Customer Engagement statt Vertrieb?

Natürlich steht Kundenzentrierung mittlerweile in nahezu allen strategischen Überlegungen zum Geschäftsmodell im Privatkundengeschäft im Mittelpunkt – das ist gut und eine Grundvoraussetzung für eine tragfähige und im Markt erfolgreich umzusetzende Strategie.

Was aber nach unseren Erfahrungen häufig erst auf den zweiten Blick klar wird, ist, dass sich das Privatkundengeschäft schon seit einiger Zeit im Wandel vom vertrieblich geprägten zum marketingbasierten Geschäftsmodell befindet.

Warum funktioniert ein „Weiter so“ mit tradierten Vertriebsansätzen nicht mehr?

Der eingetretene Shift vom vertrieblich geprägten zum marketingbasierten Geschäftsmodell führt insbesondere in digitalen Kanälen bzw. im Omnikanalantritt zu veränderten Schwerpunkten im Management und im Bespielen der Kundenschnittstellen, zu anderen Ressourcenbedarfen und Anforderungen an Capabilities – und damit zu erheblichem Change in der Art und Weise, wie das Kundengeschäft künftig organisiert und gemanagt wird.

Konsequenterweise wird die Kundenaktivierung zum neuen Vertrieb – vor allem im Retailgeschäft. Im Kern geht es um fünf Herausforderungen:

1) Unsichtbarkeit im digitalen Umfeld

Viele Regionalbanken werden online kaum wahrgenommen, während Wettbewerber früh Aufmerksamkeit gewinnen.

2) Fehlender Willkommensmoment

Nach der Kontoeröffnung vergeht zu viel Zeit, bis Kund:innen einen Nutzen spüren – ein kritischer Moment für die Aktivierung. Ein liebloser Neukundenprozess mit pauschalen Cross-Selling-Versuchen ist zum Scheitern verurteilt. Besser: hochindividuelle Journeys auf Basis vorhandener Daten und Erkenntnisse, die empathische Botschaften und echtes Interesse an der Lebenssituation der Kund:innen vermitteln.

3) Medienbrüche in Kernprozessen

Vom digitalen Impuls zum PDF-Formular oder zur Warteschleifen – das passt nicht zu modernen Kundenerwartungen. Wer beispielsweise die Kreditkarte wechselt, tut dem Anbieter einen Gefallen und darf zu Recht einen „smoothen“, einfachen Prozess erwarten und keinen „PDF-Weitwurf“. Bei einem echten Bedarf will man kein Formular ausfüllen, damit man am Tag darauf einen Anruf erhält und alle Informationen wiederholen muss. Überzeugende Journeys müssen in effizienten Prozessen aufgehen und umgekehrt.

4) Daten ohne Wirkung

Obwohl Daten verfügbar sind, werden sie selten genutzt und zu wenig konsistent verarbeitet, um zur richtigen Zeit den passenden Impuls zu setzen – weder im Produkt- oder Serviceangebot noch in der (leider immer noch sehr pauschalen) Preisgestaltung oder in der hyperpersonalisierten Ansprache.

5) Festhalten am klassischen „Sales-Push“-Modell, das in der digitalen Welt nur sehr eingeschränkt funktioniert

Mit einfachen Analysen auf Basis unvollständiger Daten und pauschalen Ansprachen lässt sich in einem stark digitalen, marketinggetriebenen Geschäftsmodell kein Conversion-Erfolg erzielen. Kund:innen werden „kaltvertrieblich“ mit einem vermeintlichen Next Best Offer angesprochen: So wird kein Engagement auf Kundenseite geschaffen, selbst wenn die Ansprache halbwegs individualisiert erfolgt. Stattdessen muss verstärkt an der Kultivierung der Kundenbeziehung gearbeitet werden – im digitalen Bereich künftig voll automatisiert mit KI-Unterstützung. Nur so können Kundenbindung und -begeisterung effektiv und effizient gestaltet werden.

Diese Herausforderungen haben eines gemeinsam: Sie bremsen Kundenzentrierung!

Warum braucht es einen Perspektivwechsel?

Regionalbanken stehen traditionell für Nähe, Vertrauen und persönliche Beziehungen – doch genau diese Stärken müssen heute digital erlebbar werden.

Kund:innen erwarten:

  • Kundennähe, die nicht nur in der Filiale stattfindet, sondern auch in der App, im Browser und im Serviceprozess spürbar ist
  • Personalisierung, die zeigt: „Die Bank versteht mich, meinen Kontext und meine nächsten Schritte.“ – die Kultivierung der Kundenbeziehung funktioniert damit auch in digitalen Kanälen
  • Reibungslose, einfache Interaktionen, die nicht zwischen „analog“ und „digital“ unterscheiden

Erst wenn diese Dimensionen zusammenkommen, entsteht echtes Engagement bei den Kund:innen. Erst dann können diese dauerhaft aktiviert werden – und damit die Basis für Beratung, Bindung und Wachstum geschaffen werden.

Der Perspektivwechsel wird mit einer Vielzahl an Maßnahmen unterfüttert, z. B.:

  • Investitionen in Datenqualität, -handling und ein gut aufeinander abgestimmtes Technologie-Stack, das das marketingorientierte Geschäftsmodell optimal unterstützt – im Kern mit wichtigen CRM-Funktionalitäten
  • Der Ausrichtung der Vertriebssteuerung bzw. des Vertriebsmanagements auf die genannten Herausforderungen – inklusive der Bündelung neuer Qualifikationen als Antwort auf diese Herausforderungen: Strategisch relevante Fähigkeiten müssen aufgebaut und in ein Herzstück des marketingorientierten Geschäftsmodells transformiert werden
  • Dem bewussten Aufbau der eigenen digitalen Präsenz

Was sind die drei wirksamsten Hebel für aktive Kund:innen?

Praxisbeispiele

  • Die Bank ist dort, wo die Kund:innen sind – in sozialen Medien, in der App und manchmal auch dort, wo die Filiale steht; themenspezifisch individualisierte Landingpages können rasch angepasst und individualisiert werden
  • Onboarding als Erlebnis gestalten: Der Einstieg entscheidet über die langfristige Nutzung und Bindung (automatisierte Willkommensstrecke mit drei bis fünf einfachen ersten Nutzungsschritten, Feiern der ersten Erfolge (des ersten Umsatzes, der Kartenfreischaltung etc.), persönlicher Willkommens-Call oder Video-Check-in nach 7–10 Tagen etc.)
  • Hybride Beratung konsequent verankern: Kund:innen wollen flexible Zugänge ohne Brüche, d. h. sofort verfügbare Video- oder Chatberatung, Onlineterminbuchung für Vor-Ort-, Video- oder Telefontermine

Fazit: Der Vertrieb ist tot – es lebe das Marketing?

… Nein, aber wir erleben den Shift vom vertriebsgetriebenen zum marketingorientierten Geschäftsmodell – so wie man es aus anderen Alltagsbereichen längst kennt. Nur das Zusammenspiel von (digitalem) Marketing und darauf aufbauender datengetriebener vertrieblicher Aktivität sichert künftig ökonomischen Erfolg. Kundenaktivierung ist kein Einzelprojekt – die Customer-Engagement-Strategie ersetzt die bisherige Vertriebsstrategie.

Regionalbanken können ihre Stärken – Kundennähe, Vertrauen, regionale Präsenz – nur dann voll ausspielen, wenn sie diese Qualitäten digital erweitern: mit klarer Wahrnehmung, einem starken Onboarding, einem effizienten digitalen Zulieferbetrieb und Beratung ohne Medienbrüche. Auf dieser Basis entsteht genau das, was Kund:innen heute erwarten: persönliche Bindung – in jeder Dimension.

Ein spannendes Thema, das Aufmerksamkeit verlangt: Wir nehmen das Thema ernst und glauben daran, dass wir hier schnell zu Lösungen kommen müssen. Wir freuen uns auf den Dialog mit allen, die Kundenzentrierung, Digitalisierung und Vertriebsstärke zusammen mit uns denken wollen.

Smarte Vertriebslösungen

Ob Sie nun das Vertriebsmanagement einer Bank oder Versicherung leiten oder ob Sie als Einzelkämpfer:in Ihre Kundenbasis erweitern möchten – die zeb.Vertriebssuite unterstützt Sie mit effektiven und effizienten Lösungen dabei, Ihre Vertriebsziele zu erreichen.

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Genossenschaftsbanken – Privatkundenvertrieb

Das Privatkundengeschäft der Zukunft bedarf einer kundenzentrieten und potenzialorientierten Marktbearbeitung.

Unsere Lösungen im Privatkundenvertrieb

Sie sollten nun in der Lage sein, über diese zentralen Punkte des Artikels zu sprechen:

Was bedeutet der aktuelle Wandel im Privatkundengeschäft konkret?

Das Privatkundengeschäft vollzieht einen Wandel von einem traditionell vertriebsorientierten zu einem marketingbasierten Geschäftsmodell. In diesem neuen Kontext wird die Kundenaktivierung zum Vertrieb, wobei eine ganzheitliche Customer-Engagement-Strategie die bisherige Vertriebsstrategie ersetzt.

Warum ist das klassische „Sales-Push“-Modell nicht mehr zeitgemäß?

In einer digitalen Welt führen pauschale Ansprachen und Kaltvertrieb kaum noch zu Conversions und schaffen kein echtes Engagement auf Kundenseite. Stattdessen müssen Banken die Kundenbeziehung kultivieren und auf hochindividuelle Journeys sowie empathische Botschaften setzen, die auf die konkrete Lebenssituation der Kund:innen eingehen.

Welche Haupthindernisse bremsen die Kundenzentrierung bei Regionalbanken?

Wir identifizieren fünf zentrale Herausforderungen: digitale Unsichtbarkeit im Vergleich zu Wettbewerbern, fehlender Willkommensmoment nach der Kontoeröffnung, störende Medienbrüche in Kernprozessen (z. B. PDF-Formulare), ungenutzte Datenpotenziale und das Festhalten an veralteten Vertriebsmethoden.

Mit welchen Hebeln lässt sich die Kundenaktivierung effektiv steigern?

Drei besonders wirksame Hebel sind die Präsenz in digitalen Kanälen (Social Media, Apps), ein als Erlebnis gestaltetes Onboarding mit automatisierten Willkommensstrecken und die konsequente Verankerung hybrider Beratungsangebote wie Video- oder Chatberatung ohne Medienbrüche.

Sprechen Sie uns gerne an!

Ulrich Hoyer / Autor BankingHub

Ulrich Hoyer

Partner bei zeb Office München
Thorsten Ströhl / Autor BankingHub

Thorsten Ströhl

Partner bei zeb Office München

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