Thema

Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch (IRRBB)

Zinsänderungsrisiko

Durch unterschiedliche Zinsbindungen der dem Anlagebuch zuzuordnenden Aktiv- und Passivgeschäfte besteht für Kreditinstitute ein Risiko gegenüber der Veränderung von Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt. Dieses Risiko bezeichnet man als Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch oder auf Englisch: Interest Rate Risk in the Banking Book (IRRBB). Die Höhe des Zinsänderungsrisikos wird dabei wesentlich durch das Ausmaß der eingegangen Fristentransformation zwischen den Zinsbindungsfristen der Aktiv- und Passivseite beeinflusst. Dies betrifft insbesondere das Retail-Geschäft mit langlaufenden Kundenkrediten auf der Aktivseite, welche mit variabel verzinslichen Einlagen der Passivseite refinanziert werden.

Das Zinsänderungsrisiko im Bankbuch lässt sich barwertig und periodisch messen und steuern. In der barwertigen Perspektive wird das Risiko als ökonomische Wertveränderung des Gesamtbankbuch-Cashflows bei einer Veränderung der Zinsstrukturkurve quantifiziert. Der Fokus liegt somit auf dem Einfluss der Veränderung des Zinsniveaus auf den Barwert der aktivischen und passivischen Geschäfte eines Instituts. So mindert z. B eine Erhöhung der Zinsen aus heutiger Sicht den Wert des Cashflows eines Aktivgeschäfts (oder des Gesamtbankbuch-Cashflows mit Aktivüberhang in langen Laufzeiten). In der periodischen Perspektive hingegen wird die unmittelbare Auswirkung einer Zinsänderung auf den Zinsüberschuss und somit auf die GuV eines Kreditinstituts quantifiziert. Institute sollten in der Lage sein, sowohl das barwertige als auch das periodische Zinsänderungsrisiko in einer Vielzahl unterschiedlicher Zinsszenarien zu messen, um die Risikotragfähigkeit sicherzustellen und Impulse für die Steuerung ableiten zu können.

Aufgrund der hohen Relevanz des Zinsänderungsrisikos im Bankbuch – insbesondere im Kontext einer lang andauernden Niedrigzinsphase – gibt es seitens der internationalen und nationalen Aufsichtsbehörden eine Vielzahl von regulatorischen Anforderungen für die Messung und Steuerung von Zinsänderungsrisiken. So wurden von der European Banking Authority (EBA) in 2015 Leitlinien (EBA/GL/2015/08) und vom Basler Komitee für Bankenaufsicht (BCBS) in 2016 Standards (BCBS #368) für die Risikomessung und-steuerung dieser Risikoart in der Säule 2 veröffentlicht. Elemente beider Regularien finden sich auch im neuen CRD-V-Entwurf der europäischen Kommission wieder und werden somit bei Verabschiedung unmittelbar für alle Institute der EU gültig. Darüber hinaus gibt es auch seitens der deutschen Aufsichtsbehörden Regularien mit direktem Bezug zum Zinsänderungsrisiko, wie z. B. die MaRisk oder das Rundschreiben 11/2011 (BA) zum Standardzinsschock. Die weniger bedeutenden Institute (Less Signifcant Institutions, LSIs), welche in Deutschland von der BaFin beaufsichtigt werden, müssen im Rahmen des aufsichtsrechtlichen Prüfungs- und Überwachungsprozesses (LSI-SREP) bzw. durch Verabschiedung der Allgemeinverfügung für das Zinsänderungsrisiko seit 2016 zudem Teile des eingegangenen Risikos direkt mit Eigenkapital in Säule 1 unterlegen.

Auch für die kommenden Jahre ist mit einer Reihe neuer regulatorischer Anforderungen zu rechnen. Der Fokus der nationalen und internationalen Aufsichtsbehörden wird jedoch vermutlich verstärkt auf der Harmonisierung und Spezifizierung der aktuell bereits veröffentlichten bzw. sich in Konsultation befindlichen verschiedenen Regularien liegen.

 

Quellen: BaFin, Bundesbank, BCBS, EBA, zeb.research.

Artikel zum Thema

Mit BankingHub immer auf dem Laufenden!

Einfach E-Mail-Adresse eingeben, und Sie erhalten alle 2 Wochen die neuesten Analysen und Berichte unserer Banking-Experten – direkt in Ihr Postfach. Ich weiß, dass ich den Newsletter jederzeit wieder kündigen kann.