MotionsCloud – Einsatz von KI im Schadenmanagement von Versicherungen Interview mit Lex Tan, Gründer und CEO von MotionsCloud

Die Schlagwörter „Big Data“ und „künstliche Intelligenz“ stoßen derzeit auf großes Medieninteresse, ebenso wie die Versicherungsbranche im Hinblick auf die Digitalisierung und Co-Innovation mit Start-ups.

Das folgende Interview mit Lex von MotionsCloud liefert Einblicke in die Co-Innovation zwischen Start-ups und Versicherern, die anhand innovativer Technologien eine kundenzentrierte Problemlösung im Schadenmanagement schaffen.

Hallo Lex. Seit der Gründung 2016 hat sich MotionsCloud von einem Technologie-Start-up auf Basis von Big Data zu einem KI-InsurTech mit globaler Präsenz entwickelt. Wann hast du gemerkt, dass dein KI-Ansatz Versicherungen unterstützen kann und was ist deine Vision für MotionsCloud?

Ich habe mehr als 5 Jahre als Schadenregulierer in der Versicherungsbranche gearbeitet. Bereits im ersten Jahr musste ich feststellen, wie viele ineffiziente, manuelle und langwierige Prozesse es in der Schadenregulierung gibt. Und ich habe gemerkt, wie unzufrieden Kunden mit diesen Prozessen waren. Mit meinem technischen Hintergrund habe ich stets nach Möglichkeiten gesucht, diese Prozesse zu verbessern, und diese auch getestet. Nach knapp 5 Jahren ohne jedwede Würdigung meiner Bemühungen durch das Management habe ich beschlossen, das Unternehmen zu verlassen und MotionsCloud zu gründen. Im Januar 2016 habe ich gemeinsam mit langjährigen Freunden, Mitgründern, einem KI-Forscher und einem Softwareentwickler MotionsCloud gegründet, mit dem Ziel, die Prozesse in der Schadenregulierung zu verbessern. Wir möchten Versicherungsunternehmen und ihren Kunden einen durchgängig automatisierten und berührungslosen Schadenabwicklungsprozess zur Verfügung stellen. Aus diesem Grund haben wir mit verschiedenen Versicherern, Schadenregulierern und Versicherungsmaklern auf der ganzen Welt zusammengearbeitet und ein Lösungspaket für Versicherungsunternehmen entwickelt.

MotionsCloud automatisiert also die Schadenregulierung mithilfe künstlicher Intelligenz, wie funktioniert das?

Genau, unser Ziel ist es, die Schadenabwicklung mittels Bilderkennungstechnologien auf Basis künstlicher Intelligenz und Deep-Learning-Technologien zu verschlanken und zu automatisieren. Wie geht das? MotionsCloud bietet drei Hauptmodule: Das erste ist eine mobile Web-App für Kunden nach der Schadenmeldung. Dank der leichten Handhabung der mobilen Web-Oberfläche können Kunden schnell und einfach mit ihrem Versicherer in Kontakt treten. Das zweite ist eine auf künstlicher Intelligenz basierende Plattform für Schadenmanager zur Vorabeinschätzung des Schadens. Und hier wird es spannend. Die Schadenabwicklung ist aufgrund der manuellen Schadenanalyse in der Regel mit viel Aufwand verbunden. Unsere KI-Engine übernimmt diese manuellen Aufgaben durch den Einsatz von Bilderkennung und Deep-Learning-Algorithmen. Mit einer Konfidenz/Genauigkeit von circa 80% in mehreren Anwendungsfällen prognostizieren wir bei Ersteinführung die Verringerung der Anzahl an Schadenfällen, für die eine individuelle Analyse durch Menschenhand (circa 20%) notwendig ist. Als drittes bieten wir ein Modul zur Live-Videoprüfung für Schadenmanager und Kunden. Dabei werden beide Seiten miteinander verbunden und können die Schäden aus der Ferne bearbeiten – ohne Anfahrt und großen Zeitaufwand. Diese Module sind vernetzt und können in bestehende Schadensysteme integriert werden, um mittels Automatisierung Effizienzsteigerungen zu erzielen. Unser Ziel ist es, die Bearbeitungszeit in der Schadenabwicklung von Tagen auf Stunden zu reduzieren, die Schadenregulierungskosten zu senken und die Kundenerfahrung in puncto Schadenbearbeitung zu verbessern. Für unsere Endkundenlösungen sind weder ein Download noch eine Installation oder Registrierung der App notwendig. Unsere mobilen Lösungen sind web-basiert sowie für jeden Kunden personalisiert und für jedes intelligente Gerät, wie Smartphone oder Tablet, kompatibel.

Welchen Mehrwert liefert ihr heutzutage für die Versicherungsbranche?

Die Lösungen von MotionsCloud befassen sich derzeit mit einem Hauptproblem in der Wertschöpfungskette von Versicherungen: dem Schadenmanagement, einschließlich der entsprechenden Kundenerfahrung und dem Prozessmanagement. Wir haben also eine Lösung entwickelt, die das Schadenmanagement durch Automatisierung zentraler Schadenabwicklungsprozesse vereinfacht. Entsprechend verbessern wir die Kundenerfahrung anhand einer einfach zu bedienenden mobilen Web-App und senken die Schadenregulierungskosten. Auf Grundlage unserer verbesserten Prozessleistung ermöglichen wir die Digitalisierung von Prozessen und unterstützen das Prozessmanagement.

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Vor über einem Jahr hat MotionsCloud ein Büro in den USA eröffnet. Warum habt ihr diesen großen Schritt so früh gewagt?

Nun, als Gründer möchten wir ein globales Unternehmen aufbauen, das sowohl lokal als auch international Einfluss auf die Versicherungsbranche nehmen kann. Mit der Expansion in die USA hat sich für uns die erste große Möglichkeit ergeben, unsere Vision zu verwirklichen. Dank der Aufnahme in das Programm von Global Insurance Accelerator mit Sitz in den USA haben wir eine Pre-Seed-Finanzierung sowie eine großartige Betreuung durch Mentoren erhalten und sind wertvolle Co-Innovation-Partnerschaften mit Versicherungsunternehmen aus dem Mittleren Westen der USA eingegangen. Damit waren wir auf dem richtigen Weg.

Wie nimmst du die Entwicklung und den Einsatz von künstlicher Intelligenz auf internationaler Ebene wahr? Gibt es Unterschiede zwischen Deutschland und den USA?

Das ist eine sehr interessante, aber gleichzeitig auch kontroverse Frage. Beide Märkte unterscheiden sich zu einem gewissen Grad sowohl kulturell als auch in Bezug auf die Entwicklung und den Einsatz von technologischen Innovationen. Die USA sind als Vorreiter im Bereich Innovationen und neue und zukunftsweisende Technologien bekannt. Die Unternehmen dort haben eine höhere Risikobereitschaft in puncto Neuerfindungen, was die Entwicklung und den Einsatz von KI-Technologien auf dem Markt beschleunigt, insbesondere im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Daher sehen wir zwar eine Lücke in unserer Nische, aber Deutschland holt gut auf und viele Großunternehmen sind sich über den Wert von Digitalisierung und Automatisierung mittels IT und KI-Technologien sehr wohl bewusst. Sie haben erkannt, welche Vorteile KI für ihr Geschäft haben kann.

In den Medien wird künstliche Intelligenz häufig als böse dargestellt – man denke zum Beispiel an Skynet bei Terminator oder an Matrix. Wo siehst du die Zukunft von künstlicher Intelligenz im Versicherungsgeschäft?

In einer effizienten, auf Abruf verfügbaren, automatisierten und nahtlosen Kundenerfahrung in der Schadenabwicklung. Wir stellen uns eine Zukunft vor, in der Versicherungsleistungen überall und jederzeit entweder als physisches Produkt oder als Dienstleistung verfügbar sind, während das Schadenmanagement durch optimierte, digitale E2E-Prozesse vollständig automatisiert ist. Dabei nutzen diese Prozesse das „Internet der Dinge“ (Internet of Things, IoT), Big Data, VR, AR und KI, um Schadenfälle zu bearbeiten, zu bewerten und abzuwickeln.

Vielen Dank, Lex, dass du dir die Zeit genommen hast, und für deine Einblicke aus der InsurTech-Perspektive.

 

Über MotionsCloud

MotionsCloud bietet eine Automatisierungs-Engine für Sach- und Kfz-Versicherer zur Verschlankung und Automatisierung von Schadenregulierungsprozessen. Die Lösung reduziert die Bearbeitungszeit in der Schadenabwicklung von Tagen auf Stunden, senkt die Schadenregulierungskosten um bis zu 75% und verbessert die Kundenerfahrung durch den Einsatz mobiler Technologien, künstlicher Intelligenz (Bilderkennungstechnologien) und Videotechnologien, die in bestehende Systeme integriert werden können. Derzeit betreut MotionsCloud Kunden aus Deutschland, Österreich, den Niederlanden, den USA und neuerdings auch aus Asien.

Weitere Informationen zu MotionsCloud finden Sie auf dem Fintech Hub by zeb.

Über Lex

Lex (Xing | LinkedIn) ist Gründer und CEO von MotionsCloud, einem InsurTech, das sich auf die Verschlankung und Automatisierung von Schadenregulierungsprozessen für Sach- und Kfz-Versicherer spezialisiert hat.

Lex ist ein Serienunternehmer, Ingenieur und Internet-Vermarkter. Seit Kurzem zählt er zu den Top 10 der InsurTech-Influencer in sozialen Medien, darüber hinaus ist er Mentor im Programm von W1 InsurTech Accelator in München, welches von großen deutschen Versicherern gefördert wird. Davor hat Lex über 5 Jahre als Schadenregulierer in der Versicherungsbranche gearbeitet und war einer der Preisträger des HSBC Young Entrepreneur Award sowie des Erasmus For Young Entrepreneurs Award.

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Niklas Schwarzer

Senior Consultant Office Frankfurt

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