Digitale Immobilienvermittlung und -finanzierung mit McMakler Interview mit Patrick Breuer, Head of Mortgage Product, bei McMakler, zu Entwicklungen der digitalen Vermittlung & Finanzierung von Immobilien

Patrick Breuer ist seit diesem Jahr Head of Mortgage Product bei McMakler. Das Unternehmen wurde 2015 in Berlin gegründet und fokussiert sich auf die digitale Immobilienvermittlung und -finanzierung über eine eigene Plattform. 

Mit Blick auf den zunehmenden Digitalisierungsdruck im fragmentierten und häufig noch analogen Maklergeschäft, haben wir uns mit Patrick zu aktuellen Entwicklungen im Markt und bei McMakler, sowie über Unterschiede zwischen traditionellen Unternehmen und Startups ausgetauscht. Vor seiner Zeit bei McMakler war Patrick als Head of Bank Services bei smava tätig, einem plattformbasierten Kreditvermittler.

Hallo Patrick, seit diesem Jahr unterstützt du McMakler als Head of Mortgage Product. Bitte erläutere doch kurz zu Beginn, welches Geschäftsmodell McMakler verfolgt?

Patrick Breuer zur digitalen Immobilienvermittlung und -finanzierung mit McMakler

McMakler erleichtert den Immobilienverkauf durch eine Kombination aus moderner Vermarktungstechnologie und persönlicher Beratung durch unsere festangestellten Makler/-innen vor Ort. 

Wir agieren dabei in ganz Deutschland sowie Österreich und Frankreich.

Mit diesem Geschäftsmodell hat sich McMakler zu einem Pionier der Digitalisierung in der Immobilienbranche und zu einem der am schnellsten wachsenden Immobilienmaklerunternehmen Deutschlands entwickelt.

Neben dem Kerngeschäft bietet McMakler dabei auch noch weitere Leistungen an, wie beispielsweise die Vermittlung von Baufinanzierungen oder Modernisierungsdarlehen sowie die Erstellung von Energieausweisen.

Welche besonderen Entwicklungen hast du insbesondere während der Coronapandemie im Vermittler- und Finanzierungsgeschäft von Immobilien beobachten können?

Durch die Coronakrise hat sich die Akzeptanz, digitale Features zu nutzen, extrem beschleunigt. So konnten auch wir unser Maklergeschäft problemlos fortsetzen: Von Immobilienbewertungen, die wir gemeinsam mit den Eigentümerinnen und Eigentümern über Screensharing durchführen, über 360-Grad-Besichtigungen aller Immobilienangebote bis hin zu vermehrten Telefon- und Videoterminen bieten wir unseren Kunden viele Möglichkeiten an, ohne dass sie das Haus verlassen müssen.

Auch wenn Corona sicherlich zunächst ein Schock für alle war – das Kundenwachstum war danach umso deutlicher. Dies betrifft sowohl den Immobilien- als auch Finanzierungsmarkt.

Wie würdest du insgesamt die Kooperationsbereitschaft von Banken mit Drittplattformen bewerten?

Als Vermittler sehen wir zunehmend eine größer werdende Bereitschaft für Kooperationen zwischen Banken und Plattformen im Allgemeinen. Wir sind beispielsweise mit unseren Finanzierungsspezialisten sehr lokal aufgestellt. Das ist wichtig, damit wir nicht nur die spezifischen Eigenheiten des entsprechenden regionalen Markts kennen, sondern diese auch mit einem guten Draht zu den lokalen Kreditgebern verknüpfen können.

Insgesamt sind wir sehr an einer guten Beziehung zu unseren lokalen Ansprechpersonen bei den Banken bemüht. Davon profitieren letztendlich alle Beteiligten – von Kaufenden über Makler/-innen bis Banken.

Welche Strategien verfolgt McMakler langfristig, um weiterhin in einem wettbewerbsintensiven Markt zu wachsen?

Insgesamt sprechen wir im Maklerbereich über einen stark fragmentierten Markt, in dem auch die großen Anbieter nur geringe einstellige Marktanteile halten. Hier möchten wir über weitere Kooperationen – insbesondere mit teils noch wenig onlinepräsenten Maklern – wachsen.

Auch auf der Finanzierungsseite sehen wir Potenzial. Natürlich möchten wir den Markt mit bestehenden Produkten weiter durchdringen, z. B. durch den konsequenten Ausbau von digitaler und telefonischer Beratung. Hier setzen wir auf gut ausgebildete Finanzierungsspezialistinnen und -spezialisten. Zudem treten wir bereits als Vermittler für über 500 Banken auf. Gleichzeitig sind wir aber auch auf der Suche nach neuen Finanzierungsprodukten für unser Portfolio rund um das Thema Immobilie.

Einer unserer zentralen Wettbewerbsvorteile ist die einfache und effiziente Abwicklung, welche nicht nur unsere Kunden, sondern auch Kooperationspartner von uns überzeugt.

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Neben deiner Zeit im Bereich PropTech (McMakler) und FinTech (smava) hast du auch traditionellere Institute wie die Postbank bzw. Deutsche Bank intensiv kennengelernt. Welche Unterschiede sind dir im Besonderen aufgefallen?

Grundsätzlich sind es meistens eher kulturelle Themen, die sich auf die agierenden Personen zurückführen lassen. Im Start-up – egal ob PropTech oder FinTech – ist sprichwörtlich ein anderes Mindset spürbar. Die Erfolge und Herausforderungen im Start-up bringen viele Mitarbeitenden eng zusammen, sodass Privates und Berufliches häufig verschwimmt. Ein derartiger Zusammenhalt fehlt in traditionellen Instituten häufig komplett. Ich habe selten eine vergleichbare positive „Macherkultur“ in großen Organisationen gesehen.

Veränderungen werden in traditionellen Instituten meist ausschließlich unter der Kostenperspektive diskutiert. Bevor eine vermeintlich gute Idee bei der eigenen Führungskraft präsentiert oder bevor dafür mit Herzblut gekämpft wird, sagt man lieber nichts, um den möglichen Konflikt zu vermeiden – nicht, dass der mutige Vorstoß noch zum Karrierekiller wird. Insgesamt führt das natürlich zu einer anderen Stimmung im Team und der gesamten Organisation. Das hat aus meiner Sicht auch viel mit dem wenig agilen Führungsverhalten zu tun. Kontrolle geht weiterhin über Vertrauen und Befähigung. Ausnahmen bestätigen aber selbstverständlich die Regel.

In vielen Start-ups haben Mitarbeitende deutlich mehr Freiheiten. Egal ob Praktikantin, Angestellter oder Führungskraft – in der Tendenz werden die besten Ideen umgesetzt. Auch werden junge Menschen früh in verantwortungsvolle Positionen gebracht und Fehler offen und konstruktiv diskutiert. Ich kann das aus eigener Erfahrung berichten.

Zudem bin ich davon überzeugt, dass jeder Mensch auf eine gewisse Art und Weise einen Sinn in der eigenen Arbeit sucht. Von dem, was ich bisher gesehen habe, ist dies durch die Vision, die Aufgaben und Projekte in einem Start-up eher gegeben.

Dass auch in einem Start-up nicht alles perfekt läuft, sollte aber hinreichend bekannt sein. Den systematischen Unterschied zu klassischen Organisationen sehe ich aber dennoch.

Welche Handlungsfelder sollten traditionelle Finanzinstitute im Kontext Immobilie aus deiner Sicht insbesondere angehen?

In der Finanzbranche stelle ich immer wieder fest, dass viele Kunden sich noch nicht mit der heutigen digitalen Welt angefreundet haben. Das liegt sicherlich auch daran, dass viele Entscheidungsträger/‑innen selbst noch aus der nicht digitalen Zeit kommen und daher Innovationen teilweise kritisch gegenüberstehen.

Das hat leider oft zur Folge, dass einige gewinnbringende Ideen und Projekte aufgrund von Bedenken der Führungskräfte nicht angegangen werden. Hier braucht es sicherlich mehr „Digital Natives“ an den richtigen Stellen – und damit meine ich nicht nur die coolen Digital Hubs oder Innovation Center, sondern beispielsweise auch die kritischen Businesseinheiten wie Compliance, Datenschutz etc.

Vielen Dank für das Interview, Patrick!

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Autor: Lars Krahnstöver / BankingHub

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