Welche Innovationen werden derzeit am Markt eingeführt? Vom Privatkundengeschäft bis zur Vermögensverwaltung

Nach Ansicht von Marktexperten wird sich die Bankenwelt von morgen erheblich verändert haben und von bedeutenden Entwicklungen in den Bereichen Plattformen/intelligente Ökosysteme, Blockchain, künstliche Intelligenz/maschinelles Lernen und Augmented/Virtual Reality geprägt sein.

Megatrends wie Plattformlösungen oder künstliche Intelligenz werden heiß diskutiert und liegen im Trend. Oftmals werden diese Ideen allerdings nur sehr theoretisch beschrieben und erwecken zwar den Eindruck, dass solche Entwicklungen irgendwann konkret werden können, heute aber eher noch eine Zukunftsvision darstellen.

Jedoch werden bereits heute eine Vielzahl von Innovationen auf den Markt gebracht, die in Richtung dieser Megatrends weisen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die mobile Bank N26[1]. Seit Markteintritt im Jahr 2015 hat N26 einen Kundenstamm von mehr als 2 Millionen Kunden in 17 europäischen Ländern aufgebaut und plant nun den Einstieg in die Märkte Großbritanniens und der USA. Derzeit bietet sie Privatkunden ein kostenloses, einfaches und ausschließlich mobiles Bankkonto an. Dessen Einrichtung erfolgt innerhalb von acht Minuten, einschließlich der Online-Identifizierung über den Video-Identifikationsanbieter IDnow. Ist das Konto bei N26 einmal eingerichtet, dient es als Plattform für verschiedenste Bankgeschäfte für den digitalen, bargeldlosen Kunden. Es bietet Dienstleistungen wie Sofortüberweisungen, Zahlungsaufforderungen, die Nutzung von Google Pay, Statistiken über laufende Ausgaben und den Export von CSV-Dateien.

Vom Retail zum Private Banking

DBS iWealth[2] ist eine „Digital Asset Management“-Plattform, die es Kunden ermöglicht, ihre komplexen Bankgeschäfte weltweit rund um die Uhr abzuwickeln. Über diese Plattform können Kunden Überweisungen tätigen, Rechnungen bezahlen, eine Aufgliederung ihrer Portfoliobewegungen einsehen, in die unterschiedlichsten Währungen investieren oder mit ihnen handeln und erhalten darüber hinaus personalisierte Research-Informationen. DBS iWealth ist Teil der umfangreicheren DBS-Bankenplattform, die Ende 2017 als Entwicklerplattform für Bank-APIs eingerichtet wurde. Ziel dabei war es, die Marktführerschaft bei der Schaffung innovativer und kundenzentrierter Erfahrungen zu erlangen, indem anderen Unternehmen, FinTechs und Softwareentwicklern eine Vielzahl von APIs zur Verfügung gestellt werden.

Bereits heute haben sich mehr als 50 Firmen (darunter große Unternehmen wie McDonald’s, AIG, MSIG und PropertyGuru) der DBS-Plattform angeschlossen, um Lösungen zur Verbesserung der Kundenzufriedenheit zu entwickeln. Konkret bietet z. B. der Lieferservice von McDonald’s (McDelivery) den Kunden eine schnelle, bargeldlose Bezahlung über PayLah!, die Zahlungsanwendung innerhalb der DBS-Plattform. Zu diesem Zweck hat sich McDonald’s über die DBS-Banking-APIs mit der Plattform verbunden. Ist diese Verbindung einmal eingerichtet, kann der Kunde mittels PayLah!-App die McDelivery-Bestellung bezahlen.

Im Hinblick auf weitere Innovationen im Wealth-Management-Bereich hat UBS[3] kürzlich einen Klon ihres Chefökonomen Daniel Kalt als Avatar eingeführt. Da Kalt einen vollen Terminkalender hat, entstand die Idee, dass sich der Avatar mit mehreren Kunden gleichzeitig treffen und über einen interaktiven Video-Chat, der vollständig auf vordefinierten Informationen basiert, mit ihnen über bestimmte Themen diskutieren kann. Dies ermöglicht es UBS, Expertenwissen kurzfristig und ohne die physische Anwesenheit von Herrn Kalt in Kundengespräche zu integrieren. Ein ganzes Team von Design-, Technologie- und Branchenexperten arbeitet an der Entwicklung des Avatars, um diesen so authentisch und informativ wie möglich erscheinen zu lassen.

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Canopy als Datenexperte für Privatbanken und Vermögensverwalter

Mit Blick über den B2C-Markt hinaus, hat sich auf dem B2B-Markt Canopy[4] als Datenexperte für Privatbanken und Vermögensverwalter positioniert. Gegründet 2015 in Singapur, bietet Canopy ein übersichtliches und genaues Abbild des gesamten Vermögens eines HNWI (High-Net-Worth-Individual). Zu diesem Zweck analysiert das System Daten aus verschiedenen Banksystemen, elektronischen Datenfeeds und jeglichen anderen Dokumentationsarten, wie z. B. PDF-Dateien. Nach der Verarbeitung innerhalb der Canopy-Engine werden bereinigte Daten für die weitere Aggregation, Analyse und Visualisierung bereitgestellt. Diese Informationen, die alle Vermögenswerte des Kunden umfassen, ermöglichen es dem Kundenbetreuer, die Traktion zu erhöhen, und können in Kombination mit verschiedenen dynamischen Ausgabeformaten seine Arbeit erheblich verbessern. Der digitale Private-Banking-Bereich der Credit Suisse hat die Daten-Engine Canopy bereits implementiert, mit der Folge, dass sich die Bank nun als ganzheitlicher Berater mit mehr Substanz positionieren kann.

Aktuelle Auswirkungen auf Privatbanken

Die obigen Beispiele zeigen, wie sich die Entwicklung hin zu Megatrends wie intelligenten Ökosystemen, künstlicher Intelligenz oder virtueller Realität bereits heute vollzieht. Auch wenn sich die aktuellen Fälle auf Großbanken und FinTechs konzentrieren, deuten sie darauf hin, dass die Entwicklung hin zum digitalen Private Banking begonnen hat. Zweifellos passt nicht jeder Megatrend zu jeder Privatbank. Um jedoch am Ball zu bleiben, benötigt jede Bank eine klare Vorstellung von ihrer digitalen Zukunft und sollte daher besser heute als morgen entsprechend handeln.

[1] N26 (2019): Website
[2] DBS iWealth (2019): Website
[3] Canopy (2019): Website
[4] UBS Homepage (2019): Website
CS (2019): Website
Financial Times (2019): Website

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Autor Elisa Schickling

Elisa Schickling

Consultant Office Frankfurt

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