Gemeinsam stark: Strategische Partnerschaften zwischen Banken und FinTechs

Nach der Finanzkrise 2008 erlebten FinTechs einen Boom und forderten traditionelle Finanzinstitute in ihren angestammten Geschäftsfeldern heraus. Das ändert sich zunehmend. Wo FinTechs verstärkt zu Infrastrukturanbietern für Banken werden, eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Zusammenarbeit – zum Vorteil für beide Seiten. Für eine gelungene Partnerschaft ist es wichtig, frühzeitig den Kontakt zu suchen, um Hürden abzubauen und Vertrauen zu schaffen, wie wir im Interview mit Thede Küntzel lernen.

Ein Gespräch zwischen René Lange, Head of Growth bei der zeb-Produkteinheit namens applied, und Thede Küntzel, Manager Projekte & Innovation bei der Sparkasse Bremen.

Was Banken und FinTechs voneinander lernen können

Thede, mal Hand aufs Herz, können Banken jemals so innovativ sein wie FinTechs?

Thede Küntzel, Manager Projekte & Innovation bei der Sparkasse Bremen und Geschäftsführer der ÜberseeHub GmbH.
Thede Küntzel, Manager Projekte & Innovation bei der Sparkasse Bremen

Ich bin überzeugt, dass Banken das sind. Wir haben viele Ideen und verfügen über eine einzigartige Plattform, um diese umzusetzen. Im Englischen heißt es so schön: „Innovation besteht zu 1 % aus Inspiration und zu 99 % aus Transpiration“ – sprich aus harter Arbeit.

Das Einbringen von Ideen ist der erste Schritt zur Innovation, aber ihre Umsetzung erfordert großes Engagement und Mut. Aus meiner täglichen Arbeit bei der Bremer Sparkasse weiß ich: Das lohnt sich am Ende immer, denn entweder hast du Erfolg damit oder du lernst dazu. Also einfach mal machen und nicht lange in Arbeitskreisen diskutieren, sonst setzt die Idee jemand anderes um.

An welchem Punkt siehst du die Entwicklung von FinTechs und Banken?

Der FinTech-Boom begann sich für mich um die Jahrtausendwende zu entwickeln. Während herkömmliche Banken damit beschäftigt waren, in den folgenden Jahren die Auswirkungen der Finanzkrise zu bewältigen, begannen FinTech-Unternehmen, mit innovativen Technologien Banken in ihren etablierten Geschäftsbereichen herauszufordern. Immer mit dem vollen Fokus auf die Kundinnen und Kunden sowie deren Bedürfnisse.

Die Finanzinstitute haben relativ spät auf diese Entwicklung reagiert. Sie haben sich nicht geöffnet, entwickelten ihre Produkte und Services weiter hinter verschlossenen Türen und wunderten sich, dass Kundenwunsch und Produkt dann nicht so richtig gematcht haben. Langsam fangen die Kreditinstitute an, sich zu ändern, nun wo die Kundinnen und Kunden sich umgewöhnen, die Regulatorik auf eine Öffnung von Daten pocht und FinTechs vermehrt B2B-Angebote für eine moderne Finanzinfrastruktur schaffen.

Es drängt sich ein wenig der Eindruck auf, dass Innovationen hauptsächlich von FinTechs und Start-ups vorangetrieben werden. Haben die Banken etwas verpasst?

FinTechs und Start-ups lernen schnell, welche Bedürfnisse die Nutzenden haben, und passen sich sowie ihre Produkte in Windeseile an. Alle diese Fähigkeiten sind unerlässlich, um im Markt Fuß zu fassen und ihn zu halten. Diese Erkenntnis scheint jedoch in den (über-)organisierten Strukturen der Bankenlandschaft nach und nach verloren gegangen zu sein – das mag schon sein. Allerdings unterliegen viele FinTech-Unternehmen keiner strengen Regulierung, und entweder ignorieren sie diese Vorschriften oder verlassen sich darauf, dass Banken regulierte Dienstleistungen für sie oder mit ihnen bereitstellen. Somit ergibt sich die Möglichkeit einer Partnerschaft für beide Seiten.

Aber grundsätzlich muss ich auch sagen, dass die Innovationsmeisterschaft kein Abonnement der FinTechs ist. Als Sparkasse Bremen entwickeln wir Lösungen, die auf Augenhöhe der FinTechs sind. In den letzten Jahren waren wir in manchen Bereichen sogar First Mover auf dem deutschen Markt. Das schaffen wir, indem auch wir konsequent aus Sicht der Kundinnen und Kunden denken.

Was können FinTechs besser und wie können Banken mit ihnen mithalten?

FinTechs sind, wie alle Start-ups, Abenteurer. Sie kämpfen jeden Tag um ihr Überleben um müssen sich ständig neu erfinden. Das ist per se schon Agilität par excellence. Ein weiterer großer Vorteil von FinTechs, der manchmal übersehen wird, besteht darin, dass sie nicht mit einer veralteten Infrastruktur arbeiten müssen. Im Gegensatz dazu haben Banken eine lange Geschichte, und ihre Technologie ist oft komplex, was eine Neugestaltung erschweren kann.

Obwohl es riskant und kostspielig wäre, alles über Bord zu werfen und von vorne anzufangen, können Banken ihre Stärken ausspielen, indem sie ihr Verständnis der Branche, ihre Fähigkeit zur Einhaltung von Vorschriften sowie ihr Netzwerk nutzen, das sie über Jahrzehnte aufgebaut haben. Währenddessen können FinTechs ihre Kräfte auf das Testen neuer Technologien und die Umsetzung neuer Ideen konzentrieren, um in Nischenbereichen zu gewinnen, wo sie einen Wettbewerbsvorteil haben.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Banken und Start-ups ihre komparativen Vorteile zusammenbringen können. So haben wir beispielsweise die Zusammenarbeit mit FinTechs und Start-ups zu einem festen Bestandteil bei der Entwicklung vieler unserer Bankingfunktionen für unsere Kundinnen und Kunden gemacht.

Banken und FinTechs: Innovationskraft vereint

Inwiefern profitieren beide Seiten von der Partnerschaft?

Eine solche Kooperation bringt beiden Seiten Vorteile, denn das Start-up hat dadurch Zugriff auf Märkte, Kundschaft, Markenbekanntheit sowie auf weitere personelle und finanzielle Ressourcen. Partnerschaften zwischen Start-ups und Banken können daher ein zielführendes Mittel sein, um aufseiten der etablierten Unternehmen verloren gegangene Fähigkeiten wieder ans Licht zu holen und zusätzliche Skills zu entwickeln. Natürlich sind solche Kooperationen nicht immer erfolgreich, und es kann Geld und Zeit verloren gehen.

Doch eines ist sicher: Eine Zusammenarbeit mit einem Start-up ermöglicht den Zugang zu neuen Technologien, schnelleren und weiterführenden Innovationen sowie schnellen Proof-of-Concept-Lösungen. Außerdem erlernen Bankmitarbeitende neue innovative Methoden von Start-ups.

Wo findet ihr Lösungen und vielversprechende FinTechs?

Die Sparkasse Bremen hat ihren neuen Standort in den Technologiepark neben der Universität verlegt, um die Synergien zwischen Unternehmen und Start-ups zu fördern. Durch den Austausch von innovativen Ideen und Lösungen werden hier neue Konzepte geboren. Der Campus Space in den Räumlichkeiten der Sparkasse Bremen bietet etablierten Unternehmen, jungen Firmen und Start-ups einen Raum zum Co-Working. In diesem kreativen Umfeld können aus guten Ideen echte Innovationen entstehen.

Insbesondere Start-ups in der frühen Gründungsphase haben hier die Möglichkeit, am Campus Accelerator teilzunehmen. Hierbei erhalten sie individuelle Unterstützung von verschiedenen Mitarbeitenden der Sparkasse Bremen, um aus ihrer Idee ein investitionsfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Durch die Zusammenarbeit erleben diese den Geist, die Methoden und die Denkweise der Start-ups – eine Win-win-Situation.

Wie bringt ihr Innovationen aus dem FinTech- und Start-up-Universum in die Bank?

Wir verfolgen in der Regel ein nachfrageorientiertes Modell. Am Anfang steht normalerweise ein konkretes Problem, das gelöst werden soll. Um dafür eine Lösung zu kreieren, begibt sich ein kleines Team in einen Designsprint und validiert an der Kundin bzw. am Kunden unterschiedliche Ideen. Sobald eine Idee erfolgsversprechend ist, folgt eine „Make or Buy“-Entscheidung. Fällt diese zugunsten „Buy“ aus, beginnt die Integration.

Aber man muss auch immer offen für Themen sein, die eher durch Zufall auftauchen. Lass mich dir ein Beispiel geben. Für das Campus-Accelerator-Programm hat sich z. B. ein Start-up, welches an der Universität Bremen entstanden ist, beworben. Die innovey GmbH bietet, mit ihrem Produkt Förderfrage, die Möglichkeit, mit nur ein paar Klicks das für mich und mein Vorhaben richtige Förderprogramm zu finden. Aus über 2.400 verschiedenen Programmen. Das war sozusagen Liebe auf den ersten Blick, denn unsere Kundinnen, Kunden und Berater/-innen wissen jetzt viel stressfreier, wie sie an die richtige Förderung kommen.

Bleibt abenteuerlustig und liebt eure Kundinnen und Kunden!

Was möchtest du uns bzw. den Leserinnen und Lesern noch mit auf den Weg geben?

Es gibt oft viele Gründe, warum wir Veränderungen widerwillig entgegentreten. Manchmal scheint es, dass die Banken immer noch nicht genug Druck von außen verspüren, um signifikante Veränderungen in der Branche durchzuführen. Vielleicht geht es ihnen noch zu gut. Aber könnte das nicht eine klassische Verzerrung des aktuellen Zustands sein?

Denn wenn wir uns fragen: „Okay – eigentlich wollen wir uns nicht verändern, aber wann haben wir das letzte Mal einen Plattenladen, eine Bankfiliale oder eine Videothek besucht?“, könnten wir erkennen, dass sich die Welt um uns herum ständig verändert und wir uns anpassen müssen, um relevant zu bleiben. Mein Rat lautet demnach: „Bleibt abenteuerlustig und liebt eure Kundinnen und Kunden, dann wird alles gut!“

Lieber Thede, vielen Dank für den interessanten Austausch! Wir wünschen dir und deinem Team weiterhin viel Erfolg und Innovationskraft für die nächsten Abenteuer!

Sprechen Sie uns gerne an!

René Lange / Autor BankingHub

René Lange

Head of Operations Office Berlin

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