Voxo – Analyse von Sprachkommunikationsinhalten Interview mit Iman Pouya, Gründer von Voxo

Wir haben mit Iman Pouya, Gründer und Software Ingenieur bei Voxo, über das Start-up gesprochen. Fokus hierbei war das Geschäftsmodell hinter der Sprachanalyse-Plattform, wo der Mehrwert für die Kunden und Anwender liegt und was die nächsten Schritte für das Unternehmen sind.

Welchen beruflichen und akademischen Hintergrund hast du als Gründer und woher stammt die Idee für das Unternehmen?

Das Unternehmen hat derzeit zwei aktive Gründer.

Ich selbst verfüge über einen 12-jährigen Computer-Engineering-Hintergrund sowohl aus der Industrie als auch im Rahmen meiner Promotion aus der akademischen Welt. Das war eine spannende Zeit, zumal mein Professor mir sehr viel kreativen Freiraum ließ. Ich konnte mir viel Wissen über High Performance- und Distributed Computing sowie den großflächigen Einsatz von maschinellen Lernmethoden aneignen. Leider musste die Promotion in der Endphase auf Eis gelegt werden, da Voxo meine volle Aufmerksamkeit beanspruchte.

Omid, der die Position des einstweiligen COOs innehat, verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in den Bereichen Marketing und Geschäftsentwicklung. Vor der Gründung von Voxo arbeitete er in einem Industriekonzern, wo er den Börsengang von vier Technologieunternehmen des Konzerns leitete.

Vor Kurzem haben wir Johan Wadenholt zum neuen CEO von Voxo ernannt. Wir konnten ihn von CGI abwerben, wo er als Leiter des Finanzdienstleistungsbereichs tätig war. Johan hat Computer Engineering und Industriemanagement an der KTH in Stockholm studiert und bereits Erfahrungen in einem anderen Technologie-Startup mit dem Schwerpunkt neue Streaming-Technologien gesammelt.

Wie würdest du Voxo in ein paar Sätzen beschreiben? Worin unterscheiden Sie sich von anderen Startup-Unternehmen? Was ist Ihr USP?

Der Service von Voxo erschließt unseren Kunden eine völlig neue Datenquelle. Mit Voxo können sie nun ihre Gespräche analysieren, sich einen Überblick über Gesprächsinhalte verschaffen und Erkenntnisse über die Kundenzufriedenheit gewinnen. Da wir jeden einzelnen Anruf analysieren, lässt sich die Voxo-Plattform als Werkzeug für einen Berater oder Kundendienstleiter ebenso wie für Manager einsetzen, die Informationen aus tausenden Anrufen erhalten möchten.

Warum habt ihr euch für die Analyse von Sprachkommunikationsinhalten entschieden? Woher wisst ihr, ob darin Marktpotenzial (Zahlen, Daten und Fakten) steckt?

Unsere Methodik ist stark kundenorientiert, und das Problem, das Voxo löst, entsteht bei Finanzberatern, die den Spagat zwischen Effizienz und Compliance meistern müssen.

Während unserer Zusammenarbeit mit Nordea und BNP Paribas haben wir verschiedene Lösungen getestet und die Ideen in Zusammenarbeit mit den Endanwendern validiert. Dabei haben wir das wirtschaftliche Potenzial in einer Weise verstanden, die sich uns durch eine einfache Analyse von Berichten und Trends nicht erschlossen hätte. Wir erkannten schnell den Mehrwert für die Endnutzer und validierten auch die Skalierbarkeit, da die Anzahl der Telefongespräche und Meetings in Millionenhöhe lag.

Die Einführung unserer Lösung kam genau zur richtigen Zeit: Die Branche begann bereits, sich nach sprachbasierten Lösungen umzusehen, die wir mit unserem starken technischen Know-how in diesem Bereich umsetzen konnten.

Auch heute noch hören wir unseren Kunden aufmerksam zu, damit wir ihnen weiterhin neue Lösungen für ihre Probleme anbieten können.

Was ist aus Kundensicht der Mehrwert eures Produkts? Wen habt ihr als Kunden überzeugt oder gewonnen?

Finanzberater können Voxo in ihren Kundenterminen nutzen und ersparen sich dadurch das Erstellen von Notizen. Dies verringert den Verwaltungsaufwand und erhöht gleichzeitig die Compliance.

Callcenter können sich mit dem System einen Überblick über den Inhalt der Gespräche und die Kundenwünsche sowie über Nennungen von Wettbewerbern verschaffen.

Neben Nordea und BNP Paribas arbeiten wir mit mittelständischen Banken in Skandinavien sowie mit Kunden aus anderen Branchen zusammen und planen nun eine Ausweitung unserer Geschäftstätigkeit auf Deutschland, Großbritannien, Spanien und Russland.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus? Was, wann und wie oft bezahlen eure Kunden für die von euch angebotenen Services?

Derzeit bietet Voxo drei Lösungen für seine Kunden an: Voxo Advisory, Voxo Meetings und Voxo Brain. Darüber hinaus entwickelt Voxo auch einen Konversations-Chatbot (Voxo VICE).

Unsere Geschäftsmodelle unterscheiden sich je nach Lösung. Voxo Meetings und Voxo Advisory werden beispielsweise monatlich je Benutzer abgerechnet, während die Abrechnung von Brain auf Minutenbasis erfolgt. Es ist oft schwierig, aber sehr wichtig, das beste Modell für jeden Service zu finden. Die Wahl des richtigen Modells minimiert sowohl unsere Kosten und Risiken, ermöglicht es aber auch dem Kunden, sein Geschäftsvolumen gemeinsam mit uns effizient zu skalieren.

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Verfügt ihr aktuell über namhafte Investoren? Wie finanziert ihr das Unternehmen?

Im März 2018 haben wir eine Finanzierungsrunde mit NFT Ventures über 600.000 Euro abgeschlossen, die unseren Geschäftsbetrieb kurzfristig sichert und gleichzeitig vorantreibt. Wir erweitern kontinuierlich unseren Kundenstamm und sorgen auch für eine gesunde Preisgestaltung bei den (Pilot-) Projekten, die wir mit unseren Partnern durchführen.

Welche Technologie verwendet ihr, um euer Produkt- bzw. Serviceangebot umzusetzen? Setzt ihr eigene Softwarelösungen ein oder kombiniert ihr verschiedene proprietäre Systeme (AWS, KI-Bibliotheken, Plattformen)?

Für die Infrastruktur und die generische Web- oder Mobile-Entwicklung nutzen wir standardisierte Technologien wie AWS, JAVA, Python, CUDA und viele unterschiedliche Open-Source-Bibliotheken.

Für den Kernbereich der Plattform, die Audio- und Textanalyse, verwenden wir überwiegend selbst entwickelte Technologien oder haben mit einer Open-Source-Bibliothek angefangen, die wir dann vollständig neu programmiert haben. Viele der bereits existierenden Open-Source-Tools eignen sich sehr gut für einige der größeren Sprachen bei einem kleinen Datensatz. Unsere eigene Plattform hingegen ist für die Verarbeitung einer großen Menge an Audiodaten in vielen verschiedenen Sprachen optimiert.

Wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Woher bezieht ihr Daten für die Entwicklung eurer Software? Und wie gewährleistet ihr die Sicherheit der Daten eurer Kunden?

Voxo schenkt dem Thema Datenschutz besondere Bedeutung und behandelt es mit großem Respekt. Wir haben auch schon vor der DSGVO mit mehreren Banken zusammengearbeitet, wodurch wir gelernt haben, wie man robuste Prozesse zur Gewährleistung der Datenintegrität einrichtet. Wir bieten unseren Kunden auch die Möglichkeit einer lokalen Installation an, wodurch sie alle Informationen innerhalb ihrer eigenen Rechenzentren und Firewalls speichern können. Darüber hinaus haben wir eine eigene Anonymisierungs-Engine entwickelt, die es unseren Kunden ermöglicht, Daten bei Bedarf in Echtzeit zu anonymisieren. Wir verfügen über viele Datenquellen, um unsere Modelle zu schulen. Die Aufrechterhaltung dieser Vielfalt erfordert oft Kreativität und ein Denken über den Tellerrand hinaus.

Relevante Daten in einer ausreichenden Menge zu finden, ist eine sehr arbeitsintensive, aber unerlässliche Voraussetzung, um punktgenaue Modelle mit hoher Treffsicherheit zu erstellen.

Welche weiteren Schritte sind geplant? Wie sehen eure Pläne in Bezug auf Märkte, Kundengruppen, Branchen, Veranstaltungen und Inkubatoren aus? Wie wollt ihr euch intern weiterentwickeln, in Bezug auf Standorte, Team und Kompetenzen?

Wir werden uns weiterhin auf Finanzdienstleistungen konzentrieren, da dieses Segment eine Vorreiterrolle bei Investitionen in KI-Systeme einnimmt. Seit unserer ersten Zusammenarbeit mit Nordea können wir bestätigen, dass die Finanzdienstleistungsbranche einen enormen Bedarf an neuen Technologien wie KI, Prozessautomatisierung und maschinelles Lernen hat. Wir haben darüber hinaus aber auch festgestellt, dass andere Branchen und Märkte bei diesem Thema aufgeholt haben, und wir konnten bereits einige Kunden außerhalb des Finanzdienstleistungsbereichs gewinnen. Nach unserem Start in Schweden erhielten wir schnell Anfragen aus ganz Europa. Im Rahmen unserer Strategie werden wir uns auch auf Spanien konzentrieren, da wir dort einen Bedarf an unseren Services festgestellt haben. Wir werden auch weiterhin von unserem Stockholmer Büro aus unsere Produkte auf dem internationalen Markt verkaufen.

Derzeit verfügen wir über ein Kernteam mit starker technischer und kaufmännischer Umsetzungskompetenz. In der jetzigen Phase gibt es viele hybride Rollen in unserem Unternehmen. Im Zuge unseres Wachstums wird sich die Organisation hin zu spezifischen Rollen entwickeln, was eine spannende Herausforderung und eine wichtige Veränderung innerhalb des Unternehmens darstellen wird.

Wo seht ihr euch selbst und eure Technologie in 5 Jahren?

KI und maschinelles Lernen beginnen gerade erst, die meisten der heutigen Branchen zu durchdringen, und ermöglichen immer effizientere Prozesse und Lösungen. Unsere Vision ist, dass Voxo als Spitzenreiter in dieser Technologie die erste Wahl für Unternehmen sein wird, wenn es um die Auswahl eines Anbieters für Lösungen auf Basis von KI und maschinellem Lernen geht.

Weitere Informationen zu Voxo finden Sie auf dem Fintech Hub by zeb.

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Autor Matthias Dörge / BankingHub

Matthias Dörge

Manager Office Frankfurt
Autor Eric Wothe / BankingHub

Eric Wothe

Manager Office Berlin

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