BIRD: neues Datenmodell der Aufsicht für das Meldewesen Wann macht die Umsetzung des neuen aufsichtlichen Datenmodells im Meldewesen wirklich Sinn?

Die Flut neuer aufsichtsrechtlicher Meldungen besitzt nach wie vor eine hohe Dynamik und fordert von Banken hohe Anstrengungen, um konsistente Meldungen zu erzeugen. Die EZB entwickelt mit BIRD (Bank’s Integrated Reporting Dictionary) aktuell ein neues aufsichtlich vorgegebenes Datenmodell für das Meldewesen und definiert zudem eine neue Schnittstelle für einen standardisierten und vereinfachten Austausch von Meldedaten zwischen Bankenaufsicht und Banken. Dieser Artikel beleuchtet wichtige Rahmenbedingungen, die als Voraussetzung für eine effiziente und erfolgreiche BIRD-Umsetzung von der EZB zu schaffen sind.

Fundamentaler Wechsel in der Bankenaufsicht

Während Meldungen wie COREP- und FINREP-Meldewesen im Status quo aggregierte Ergebnisdaten an die Bankenaufsicht übermittelt, wird mit AnaCredit ein fundamentaler Wechsel in der Bankenaufsicht eingeleitet. Über AnaCredit werden in 2018 granulare Informationen auf Ebene einzelner Kredite mit 95 Kredit-, Kreditrisiko- und Finanzdaten an die Aufsicht gemeldet. Im Produktivbetrieb wird AnaCredit hohe Anforderungen an die Datenkonsistenz stellen, da die Bankenaufsicht mit AnaCredit detaillierte Informationen über die Qualität des Kreditportfolios erhält und mittelfristig eine Validierung mit anderen Meldungen vornehmen kann.

Darüber hinaus haben viele Banken bereits große Projekte zur (Weiter-)Entwicklung einer integrierten Finanz- und Risikoarchitektur (u. a. auch getrieben aus BCBS #239) aufgesetzt und dabei eigene fachliche Datenmodelle entwickelt. Die Zielsetzung dafür ist es, über ein integriertes Datenmodell die Abstimmbarkeit von Finanz- und Risikodaten zu verbessern und die Datenkonsistenz im Meldewesen zu erhöhen.

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BIRD: freiwillige Anwendung des aufsichtlichen Datenmodells

Die EZB hat erkannt, dass

  • Banken redundante und parallele Verarbeitungsschritte für gleiche Meldedaten etabliert haben. Dies führt zu Inkonsistenzen in den Meldungen, Komplexität in den Banken und sowie hohen Kosten.
  • Durch die Vielzahl von Meldungen unterschiedlicher Granularitätsstufen (z. B. aggregierte Ergebnisdaten in COREP/FINREP, granulare Kredit-, Kreditrisiko- und Finanzdaten in AnaCredit) in den Aufsichtsbehörden nicht vergleichbar und kombinierbar sind.

Vor diesem Hintergrund streben EZB und ihre verbundenen Notenbanken an, das Datenmanagement zwischen Banken und den Aufsichtsbehörden zu harmonisieren und granulare Daten anzufordern. Ziel der EZB ist es, zunächst die Datenanforderungen aus AnaCredit in BIRD zu formulieren und in 2016 den Banken für die AnaCredit-Umsetzung  zur Verfügung zu stellen. Bis 2020 sollen auch die Datenmodelle für COREP und FINREP in BIRD zur Verfügung stehen.

Während BCBS #239 und AnaCredit von den Banken verpflichtend anzuwenden sind, wird das aufsichtsrechtliche Datenmodell BIRD von der Bankenaufsicht lediglich zur Verfügung gestellt und ist nicht verpflichtend anzuwenden. Aufgrund des freiwilligen Charakters von BIRD und bereits bestehender Projekte zur Weiterentwicklung eigener Datenmodelle stellt sich für Banken die Frage, ob sie das aufsichtliche Datenmodell BIRD einführen sollen.

Wichtige Rahmenbedingen für Erfolg von BIRD sind von der Aufsicht zu schaffen

Die Bemühungen der Aufsicht das Datenmodell im Meldewesen zu vereinheitlichen und Redundanzen abzubauen sind grundsätzlich zu begrüßen. Ein Erfolg setzt unserer Meinung nach wichtige Rahmenbedingungen voraus, die derzeit nicht vollständig gegeben sind und von der Aufsicht noch zu schaffen sind:

Komplexität

Die Aufsicht verfolgt den Anspruch, ein repräsentatives aufsichtliches Datenmodell zu definieren, das sowohl von Großbanken als auch von kleinen Banken anwendbar ist. Gerade für kleine Banken kann BIRD schnell eine hohe Komplexität darstellen, wenn die Informationsvielfalt von Großbanken (Produkten, Sicherheiten, etc.) in BIRD integriert wird. Daher muss BIRD so entwickelt werden, dass jeder Bankentyp mit einfachen Möglichkeiten den für sie relevanten Teilbereich von BIRD ableiten kann. Zusätzlich müssen Änderungen im Falle von Updates/Upgrades für jede Bank direkt nachvollziehbar sein.

Die Methodik bei der Entwicklung und Dokumentation von BIRD muss entsprechend sauber durchdacht, langfristig konstant sein und über entsprechende Tools den Prozess einfach unterstützen.

Eine besondere Herausforderung stellen dabei nationale Meldungen dar, die im besten Fall auch über den BIRD Datenpool bedienbar sein sollten. Aufgrund der Vielzahl der beteiligten Länder und noch vorhandenen lokalen Meldeerfordernisse würde damit die Komplexität nochmals erhöht werden. Daher ist zu prüfen, ob nationale Aufsichtsbehörden über den BIRD-Standard eigene Informationserweiterungen vornehmen können. Ein Nachteil dabei ist, dass dadurch ggf. Redundanzen im Business Glossar auftreten könnten.

Kosten

Banken sind verpflichtet, zum Inkrafttreten neuer Regulierungen die bereitgestellten Templates an die zuständige Behörde zu übersenden. Aufgrund der Umsetzungskomplexität vieler Initiativen werden die Projekte teilweise bis zu 2 Jahre vor der ersten Meldung gestartet. Eine Anforderung an die heutige Standardsoftware im Meldewesen ist es, dass der Anbieter frühzeitig die erweiterten Datenanforderungen bereitstellt und Softwareupdates rechtzeitig vor dem Inkrafttreten bereitgestellt werden. Nur so können die Banken die Umsetzung starten, Tests durchführen und die Erstmeldung in hoher Qualität an die zuständige Behörde übersenden.

Zudem müssen die Datenanforderungen stabil und eindeutig definiert werden. Anforderungsänderungen verursachen erhebliche Aufwände und Kosten in der Umsetzung. Eine eindeutige und klare Beschreibung des Datenmodells im Datenglossar ist essenziell und vermeidet Missverständnisse in der Kommunikation mit und innerhalb der Banken.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor von BIRD ist daher, dass die notwendigen Erweiterungen neuer Regulierungen frühzeitig mit hohem Reifegrad in BIRD integriert sind, damit Banken ihre Projekte auf Basis dieser Erweiterungen starten können. Ohne dies wird BIRD als eine zusätzliche Schnittstelle betrachtet werden, die zusätzliche Kosten generiert und keine Vorteile bringt. Wenn bereits bestehende und umgesetzte Meldungen ergänzt werden, so ist eine Minimierung der Parallelphase zur Reduktion der Kosten anzustreben.

Softwareunterstützung

Zusätzlich würde es der guten Idee von BIRD helfen, wenn bestehende Softwareanbieter ein BIRD-Interface anbieten oder aber von den Behörden eine entsprechende, eigene Software passend zum umgesetzten Meldeumfang bereitgestellt wird. Dafür sollten bestehende Meldewesenanbieter in den Prozess integriert werden.

Integrierte Finanz- und Risikoarchitektur (IFRA) wichtige Grundlage für kosteneffiziente Umsetzung von BIRD

Banken selbst können wichtige Grundlagen für einen Erfolg von BIRD schaffen: Die zeb-Projekterfahrung in der Umsetzung aufsichtlicher Datenmodelle zeigt, dass Banken, die bereits in eine integrierte Finanz- und Risikoarchitektur (IFRA) investiert und diese aufgebaut haben, wichtige Infrastrukturen für BIRD geschaffen haben: In einer  entwickelten integrierten Finanz- und Risikoarchitektur

  • sind Quellsysteme bereits angebunden,
  • die Datenmodelle vereinheitlicht und abstimmbar und
  • es sind lediglich Lieferstrecken zu erweitern.

Banken jedoch, die auf einzelnen „Datensilos“ aufsetzen, müssen für BIRD

  • die Vielzahl einzelner Quellsysteme anbinden,
  • neue Schnittstellen entwickeln und
  • einen großen Aufwand in die Abstimmbarkeit der „Datensilos“ und Überleitung auf das aufsichtliche Datenmodell von BIRD investieren.

Umsetzung erst dann starten, wenn wichtige Rahmenbedingungen von der Aufsicht definiert sind

Grundsätzlich vollzieht die Bankenaufsicht mit BIRD und dem aufsichtlichen Datenmodell einen richtigen Schritt. BIRD kann das Meldewesen in den Banken deutlich erleichtern, ggf. sogar revolutionieren. Auf Basis unserer Projekterfahrungen ist die Umsetzung von BIRD allerdings erst dann zu empfehlen, wenn die oben genannten Rahmenbedingungen definiert und die Anforderungen in einem stabilen und belastbaren Zustand sind.

Eine integrierte Finanz- und Risikoarchitektur ist hierzu eine wichtige Grundvoraussetzung. Die Etablierung und Umsetzung einer integrierten Finanz- und Risikodatenarchitektur sollte jetzt mehr denn je geprüft und weiter verfolgt werden. Sie schafft wichtige Grundlagen in der Infrastruktur zur Umsetzung aufsichtlicher Anforderungen wie z. B. AnaCredit und BIRD.

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Autor Sven Krämer / BankingHub

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