Bausparkassen – Rückblick auf das Jahr 2021 Highlights und Ausblick auf 2022

Trotz der weiterhin spürbaren Konsequenzen der Coronapandemie hat sich in den letzten zwölf Monaten einiges im Bausparkassensektor getan. Bereits 2020 setzte ein neuer Digitalisierungsschub durch den Lockdown und die Homeoffice-Arbeit ein, welcher sich im Jahr 2021 fortsetzte. Darüber hinaus prägen der anhaltende Baufi-Boom und die niedrigen Zinsen das Marktumfeld der Bausparkassen. Über das Jahr 2021 hinweg haben wir Informationen und Meldungen aus dem Bausparkassensektor gesammelt, um nun einen Überblick über die Highlights des Jahres zu geben.

Dabei liegt der Fokus auf den sechs am häufigsten in den Medien vertretenen Themenfeldern rund um die Bausparkassen 2021: Nachhaltigkeit, Kooperationen, Plattformen, Digitalisierung, Gesetzgebung sowie Personalien & Jubiläen.

  1. Nachhaltigkeit – auch im Bausparkassensektor hoch relevant
  2. Kooperationen – weitere Zusammenschlüsse auf unterschiedlichen Ebenen
  3. Plattformen – etablierte Vermittler reagieren mit Kooperationen
  4. Digitalisierung – Bausparkassen bieten zunehmend digitale Abschlüsse und Services
  5. Gesetzgebung – positive Neuerungen für Bausparer/-innen steigern Attraktivität des Angebots
  6. Personalien & Jubiläen – Geschäftsführung der Bausparkassen wird weiblicher

Nach dem Blick in die Vergangenheit möchten wir gemeinsam mit Ihnen nach vorne schauen und über Ihre Vorhersagen für das Jahr 2022 diskutieren.


 

Rahmenbedingungen der Bausparkassen – übergreifende Trends halten weiterhin an

Der Baufi-Boom aus 2020 setzte sich auch im Jahr 2021 weiter fort. Bausparkassen profitieren von diesem Wachstum und können ihren Marktanteil im Baufinanzierungsmarkt weiter ausbauen. Zwei Aspekte sind in diesem Kontext zu betrachten: das Zinsniveau und die Immobilienpreise.

Der Trend der leicht ansteigenden Zinsen Anfang des Jahres war durch das Inflationsziel der EZB im Sommer kurzfristig ausgebremst worden, bevor die Zinsen zum Ende des Jahres wieder zulegten und die 1 Prozent-Marke überschritten. Nach wie vor befinden wir uns jedoch in einem Minimalzinsumfeld, welches günstige Kredite ermöglicht, aber auch den Aufbau von Eigenkapital erschwert. Letzteres ist vor dem Hintergrund der anhaltend hohen Immobilienpreise, welche insbesondere in der ersten Hälfte des Jahres nochmals weiter zulegten, ein maßgebliches Hindernis beim Erwerb eines Eigenheims.

Nach einigen Monaten unter dem Einfluss mit COVID-19 konnten 2021 erste Implikationen der Pandemie in Bezug auf das Wohneigentum durch Studien quantitativ belegt werden. Die Lockdowns führten zu einer gesteigerten Attraktivität von ländlichen Regionen und Naturnähe bei gleichzeitig größerer Wohnfläche – idealerweise mit Platz für ein Homeoffice – bei der Immobiliensuche. Unterdessen werden immer häufiger digitale Beratungsmöglichkeiten zur Orientierung und Informationsgewinnung über die passende Baufinanzierung genutzt. Der Kontakt zu einem/einer Kundenberater/-in, ob Face-to-Face oder digital, bleibt jedoch für die Mehrheit essenziell.

Nachhaltigkeit – auch im Bausparkassensektor hoch relevant

Am Thema Nachhaltigkeit war in diesem Jahr in allen Medien kein Vorbeikommen – auch aus den Bereichen Wohnungsbau und -sanierung ist es nicht mehr wegzudenken. Wie Studien der BHW und W&W zeigen, nimmt das Thema mit der Forderung nach mehr Unterstützung durch die Politik deutlich an Relevanz zu.

Besonders hervorzuheben sind in diesem Themenbereich die Vermarktung des ersten grünen Bausparvertrags durch die LBS Saar (in 2022 geplant) und die Auszeichnung der BHW Bausparkasse durch Platow Immobilien für ihre Produkte und Aktivitäten auf diesem Gebiet.

Kooperationen – weitere Zusammenschlüsse von Bausparkassen auf unterschiedlichen Ebenen

Das Jahr 2021 war durch diverse Kooperations- und Fusionsinitiativen geprägt. Gleich zu Beginn des Jahres erweiterte die Wüstenrot Bausparkasse beispielsweise ihre Kooperation mit der ERGO Beratung und Vertrieb AG. Außerdem konnte eine Zunahme der Kooperationen zwischen Bausparkassen und FinTechs verzeichnet werden, wie etwa die Beteiligung der Bausparkasse Schwäbisch Hall an Impleco oder jüngst die Zusammenarbeit zwischen der start:bausparkasse und Europace.

Die in den Medien jedoch auffälligste Nachricht war die Ankündigung der Fusionsgespräche zwischen der LBS Nord und der LBS West, welche im zweiten Halbjahr des Jahres offiziell bekannt gegeben wurde.

Plattformen – Wachstumspotenzial zieht neue Player auf den Markt, etablierte Vermittler reagieren mit Kooperationen

Der Anstieg von Baufinanzierungen im Plattformgeschäft hielt auch im Jahr 2021 eindeutig an. Etablierte Vermittler wie Hypoport und Interhyp weisen weiterhin hohe Wachstumsraten auf, wenn auch nicht mehr auf dem Niveau von 2020. Entsprechend vergrößern sich die Marktanteile der Kreditplattformen, die dabei auch eine Zunahme im Bausparneugeschäft verzeichnen. Neben den großen Playern versuchen auch Wettbewerber wie Prohyp oder Homeday mit neuen Angeboten in den Markt einzudringen, und bestehende Plattformen wie Baufi24 vermelden neue Funding-Runden, da weiteres Wachstumspotenzial in der Branche erwartet wird.

Auch im Bereich der Plattformen wurden 2021 einige Kooperationen verkündet, beispielsweise die der Münchner Hypothekenbank mit Interhyp, die gemeinsam einen digitalen Abschluss einer Baufinanzierung ermöglichen.

Digitalisierung – Bausparkassen bieten zunehmend digitale Abschlüsse und Services

Auch aufseiten der Bausparkassen wurde 2021 viel am weiteren Fortschritt der Digitalisierungsvorhaben gearbeitet. Seit Mai können zum Beispiel Kunden der Sparkassen über das Onlinebanking Bausparverträge bei den Landesbausparkassen abschließen.

Im Bereich Kundenservice, der angestoßen durch die Pandemie – einen Digitalisierungsschub erfahren hat, waren ebenfalls weitere Bemühungen zu erkennen. Hier arbeiten Bausparkassen zum Beispiel mit FinTechs und Start-ups zusammen, wie bereits im Themenbereich Kooperationen erwähnt. So kooperiert die Bausparkasse Schwäbisch Hall mit der Conversational AI Platform Cognigy.AI, um ihren Kunden auch außerhalb der Geschäftszeiten zur Verfügung zu stehen. Daneben gründete die LBS West unlängst ein „digitales Business Center“ als Tochtergesellschaft. Durch die Digitales Business Center (DBC) GmbH soll der Kundenkontakt rund um die Uhr schneller und systematischer gesteuert werden.

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Gesetzgebung – positive Neuerungen für Bausparer/-innen steigern Attraktivität des Angebots

Direkt zu Beginn des Jahres gab es vonseiten des Gesetzgebers zwei positive Nachrichten für Bausparkassen. Zum einen wurde die Wohnungsbauprämie erhöht und darüber hinaus das Baukindergeld verlängert. Im Mai wurde zudem ein Verordnungsentwurf veröffentlicht, der die Erhöhung der Bausparsummenobergrenze von 350.000 auf 700.000 EUR anstrebt.

Weitere bedeutende Ereignisse aus diesem Themenbereich beinhalten den verlorenen Rechtsstreit der Debeka zu Bauspargebühren, die Erhöhung der Grenze von Bauspardarlehen ohne notwendigen Grundbucheintrag auf 50.000 EUR sowie das Urteil des OLG Karlsruhe zu Bereitstellungsprovisionen.

Personalien & Jubiläen – Geschäftsführung der Bausparkassen wird zunehmend weiblicher

Über das Jahr hinweg konnten wir bei acht Bausparkassen sowie dem Verband der Privaten Bausparkassen einen Wechsel in der Geschäftsführung beobachten. Auffallend hierbei ist, dass in der Hälfte der Fälle die Wahl auf eine Frau fiel, wie etwa bei Sabine König (LBS Hessen-Thüringen), die auch gleichzeitig zur Vizepräsidentin der Europäischen Bausparkassenvereinigung gewählt wurde, oder Kristin Seyboth, die als erste Frau in der Unternehmensgeschichte der Bausparkasse Schwäbisch Hall in den Vorstand berufen wurde. Frauke Hegemann ist neue Geschäftsführerin der Signal Iduna Asset Management GmbH sowie Vorstandsmitglied der Signal Iduna Bauspar AG und Eva Grunwald neue Vorständin der BHW.

Außerdem erwähnenswert sind an dieser Stelle die Jubiläen der Bausparkasse Schwäbisch Hall und der W&W, welche dieses Jahr ihr 90-jähriges bzw. 100-jähriges Unternehmensbestehen feierten.

Der Bausparkassenmarkt – Fazit und Ausblick 2022

Das Bausparjahr 2021 kann als durchaus ereignisreich bezeichnet werden. Für das Jahr 2022 sind wohl ähnliche Rahmenbedingungen zu erwarten. So werden uns durch die Coronaüandemie auferlegte Homeoffice-Arbeit, ein anhaltendes Niedrigzinsumfeld und Immobilienpreise auf Rekordniveau höchstwahrscheinlich weiterhin begleiten.

Nachhaltigkeit bzw. Sustainable Finance ist und bleibt ein wichtiges Thema für Bausparkassen. Unter anderem getrieben durch die Regulatorik erfolgt die Erfüllung der Wohnträume zunehmend nachhaltig. Darüber hinaus werden sich Bausparkassen weiterhin durch mögliche Kooperationen, zunehmende Digitalisierung und die Stärkung des (eigenen) Vertriebs im Wettbewerb behaupten müssen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Topthemen 2022 im Bausparkassensektor?
Wir freuen uns auf Ihre Kommentare und Meinungen.

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Autor Andreas Scheuermann / BankingHub

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