European Banking Study 2020: Auswirkungen von COVID-19 auf europäische Banken Ein „Black-Swan“-Ereignis und seine Folgen

Die aktuelle COVID-19-Pandemie und ihre ökonomischen Folgen werden oft mit der globalen Finanzkrise 2008-2009 verglichen. Der Hauptunterschied besteht jedoch darin, dass dieses Mal die Banken nicht die Ursache des Problems sind, sondern sie vielmehr ein wichtiger Bestandteil der „ökonomischen Rettungsmannschaft“ sein können. Als Finanzierer der Realwirtschaft werden Banken aber sicherlich von den Folgen der Pandemie betroffen sein. In unserer European Banking Study 2020 nehmen wir die 50 größten europäischen Banken unter die Lupe und quantifizieren die möglichen Auswirkungen von COVID-19 auf deren Bilanz und GuV. Zudem leiten wir Empfehlungen für das Bankmanagement sowie Regierungen und Regulierungsbehörden ab.


Die Inhalte der European Banking Study 2020 zur COVID-19-Pandemie im Überblick:

 


Bei Ausbruch der COVID-19-Pandemie waren Europas Banken wesentlich widerstandsfähiger und stabiler als zu Beginn der weltweiten Finanzkrise 2008–2009

In den letzten zehn Jahren verbesserten europäische Banken ihre Kapitalquoten erheblich und steigerten ihre finanzielle Widerstandsfähigkeit. Ihr Profitabilitätsproblem haben europäische Banken jedoch nach wie vor nicht gelöst. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern liegt noch immer unter den Eigenkapitalkosten und angesichts der sehr schwachen Ergebnisse für das erste Quartal 2020 zeichnet sich Schlimmeres ab. Im Vergleich zum ersten Quartal 2019 stiegen die Kreditrisikorückstellungen sprunghaft an. Banken mit einer geringen operativen Ertragskraft laufen damit Gefahr, dass deren Gewinnpolster nicht zur Abdeckung der potenziell zusätzlicher Kreditausfälle ausreichen wird.
 
Insgesamt würden wir den europäischen Banken attestieren, dass sie ihre Resilienz im Vergleich zu früheren Krisen signifikant verbessert haben. Dabei waren die europäischen Banken zu Beginn der COVID-19-Krise unterschiedlich aufgestellt, was sich in einer großen Bandbreite bei Kapital- und Gewinnpolster sowie auch der Kreditportfolioqualität widerspiegelt. Wichtiger als die Beschreibung der Ausgangslage ist allerdings, wie gut Banken potenziell Ausfälle verkraften können. Dies erfordert eine umfassende Analyse der jeweiligen Geschäftsmodelle, ihrer regionalen Aufstellung sowie eine Simulation der durch COVID-19 ausgelösten Herausforderungen.

Angesichts der spezifischen Folgen der COVID-19-Pandemie und der Struktur risikogewichteter Aktiva (RWA) im europäischen Bankensektor, konzentrieren wir uns vorrangig auf das Kreditrisiko

COVID-19 wird sich gewiss umfassend auf Banken und Finanzinstitute auswirken. In unserer Studie konzentrieren wir uns aber zunächst auf das Kreditrisiko und Wertberichtigungen für Kredite, da Liquiditäts- und andere Risiken aktuell kein wirkliches Problem darstellen und die Kreditrisiko-RWAs die größte Risikoposition bei den betrachteten Banken bilden. Wir haben unsere erprobten und bewährten Modelle und Simulationsmethodiken um durch COVID-19 induzierte Ratingveränderungen erweitert, um so pfadabhängige Auswirkungen auf die Kreditportfolioqualität zu simulieren. Darüber hinaus wurden regionale Unterschiede sowie unterschiedliche Kreditvergabe-Standards berücksichtigt. Unsere Analysen zeigen europaweit signifikante Unterschiede in der Struktur der Unternehmenskreditbestände und den geschätzten Auswirkungen von COVID-19.
 
Ebenso untersuchten wir die Kreditbestände im Retail- und Privatkundensegment und simulierten anschließend die Wertberichtigungen für jede Bank in zwei Szenarien – für eine mittlere und eine schwere Rezession. Anstatt lediglich qualitative Aussagen zu treffen, haben wir quantitative Bandbreiten für die zu erwartenden Wertberichtigungen je Bank für die nächsten 18 bis 24 Monaten ermittelt. Im Falle einer schweren Rezession könnten sich die Wertberichtigungen für Kreditausfälle im Firmenkunden- und Privatkundengeschäft in Europa insgesamt durchschnittlich um bis zu 500 % im Vergleich zum Jahr 2019 erhöhen.
 

 

Die Sicherung der Wirtschafts- und Finanzstabilität erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Banken, Regierungen und Regulierungsbehörden

Unsere Analysen zeigen, dass die europäischen Banken die drohende Krise nicht alleine bewältigen können. Es gilt die Banken in die Lage zu versetzen, dass sie ihre Rolle im synchronen Zusammenspiel aus Geld- und Fiskalpolitik sowie Regulierung bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Krise entsprechend übernehmen können. Der aktuell geschaffene Spielraum bei den Kapitalquoten ist dabei besonders wichtig, da aufgrund einer zunehmenden Kreditvergabe und der prozyklischen regulatorischen Berechnungsmethodik kurzfristig mit einem RWA-Anstieg zu rechnen ist.
 
Trotz dieser besonderen Rolle, der dem Bankensektor im Rahmen der Überwindung der wirtschaftlichen Folgen zukommt, müssen die Institute intern selbst konkrete Maßnahmen aktiv angehen. Neben einer konsequenten Agenda in Bezug auf die weitere digitale Transformation – sei es in den Bereich Automatisierung und Standardisierung oder der Kundenkommunikation/ -interaktion – sowie der Fortführung der seit Jahren auf der Agenda stehenden stetigen Verbesserung der Ertrags- und Kostensituation im europäischen Bankensektor kommt jetzt noch das Thema Kreditrisikomanagement hinzu.
 

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Die Nachwehen der Pandemie werden zweifellos zu einer Reihe gewaltiger Herausforderungen sowohl im operativen Bereich als auch im Management europäischer Banken führen. Dennoch sind wir überzeugt, dass COVID-19 auch eine große Chance für den europäischen Bankensektor darstellt: mehr als zehn Jahre nach ihrem „Sündenfall“ in der weltweiten Finanzkrise besteht die Möglichkeit „Absolution“ zu erhalten und einen neuen Unternehmenszweck zu finden. Wir rechnen mit einer Renaissance des Hausbankenprinzips und der Kundenbeziehungen, bei denen langfristiges Vertrauen stärker im Mittelpunkt steht als kurzfristige Gewinne. Solche Veränderungen können durchaus mit dem wachsenden Trend zu unternehmerischer und ökologischer Nachhaltigkeit, der bei Abklingen der Pandemie wiederaufleben wird, in Einklang stehen. COVID-19 könnte so auch in dieser Hinsicht einen Katalysator darstellen.

In dieser kritischen Phase, in der Europa aus dem Lockdown nun vorsichtig zurückkehrt, liefert unsere diesjährige European Banking Study nicht nur die dringend benötigten quantitative Erkenntnisse zu den möglichen Auswirkungen von COVID-19 in den nächsten Monaten, sondern bietet auch Ansatzpunkte für geeignete Handlungsoptionen und Maßnahmen bei Banken, Regierungen und Regulierungsbehörden.

 


Die nächste Ausgabe, in der die Ergebnisse des zweiten Quartals 2020 und eine eingehende Betrachtung der RWA-Entwicklung einfließen werden, wird im Juli veröffentlicht. Für weitere Informationen, Details sowie aktualisierte Ergebnisse der Studie verweisen wir gerne auf das Gesamtwerk, welches Sie hier beziehen können:

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Sehr gerne stehen wir Ihnen jederzeit für weitergehende bilaterale Diskussionen und Gespräche auf Basis individueller Analysen für einzelne Banken zur Verfügung.

Kontaktieren Sie uns gerne für weitere Details zu den Studienergebnissen der European Banking Study 2020

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