Table of Visions: Die entfesselte Kraft der „Crowd“ Früher neuartiges Investmentvehikel, ist Crowdfunding heute deutlich mehr

Table of Visions ist ein Technologieanbieter für crowdbasierte Softwarelösungen mit Anwendungsfällen, die Spendenplattformen sowie Innovations- und Ideenmanagement umfassen. Ursprünglich selbst Anbieter für klassische Crowdfunding-Lösungen, also das Einsammeln von Geldern (meist von Privatpersonen) zur Finanzierung konkreter Projekte, haben die Gründer David Heberling und David Holetzeck Crowdfunding weiterentwickelt. Das Gespräch mit ihnen zeigt, dass Crowdfunding neben Anwendungsfällen wie Spendenkampagnen einiges mehr kann.

Wie kam es zur Gründung von Table of Visions?

David Heberling: Wir hatten als Studenten eine Idee für ein fiktionales TV-Format und kannten jemanden bei einem großen deutschen TV-Sender. Wir wurden dann auch zu einem klassischen Pitch Verfahren eingeladen und konnten uns bis ins Finale durchsetzen. Da haben wir dann der gesamten Führungsriege einen Trailer gezeigt, in den wir unser gesamtes Herzblut gesteckt haben. Die waren wohl ganz begeistert, sind aufgestanden, haben applaudiert und uns gesagt, sie werden sich bei uns melden … es hat sich bis heute niemand bei uns gemeldet.

Das war ziemlich frustrierend und hat uns gezeigt, wie schwierig es ist, neue Produkte und Ideen bei großen Corporates durchzubringen. Wir haben uns dann mit Alternativen beschäftigt, um unsere Idee auf anderem Wege zu platzieren, und sind so auf Crowdfunding-Plattformen in den USA aufmerksam geworden (Kickstarter und Indiegogo).

2010 haben wir dann unsere erste Crowdfunding-Plattform gebaut, Pling.de, die als reine Finanzierungsplattform für kreative Projekte diente. Nach dem Verkauf der Plattform 2013 haben wir das Thema unter „Table of Visions“ weiterentwickelt.

Was ist bei Table of Visions anders als bei „klassischen“ Crowdfunding-Finanzierungsplattformen?

David Heberling: Wir haben unsere Technologie, die wir für Pling.de gebaut hatten, für Corporates weiterentwickelt. Grundsätzlich haben wir zwei Bereiche geschaffen: zum einen „Funding“, mit einer White-Label-Lösung zur Finanzierung von Crowdfunding-Projekten – z. B. setzt die Investitionsbank Schleswig-Holstein unsere Crowdfunding-Technologie für das Einsammeln von Spenden ein –, zum anderen den Bereich „Innovation“, auf den wir später noch näher eingehen werden.

Mit welchen Partnern arbeitet ihr hier beispielsweise zusammen?

David Heberling: PSD Bank Köln, diverse Sparkassen …

Geht es dabei vermehrt um das Thema Spenden?

David Heberling: Bei Banken geht es interessanterweise vermehrt um Spenden. Sie wollen das Thema Corporate Social Responsibility vorantreiben und zwar im Look-and-feel der Bank.

David Holetzeck: Während Banken früher Spenden aus eigenen Geldern intransparent durch einzelne Entscheider verteilt haben, können sie heute Ihre Kunden entscheiden lassen und zusätzlich Kunden und Nichtkunden dazu motivieren, eigenes Geld für konkrete Projekte zu spenden. Bei der PSD Bank wurden beispielsweise mithilfe der Spender und der Bank insgesamt 450 TEUR innerhalb eines Jahres an gemeinnützige Projekte gespendet.

David Heberling: Hier sprechen wir über das erfolgreiche Co-Funding-Modell, bei dem eine Bank z. B. jeder Spende noch einen Betrag hinzufügt.

Bietet Ihr die Funding-Lösung von euren Servern aus an oder in der Infrastruktur eurer Kunden?

David Holetzeck: Die komplette Infrastruktur kommt von uns. Wir haben in den letzten Jahren ja viel gelernt und können unseren Kunden eine gesamte Lösung bieten. Beispielsweise ist es extrem wichtig, eine Bandbreite von Payment-Anbietern angebunden zu haben. Wir kennen alle Anbieter und haben alle angeschlossen – von Mangopay über GiroSolution bis SecurePay. So kann eine Bank z B. ihr eigenes Treuhandkonto anschließen.

Was macht das Thema Payments so wichtig?

David Heberling: Der Payment-Prozess ist für Crowdfunding-Lösungen kompliziert. Der klassische Zahlungsverkehrsprozess hat einen Anbieter, einen Käufer und eine Zahlung. Bei uns müssen zwei Bedingungen vor dem Zahlungsprozess erfüllt sein: Die Zeit, die für die Spendensammlung eingeräumt wurde, muss abgelaufen sein, und es müssen mindestens 100 % der Zielsumme erreicht worden sein.

David Holetzeck: Außerdem ist es wichtig, dass sich die Zahlungen genau den Personen zuordnen lassen, um eventuelle Rückzahlungen veranlassen zu können. Und viele andere Probleme können auftreten.

Was macht ihr neben der klassischen Crowdfunding-Finanzierung, sprich neben dem Bereich Funding?

David Holetzeck: Wer ist die Crowd? … Es ist nicht nur die anonyme Internetmasse. Beiersdorf beispielsweise stellt unter anderem Cremes her und arbeitet mit vielen Dienstleistern zusammen. Für die Dienstleister hat Beiersdorf eine Plattform, auf der z. B. angegeben werden kann „ich brauche eine Lotion, die nach Erdbeere riecht, ohne Alkohol usw.“, und die Dienstleister können dann sagen, was möglich ist. Die Crowd können aber auch die Mitarbeiter sein, das wäre Open Innovation oder Crowdsourcing oder eine Kombination der verschiedenen Crowd-Definitionen.

Was macht ihr insbesondere im Bereich Innovation?

David Heberling: Kunden haben gemerkt, dass das „betriebliche Vorschlagswesen“ einfach überaltert ist. Sprich, jemand hat eine Idee, reicht diese ein, ggf. auf einer digitalen Plattform, dann geht die Idee zum Fachbereich, und dort bewertet jemand die Idee direkt. Wenn es gut läuft, bekommt die einreichende Person noch eine Antwort, die aber häufig eine Absage ist. Wir haben dann gesagt, dass wir die Crowdfunding-Mechanismen für Innovationen anwenden. Dabei geht es um Spielregeln, wie z. B. das „Alles-oder-nichts-Prinzip“. Wir legen in einem initialen Workshop mit unseren Kunden die Spielregeln fest. In großen Firmen gibt es teilweise Fachbereiche, die von Ideen überrannt werden und nur mit der Bewertung dieser Ideen beschäftigt sind, was zu Frustration beim Initiator führt, der lange auf eine Antwort wartet und letztlich nur eine kurze Rückmeldung erhält. Mit unserer Methode wird eine Idee der gesamten Firma zur Verfügung gestellt, jeder – vom Praktikanten über den Mitarbeiter bis zum Manager – kann diese Idee bewerten oder kommentieren. Damit die Idee den nächsten Schritt machen kann, z. B. in eine konkrete Konzeption geht, muss die Idee eine gewisse Hürde der Unterstützung überwinden. Mit der Crowdfunding-Methode sind noch weitere positive Nebeneffekte verbunden, wie Kollaboration, transparente Kommunikation, intrinsische Motivation der Mitarbeiter. Auch wenn festgelegt wird, dass eine Idee noch von einem Fachbereich bewertet und freigegeben werden muss, hat es dieser letztlich einfacher, da weniger Ideen zu bewerten sind.

Welchen Abrieb haben solche Innovationsplattformen? Sind Mitarbeiter beispielsweise am Anfang motiviert, und später wird die Plattform dann nicht mehr genutzt?

David Holetzeck: Es ist eher umgekehrt, der Anfang ist die große Herausforderung. Du hast einen Kulturwandel im Unternehmen. Mitarbeiter müssen auf die Plattform aufmerksam gemacht werden, und wenn diese genutzt wird, müssen Erfolge folgen. Es geht darum, dass gute Ideen auch umgesetzt werden, und wenn die Mitarbeiter das sehen, dann hat das einen positiven Effekt, und das Interesse für die Plattform steigt eher, als dass es mit der Zeit stagniert, was die Qualität der Ideen und Innovationen verbessert.

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Für welche Art der Innovation wird Crowdinnovation eher genutzt? Sind es interne Themen, wie die Kaffeemaschine, die immer kaputt ist, oder sind es Innovationen für beispielsweise das Produktportfolio eines Bereichs?

David Heberling: Die Bandbreite der Nutzung reicht von tatsächlich banalen Sachen bis zu umwälzenden Innovationen. Die Nutzung ist auch abhängig von den Zielen des Unternehmens. Es gibt Unternehmen, die lassen diese banalen Sachen gar nicht zu. Aber selbst diese kleinen internen Themen können über die Plattform besser adressiert werden. Zum Beispiel gab es den Fall, dass eine Bankmitarbeiterin einen Vorschlag für die Reduzierung von Briefen einreichte. Dadurch spart die Bank nun jedes Jahr eine sechsstellige Summe.

David Holetzeck muss sich an dieser Stelle des Gesprächs leider verabschieden. David Heberling bleibt und wartet nur darauf, die nächste Spielart der Crowdfunding-Technologie zu zeigen.

David Heberling: Wir haben den Crowdfunding-Gedanken noch einen Schritt weitergedacht. Wir nennen es internes Crowdfunding. Dabei wird Budget an die einzelnen Mitarbeiter verteilt, im Idealfall komplett demokratisch. Auf der Plattform werden keine Ideen generiert, sondern es werden konkrete Projekte vorgestellt, die eine gewisse Finanzierungssumme brauchen, um realisiert werden zu können. Mitarbeiter können dann auf der Plattform mit ihrem Budget Ideen finanzieren. Das ist besonders spannend, da das Operieren in klassischen Budgetzyklen bedeutet, nicht schnell zu sein – Budgetfreigabe –, und das lähmt die Prozesse. So haben wir es geschafft, ein Innovationsbudget freizuschalten für ein meist konkretes MVP (Minimum Viable Product).

Setzen die Mitarbeiter, die ihre Projekte eingestellt haben, diese Projekte auch um, oder gibt es ein Team, das sich um die Umsetzung solcher Projekte kümmert?

David Heberling: Zum Beispiel bei Vaillant wurde die Technologie im Marketingbereich eingesetzt, und dort war jeder Mitarbeiter, der ein Projekt auf der Plattform finanzieren lies, auch für die Umsetzung verantwortlich. Bei dieser Technologie ist es besser, dass es Projekte sind, die der Initiator auch managen kann, da sonst die Luft raus ist – man kennt das, wenn Aufgaben delegiert werden. Es gibt insgesamt Unterschiede in der Umsetzung bei unseren Kunden, z. B: Welche Projekte kommen zur Finanzierung auf die Plattform? Wer begleitet die Umsetzung? Das passen wir immer individuell an.

 

Weitere Informationen zu Table of Visions finden Sie auf dem Fintech Hub by zeb.

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Konrad Holtkamp

Consultant Office Berlin

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