OMR 2023 – berechtigter Hype oder FOMO?

Das Online-Marketing-Rockstars-Festival – kurz OMR-Festival –, das am 9. und 10. Mai 2023 zusammen mit der Finance-Forward-Konferenz auf dem Gelände der Hamburg Messe stattgefunden hat, sorgte in den letzten Tagen wieder für viel Social Media Buzz und lockte wie im Vorjahr die selbst gesetzte Kapazitätsgrenze von rund 70.000 Besucher:innen an. Auch wir von der BankingHub-Redaktion und von TABULARAZA by zeb ließen es uns nicht nehmen, bei dem zweitägigen Medienspektakel dabei zu sein.

Welche Highlights es aus unserer Sicht gab und ob die viel beachtete Konferenz neben prominenten Speaker:innen auch inhaltlich für uns punkten konnte, erfahrt ihr im Folgenden.

Hot-Topics des OMR-Festivals

Das OMR-Festival nennt sich nicht umsonst „Festival“. Gemessen an den 70.000 Besucher:innen zählt es zu den größten Branchenevents weltweit und bietet mit über 800 Speaker:innen auf sieben Bühnen, mehr als 240 Masterclasses, 100+ Side Events und einer auf mehrere Hallen ausgedehnten Expo mit rund 1.000 Ausstellenden ein vielfältiges zweitägiges Themenspektrum rund um digitale Trends, Marketing-Know-how, ergänzt um die Finance- und FinTech-Trends der Finance-Forward-Konferenz.

Der Festivalcharakter zeigte sich neben einer sehr bunten Mischung aus prominenten Speaker:innen wie Tennisikone Serena Williams, Fitnessinfluencerin und Gründerin von „Naturally Pam“ Pamela Reif, Scooter Braun, CEO und Mitglied des Vorstands von HYBE America sowie Gründer von SB Projects, Klimaaktivistin Luisa Neubauer und Christian Sewing, CEO der Deutschen Bank, auch in den Standpartys der Ausstellenden und den Livekonzerten von unter anderem Macklemore, K.I.Z, Badmómzjay und Fettes Brot, die das Tagesprogramm abrundeten.

KI – das zentrale Thema des Festivals

Das Hauptthema in diesem Jahr war – wenig überraschend – natürlich KI in allen ihren Produktvariationen, unter denen ChatGPT sowie dessen wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen von besonderer Relevanz waren. Unter anderem sprachen Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamts, und die Gründer der KI-Start-ups Aleph Alpha (Jonas Andrulis) und You.com (Richard Socher) über die Herausforderungen, die sich durch neue KI-Anwendungen wie ChatGPT ergeben.

OMR 2023: Gründer von You.com (Richard Socher) Abbildung 1: Richard Socher, Gründer von You.com

Das Ende der sozialen Medien? Oder ist das „Social“ in „Social Media“ tot?

Die Konferenz beschäftigte sich insbesondere auch mit dem schon länger anhaltenden Trend zu kurzen Videoformaten und der Herausforderung, mit der meist sehr kurzen Aufmerksamkeitsspanne der Zielgruppen umzugehen. Schließlich bleiben gerade einmal 0,4 Sekunden, um mit kurzen Videos die Aufmerksamkeit der Zuschauenden zu gewinnen, wie auch Roland Eisenbrand, Head of Content von OMR, und Philipp Westermeyer, OMR-Gründer, in ihrer Keynote „State of the German Internet“ zu Beginn des Festivals betonten.

Weiterer Tenor der diesbezüglichen Vorträge: Um das Interesse der Zielgruppe zu halten, verdrängen heute hochwertige, kurzweilige Videos mit Unterhaltungscharakter auf Instagram, TikTok – und zunehmend auch auf LinkedIn – häufig den früher zugrunde liegenden Dialog und „Social-Charakter“ von Social Media.

Thema Finance in vielen Bestandteilen des OMR-Festivals vertreten

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing im Gespräch mit OMR-Geschäftsführer Philipp Westermeyer Abbildung 2: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing im Gespräch mit OMR-Geschäftsführer Philipp Westermeyer

In der Hauptkonferenz zeigte sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing selbstkritisch und räumte im Gespräch mit OMR-Geschäftsführer Philipp Westermeyer und Moderator Kai Pflaume ein: „Wir haben den Stolz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verloren.“ Die Deutsche Bank habe in der Vergangenheit Fehler gemacht. Nun habe sie aber einen Transformationsprozess durchlaufen und besinne sich wieder auf ihre Stärken.

Dabei skizzierte Sewing auch einen Wachstumspfad für die deutsche und europäische Wirtschaft. Er glaubt, dass die Bewertungen für Start-ups langfristig niedriger bleiben werden: „Eine reine Marktbewertung wird es so schnell nicht mehr geben.“ Außerdem plädierte Sewing dafür, dass sich Gründer:innen auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und möglichst schnell profitabel werden sollten, denn sonst werde es keine Anschlussfinanzierungen geben – dies sei eine Rückkehr zur Normalität.

Im Rahmen des OMR-Festivals fand auch in diesem Jahr wieder die Finance-Forward-Konferenz statt, bei der Branchenexpert:innen wie der Wirtschaftswissenschaftler Nouriel Roubini, Klarna-Gründer Sebastian Siemiatkowski, die ehemalige Axel-Springer-Vorständin Stephanie Caspar und Christian Hecker von Trade Republic über die Transformation sowie das abgekühlte Funding-Klima in der Finanz- und Techbranche sprachen.

Neben der Finance-Forward-Bühne luden 16 FinTech-Masterclasses, unter anderem zur Zukunft der Kryptowährungen und zum Einsatz von ChatGPT im Suchmaschinenmarketing der Finanzbranche, sowie die Finance-Forward-Box mit Podiumsdiskussionen zum Verweilen ein. Den Auftakt in der Finance-Forward-Box machte das junge Finfluencer-Panel um Thomas Kehl (Gründer, Finanzfluss), Kamiar Bar Bar (Finfluencer, Teaching Finance), Diana zur Löwen (Investorin und Influencerin, Rawr Ventures) und Saidi Sulilatu (Managing Director, Finanztip), die aus ihrem Alltag als Social-Media-Influencer:innen auf TikTok, Instagram und YouTube erzählten und darüber berichteten, wie sie mit der Verantwortung für die meist sehr jungen Zielgruppen auf diesen Kanälen umgehen.

Gen-S-EXPO-Stand der Sparkassen-Finanzgruppe auf der OMR Abbildung 3: Gen-S-Expo-Stand der Sparkassen-Finanzgruppe auf dem OMR-Festival

Teil des OMR-Festivals sind außerdem die Expo-Stände, bei denen in diesem Jahr auch die Sparkassen-Finanzgruppe unter dem Motto „Gen S“ vertreten war. Der Stand wurde gemeinschaftlich durch Sparkassen, Verbunddienstleister und den Sparkassen Innovation Hub organisiert. Das Motto „Gen S“ war nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar.

Das Angebot am Stand reichte von einem ausgewählten Vortragsprogramm, welches sowohl fachliche Komponenten als auch Interviews mit externen Gästen beinhaltete, bis zur Möglichkeit, in das Dekaverse einzutauchen und an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Für das Festival wurden einzigartige „Collectibles“ – von Schuhen über Taschen bis T-Shirts – angefertigt, auf welche sich alle Besucher:innen bewerben konnten. Diese könnten auch als Sammlerstücke bezeichnet werden, denn die Kollektion wird es so nicht mehr geben.

Geschlechterparität und Nachhaltigkeit

Ein Start-up-Gründer-Pitch sowie Themen rund um Diversity und Chancengleichheit bekamen am ersten Tag des OMR-Festivals eine eigene Bühne im Rahmen der Initiative OMR 5050, die sich für eine 50:50-Geschlechterverteilung in der Wirtschaft und in den Führungsetagen der Digitalbranche einsetzt. Düzen Tekkal und Annahita Esmailzadeh sprachen unter anderem darüber, wie eine gleichberechtigte Zukunft gesellschaftlich und unternehmerisch gestaltet werden kann.

Und wie stand es um das Thema Nachhaltigkeit auf dem OMR-Festival? Dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht nachhaltig sein kann, ist klar; dies erkennt auch das OMR-Festival selbst an und geht mit gutem Beispiel voran. So kooperiert die Konferenz für die Anreise der Gäste mit der Deutschen Bahn, fördert regenerative Energieversorgung und setzt auf mehr vegane Essensangebote und Mehrweggeschirr auf dem Festivalgelände. Eine eigene Bühne zum Themenspektrum Nachhaltigkeit gab es zwar nicht, jedoch wurden diverse Nachhaltigkeitsimpulse gesetzt. Einen der ersten Slots auf der Konferenz hatte demnach die Nachhaltigkeitsexpertin und Transformationsforscherin Maja Göpel, die an das Publikum appellierte, den Blick auf Technik und Innovation durch mutige Investitionen neu auszurichten.

Luisa Neubauer auf der OMR-Konferenz-Bühne Abbildung 4: Klimaaktivistin Luisa Neubauer in ihrer Rede „Cut the Bullshit“ auf der OMR-Konferenzbühne

Weiter nahm die Klimaaktivistin Luisa Neubauer sprichwörtlich in ihrer Rede „Cut the Bullshit“ kein Blatt vor den Mund und sorgte mit ihrer Forderung für Aufsehen: „Überlegt euch gut, für welchen Arbeitgeber, für welches Unternehmen ihr hier und heute eure Arbeitskraft einsetzt. Gerade jetzt macht es keinen Sinn, für die Ideen von gestern zu werben.“  Dafür gab es viel Applaus und Standing Ovations im Saal. Wir sehen in ihrer Rede einen hohen Interpretationsspielraum und die Forderung nach einer Einteilung in gute und schlechte Unternehmen nicht als zentralen Ansatzpunkt. Vielmehr stand die fortwährende Betrachtung von Nachhaltigkeit als Reise im Fokus, die erfordert, das eigene Handeln vor allem auch im beruflichen Kontext kritisch zu hinterfragen sowie mit viel Strahlkraft und neuen Ideen auch bei Organisationen, die noch am Anfang stehen, anzusetzen.

Inhaltlicher Mehrwert oder doch nur FOMO?

Für uns ist ganz klar, dass die bunte Mischung aus Lifestyle, Digital, Marketing, Finance und Tech sowie die prominenten Speaker:innen das OMR-Festival auszeichnen und in dieser Hinsicht einzigartig in Deutschland machen. Allerdings sollte die eigene Auswahl aus den zahlreichen Programmpunkten gut überlegt sein, um aus den diversen – mit 25 Minuten oft sehr kurzen – Impulsvorträgen sowie den längeren 90-minütigen Masterclasses möglichst viel Input zu sammeln.

Wer also möglichst viele neue Inhalte mitnehmen möchte, sollte sich bereits im Vorfeld auf die persönlichen Highlights – bevorzugt auch auf Masterclasses – konzentrieren, um den eigenen Horizont um neue Themenfelder zu erweitern, die den Arbeitsalltag bisher noch nicht unmittelbar tangieren. Oder man kauft sich das Ticket einfach direkt mit dem Ziel der Netzwerkpflege und Inspirationssammlung. 😉

 

© Pressefotos: OMR 2024

Waren Sie auch vor Ort? Was waren Ihre Eindrücke?

Sprechen Sie uns gerne an!

Julia Schraut / Redakteurin und Autorin BankingHub

Julia Schraut

Expert Office Berlin
Anne-Sophie Haas / Autorin BankingHub

Anne-Sophie Haas

Consultant Office Frankfurt

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