WebSummit 2015 in Dublin – 40.000 Besucher, 2.100 Startups und 1.000 Investoren Interessante Einblicke in ein boomendes Segment

Auch in diesem Jahr war Dublin wieder vom 3. bis 5. November Austragungsort des WebSummit 2015. Aus einer kleinen Technologieveranstaltung in der altehrwürdigen „Royal Dublin Society“ (RDS) mit 500 Besuchern wurde im Laufe von fünf Jahren eine Messe mit globaler Reichweite und über 40.000 Besuchern, ca. 2.100 Start-ups und 1.000 Investoren. Ein Team von zeb war in diesem Jahr erstmalig live dabei und hat die Veranstaltung mit großer Begeisterung verfolgt. Als Unternehmensberatung mit dem Fokus auf der Finanzindustrie lag der Schwerpunkt unseres Interesses natürlich bei den insgesamt 110 FinTechs, inklusive der 16 Vertreter aus der DACH-Region – dazu aber am Ende mehr.

Erster Tag: Große Namen und viele Ankündigungen

Der erste Tag des WebSummit stand ganz im Zeichen der großen Namen und Ankündigungen. Google hat den Rahmen genutzt, um „Smart Reply“ anzukündigen. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung von Google Mail (GMail), mithilfe derer der Nutzer zukünftig auf Anfragen automatisiert kurz antworten kann. Darüber hinaus gab Google bekannt, zukünftig Start-ups kostenfreien Zugang zu Google Apps zu gewähren. Auch Facebook nutzte den WebSummit, um „Oculus VR“ vorzustellen, welches in den USA bereits zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft in die Läden kommen wird. Das Kürzel „VR“ steht – wie man vermuten kann – für „Virtual Reality“. Mithilfe von Oculus VR soll künftig durch eine spezielle VR-Brille ein einzigartiges virtuelles Erlebnis für jedermann erschwinglich sein. Neben den großen Namen der Tech-Branche nutze auch Bill Ford von Ford Motors die Gelegenheit, um seine Vision der Transformation eines der größten Automobilhersteller der Welt hin zum Anbieter von Mobilitätslösungen vorzustellen. Neben diesen Giganten versammelten sich wie jedes Jahr auch viele Start-ups auf der Messe, um ihre Produkte vorzustellen, sich zu vernetzen und potenzielle Investoren anzuwerben. Ein Großteil der Start-ups repräsentierte sich nur für jeweils einen Tag. Den ersten Tag nutzten aus deutschsprachiger Sicht der Kyrptowährungs-Provider „BITY“ (CH), „Exporo“ aus Hamburg als Real-Estate-Brokerage-Anbieter sowie „Deal Matrix“ (AT), Anbieter einer Private-Equity-Investing-Plattform.

Zweiter Tag: Vorträge und Workshops zu Marketing und Start-ups

Am zweiten Tag folgten Vorträge und Workshops mit der Elite der Technologie-Industrie. Im Fokus standen dabei die Themen „Marketing“, „Start-up University“ und „Machine“. Vorgestellt wurde auch das Thema „Monetizing social“, in dem Tim Kendall (Pinterest) und Jonathan Weber (Reuters) Wege aufzeigten, wie mit sozialen Medien Geld zu verdienen ist. Auf großer Bühne präsentierte sich John Collision, Gründer der ePayment-Plattform Stripe. Er plauderet mit Caroline Hyde von Bloomberg über die Schwierigkeiten der Wachstumsphase von Startups. Erstaunlicherweise nannte er nicht die Finanzierung als größte Herausforderung, sondern das Anwerben und Halten von talentierten Mitarbeitern. Den anwesenden Gründern im Saal machte er zudem Mut mit der Bemerkung „most startups have yet to be started“. Äußerst beeindruckend war auch der Vortrag von Dr. Cynthia Breazeal (Gründerin von Jibo), in dem sie das sich abzeichnende Zusammenleben mit Robotern und das zukünftige soziale Interagieren mit Maschinen skizzierte. Daneben nutzen auch verschiedene FinTechs die Möglichkeit zur Vernetzung.

Dritter Tag: FinTechs und Money-Stage

Am letzten Tag galt der WebSummit zu großen Teilen dem Thema „Finanzwesen“. Dafür wurde eigens ein „Money-Stage“ eingerichtet, auf dem verschiedene Vorträge rund um das Thema „Banking und FinTechs“ gehalten und engagiert diskutiert wurden. Naturgemäß war auf dem Money-Stage eine besonders hohe Anzahl an FinTechs anzutreffen.

Der Tag wurde morgens durch eine Rede von JP Rangaswami, Chief Data Officer der Deutschen Bank AG, eröffnet. Er unterstrich die Wichtigkeit von Daten und einheitlicher Standards. Er hob hervor, dass diesbezügliche Themen zu den zentralen Herausforderungen für Banken im 21. Jahrhundert zählen werden. Daneben nutze auch Victor Matarranz, Senior Executive Vice President der Santander Bank, die Money-Stage, um die Pläne und Visionen seiner Bank zum Thema „Bank der Zukunft“ unter dem Motto „FinTech 2.0“ aufzuzeigen. Zudem gab er einen Ausblick auf die aus seiner Sicht kommenden großen Trends im FinTech-Umfeld. Er zeigte sich überzeugt, dass die Strategie der Vernetzung von FinTechs und Banken derzeit bei kaum einer Bank so aktiv vorgelebt werde wie bei Santander. Hierzu zählt neben einer engen Kooperation auch das Ziel der frühen Sichtung von FinTechs in der Seeding-Phase bzw. am Beginn des Erfolgs. Dies werde über regelmäßige Pitch-Events in Sao Paulo (Brasilien), Silicon Valley (USA) und Tel Aviv (Israel) sichergestellt.

Des Weiteren nutzten verschiedene FinTechs diesen Tag, um ihre Ideen und Themen zu präsentieren. Aus deutscher Sicht trugen insbesondere die Gründer von CRX Markets und SwipeStock dazu bei, die Innovationskraft von FinTechs unter Beweis zu stellen. Die Firma CRX Markets unter Führung von Moritz von der Linden, der bereits mit 360t eines der führenden deutschen Start-ups der letzten Jahre federführend gegründete, hat es sich dabei zum Ziel gesetzt, eine Supply-Chain-Finance-Plattform zum einfachen Forderungsverkauf und anschließender Verbriefung zu entwickeln. Ein Thema, das aktuell den Nerv trifft, insbesondere von Firmenkunden. Das ambitionierte Vorhaben kann bereits mit namhaften ersten Anwendern wie der Deutschen Lufthansa AG punkten. Darüber hinaus nutzte Max Tayenthal die Gelegenheit, um im Rahmen des WebSummit nächste Pläne von Number26 vorzustellen. Sie umfassen u. a. einen „FinTech“-Hub, der dazu dienen soll, den Kunden von Number26 zukünftig nicht nur Dienstleistungen und Produkte aus eigener Entwicklung zur Verfügung zu stellen, sondern auch das Angebot gezielt zu ergänzen. Beispielsweise sollen Kunden Punkte sammeln können, wenn sie ihrerseits Kunden werben.

FINTECHS & STARTUPS

Aus allen Teilen der Welt waren Fintech Gründer nach Dublin gereist um ihre Ideen vorzustellen. Drei dieser Gründungen stecken noch in der Beta-Phase, der zweiten Finanzierungsrunde. CashOrCard aus Amsterdam entwickelt eine Lösung, um den in-store Verkauf mit online e-commerce Anwendungen abzuwickeln und dadurch die Vorteile beider Ansätze miteinander zu verbinden. Funderbeam aus Estland launchte einen Blockchain Marktplatz für Investments auf dem WebSummit. Real Funds aus London öffnet die Immobilienfinanzierung in UK für kleine bis mittlere Gebäudeverwaltungen durch eine crowd-funding plattform.

Die übrigen FinTechs, die auf dem WebSummit ausstellten sind schon etablierter, was der Vielzahl der Gründungsideen und Geschäftsmodelle keinen Abbruch tut. Cryptonomex aus Blacksburg, Virginia, USA präsentierte sich als ein von den Entwicklern von Bitshares gegründetes Blockchain Entwicklungshaus, das sich darauf spezialisiert, Blockchain Technologien in kommerzielle Anwendungen einzubinden. FIT Big Data aus Peru stellte eine standardisierte Kredit Scoring Plattform für kleine bis mittlere Firmen im südamerikanischen Markt vor, für die bisher keine Kredit-Intelligence verfügbar war. Sorechain aus Luxembourg arbeitet an einer Big Data-basierten Riskoanalyse für Blockchain Technologien, um regulatorische Auflagen wie KYC und AML erfüllen zu können. Trustly aus Sweden macht als online Payment Plattform in knapp dreißig europäischen Ländern alle online Bankkonten eines Kunden von verschiedenen Instituten in einer Benutzerschnittstelle zugänglich.

Schon diese wenigen Beispiele vermitteln einen Eindruck von der Vielfalt der FinTech Startup-Ideen, die auf dem WebSummit vertreten waren. Dabei sind die Vielzahl der Integrationen von Zahlungs- und Finanzierungsdiensten in anderen Geschäftsmodellen vom privaten Bierbrauen über diverse Handelsplattformen bis zur Automatisierung in der Landwirtschaft noch gar nicht berücksichtigt.

Für die Startups selbst standen natürlich die verschiedenen Pitch Wettbewerbe und der Zugang zu den anwesenden Investoren im Vordergrund. Immerhin konnten sich drei deutsche Startups unter den zehn Finalisten des Angel Awards positionieren. Remerge aus Berlin arbeitet an der Aktivierung von passiven App Nutzern, Scalable Capital aus München bietet die Verwaltung von ETF Portfolios und pijaca aus Berglen kombiniert Multikanal CRM und Produktionssteuerung. Der größte auf dem WebSummit bekannt gewordenen Finanzierungsdeal betraf allerdings große Namen. So kündigte Shervin Pishevar von Sherpa Capital einen convertible note über $26 Millionen als Teil des Series B Funding für das Elon Musk Venture Hyperloop an, die CEO Rob Loyd dankend im Empfang nahm.

Fazit

Ganz gleich, ob aus Kolumbien, den Vereinigten Staaten oder der EU: Die vielfältigen Vorträge und Stände zeigten erneut, dass der Start-up-Markt boomt. Das gilt insbesondere für FinTechs. Bei ihnen zeichnet sich zugleich ein zunehmender Trend in Richtung Kooperation mit Banken ab. Aus unser Sicht eine gelungene Veranstaltung mit vielen neuen Einblicken und Kontakten. Wir freuen uns bereits heute auf den WebSummit 2016, der erstmalig in Lissabon stattfinden wird. Wie der Vize-Regierungschef von Portugal versprochen hat, wird es dann neben einer interessanten Messe auch ein besonderes Highlight geben: Einen Standort mit Sonnenschein im November! In diesem Sinne: „Vejo vocês no próximo ano em Lisboa!“ (Bis nächstes Jahr in Lissabon!)

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