Rendity: Immobilien über die Crowd finanzieren

Im Hinblick auf die aktuelle Marktsituation ist Crowdinvesting für viele Anleger eine attraktive Investitionsalternative. Laut Prognose von Statista wird beim Transaktionsvolumen über Crowdinvesting-Plattformen zwischen 2017 und 2021 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 35,8 % erreicht werden.

Hallo Tobias, seit 2015 betreibt Ihr mit der Rendity GmbH eine Onlineplattform für Equity-Crowdfunding (Crowdinvesting) mit Fokus auf Immobilien. Bitte beschreibe uns die wesentlichen Bestandteile des Geschäftsmodells von Rendity.

Rendity ist eine Crowdinvesting-Plattform für Immobilienprojekte. Wir ermöglichen es Kleinanlegern, sich an Projekten von erfahrenen Immobilienentwicklern zu beteiligen. Gerade im Immobilienbereich ist Crowdinvesting eine attraktive Investitionsalternative, weil hier die Vorzüge von Crowdinvesting, wie etwa kurze Laufzeiten und relativ hohe Verzinsungen, verbunden werden mit Immobilien, einem Anlagegut, mit dem die meisten vertraut sind. Rendity als Plattform finanziert sich ausschließlich über eine vom Projektentwickler zu bezahlende Transaktionsgebühr. Unser Service ist für den Investor kostenlos, es fallen keinerlei Gebühren oder Spesen an.

Im deutschsprachigen Raum ist der Wettbewerb auf dem Crowdinvesting-Markt für Immobilien groß. Um einige zu nennen: Bergfürst AG, Exporo AG und EVC Crowdinvest GmbH. An welchen Stellen siehst Du Differenzierungsmerkmale sowie -potenziale zur Konkurrenz?

Wir haben von Anfang an auf hochwertige Immobilienprojekte von erfahrenen Projektentwicklern gesetzt und alle Projekte einem strengen Prüfprozess unterzogen. In einem ersten Schritt prüfen wir die Projekte nach dem von uns entwickelten Rendity-Rating und klassifizieren sie nach Risikoprofilen. Projekte, die es in die zweite Runde schaffen, werden gemeinsam mit unserem Advisory Board, einem mit Immobilienexperten besetzten Beirat, weiter evaluiert. Etwa jedes zehnte Projekt schafft es dann tatsächlich auf die Plattform.

Das Mindestinvestitionsvolumen von 1.000 EUR ist bei Rendity im Vergleich zur Konkurrenz deutlich höher. Welche Gründe gibt es für diese Investitionsmindestgrenze und wird dadurch der Kundenkreis nicht zu stark eingegrenzt?

So lukrativ das Immobiliengeschäft auch sein kann, so hoch sind auch die Anforderungen an das Startkapital. Auch bei einer kleinen Vorsorgewohnung braucht man gut und gerne zwischen 15.000 EUR und 30.000 EUR Eigenkapital, um sich bei der Bankfinanzierung nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen (oder die Finanzierung überhaupt erst zu bekommen). Genau das ist ja der Knackpunkt, an dem Crowdinvesting ansetzt: Das Geld von vielen Anlegern wird gebündelt, sodass man auch mit kleineren Beiträgen sinnvolle und projektbezogene Immobilieninvestments machen kann. Wir wollen uns deutlich vom herkömmlichen Crowdfunding unterscheiden, bei dem der Gedanke, ein Produkt/Projekt zu unterstützen, im Vordergrund steht. Vor diesem Hintergrund finden wir, dass 1.000 EUR eine sinnvolle Grenze sind. Und selbst unsere Mindestinvestition wird in der Regel deutlich überschritten, wir stehen derzeit bei einem Durchschnittsinvestment von 3.500 EUR.

Für die digitale Personenidentifizierung arbeiten FinTechs mit Anbietern, wie zum Beispiel WebID und IDnow, zusammen. Insgesamt steht sowohl die Sicherheit als auch die Nutzerfreundlichkeit im Vordergrund. Wie gestaltet Ihr diesen Legitimationsprozess und wie schätzt Du mögliche zukünftige Gefahren einer regulatorischen Verschärfung für Euer Geschäftsmodell ein?

Wir arbeiten bei der Verifizierung unserer Kunden mit Lemon Way, einem führenden europäischen Zahlungsdienstleister, zusammen. Neben den persönlichen Informationen benötigen wir aufgrund europarechtlicher Vorgaben (KYC-Protokoll) eine Ausweiskopie (Pass, Führerschein oder Personalausweis). Für Investoren, die über 10.000 EUR investieren wollen, benötigen wir zusätzlich noch einen Meldezettel. Je mehr sich Crowdinvesting als Finanzierungsform durchsetzt, desto stärker wird es natürlich auch in den Fokus der Gesetzgebung rücken. Wir begrüßen diese Entwicklung, da für uns Datensicherheit an oberster Stelle steht.

Als Anbieter einer Multi-Sided-Plattform seid Ihr auf der einen Seite von Projektlistungen der Immobilienentwickler abhängig. Über welche Kanäle akquiriert Ihr die Immobilienprojekte?

Wir akquirieren Projekte einerseits über das persönliche Netzwerk, das wir uns über die letzten Jahre aufgebaut haben, und andererseits über Einsendungen von Projektentwicklern.

Für die Zahlungsabwicklung und Verwaltung des investierten Kapitals arbeitet Ihr, wie bereits von Euch erwähnt, mit dem Zahlungsinstitut Lemon Way zusammen. Welche Kriterien sind für Euch als FinTech besonders entscheidend bei der Auswahl von strategischen Partnern?

Gerade bei strategischen Partnerschaften geht es in vielen Bereichen darum, die gleiche „Sprache“ zu sprechen. Damit meinen wir Themen wie Reaktionsgeschwindigkeit, „Customer-First“-Kultur, aber auch eine anständige Datenverarbeitung wie Zugang zu APIs.

Abschließend möchten wir gerne noch etwas über Eure Zukunftspläne erfahren. Was sind Eure nächsten Meilensteine und welche allgemeinen Herausforderungen seht Ihr in naher Zukunft für Rendity?

Die Nachfrage aufseiten der Anleger ist anhaltend stark und steigt praktisch von Monat zu Monat. Wir werden daher die Frequenz, mit der wir neue Projekte anbieten, kontinuierlich erhöhen und weiter unserem Credo „Qualität vor Quantität“ treu bleiben. Für dieses Jahr haben wir noch Projekte mit einem Fundingvolumen von 2 Mio. EUR in der Pipeline. Besonders freuen wir uns, dass wir als erste Plattform in Österreich die halbe Million an Rückzahlungen knacken werden. Da bei uns der Gesamterfolg der Anleger im Mittelpunkt steht, sind die Ausschüttungen an die Anleger die einzige harte Währung, an der wir unseren Erfolg messen.

Tobias, vielen Dank für die informativen Einsichten in euer Geschäftsmodell und weiterhin viel Erfolg!

Sprechen Sie uns gerne an!

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