

Aktuell ist der Trend, dass sich die Zahl der Filialen dramatisch reduzieren wird und Firmenkundenberater zentral zusammengelegt werden. Unternehmen, egal ob groß oder klein, wollen aber weiterhin einen persönlichen Ansprechpartner und kein anonymes Callcenter. Dieser Ansprechpartner sollte dann auch wirklich kompetent sein und Kunden maßgeschneiderte Finanzierungslösungen anbieten können. Hier spielen Technologien wie unser Tool natürlich eine entscheidende Rolle.

Eine abschließende Frage: Was sind mittel- bis langfristig die nächsten Meilensteine von FinCompare?

Wir wollen die zentrale Anlaufstelle für KMU und Selbstständige in allen Fragen der Unternehmensfinanzierung werden. Für Partner wie Banken wollen wir der Technologiepartner in Bezug auf die Digitalisierung im Firmenkundengeschäft sein. Für freie Makler und Finanzierungsberater soll FinCompare die bevorzugte digitale Plattform für die dauerhafte und skalierbare Kundenbeziehung, die Erweiterung des Angebotsportfolios sowie das Operating System im Tagesgeschäft werden.

 

Ich bedanke mich sehr für das gemeinsame Interview und wünsche dir und FinCompare weiterhin viel Erfolg!

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Autor Marcel Kolbecher / BankingHub

Marcel Kolbecher

Manager Office Berlin

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