Coworking Spaces in Banken So bedeutend wie die Öffnung der APIs

Die Öffnung von Bankenschnittstellen (API) gilt mittlerweile in fast allen Kreditinstituten als alternativlos. Open banking und banking as a plattform lauten die Parolen. Durch APIs soll der Verlust des Kundenkontaktes verhindert und Innovationen gefördert bzw. integriert werden. Dies setzt die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure (Bank–Fintech) voraus, die vom Wissen und Marktzugang des anderen profitieren. Mittels eigener Coworking Spaces können Kreditinstitute diese Denkweise auf Immobilien und den persönlichen Kundenkontakt übertragen.

Coworking – Öffnung der Zugänge

Massive Türen und Wände werden mehr und mehr zu Relikten der alten Bankenwelt. Die Abschottungsmentalität von Gebäuden früherer Tage hat heute genau so wenig Zukunft, wie abgekapselte Daten- und Wissenssilos. In der digitalen Welt wird deshalb die Nutzung von APIs (Application Programming Interface bzw. Anwendungsprogrammierschnittstelle) immer verbreiteter. Eine Banking-API ist eine Schnittstelle, über die ein Finanzinstitut Daten über Kunden, Konten und Transaktionen einem Dritten zur Verfügung stellt, der diese wiederum nutzt. Hierdurch erweitern sich die Geschäftsmodelle der Banken deutlich. Die Verbreitung der Schnittstellennutzung wird zusätzlich durch die Regulierung (z. B. PSD II) forciert.

Die Chancen von offenen digitalen Ökosystemen können auf die innovative Nutzung von Bankimmobilien – in Form von Coworking Spaces – übertragen werden. Bei Coworking Spaces handelt es sich um physische Ökosysteme (Büroplattformen), die ebenfalls einen Wissenstransfer fördern. Genau wie bei der Öffnung der APIs steht zu Beginn die Grundsatzentscheidung, ob die Tore ins Kreditinstitut in einem klar definierten Rahmen geöffnet und eine neue Form des open bankings geschaffen werden soll.

Was steckt nun eigentlich hinter dem Begriff Coworking Space? Es sind modern gestaltete Arbeitswelten, wo Teambüros, Schreibtische (Fix- und Flex-Desks), Besprechungs- und Veranstaltungsräume auf Zeit, d. h. pro Tag, Woche, Monat oder Jahr, vermietet werden. Langfristige Mietverträge findet man bewusst nicht. Flexibilität, Spontanität und Mobilität sind gewünscht. Dieses Modell bietet viele Vorteile für Banken: Derartige Strukturen ziehen insbesondere Startups und Freelancer an. Zudem lagern immer mehr erfolgreiche Unternehmen Projektteams oder einzelne Abteilung in Coworking Spaces aus. Dies erfolgt meist dann, wenn es auf Kreativität und Innovation ankommt. In einem Coworking Space findet man somit genau die Klientel, von denen Banken (und ihre Kunden) im aktuellen Transformationsprozess lernen und zusammenarbeiten wollen.

Vertrauliche Bankdaten findet man in einem Coworking Space nicht öffentlich zugänglich, da Räume  und Technik (WLAN, Schließsysteme) separiert vom originären Bankbetrieb eingerichtet werden. Analog zum digitalen Ökosystem bleibt die Kernbank mit ihren hohen Sicherheitsanforderungen abgeschottet und geschützt. Coworker gelangen somit nur in einen offen gestalteten Teilbereich des Bankgebäudes. Die Öffentlichkeit assoziiert jedoch mit dem Space im besten Fall, dass sich die Bank öffnet, modern aufstellt und innovativen Ideen unter ihrem Dach unterstützt. Coworking Spaces sind somit im Stande das Image nachhaltig zu verbessern.

Vernetzung unterschiedlicher Akteure

Plattformen für innovationshungrige Menschen und Unternehmen, die voneinander und miteinander lernen, werden weltweit immer beliebter. Vernetzung und effektives Arbeiten wird in der Szene groß geschrieben. Durch die Vielfalt der Coworker kann bei Fragen oder Unklarheiten immer jemand direkt, oder indirekt über den Freundeskreis, helfen. Spaces können für kleine Institute mit einer Bilanzsumme von 1 Mrd. Euro genau so bedeutsam sein, wie für Großbanken. Dies gilt genau so für die Nutzung der digitalen APIs. Die Faustformel besagt, dass ein Space bereits in einer Stadt mit ca. 30.000 bis 40.000 Einwohnern betrieben werden kann. Darunter wird es kritisch. Zur Förderung der Vernetzung und zum gezielten Austausch werden in Coworking Spaces Events, Coworking-Clubs, speziell gestaltete Arbeitswelten und auch Apps eingesetzt. Im Idealfall entsteht eine aktive und selbstorganisierte (Gründer)Community, die maßgeblich durch die Bank geprägt und mitgestaltet wird. Banken können somit zum proaktiven Gestaltender in der digitalen Welt werden.

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Wenn Banken Coworking Spaces in Kombination mit neuen Events, wie z. B. Hackathons, MeetUps, Startup Pitches, Barcamps etc. anbieten, werden sie mit Menschen in Kontakt kommen, die sonst vielleicht nie den Weg in ein klassisches Kreditinstitut gefunden hätten. Coworking-Clubs bieten etablierten Unternehmern die Möglichkeit, sich gezielt mit Startups, kreativen Menschen und innovativen Unternehmen zu vernetzen. Die Bank fungiert dank ihrer Büro- und Eventplattform als Brückenbauer. Hierdurch kann sie Privat- und Geschäftskunden gleichermaßen begeistern. Die Gestaltung der Räumlichkeiten hat dabei eine besondere Bedeutung. Innerhalb der Bürofläche wird der Wissenstransfer durch eine Innenarchitektur unterstützt, die den Austausch und Wissenstransfer fördert. Lounge-Atmosphäre, eine offene Küche und der Grill auf der Terrasse bringen Menschen und ihre Gedanken zusammen. Slack-Channels oder speziell entwickelte Coworking Apps erleichtern die Problemlösung, die Verabredung zum Mittagessen oder die Raumreservierung auf dem digitalen Wege.

Coworking – ein Win/Win für beide Seiten

Die Arbeits-, Lebens- und Lernkultur in Coworking Spaces kann für Kreditinstitute, Bankkunden und Coworker zu einem echten Wettbewerbsvorteil werden. Neben der wirtschaftlichen Flexibilität, die ein Coworking Space für Mieter bietet, kann die:

  • Aquisitionsfähigkeit (Kompetenz, externes Wissen zu identifizieren und zu integrieren)
  • Assimilationsfähigkeit (Kompetenz, extern identifiziertes Wissen zu analysieren, und interpretieren)
  • Transformationsfähigkeit (Kompetenz, neue organisatorische Routinen zu entwickeln sowie existierendes und erworbenes Wissen zu kombinieren)
  • Verwertungsfähigkeit (Kompetenz, Innovationen Markt zu platzieren)

verbessert werden. Sogenannte local search bias werden in einem Space reduziert.

Platz für Coworking Spaces gibt es in Kreditinstituten in Zukunft mehr als genug, da die Zahl der Bankmitarbeiter von Jahr zu Jahr sinkt. Als Konsequenz werden Flächen frei und müssen gewinnbringend umgenutzt werden. Beim Aufbau von Coworking Spaces haben Banken besonders gute Ausgangsbedingungen. Die Räumlichkeiten entsprechen meist schon den strengen Arbeitsstätten- und Brandschutzvorschriften. Zudem gibt es in den Gebäuden eine gute Infrastruktur. Ein Space lässt sich in Büroräumen mit guter Ausgangssituation bereits ab ca. 80.000 Euro einrichten. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Hinzu kommen die laufenden Kosten für Mitarbeiter, die Events und den täglichen Betrieb organisieren. Diese können z. B. aus dem Bankenapparat rekrutiert und speziell geschult werden. Wichtig ist allerdings, dass die Mitarbeiter über ein ausreichendes Maß an Offenheit und Flexibilität verfügen und eine Leidenschaft für Startups besitzen – denn genau wie eine Kneipe nur so gut wie der Wirt ist, ist ein Space nur so gut wie das verantwortliche Personal. Mittlerweile gibt es professionelle Anbieter, die Coworking Betreiber bzw. Banken sowohl bei Aufbau als auch beim Betrieb eines Coworking Spaces beraten und unterstützen.

Kreditinstitute sind gut beraten, wenn Sie in der digitalen und realen Welt die Chancen offener Schnittstellen nutzen und in ihr Geschäftsmodell integrieren. Coworking Spaces haben dabei das Potenzial zu Prestigeobjekten eines modernen Kreditinstitutes zu werden.

 

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Autor Tobias Kollewe

Tobias Kollewe

Gründer und CEO cowork AG

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