Regionalbankenstudie Österreich 2025: Wie sieht die Zukunft der österreichischen Regionalbanken aus?

Unsere Regionalbankenstudie Österreich zeigt, die Jahre 2023 und 2024 markieren einen Ausnahmezustand in der jüngeren Geschichte der österreichischen Regionalbanken. Getragen von der Zinswende erzielten viele Institute Ergebnisse, die lange Zeit als kaum erreichbar galten. Hohe Zinsüberschüsse, robuste Eigenkapitalquoten und eine insgesamt stabile Kostenbasis vermittelten den Eindruck struktureller Stärke. Diese Entwicklung war jedoch weniger Ausdruck eines nachhaltig veränderten Geschäftsmodells als vielmehr das Resultat eines außergewöhnlichen Marktumfelds.

Mit dem Auslaufen dieses Rückenwinds wird zunehmend sichtbar, dass die Rekordjahre vor allem den Übergang in eine neue Phase markieren – eine Phase, in der sich entscheidet, wie widerstandsfähig die Geschäftsmodelle jenseits günstiger Rahmenbedingungen tatsächlich sind. Im Folgenden geben wir Ihnen einen Einblick in unsere Regionalbankenstudie Österreich 2025 und zeigen Ihnen, wie es um die Zukunft der österreichischen Regionalbanken steht:

Warum lässt die Tragfähigkeit der Regionalbanken trotz hoher Zinsüberschüsse nach?

Auf aggregierter Ebene präsentieren sich die österreichischen Regionalbanken in unserer Regionalbankenstudie Österreich 2025 weiterhin in sehr guter Verfassung. Der Zinsüberschuss verharrt 2024 auf einem außergewöhnlich hohen Stand von rund 50 % über dem Niveau vor der Zinswende. Die Provisionserträge zeigen sich stabil, und der Kostenanstieg hat sich – nach dem inflationsgetriebenen Sprung im Vorjahr – spürbar abgeschwächt. Im europäischen Vergleich profitieren österreichische Institute nach wie vor von einer günstigen Einlagenstruktur und von Margenvorteilen auf der Passivseite.

Gleichzeitig verändert sich jedoch die Qualität der Erträge. Die außergewöhnlichen Sichteinlagenmargen der Jahre 2022 und 2023, die wesentlich zum Ergebnisauftrieb beitrugen, nähern sich wieder ihrem historischen Zusammenhang mit dem Geldmarktzins. Das Zinsbeta normalisiert sich, die Phase der „Extragewinne“ läuft aus. Der Zinsüberschuss bleibt hoch, verliert jedoch seinen automatischen Rückenwind. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie belastbar das Ertragsmodell unter normalisierten Marktbedingungen ist.

Kumulierte GuV-Entwicklung österreichischer Regionalbanken in % der DBSAbbildung 1: Kumulierte GuV-Entwicklung österreichischer Regionalbanken in % der DBS

Wieso entwickeln sich die Risikokosten zur strukturellen Herausforderung?

Parallel zur Margennormalisierung bleiben die Risikokosten hoch. Die wirtschaftliche Schwächephase in Österreich, steigende Unternehmensinsolvenzen und eine zunehmende Zahl Not leidender Kredite prägen das Bild seit 2024. Besonders relevant ist dabei weniger die absolute Höhe der NPL-Quote als deren Struktur: Der Anteil unbesicherter Forderungen ist deutlich gestiegen, wodurch Ausfälle heute unmittelbarer auf Ergebnis und Kapital durchschlagen als noch vor wenigen Jahren.

Hinzu kommt eine zunehmende Konzentration der Risiken auf einzelne Geschäftsfelder. Während weiterhin Teile des Portfolios vergleichsweise stabil bleiben, stehen andere Segmente unter strukturellem Anpassungsdruck. Unsere Regionalbankenstudie zeigt somit, für viele Regionalbanken entwickeln sich Risikokosten damit von einem zyklischen Phänomen zu einem dauerhaften Steuerungsthema, das eng mit Geschäftsmodell und Portfolioausrichtung verknüpft ist.

Welche Faktoren führen zu einer zunehmenden Divergenz innerhalb des Regionalbankensektors?

Die Rekordjahre haben zudem eine Entwicklung überdeckt, die nun deutlich sichtbar wird: die zunehmende Spreizung innerhalb des Regionalbankensektors. Trotz vergleichbarer makroökonomischer Rahmenbedingungen zeigen sich in unserer Regionalbankenstudie teils erhebliche Unterschiede in der Ergebnisentwicklung der Regionalbankensektoren und einzelner Institute.

Diese Divergenz ist weniger konjunkturell als vielmehr strukturell bedingt. Unterschiede in Geschäftsmodellen, Kostenstrukturen, Risikoprofilen und Steuerungsreifegraden führen dazu, dass identische Marktimpulse sehr unterschiedliche Ergebniswirkungen entfalten. Der österreichische Regionalbankenmarkt ist damit kein homogener Block, sondern entwickelt sich zunehmend entlang institutsindividueller Voraussetzungen. Der Vergleich mit dem Sektor als Ganzes verliert an Aussagekraft – entscheidend wird die eigene Position im Vergleich zur zukünftigen Normalität.

Warum steht die eigentliche Bewährungsprobe für die Regionalbanken 2026 noch bevor?

Die Simulationsergebnisse der Regionalbankenstudie Österreich verdeutlichen, dass die eigentliche Bewährungsprobe noch bevorsteht. Für die Jahre 2025 und 2026 ist im Basisszenario mit einem spürbaren Rückgang der Betriebsergebnisse zu rechnen.

Im Durchschnitt liegt das simulierte Betriebsergebnis 2026 mit 0,73 % der DBS 23 Basispunkte unterhalb des Betriebsergebnisses im Jahr 2024. Haupttreiber sind fallende kurzfristige Zinsen auf der Passivseite, weiterhin hohe Risikokosten sowie steigende regulatorische Kapitalanforderungen. Erst ab 2027 zeichnet sich eine schrittweise Erholung ab – getragen von einer steileren Zinsstrukturkurve und einer allmählichen Normalisierung der Risikokosten.

Regionalbanken Östtereich: Simulationsergebnisse für beide ZinsszenarienAbbildung 2: Simulationsergebnisse für beide Zinsszenarien

Kritisch ist jedoch die Übergangsphase: Ein relevanter Anteil der Institute weist im Simulationszeitraum eine unzureichende Thesaurierungskraft auf, um weiteres RWA-Wachstum eigenkapitalintern zu finanzieren. Eine Projektion der Durchschnittsergebnisse auf alle Einzelinstitute zeigt auf, dass in diesem Szenario über 20 % der Regionalbanken unter ein Betriebsergebnis von 0,5 % fallen. Für diese Häuser wird strategische Handlungsfähigkeit zur knappen Ressource.

Regionalbankenstudie Österreich: Thesaurierungskraft der Einzelinstitute im Jahr 2026 im SimulationsszenarioAbbildung 3: Thesaurierungskraft der Einzelinstitute im Jahr 2026 im Simulationsszenario

Wieso wird die Widerstandsfähigkeit zum entscheidenden Faktor der zukünftigen Banksteuerung?

Vor diesem Hintergrund verschiebt sich der Fokus der Banksteuerung grundlegend. Unsere Regionalbankenstudie zeigt, die zentrale Frage lautet nicht mehr, wie lange die positiven Effekte der Zinswende anhalten – entscheidend ist, wie robust Geschäftsmodell, Betriebsmodell und Steuerung ohne diesen Rückenwind sind. Widerstandsfähigkeit entsteht dabei nicht durch Einzelmaßnahmen, sondern durch ein konsistentes Zusammenspiel mehrerer Dimensionen.

Auf der Marktseite gewinnen Ertragsdiversifikation, professionelles Pricing und differenzierte Betreuungsmodelle an Bedeutung. Im Betriebsmodell rücken Effizienz, Digitalisierung und Skalierbarkeit in den Vordergrund – nicht als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung, um steigende regulatorische und technologische Anforderungen wirtschaftlich zu bewältigen. In der Steuerung entscheidet sich schließlich, ob Risiko, Kapital und Ertrag integriert gedacht werden oder weiterhin nebeneinanderstehen.

Welches Fazit lässt sich aus dem Wandel von Rekordjahren zur Belastungsprobe ziehen?

Die österreichischen Regionalbanken haben in den vergangenen Jahren ihre Ertragskraft eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die kommenden Jahre werden jedoch weniger durch Rekorde als durch Bewährungsproben geprägt sein. Margen normalisieren sich, Risiken materialisieren sich schneller, regulatorische Anforderungen steigen. In diesem Umfeld entscheidet nicht die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Sektor, sondern die Fähigkeit, das eigene Geschäftsmodell aktiv zu steuern und weiterzuentwickeln.

Die Rekordjahre gaben Rückenwind – die Zukunft gehört jenen Regionalbanken, die die Segel der Widerstandsfähigkeit gesetzt haben.

Sie sollten nun in der Lage sein, über diese zentralen Punkte des Artikels zu sprechen:
  • Warum waren die Jahre 2023 und 2024 für österreichische Regionalbanken Rekordjahre? Die hohen Ergebnisse waren primär ein Resultat der Zinswende und außergewöhnlich hoher Sichteinlagenmargen, die zu massiven Zinsüberschüssen führten. Zudem vermittelten robuste Eigenkapitalquoten und eine stabile Kostenbasis den Eindruck einer strukturellen Stärke, die jedoch stark von einem außergewöhnlichen Marktumfeld getragen wurde.
  • Warum gelten die aktuellen Gewinne als nicht nachhaltig tragfähig? Die „Extragewinne“ aus den Sichteinlagen laufen aus, und das sogenannte Zinsbeta normalisiert sich wieder in Richtung des historischen Zusammenhangs mit dem Geldmarktzins. Gleichzeitig steigen die Risikokosten durch zunehmende Unternehmensinsolvenzen und einen höheren Anteil unbesicherter Forderungen, was unmittelbar auf das Kapital durchschlägt.
  • Mit welcher Entwicklung müssen Banken laut der Simulation für 2026 rechnen? Für das Jahr 2026 wird im Basisszenario ein Rückgang des durchschnittlichen Betriebsergebnisses auf 0,73 % prognostiziert. Kritisch ist dabei, dass bei über 20 % der Banken das Betriebsergebnis sogar unter die Marke von 0,5 % fallen könnte, wodurch die interne Finanzierung von weiterem Wachstum (Thesaurierungskraft) gefährdet ist.
  • Was ist der entscheidende Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Institute? Im Fokus steht die Widerstandsfähigkeit (Resilience) des gesamten Geschäfts- und Betriebsmodells jenseits von Markteffekten. Für den künftigen Erfolg und die Bewältigung steigender regulatorischer Anforderungen müssen Risiko, Kapital und Ertrag integriert gesteuert sowie die Effizienz durch Digitalisierung und Skalierbarkeit gesteigert werden.
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Dr. Michaela Schneider/ Autorin BankingHub

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