Thema

Aufsichtlicher Überprüfungs- und Bewertungsprozess für LSIs (LSI-SREP)

Zinsänderungsrisiko

Der aufsichtliche Überprüfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process, SREP) der deutschen Aufsichtsbehörden für die unter nationale Aufsicht fallenden weniger bedeutenden Institute (Less Signifcant Institutions, LSIs) orientiert sich an den in Ende 2014 veröffentlichten EBA-SREP-Guidelines (EBA/GL/2014/13). Basierend auf Artikel 104 (2) CRR bzw. § 10 Abs. 3, Satz 1 und 2 Nr. 1 KWG werden für die Institute durch die BaFin seit Mitte 2016 Kapitalzuschläge für Risiken festgelegt, die nicht explizit durch die CRR-Eigenkapitalanforderungen (Säule 1) abgedeckt sind. Man spricht in diesem Kontext deswegen auch von einem „Säule-1-Plus-Ansatz“.

Die Methodik der deutschen Aufsicht zur Kapitalfestsetzung beruht auf insgesamt drei Säulen: einem Kapitalzuschlag für das Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch (zwischen 0 und 3,50 %), einem für weitere wesentliche Risiken (zwischen 0 und 6,00 %) sowie einer Eigenmittelzielkennziffer als zusätzlicher Stresspuffer (zwischen 0 und 7,50 %). Grundsätzlich basiert die Ermittlung aller drei genannten Säulen auf einem Bucket-Ansatz, der quantitative und qualitative Komponenten miteinander verbindet und zu einem Kapitalzuschlag bzw. Stresspuffer verdichtet. Dieser hängt somit von der absoluten Höhe des Risikos ab und kann durch die Qualität des Risikomanagements/-controllings der Institute beeinflusst werden.

Die Zusammensetzung der beiden genannten Kapitalzuschläge muss zur Einhaltung den Vorgaben des Art. 92 Abs. 1 CRR genügen (mindestens 75 % Kern- und maximal 25 % Ergänzungskapital). Die Eigenmittelzielkennziffer kann hingegen mit dem Kapitalerhaltungspuffer verrechnet werden. Der den Kapitalerhaltungspuffer übersteigende Anteil kann dann neben Kapitalbestandteilen gemäß Art. 92 Abs. 1 CRR auch mit Vorsorgereserven gemäß § 340 f. HGB abgedeckt werden.

Die BaFin beabsichtigt alle LSIs in Deutschland bis Ende 2018 mit einer entsprechenden SREP-Festsetzung zu versehen. Für LSIs, die noch keinen SREP-Kapitalzuschlag erhalten haben, gilt seit Ende 2016 die Allgemeinverfügung für das Zinsänderungsrisiko. Diese legt auf Basis einer dem LSI-SREP ähnlichen Methodik einen Kapitalzuschlag für das Zinsänderungsrisiko fest, den die Institute so lange erfüllen müssen, bis sie eine SREP-Kapitalfestsetzung durch die BaFin erhalten haben.

 

Quellen: BaFin, Bundesbank, EBA, zeb.research.

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