Transformation im Zahlungsverkehr: kartenlose Zukunft?

In den kommenden Monaten und Jahren werden wir einen Umbruch im dynamischen Zahlungsmarkt erleben. FinTechs, die es schaffen, Open Banking zu integrieren und diese Entwicklung für bessere Dienstleistungen und Lösungen zu nutzen, fordern etablierte Kreditkartennetzwerke heraus und treiben die digitale Transformation des Zahlungsverkehrs weiter voran. Die Zahlungsverkehrsbranche befindet sich zweifellos in einem massiven Wandel! Aber was treibt den Zahlungsverkehr an? Wie gewährleistet die Transformation des Zahlungsverkehrs die Sicherheit von Transaktionen? Und wie wird der Zahlungsverkehr in Zukunft aussehen?

Treiber des Wandels im Zahlungsverkehr

Im Zentrum des Zahlungsverkehrs stehen das Kundenerlebnis, aber auch effiziente Prozesse und der Kostendruck der Unternehmen – wie Amazon kürzlich in UK demonstrierte, indem es mit dem Ausschluss von Zahlungen per Visa Card aufgrund hoher Gebühren drohte.

Der Markt für den Zahlungsverkehr wurde 2020 auf 870 Milliarden US-Dollar geschätzt, und Prognosen zufolge wird er bis 2028 1,91 Billionen US-Dollar erreichen. Konsumierende verwenden vermehrt digitale Zahlungsmethoden und das Wachstum in den Schwellenländern sowie die Ausweitung des internationalen Zahlungsverkehrs tragen zu einem höheren Zahlungsaufkommen bei.

In Schwellenländern leben etwa 85 Prozent der Weltbevölkerung. Sie haben deshalb weitreichende Auswirkungen auf die Art des Zahlungsverkehrs bzw. darauf, wie Zahlungen abgehandelt werden. Ein Großteil der Bevölkerung hat keinen Zugang zu einem Bankkonto vor Ort und bevorzugt deshalb elektronische Transaktionen über z. B. Mobiltelefone. Banken passen ihre Geschäftsmodelle darauf an, beispielsweise ermöglichen sie über Software von Drittanbietern, die mit den Banksystemen verbunden sind, digitale Zahlungen in Echtzeit – gleichsam einer virtuellen Geldbörse. Die Eröffnung eines Bankkontos in einer Filiale ist dafür nicht erforderlich.

In westlichen Ländern beschleunigte die Pandemie die Abkehr von traditionellen Zahlungsmethoden wie z. B. Bargeld. Verbraucher/-innen bevorzugen bequemere und schnellere Alternativen. Eine Studie von GoCardless aus dem Jahr 2021 ergab, dass Verbraucher/-innen aus Deutschland, UK und Frankreich die Bankabbuchung als Zahlungsmethode präferieren, beispielsweise für die Bezahlung von Haushaltsrechnungen und Abonnements. Automatisierung (gerade für wiederkehrende Zahlungen), einfachere Verwendung und großflächige Akzeptanz sind die ausschlaggebenden Gründe dafür.

Digitaler Wandel? Aber sicher!

Das Wachstum im digitalen Zahlungsverkehr – bedingt durch die Nachfrage nach neuen Zahlungsmethoden aus Schwellenländern und aufgrund der Pandemie – zieht einen steigenden Bedarf an hoch entwickelten Sicherheitssystemen nach sich. Denn ein großes Thema beim digitalen Zahlungsverkehr ist die Sicherheit der Daten. Deswegen werden neue Vorschriften eingeführt, die sich auf die Arbeitsweise von Banken und Organisationen auswirken werden.

Um Zahlungen weltweit sicherer zu machen und dabei ein höheres Maß an Automatisierung mit unbegrenzten Erweiterungsmöglichkeiten zu bieten, wird die globale Finanzindustrie zur Verwendung von ISO-20022-Zahlungen übergehen. Hierbei handelt es sich um ein internationales Standardzahlungsformat, das Echtzeitzahlungen für Privatkunden unterstützt. Dies ist ein effizientes Verfahren für die Annahme und Ausführung von Zahlungen mit einem hohen Maß an Sicherheit, das vor Betrugsmöglichkeiten schützt.

Darüber hinaus gibt es einen Trend zur Tokenisierung, der für alle Formen des digitalen Zahlungsverkehrs immer beliebter wird. Im Wesentlichen geht es dabei darum, sensible Daten wie Kontoinformationen und persönliche Angaben durch Tokens zu ersetzen, die nicht zurückzuverfolgen sind. Diese Tokens können auch für bestimmte Transaktionen reserviert werden, sodass die Art der Zahlungen eingeschränkt werden kann. So wird beispielsweise sichergestellt, dass Rechnungen nur an Dienstleistungsunternehmen geschickt werden.

Reaktionen auf die Entwicklungen im Zahlungsmarkt

Auch wenn noch nicht alle Sicherheitsvorschriften vollständig ausgereift sind, so haben etablierte Anbieter von Kartennetzwerken wie Visa bereits erkannt, dass neue Zahlungsmethoden den Markt revolutionieren könnten, und zeigen mit Übernahmen von innovativen FinTechs aus dem Zahlungsbereich, wie in diesem Fall Tink, dass sie sich auf die Wende im Zahlungsverkehr vorbereiten. Auch Banken wie z. B. Santander versuchen durch Partnerschaften – etwa mit dem FinTech PagonNxt – für den Wandel im Zahlungsverkehr gewappnet zu sein.

Händler reagieren auf die neuen Entwicklungen im Zahlungsmarkt, die günstigere, schnellere und sicherere Zahlungsmöglichkeiten bieten, und machen Druck auf die etablierten Kartennetzwerke. So kündigte Amazon in UK im vergangenen Jahr an, die in UK ausgestellten Visa-Karten aufgrund der hohen Transaktionskosten aus den Zahlungsmöglichkeiten zu nehmen. Auch wenn kürzlich zwischen beiden Parteien eine Einigung im Gebührenstreit erzielt werden konnte– was für die betroffenen Kunden positiv ist –, sollte dies nicht vom eigentlichen Thema ablenken: Unternehmen wehren sich zunehmend gegen die drastischen Bedingungen und hohen Gebühren, die nur für das Annehmen von Zahlungen erhoben werden. Der Aufstand hat gerade erst begonnen.

Neue Ära „A2A Payments“

Wenn sich die großen Akteure im Kartenökosystem nun auf die nächste Ära des Zahlungsverkehrs vorbereiten und die Einzelhändler aktiv gegen den Status quo ankämpfen: Was bedeutet das für den Endverbraucher bzw. die Endverbraucherin? Wie wird die Zukunft des Zahlungsverkehrs aussehen?

Ein Szenario ist der allmähliche Ersatz von Karten durch Konto-zu-Konto-Zahlungen. Dabei wird Geld direkt von einem Bankkonto auf ein anderes überwiesen, ohne zahlreiche Zwischenhändler, welche die Kosten für Kartenzahlungen in die Höhe treiben, und ohne Ablaufdaten. A2A-Zahlungen sind weniger anfällig für Fehler bei der Dateneingabe, bieten mehr Sicherheit und verursachen geringe Transaktionskosten, da es keine Vermittler gibt, die ihren Anteil an der Transaktion verlangen.

Innovative Technologien wie Open Banking führen zu einer neuen Art von A2A-Zahlungen, die es Unternehmen ermöglicht, einmalige, sofortige Zahlungen mit einer Autorisierungsgeschwindigkeit durchzuführen, die genauso schnell – wenn nicht sogar schneller – ist wie die von Karten.

Unternehmen sehen ein großes Potenzial in Open-Banking-fähigen Zahlungen. GoCardless entwickelte deshalb Instant Bank Pay. Wir sind der Meinung, dass der wirkliche Mehrwert in der Kombination von Open-Banking-Technologie mit anderen Formen von A2A-Zahlungen liegt, wie z. B. unserem globalen Zahlungsnetzwerk, das für wiederkehrende Zahlungen konzipiert wurde. Dieses gibt Unternehmen die Möglichkeit, ausgeklügelte Zahlungsstrategien zu implementieren, die Kosten, Konversion und Cashflow optimieren. Das bietet nicht nur Händlern eine praktikable Alternative zu Kartenzahlungen mit all ihren Nachteilen, sondern spricht auch Verbraucher/-innen an, die eine automatisierte, nahtlose und sichere Zahlungsmethode wünschen.

Hohe Transaktionskosten, fehlgeschlagene Zahlungen, zunehmender Betrug und auslaufende Kartendaten gehören der Vergangenheit an. A2A-Zahlungen, die „digital first“ sind, werden in der Zahlungslandschaft immer wichtiger – insbesondere bei Onlinetransaktionen. Unternehmen sollten sich die neuen Entwicklungen zunutze machen, um ihre Zahlungsstrategie weiter zu optimieren und mit den sich ändernden Kundenpräferenzen Schritt zu halten.

Was meinen Sie, wie wird der Zahlungsverkehr in Zukunft aussehen?

Sprechen Sie uns gerne an!

Mario Böhm / Autor BankingHub

Mario Böhm

Senior Partner & Alliances Manager GoCardless

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Kommentare

Eine Antwort auf “Transformation im Zahlungsverkehr: kartenlose Zukunft?

  • Julian

    Ich arbeite derzeit viel mit ­Fintechs im Rahmen eines Finanzprojekts und habe aus diesem Grund diesen interessanten Fachartikel gelesen. Ich kann nur bestätigen, was in diesem Artikel beschrieben wurde. Danke für diesen interessanten und niveauvollen Blog.

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