apoBank – Finanz- und Gesundheitsmarkt im Wandel Interview mit Ulrich Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Apotheker- und Ärztebank

Wir haben mit Ulrich Sommer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Apotheker- und Ärztebank über den Wandel der apoBank  von der „Vertrauensbank der Heilberufe“ zu „Wir ermöglichen Gesundheit“ gesprochen. Welche Strategie verfolgt die Deutsche Apotheker- und Ärztebank angesichts zweier Branchen im digitalen Wandel? 

Gesteigerte Kundenzahlen, mehr Genossenschaftsmitglieder und mehr vergebene Kredite – und das alles im Zinstief. Woher rührt der Erfolg der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, Herr Sommer?

Wir zeichnen uns durch unseren Markenkern aus, der sich im Gegensatz zu anderen Banken nicht nur auf den Finanzmarkt, sondern auch auf den Gesundheitsmarkt bezieht. Als größte genossenschaftliche Primärbank in Deutschland sind wir gleichzeitig eine Nischenbank, die sich seit 117 Jahren ausschließlich auf die Beratung der Akteure des Gesundheitsmarktes fokussiert. So erreichen wir heute u.a. 60% Marktanteil bei heilberuflichen Existenzgründungen in Deutschland und sind verantwortlich für den gesamten Zahlungsverkehr des ambulanten Gesundheitsmarktes. Unsere Kunden profitieren von unserer einzigartigen Erfahrung mit Existenzgründungen, unserem umfassenden Leistungsangebot für institutionelle Anleger sowie Branchen- und Finanzierungswissen für Unternehmen im Gesundheitsmarkt.

Auch unsere Aufstellung orientiert sich ganz an unseren heilberuflichen Kunden: Wir haben u.a. spezielle Berater für Studierende, angestellte und niedergelassene Heilberufler. Wir leisten uns einen Bereich, der laufend den Gesundheitsmarkt analysiert und im direkten Austausch mit Standespolitikern und dem Bundesministerium für Gesundheit steht. Eine andere Einheit in unserem Haus konzentriert sich ganz auf die Betreuung der Standesorganisationen der Heilberufe. Das hat in dieser Form keine andere Bank. Wir sind mit allen wesentlichen Akteuren im Gesundheitsmarkt verbunden. Das ist der USP und der Erfolgsgarant der Deutschen Apotheker- und Ärztebank als Zielgruppenbank.

Anlässlich des Gesundheitspolitischen Jahresauftakts der Deutschen Apotheker- und Ärztebank kündigten Sie eine Erweiterung Ihres Geschäftsmodells an: Die Gründung einer digitalen Plattform für Dienstleistungen und Produkte für den Gesundheitsmarkt. Damit gehen Sie auch in Non-Banking Angebote. Welche Intention steckt hinter dieser Entscheidung – was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Wir haben eine Tochtergesellschaft gegründet, die auf einer digitalen Plattform neue Dienstleistungen außerhalb des klassischen Bankgeschäfts vermitteln wird. Mit unserem dualen Markenkern sind wir sowohl mit dem Wandel des Finanzmarkts als auch mit dem Wandel des Gesundheitsmarkts konfrontiert. Die Herausforderungen auf der Finanzseite sind bekannt: neue Wettbewerber, angespannte makroökonomische Lage, schwierigere Fristentransformation und neue Kundenbedürfnisse. Und auch der Gesundheitsmarkt verändert sich: Der Patient wird zum Gesundheitskunden, Prävention ist ein stark wachsendes Geschäftsfeld. Fitnesstracker und Ernährungs-Apps gewinnen zunehmend an Bedeutung. Beide Märkte – der Finanzmarkt und der Gesundheitsmarkt – haben aktuell viel gemeinsam und werden von der Digitalisierung mächtig durchgeschüttelt.

Als Deutsche Apotheker- und Ärztebank sind wir in beiden Märkten zu Hause. Unser Anspruch ist daher: Wir wollen diese Entwicklungen mitgestalten und auch uns weiterentwickeln: Von der „Vertrauensbank der Heilberufe“ zu „Wir ermöglichen Gesundheit“. Wir versuchen Antworten im Banking und im Non-Banking zu finden und werden unsere Kunden noch umfassender begleiten. So können diese sich stärker auf ihre heilberufliche Tätigkeit fokussieren und wir bringen unser vorhandenes Know-how und Netzwerk künftig noch stärker für unsere Kunden ein.

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Die Herausforderungen in der medizinischen Versorgung werfen zunehmend die Frage auf: Wo findet Versorgung zukünftig statt – Einzelpraxis oder MVZ? Inwieweit ist das Thema für die Deutsche Apotheker- und Ärztebank von Relevanz?

Die Finanzierung der heilberuflichen Existenzgründung war der Grund für die Gründung unserer Bank und ist bis heute ein wesentlicher Bestandteil unseres USP. Daher beobachten wir die aktuellen Entwicklungen sehr genau. Der Gesundheitsmarkt ändert sich nicht nur infolge der Digitalisierung. Fachfremde Player kommen in den Markt, bestehende Unternehmen erweitern ihre Wertschöpfungskette und Private Equity erobert zunehmend auch den regulierten Gesundheitsmarkt. Darüber hinaus ändern sich auch die Bedürfnisse unserer Kunden. Wir sehen einen starken Trend zur Anstellung und Kooperation, die Einzelpraxis rückt immer mehr in den Hintergrund, die Lebensentwürfe der jüngeren Generation verändern sich. Wir möchten unsere Kunden auch zukünftig begleiten und entwickeln daher neue Lösungen. Wir setzen einerseits – klassisch Finanzmarkt – auf den Ausbau unseres Firmenkundengeschäfts, wir wachsen mit unseren Kunden.

Andererseits nutzen wir auch hier unsere Expertise im Gesundheitsmarkt. So intensivieren wir z.B. unsere Beratung beim Thema ambulante Versorgungsstrukturen. Gleichzeitig unterstützen wir Heilberufler in ihrer Entscheidung für eine eigene Praxis, indem wir Hemmnisse wie die finanzielle Belastung durch hohe Investitionsvolumina und hohe administrative Aufwendungen überwinden helfen. Gemeinsam mit der Zahnärztlichen Abrechnungsgenossenschaft haben wir die „Zahnpraxis der Zukunft“ gegründet. Mit dieser neuen Gesellschaft werden wir ein Modell für eine innovative Zahnarztpraxis bieten, die nach den neuesten Erkenntnissen der Zahnmedizin und Praxisführung organisiert sein wird. Auf diese Weise möchten wir Zahnmediziner aktiv für die Niederlassung begeistern und sind überzeugt, dass auch dieser Baustein erfolgreich zu unseren Anspruch „Wir ermöglichen Gesundheit“ beitragen wird.

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Autor Franz-Josef Reuter

Franz-Josef Reuter

Senior Advisor Office Münster

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