Dieses Bild wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) generiert.

Regionalbankenstudie Österreich 2026: Zwischen Normalisierung und Neuaufbruch

Dieses Bild wurde mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) generiert.
Was bedeutet die neue Marktlage konkret für österreichische Regionalbanken – und worauf sollten Entscheider:innen jetzt achten? Der Artikel zeigt, warum die starken Ergebnisse der vergangenen Jahre kein Selbstläufer bleiben, welche Risiken und Chancen sich bis 2030 abzeichnen und welche strategischen Hebel Institute jetzt priorisieren sollten.

Im Mittelpunkt stehen drei Fragen: Wie robust ist das Geschäftsmodell? Wo entstehen neue Ertragspotenziale? Und wie können Effizienz, Produktivität und künstliche Intelligenz zur künftigen Wettbewerbsfähigkeit beitragen?

Wie widerstandsfähig sind Österreichs Regionalbanken?

Vor einem Jahr zeichnete die zeb.Regionalbankenstudie Österreich ein insgesamt positives Bild. Nach einer langen Phase historisch niedriger Zinsen profitierten die Institute von der Zinswende, steigerten ihre Ertragskraft deutlich und schufen die Grundlage für weiteres Wachstum. Die zentrale Frage lautete damals, wie Regionalbanken diese neue Stärke nutzen können, um ihre Position langfristig auszubauen.

Ein Jahr später präsentiert sich die Ausgangslage differenzierter. Die österreichischen Regionalbanken stehen weiterhin auf einem soliden Fundament, gleichzeitig hat sich das Umfeld spürbar verändert. Die außergewöhnlichen Erträge der vergangenen Jahre normalisieren sich, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd, und die Unsicherheit über die weitere Entwicklung ist größer als noch vor zwölf Monaten. Die zentrale Frage der diesjährigen Studie lautet daher: Wie widerstandsfähig sind die Geschäftsmodelle österreichischer Regionalbanken in einem zunehmend volatilen Umfeld?

Warum geht die Phase der Rekorderträge zu Ende?

Die Jahre 2023 und 2024 waren für viele Regionalbanken außergewöhnlich erfolgreich. Vor allem das veränderte Zinsumfeld führte zu einer deutlichen Verbesserung der Ertragslage. 2025 zeigte sich jedoch erstmals, dass diese Entwicklung keine Selbstverständlichkeit ist.

Die Zinsergebnisse beginnen, sich zu normalisieren, während gleichzeitig der Kostendruck hoch bleibt. Inflation, steigende Personalaufwendungen, Investitionen in Digitalisierung und höhere regulatorische Anforderungen belasten die Kostenbasis vieler Institute. Hinzu kommen weiterhin erhöhte Risikokosten, die zwar unter ihren jüngsten Höchstständen liegen, aber nach wie vor über dem Niveau früherer Jahre verharren.

Die Branche befindet sich damit nicht in einer Ertragskrise. Vielmehr findet eine Rückkehr zur Normalität statt. Künftige Ergebnissteigerungen werden weniger durch externe Faktoren und stärker durch die eigene Leistungsfähigkeit bestimmt werden.

Ergebnisentwicklung der österreichischen Regionalbanken Abbildung 1: Ergebnisentwicklung der österreichischen Regionalbanken

Die Abbildung 1 stellt die finanzielle Entwicklung der österreichischen Regionalbanken von 2018 bis 2025 dar und vergleicht sie mit deutschen Benchmark-Werten. Sie zeigt die Zusammensetzung der Ergebnisse aus Zins- und Provisionsüberschüssen und den Einfluss von Kosten und Risikovorsorgen.

Warum wird Unsicherheit zum neuen Normalzustand?

Gleichzeitig bleibt das makroökonomische Umfeld anspruchsvoll. Österreich kämpft weiterhin mit einer vergleichsweise schwachen Wachstumsdynamik. Geopolitische Spannungen, volatile Energiepreise und anhaltende Unsicherheiten über die weitere Zinsentwicklung erschweren die Planung zusätzlich.

Besonders auffällig ist dabei die hohe Bandbreite möglicher Entwicklungen. Während noch vor wenigen Jahren volkswirtschaftliche Prognosen relativ stabil erschienen, mussten die Erwartungen in den vergangenen Quartalen mehrfach und teilweise deutlich angepasst werden. Für Banken bedeutet dies: Die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen, wird zunehmend wichtiger als die Fähigkeit, einzelne Entwicklungen präzise vorherzusagen.

Welche Entwicklungen sind denkbar?

Zwei Szenarien

Vor diesem Hintergrund untersucht die diesjährige Studie erstmals detailliert unterschiedliche Entwicklungspfade bis 2030, welche anhand von zwei Szenarien – dem Basisszenario und dem Rezessionsszenario – simuliert werden.

Im Basisszenario wird von einer schrittweisen wirtschaftlichen Erholung ausgegangen. Die Risikokosten sinken wieder, die Insolvenzentwicklung stabilisiert sich, und die Zinsstrukturkurve entwickelt sich, wie durch die Forward-Märkte impliziert, unterstützend. Unter diesen Annahmen gelingt dem Regionalbankensektor eine kontinuierliche Verbesserung der Ertragslage bis zum Ende des Jahrzehnts.

Doch selbst in diesem positiven Szenario entstehen die Ergebniszuwächse nicht mehr automatisch. Produktivität, Kostenmanagement und die konsequente Weiterentwicklung des Geschäftsmodells werden zu zentralen Erfolgsfaktoren.

Dem gegenüber steht ein Rezessionsszenario, das von einer erneuten wirtschaftlichen Eintrübung ausgeht. Sinkende Zinsen treffen hier auf steigende Kreditausfälle und höhere Risikokosten. Genau jene Ertragsquellen, die in den vergangenen Jahren für die positiven Ergebnisse verantwortlich waren, würden dadurch gleichzeitig belastet.

Welche Entwicklungen sind bei österreichischen Regionalbdenkbar? Basisszenario und Rezessionsszenario Abbildung 2: Zinsüberschuss und Betriebsergebnis: Basisszenario vs. Rezessionsszenario

Die Abbildung 2 zeigt zwei Liniendiagramme, die die Entwicklung des Zinsüberschusses und des Betriebsergebnisses bis 2030 in zwei unterschiedlichen Wirtschaftsszenarien darstellen. Dabei wird die hohe Sensitivität der Bankgeschäftsmodelle gegenüber externen Faktoren, wie etwa einer möglichen Rezession, deutlich.

Die Ergebnisse dieser Simulation verdeutlichen die hohe Sensitivität vieler Geschäftsmodelle gegenüber externen Einflüssen. Während einige Institute auch unter schwierigeren Bedingungen robuste Ergebnisse erzielen könnten, würden andere deutlich stärker unter Druck geraten. Die Studie macht damit vor allem eines sichtbar: Die Unterschiede zwischen widerstandsfähigen und weniger widerstandsfähigen Geschäftsmodellen werden künftig größer.

Verteilung der österreichischen Regionalbanken nach Ergebnisklassen Abbildung 3: Verteilung der österreichischen Regionalbanken nach Ergebnisklassen

Diese Abbildung 3 veranschaulicht die mögliche Veränderung der Verteilung der Banken auf verschiedene Rentabilitätsstufen von der Ausgangslage im Jahr 2024 bis zum Simulationsjahr 2028. Es verdeutlicht, dass im Falle einer Rezession der Anteil der Institute mit sehr guten Ergebnissen (über 1 %) massiv zugunsten schwächerer Ergebnisklassen schrumpfen würde.

Welche neuen Prioritäten gelten für das Bankmanagement in Österreich?

Die strategische Agenda der Regionalbanken verändert sich dadurch spürbar.

Während in den vergangenen Jahren vielfach das Management der Zinswende im Vordergrund stand, rücken heute Themen wie Ertragsdiversifikation, Effizienzsteigerung und Produktivität stärker in den Fokus. Viele Institute arbeiten daran, ihre Abhängigkeit vom klassischen Zinsgeschäft zu reduzieren und zusätzliche Ertragsquellen zu erschließen.

Besondere Bedeutung gewinnen dabei das Wertpapiergeschäft, Private Banking, spezialisierte Finanzierungslösungen sowie eine konsequentere Ausschöpfung vorhandener Kundenpotenziale. Gleichzeitig bleibt die regionale Verankerung ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil gegenüber überregionalen und rein digitalen Anbietern.

Warum wird das Betriebsmodell zum strategischen Erfolgsfaktor?

Mindestens ebenso wichtig wie neue Ertragsquellen ist die Weiterentwicklung des Betriebsmodells. Die Anforderungen der Kunden verändern sich ebenso wie die Erwartungen der Mitarbeitenden. Darüber hinaus verschärfen Fachkräftemangel und Kostendruck die Anforderungen an Effizienz und Skalierbarkeit.

Viele Regionalbanken arbeiten daher an hybriden Service- und Vertriebsmodellen, die digitale Angebote stärker mit persönlicher Beratung verzahnen. Ziel ist es, die traditionelle Stärke regionaler Banken – Kundennähe und Vertrauen – zu erhalten und gleichzeitig Produktivitätspotenziale konsequent zu nutzen.

Die Fähigkeit, Prozesse zu vereinfachen und organisatorische Komplexität zu reduzieren, entwickelt sich dabei zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Warum wird KI vom Innovationsthema zum operativen Produktivitätshebel?

Auch beim Thema künstlicher Intelligenz ist im Vergleich zur Vorjahresstudie eine deutliche Entwicklung sichtbar.

Während 2025 vor allem über Potenziale, Anwendungsfelder und Zukunftsperspektiven diskutiert wurde, beschäftigen sich viele Institute inzwischen mit konkreten Einsatzszenarien. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger visionäre Zukunftsbilder als vielmehr pragmatische Anwendungen entlang der Wertschöpfungskette.

Besonders relevant erscheinen Lösungen zur Unterstützung von Berater:innen, zur Automatisierung administrativer Tätigkeiten, zur effizienteren Bearbeitung von Marktfolgeprozessen oder zur intelligenten Auswertung großer Datenmengen. Gleichzeitig investieren zahlreiche Institute in Datenplattformen, Governance-Strukturen und technologische Voraussetzungen für einen breiteren KI-Einsatz.

Entlastungspotenzial durch KI je Bereich Abbildung 4: Entlastungspotenzial durch KI je Bereich

Die Abbildung 4 zeigt den Wandel des Arbeitsalltags einer Kundenberaterin bis 2035 sowie das prozentuale Entlastungspotenzial durch KI in verschiedenen Bankabteilungen. Für eine typische Regionalbank wird das durchschnittliche Potenzial zur Arbeitserleichterung dabei auf etwa 30 % geschätzt.

Die Studie zeigt damit einen deutlichen Reifegradfortschritt: KI wird zunehmend nicht mehr als isoliertes Innovationsthema betrachtet, sondern als Baustein einer umfassenderen Transformation von Betriebsmodell, Produktivität und Steuerung.

Fazit: Resilienz wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor

Die Regionalbankenstudie Österreich 2026 zeichnet insgesamt das Bild einer Branche, die aus einer Position der Stärke heraus in eine neue Phase eintritt. Die außergewöhnlichen Rückenwinde der vergangenen Jahre lassen nach, gleichzeitig steigt die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Damit verschiebt sich der Fokus von kurzfristiger Ergebnisoptimierung hin zur langfristigen Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells. Erfolgreich werden jene Institute sein, die ihre regionale Verankerung mit einer breiteren Ertragsbasis, effizienten Prozessen, moderner Technologie und hoher Anpassungsfähigkeit verbinden.

Die zentrale Erkenntnis der diesjährigen Studie lautet daher: Nicht das Zukunftsszenario entscheidet über den künftigen Erfolg österreichischer Regionalbanken, sondern die Fähigkeit, auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet zu sein und erfolgreich zu bleiben. Genau darin liegt die neue Definition von Resilienz.

Mehr zu Regionalbanken

Regionalbanken – insbesondere Sparkassen und Genossenschaftsbanken – sind tragende Säulen des deutschen Finanzsystems. Sie sichern die bedarfsgerechte Finanzierung von Privatkunden, Unternehmen und Kommunen vor Ort und leisten damit einen zentralen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Regionen.

Mehr über unsere Studie

Österreichs Regionalbanken starten aus einer Position der Stärke in eine Phase deutlich anspruchsvollerer Rahmenbedingungen. Die gute Kapitalausstattung und stabile Geschäftsmodelle bieten eine solide Ausgangsbasis.

Wer die Entwicklungen für sein Institut einordnen und mögliche Handlungsoptionen ableiten möchte, kann sich gerne an uns wenden. Unsere Expert:innen stehen Ihnen gerne für ein Gespräch oder eine vertiefende Analyse zur Verfügung.

Informieren Sie sich jetzt!
Die neue Harmonie in der Banksteuerung

Bei Regionalbanken wächst der Druck – getrieben durch demografische Trends, steigende regulatorische Anforderungen, IT-Komplexität und volatile Ergebnisquellen.

Vor dem Hintergrund dieser vielfältigen Themen und Herausforderungen zeigt unser Whitepaper: Um die Steuerungsfähigkeit von Regionalbanken zu verbessern, ist ein Zusammenspiel von Tempo, Lautstärke und Rhythmik erforderlich.

Mehr dazu lesen Sie in unserem aktuellen Whitepaper - jetzt downloaden!

Sie sollten nun in der Lage sein, über diese zentralen Punkte des Artikels zu sprechen:

Warum endet die Phase der Rekordergebnisse für österreichische Regionalbanken?

Die außergewöhnlich hohen Erträge der Jahre 2023 und 2024 normalisieren sich vor allem aufgrund eines veränderten Zinsumfelds. Gleichzeitig belasten anhaltend hoher Kostendruck (durch Inflation und Personal) sowie notwendige Investitionen in die Digitalisierung und erhöhte Risikokosten die Ergebnisse.

Welche strategischen Schwerpunkte muss das Bankmanagement jetzt setzen?

Anstatt sich auf die Zinsergebnisse zu verlassen, rücken nun die Ertragsdiversifikation – etwa durch das Wertpapiergeschäft und das Private Banking – sowie die Steigerung der Effizienz und Produktivität in den Fokus.

Wie zeichnet sich eine resiliente Regionalbank in Zukunft aus?

Resilienz bedeutet im aktuellen Marktumfeld nicht, eine einzelne Entwicklung exakt vorherzusagen, sondern auf verschiedene Szenarien vorbereitet zu sein. Erfolgreiche Institute zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre regionale Stärke mit effizienten Prozessen, moderner Technologie und einer breiten Ertragsbasis kombinieren

Sprechen Sie uns gerne an!

Dr. Michaela Schneider/ Autorin BankingHub

Dr. Michaela Schneider

Geschäftsführende Partnerin von zeb in Österreich Office Wien
Andreas Sumper / Autor BankingHub

Mag. Dr. Andreas Sumper

Partner bei zeb Office Wien
Oliver Rosenthal / Autor BankingHub

Oliver Rosenthal

Head of Research bei zeb Office Münster
Nikolas Pick / Autor BankingHub

Nikolas Pick

Senior Consultant bei zeb Office Münster
David Scholz / Autor BankingHub

David Scholz

Consultant bei zeb Office Berlin

Artikel teilen

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

BankingHub-Newsletter

Analysen, Artikel sowie Interviews rund um Trends und Innovationen
im Banking alle 2 Wochen direkt in Ihr Postfach