Libra – Technik und Konsortium Ein Blick hinter die Kulissen

Nach der Ankündigung von Facebook, im Jahr 2020 eine eigene Kryptowährung namens Libra basierend auf der Blockchain-Technologie zu veröffentlichen, werden im Folgenden zunächst die strategische Zusammenstellung der dahinter stehenden Libra Association und die technologische Ausgestaltung erläutert und eingeordnet.

Die Libra Association

Die Aufgaben der in Genf ansässigen Libra Association sind die Steuerung des Netzwerks und die Verwaltung der Libra-Reserve. Das erste Endkunden-Wallet für Libra soll durch die rechtlich selbstständige Facebook-Tochter Calibra bereitgestellt werden. So soll eine Trennung der Daten zwischen den sozialen Netzwerken und dem Wallet sichergestellt werden.

Initial besteht die Libra Association aus folgenden Unternehmen:

  • Zahlungsanbieter: Mastercard, PayPal, PayU (Naspers FinTech-Arm), Stripe, Visa
  • Technologieanbieter und Plattformen: Booking Holdings, eBay, Facebook/Calibra, Farfetch, Lyft, Mercado Pago, Spotify AB, Uber Technologies Inc.
  • Telekommunikation: Iliad, Vodafone Group
  • Blockchain: Anchorage, Bison Trails, Coinbase Inc., Xapo Holdings Limited
  • Venture Capital: Andreessen Horowitz, Breakthrough Initiatives, Ribbit Capital, Thrive Capital, Union Square Ventures
  • Non-Profit-Organisationen, multilaterale Organisationen und akademische Institutionen: Creative Destruction Lab, Kiva, Mercy Corps, Women’s World Banking

In diesem Konsortium haben alle Mitglieder die gleichen Rechte und Verpflichtungen. Alle politischen sowie technischen Entscheidungen bedürfen der Zustimmung von zwei Dritteln der Stimmen.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Erfahren Sie alle 2 Wochen von unseren Experten, was gerade wichtig ist.

Senden Sie mir den BankingHub Newsletter zu. Ich bin ausdrücklich damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Das technische Set-up von Libra

Die Libra-Blockchain basiert auf etablierten Standards der Blockchain-Technologie: Der Validierungs- und Konsensmechanismus geschieht über den erweiterten BFT-Standard (Byzantinische Fehlertoleranz). Dies bedeutet, dass bei Libra – wie bei vielen anderen Blockchain-Lösungen – identische Kopien der gesamten Transaktionshistorie dezentral geführt werden.

Jede neue Transaktion wird geprüft und durch die partizipierenden Parteien bestätigt. Dezentral heißt hier, dass nicht eine Organisation oder ein Unternehmen alle Informationen exklusiv vorhält und verarbeitet, sondern alle an dem Netzwerk beteiligten Parteien die Transaktionen verarbeiten. So wird erreicht, dass selbst bei einem Systemausfall oder böswilliger Manipulation einzelner Kopien die Arbeitsfähigkeit des Systems sichergestellt ist.

Zum Start der Libra-Blockchain ist jedoch nicht jede partizipierende Partei (= jeder Nutzer) gleichberechtigt – es erhalten ausschließlich die Mitglieder der Libra Association die Kontrolle, denn sie validieren die Transaktionen.

Perspektivisch, d. h. innerhalb von fünf Jahren nach dem Start von Libra, soll von dieser zentralisierten Ausrichtung in ein echtes dezentrales System übergegangen werden, sodass in Zukunft alle Nutzer eine Kopie der Transaktionen vorhalten und neue Transaktionen auch validieren können.

Ein entscheidender Grund, das Libra-Netzwerk initial nicht offen zu gestalten, ist die enorme Herausforderung, eine skalierbare performante technische Lösung bereitzustellen.

Für den Ansatz, wie Libra ihn initial vorgesehen hat, ist eine einfache Architektur, wie z. B. eine gängige Datenbanklösung, durchaus ausreichend. Von daher ist unklar, ob es das grundsätzliche Ziel ist, die Stärken der Blockchain-Technologie, wie beispielsweise größere Transparenz und Sicherheit von Transkationen, zu nutzen oder ob dies nur ein Versuch ist, auf der „Blockchain-Welle“ zu reiten.

Das Wallet Calibra

Der Zugriff auf die Blockchain-Anwendung – das Halten sowie Transferieren von Libra Coin – wird initial ausschließlich durch das Calibra Wallet ermöglicht, welches durch die gleichnamige Facebook-Tochter entwickelt und angeboten wird. Es ist vorgesehen, dass sich jeder Nutzer legitimeren muss, d. h., es wird nicht möglich sein, Transaktionen vollständig anonym zu tätigen.

Das Libra-Protokoll an sich setzt allerdings keine Legitimierung voraus. Die Entwicklung von Libra erfolgt „open source“ und kann von einer wachsenden Community an interessierten Entwicklern mitgesteuert werden.

Aus diesem Grund wird es grundsätzlich auch möglich sein, dass den Nutzern mit der Zeit neben Calibra weitere Wallets von institutionellen Anbietern und auch aus der Community heraus angeboten werden.

Für die Mitglieder des Konsortiums ist der Öffnungsgrad eine Frage der Strategie: Je mehr sich die Technologie für die Community öffnet, desto mehr steigt das Vertrauen der Entwickler und Nutzer, was neue Innovationen auf der Libra-Blockchain fördert.

Dies führt langfristig zu einem Anwachsen des Ökosystems, wodurch sich für die Association-Mitglieder wiederum positive Effekte ergeben. Auf der anderen Seite steht jeder weitere Schritt hin zu einer vollständigen Öffnung dem Verlust von Kontrollmöglichkeiten gegenüber. Jedoch entspricht diese Öffnung oder Demokratisierung der Infrastruktur dem Grundgedanken der Blockchain-Technologie.

Das Erlösmodell der Libra Association

Die Motivation der Mitglieder der Libra Association ist nicht altruistischer Natur. Natürlich kann erwartet werden, dass Calibra für viele Menschen in Schwellenländern die erste Möglichkeit darstellt, in Kontakt mit Finanzdienstleistungen zu kommen, was viele positive Effekte nach sich zieht.

In Kombination mit anderen Anwendungen, wie z. B. Instagram, WhatsApp oder Spotify, kann die Benutzung des Libra Coin eine Vereinfachung von Zahlungsprozessen und Transaktionen für den Endkunden bedeuten und damit zu höheren Umsätzen der Plattformeigner beitragen.

Des Weiteren erwarten diese, von der Datenerfassung zu profitieren. Eine direkte Einnahmequelle stellt der Libra Investment Token (LIT) dar, den die initialen Mitglieder der Libra Association erhalten. Über die Verteilung lässt sich der Verteilungsschlüssel für die Ausschüttung von Gewinnen, beispielsweise Zinseinnahmen aus der Währungsreserve, ableiten.

Libra Association – Ausblick

Bis zum geplanten Start im ersten Halbjahr 2020 ist es das Ziel, rund 100 Mitglieder für die Libra Association zu gewinnen. Um Mitglied zu werden, müssen Unternehmen bzw. Organisationen gewisse Bedingungen erfüllen. Sie müssen z. B. einen Marktwert von 1 Mrd. USD oder ein Kundenguthaben von 500 Mio USD aufweisen.

Bei näherer Betrachtung der aktuell bekannten Mitglieder sticht heraus, dass bisher weder eine große internationale Bank noch staatliche Aufsichtsbehörden Teil der Libra Association sind. Aus diesem Grund gilt es besonders, die Entwicklung und den Zuwachs des Konsortiums im Auge zu behalten.

Die Marktmacht und enorme Reichweite der im Konsortium vertretenen Unternehmen machen weiterhin ein dezidiertes und kritisches Auseinandersetzen mit dem Libra Coin unabdingbar.

Quelle

libra (2019): Einführung in Libra, White Paper und Die Libra-Reserve.

Mit BankingHub keinen Trend verpassen

Einfach E-Mail-Adresse eingeben, und Sie erhalten alle 2 Wochen die neuesten Analysen und Berichte unserer Banking-Experten – direkt in Ihr Postfach.

Senden Sie mir den BankingHub Newsletter zu. Ich bin ausdrücklich damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann.

Autor Moritz Lederer / BankingHub

Moritz Lederer

Manager Office Frankfurt
Autor Joachim Lübbers / BankingHub

Joachim Lübbers

Consultant Office Hamburg

Autoren

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mit BankingHub immer auf dem Laufenden!

Einfach E-Mail-Adresse eingeben, und Sie erhalten alle 2 Wochen die neuesten Analysen und Berichte unserer Banking-Experten – direkt in Ihr Postfach. Sie können den Newsletter jederzeit wieder kündigen.