Embedded Finance: Wie können Banken davon profitieren?

Embedded Finance bezeichnet Finanzprodukte und Finanzdienstleistungen, die Unternehmen außerhalb der traditionellen Bankenbranche direkt oder als Teil ihrer Produkte oder Services anbieten. Zuvor haben sich Banken darauf verlassen, ihre Produkte und Dienstleistungen direkt an ihre Kunden zu verkaufen. Wenn Verbraucher/-innen einen Kredit aufnehmen oder eine Überweisung tätigen wollten, dann gingen sie zu ihrer Bank. Durch technische Fortschritte und gestiegene Erwartungen der Verbraucher/-innen wird das „Monopol“ der Banken mit neuen Embedded-Finance-Modellen jetzt auf die Probe gestellt.

Dieser Artikel beleuchtet den Begriff Embedded Finance und zeigt auf, was der Trend für Banken bedeutet und wie Banken davon profitieren können.

Warum Embedded Finance?

Immobilienmakler, Reisebüros, Baufirmen, Einzelhändler und Energieversorger sind nur einige Beispiele, die von der Integration von Finanzdienstleistungen – wie flexiblen Zahlungsoptionen oder einem Kreditangebot – direkt in ihr Angebot profitieren können. Da Unternehmen aller Branchen mit einem harten Wettbewerb und knappen Margen konfrontiert sind, suchen sie nach neuen Wegen, um Kunden zu gewinnen und zu binden.

Das Integrieren von Finanzdienstleistungen ermöglicht es ihnen, attraktivere, bequemere und maßgeschneiderte Dienstleistungen anzubieten. Außerdem eröffnen sich dadurch völlig neue Einnahmequellen und Möglichkeiten für Up-Selling und Cross-Selling.

Hier ein einfaches Beispiel für Embedded Finance:

Angenommen eine Verbraucherin ist an einer Solaranlage für ihr Dach interessiert, kann aber den Betrag für die Installation nicht komplett auf einmal bezahlen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Sie kann entweder zu ihrer Bank gehen und einen Kredit anfragen, wobei sie auf die Bewilligung möglicherweise Tage oder gar Wochen warten muss.

Oder sie kann sich für eine flexible Zahlungsoption entscheiden, die entweder direkt vom Hersteller oder vom Energieversorger als Paket angeboten wird. Das erspart der Verbraucherin den zusätzlichen Aufwand mit ihrer Bank und ermöglicht es ihr, die Solarmodule sofort und direkt beim Verkäufer zu finanzieren.

Die integrierte Finanzierung bietet eine Win-win-Situation: Der Hersteller bzw. Anbieter profitiert von neuen Einnahmequellen und erhöhter Kundenbindung, und der Kunde kann sich seine Wünsche problemlos erfüllen.

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Was treibt den Trend an?

Die Entwicklung von Embedded Finance wird durch verschiedenste Dinge vorangetrieben:

Erstens haben Technologie und Regulierung dazu beigetragen, dass Embedded Finance von einer reinen Idee zur Realität geworden ist. Digitale Lösungen wie Cloud Computing und Programmierschnittstellen (APIs) ermöglichen es Unternehmen, Bankdienstleistungen nahtlos in ihre bestehende Infrastruktur zu integrieren. Dabei hilft die Einführung neuer Regulierungen und das Aufkommen von Open Banking branchenfremden Unternehmen, den Kunden innovative Zahlungs- und Bankdienstleistungen anzubieten.

Neben den technologischen Fortschritten wird der Wandel auch durch neue Erwartungen und die somit gestiegene Nachfrage der Verbraucher/-innen gefördert. Finanzdienstleistungen begegnen uns heute häufiger im Alltag, gleichzeitig gehen Verbraucher/-innen immer seltener zur Bank.

Darauf reagieren Banken bereits, indem sie die Anzahl ihrer Filialen reduzieren und ihr Angebot an digitalen Dienstleistungen erhöhen, aber es ist nach wie vor ein weiter Weg bis zur vollständigen Integration in unseren Alltag. Das Kundenerlebnis muss heute nahtlos sein. Denn Verbraucher/-innen gewöhnen sich zunehmend daran, dass Finanzdienstleistungen immer und überall verfügbar sind.

Ist Embedded Finance eine Bedrohung für Geldinstitute?

Angesichts der Möglichkeiten und der einfachen Implementierung für Anbieter außerhalb der Finanzindustrie könnte man meinen, dass Embedded Finance eine Bedrohung für etablierte Banken darstellt. Das ist jedoch nicht der Fall. Banken sind in einer hervorragenden Lage, um eine führende Rolle in der Entwicklung einzunehmen: Nur sie verfügen über das tiefe Branchen-Know-how, die Reichweite, die Glaubwürdigkeit, die kräftigen Bilanzen und den direkten Zugang zu kosteneffizientem Kapital.

Doch wie können etablierte Banken von Embedded Finance profitieren?

Hier ein Beispiel aus der Praxis: Eine Unternehmerin wickelt die Rechnungsstellung und Buchhaltung über eine Software ab und stellt dabei fest, dass sie einen vorübergehenden Überbrückungskredit benötigt, um ihre Mitarbeitenden zu bezahlen, während sie auf die Begleichung von Rechnungen wartet.

Wenn die von ihr genutzte Plattform eine integrierte Möglichkeit bieten würde, eine zusätzliche Finanzierung (abgesichert durch den Wert der fälligen Rechnungen) von einer vertrauenswürdigen Bank buchstäblich auf Knopfdruck zu erhalten, dann könnte diese Bank einer neuen Kundin einen überzeugenden Service anbieten.

Vereinfacht gesagt: Embedded Finance ermöglicht es Banken, ihre Finanzdienstleistungen über Plattformen von Drittanbietern anzubieten – wann und wo immer sie benötigt werden. Anstatt auf neue Kunden in der eigenen Filiale oder auf der eigenen Webseite zu warten, können sich Banken nun am Ort des Bedarfs als Partner einbinden, um so neue Kunden zu erreichen und zusätzliche Umsätze zu erzielen.

Wo liegen die Herausforderungen?

Banken müssen akzeptieren, dass sich ihre Branche und die Verbrauchererwartungen stetig weiterentwickeln. Unternehmen außerhalb der Finanzindustrie können nun mit ihnen konkurrieren, und so besteht bei traditionellen Banken dringender Handlungsbedarf. Sie können von Embedded Finance profitieren, aber nur, wenn sie bereit sind, sich anzupassen.

Dazu müssen sich traditionelle Banken jedoch zwei großen Herausforderungen stellen:

  1. Um gegenüber anderen Anbietern im Bereich Embedded Finance konkurrenzfähig zu sein, müssen traditionelle Banken ihre technologischen Altlasten loswerden. Das bedeutet, ihre Dienste müssen auf einem modernen Kernbanksystem laufen, das es Banken erlaubt, sich Partnern zu öffnen, um so Dienstleistungen über Dritte anzubieten und letztlich mehr Kunden zu erreichen. Gleichzeitig müssen alle Prozesse so weit wie möglich automatisiert sein, um die Kosten so gering wie möglich zu halten.
    Es ist nicht empfehlenswert, dass Banken dafür ihr komplettes Kernbanksystem auf einmal umstellen. Stattdessen können sie schrittweise auf ein neues System wechseln. Dazu wird zunächst z. B. nur das Kreditgeschäft auf ein modulares Kernbanksystem übertragen. Wenn dieser erste Schritt erfolgreich verläuft, können Banken nach und nach weitere Dienste auf das neue System überführen. So können sie schnell und nachhaltig erste Ergebnisse erzielen. Das alte System besteht dabei so lange weiter, bis irgendwann alles auf dem neuen System läuft, dann kann das alte endgültig abgeschaltet werden.
  2. Banken sollten ihre interne Struktur überarbeiten, damit sie in der Lage sind, ihre Kunden mit eben jenen maßgeschneiderten Angeboten zu bedienen, die sie erwarten. Bislang haben sich Banken auf ihre eigenen internen Bedürfnisse eingestellt und Abteilungen und Lösungen für breite Kundensegmente wie Verbraucher/-innen, kleine Unternehmen und Konzerne geschaffen. Diese Kategorisierungen sind allerdings zu weit gefasst, um jede Kundengruppe effektiv zu bedienen. Banken müssen nun eine viel kleinteiligere Strategie verfolgen und neue Geschäftsbereiche einrichten, die sich auf Teilsegmente konzentrieren. Es gibt keinen „durchschnittlichen Verbraucher“ oder ein „durchschnittliches Unternehmen“. Durch die Schaffung spezieller Geschäftsbereiche für bestimmte Kundengruppen (z. B. für Studierende, Kinder, Bauarbeiter/-innen oder Mitarbeitende im Gesundheitswesen) sind Banken besser in der Lage, die Bedürfnisse dieser Kundengruppen zu verstehen, und können dadurch detailliertere, relevante Daten erfassen. Gleichzeitig – und hier gibt es eine Überschneidung mit dem ersten Punkt – haben viele Banken Schwierigkeiten, die nötigen Erkenntnisse zu gewinnen, da ihre Analyseplattformen auf starren und veralteten Systemen und Prozessen aufbauen, die in Silos arbeiten. Nur durch das Aufbrechen dieser Strukturen werden Banken in der Lage sein, den erforderlichen Ansatz zu verfolgen.


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Fazit Embedded Finance

Embedded Finance beeinflusst die gesamte Finanzindustrie: Mit dem Markteintritt von branchenfremden Unternehmen und der sich wandelnden Rolle von etablierten Banken verändert sich das gesamte Ökosystem erheblich. Banken, die sich nicht auf Embedded Finance einlassen, riskieren ihren Wettbewerbsvorteil zu verlieren – denn Verbraucher/-innen erwarten auf ganz natürliche Weise einen nahtlosen Zugang zu Finanzdienstleistungen.

Zwar gibt es viele Dinge zu bedenken – und die Herausforderungen sind nicht einfach – doch am wichtigsten ist es loszulegen. Die Veränderungen in den nächsten 5 bis 15 Jahren werden in der Finanzindustrie zwar dramatisch sein, aber sie werden nicht über Nacht geschehen.

Sprechen Sie uns gerne an!

Vilve Vene / CEO und Mitgründerin von Modularbank / Autorin BankingHub

Vilve Vene

CEO und Mitgründerin Modularbank

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