Private Banking trifft Robo Advisory – Tradition und Moderne optimal verknüpft?

Längst hat die zunehmende Digitalisierung auch die Geldanlage erfasst. Die klassische Vermögensverwaltung ist in puncto moderner Kommunikationstechnologie und digitaler Infrastrukturen in den Rückstand geraten. Es besteht ein immenses Digitalisierungspotenzial, und das ist nicht unbemerkt geblieben: Banken erhalten zunehmend Konkurrenz von neuen Marktteilnehmern, die mit innovativen Konzepten und Geschäftsmodellen gezielt auf die veränderten Erwartungen der Konsumenten eingehen – sogenannte Robo Advisors.

Unter den bekanntesten Anbietern für digitale Geldanlage zählt easyfolio (Gründung 2014) schon fast zu den „alten Hasen“ im Geschäft. Mit „easyfolio 30“, „easyfolio 50“ und „easyfolio 70“ bietet der Robo Advisor einfache, automatisierte Anlagestrategien für Endkunden an. Im Mai 2016 hat die traditionsreiche Privatbank Hauck & Aufhäuser den Robo Advisor von der F.A.Z.-Gruppe erworben, um zum einen easyfolio selbst durch die neu gewonnene Kompetenz im Hintergrund zu fördern und zum anderen die eigenen Kompetenzen im Bereich der digitalen Geldanlage nachhaltig zu stärken.

Doch ist die Verknüpfung von Tradition und Moderne wirklich so einfach umzusetzen? Bleibt easyfolio ein unabhängiger Robo Advisor? Inwiefern profitieren Kunden von dieser Kooperation? Und wie sind die Aussichten im Robo-Advisor-Markt allgemein einzuschätzen? Das verraten uns heute Stephan Rupprecht, Partner bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers, und Reinhard Pfingsten, Chief Investment Officer (CIO) von Hauck & Aufhäuser und easyfolio, im Gespräch mit Hasan Gündogan, Manager bei zeb.

Was sind die Hintergründe von easyfolio: Welche Ideen und Ziele standen hinter der Gründung? Wie kam es zur Partnerschaft mit der F.A.Z.-Gruppe?

Reinhard Pfingsten: Die Idee hinter easyfolio war von Anfang an, eine digitale Plattform für Geldanlage zu bauen, auf der Kunden schnell, einfach, transparent und kostengünstig ihr Geld anlegen können. Zudem standen bereits während des Aufbaus die Sicherheit und Diversifikation der Anlageprodukte im Vordergrund. easyfolio-Kunden sollen sich keine Gedanken um ihr Anlagevermögen machen müssen, sondern sich vielmehr entspannt zurücklehnen können. Dank dieser digitalen und standardisierten Lösung entfallen für den Kunden jegliche Beratungskosten.

Dafür reicht ein gutes Produkt alleine nicht aus. Aus diesem Grund wurde nach abgeschlossener Gründungsphase ein renommierter Medienpartner zur Steigerung der Brand-Awareness gesucht. Mit der F.A.Z. hatte easyfolio schnell den perfekten Wegbegleiter gefunden, um eine starke, unabhängige Marke aufzubauen. Aus diesem Grund blieb die Kooperation auch nach der Übernahme durch Hauck & Aufhäuser weiterhin bestehen.

Welche Ratio stand bei Hauck & Aufhäuser hinter dem Erwerb von easyfolio?

Stephan Rupprecht: Zur Ergänzung des Geschäftsmodells und Erweiterung seiner digitalen Vertriebskanäle hat Hauck & Aufhäuser in den letzten Jahren die Entwicklungen auf dem FinTech-Markt genau studiert. Stark vereinfacht gesagt haben wir dabei sowohl bei Banken als auch bei FinTechs gewisse Stärken und Schwächen identifiziert, die sich optimal ergänzen. Mithilfe innovativer Technologien und einer uneingeschränkten Fokussierung auf die veränderten Kundenbedürfnisse gelingt es FinTechs, auf die veränderten Kundenbedürfnisse optimal einzugehen. So sind sie schnell, flexibel, automatisiert und transparent. Banken kämpfen hingegen vielerorts noch mit Problemen wie einer veralteten, langsamen IT und schwerfälligen, teuren Prozessen. Dennoch haben Banken auch klare Stärken: Wenngleich das allgemeine Vertrauen seit der Finanzkrise massiv in Mitleidenschaft gezogen wurde, bieten Banken mit ihrer detaillierten Kenntnis der Marktzusammenhänge und umfassender Beratungskompetenz sowie der zunehmenden Regulierung ein hohes Maß an Sicherheit.

Vor diesem Hintergrund wird schnell klar, dass sich beide Geschäftsmodelle optimal ergänzen müssen. Aus diesem Anlass hat sich Hauck & Aufhäuser im April dieses Jahres dazu entschieden, mit easyfolio einen der führenden Anbieter im Bereich der digitalen Geldanlage zu kaufen. Im Wettbewerb mit anderen Konkurrenten sticht easyfolio insbesondere durch seine starke Marke hervor. Diese profitiert nun von der 220-jährigen Kompetenz des Investment-Teams von Hauck & Aufhäuser. Umgekehrt zieht das Bankhaus Nutzen aus dem digitalen Know-how-Transfer, der sich seit der Übernahme von easyfolio eingestellt hat. Dabei war von Anfang an klar, dass easyfolio trotz aller Gemeinsamkeiten als eigenständige Einheit bestehen bleiben soll. Eine Integration hat also nicht stattgefunden; easyfolio operiert weiterhin thematisch und räumlich unabhängig.

Was wissen Sie über Ihre Kunden bezüglich Alter, Wohnort, durchschnittliches Anlagevolumen und ‑historie?

Reinhard Pfingsten: easyfolio-Kunden sind zumeist höheren oder mittleren Alters, haben bereits Erfahrung mit Geldanlagen und wohnen häufig in (Groß-)Städten. Überaus beliebt sind Sparpläne, bei denen im Schnitt ca. 200 EUR monatlich investiert werden; einmalige Anlagen variieren sehr stark. Viele Kunden kaufen easyfolio-Produkte in ihre bereits bestehenden Depots bei Partnerbanken wie ING-DiBa, 1822direkt, comdirect, DKB etc. ein.

Robo Advisors zeichnen sich durch hochgradige Technisierung aus. Wird man sich künftig bei easyfolio auch rein online anmelden können inkl. Video-Legitimation und innerhalb einer Smartphone-App?

Reinhard Pfingsten: Natürlich beschäftigen wir uns mit Themen wie Video-Legitimation und Apps, bislang haben wir jedoch noch nichts Konkretes geplant. Wir wollen hierbei nichts überstürzen. Jede Umsetzung und Weiterentwicklung muss intensiv und zielführend durchdacht werden. Aktuell konzentrieren wir uns darauf, Vorhandenes zu perfektionieren.

Mittlerweile gibt es Dutzende Robo Advisors auch in Deutschland. Was sind die Gründe, ausgerechnet bei easyfolio sein Geld anzulegen?

Reinhard Pfingsten: easyfolio ist einfach, schnell und absolut transparent . Genau dafür werden wir auch immer wieder ausgezeichnet – zuletzt von finanztip.de. Wir ermöglichen unseren Kunden mit wenig Aufwand, breit gestreut, entspannt und langfristig Geld anzulegen. Des Weiteren ist unsere bestehende Kooperation mit Partnerbanken ein großer Vorteil für unsere Kunden: Sie können in ihr bereits bestehendes Depot bei ihrer Hausbank easyfolio-Produkte hinzu kaufen. Natürlich können Sie aber auch ein eigenes Depot bei uns eröffnen. Diese Kooperationen sind aus Kundensicht ein Garant für Sicherheit, da Kunden bei der Bank ihres Vertrauens bleiben können. Zudem haben wir mit Hauck & Aufhäuser eine Privatbank im Hintergrund, die zusätzlich für Kompetenz und fachliche Expertise steht.

Neben „easyfolio 30“, „easyfolio 50“ und „easyfolio 70“ bieten Sie seit Neuestem auch die Anlagestrategie „easyfolio flex“ an. Worin zeichnet sich diese aus? Glauben Sie, dass Sie für jeden Kunden das richtige Produkt anbieten können, auch wenn Ihre Wettbewerber zum Teil mehr als zehn Anlageempfehlungen haben?

Stephan Rupprecht: Alle easyfolio-Produkte bilden durch den Einsatz von ETFs die Weltwirtschaft unter Berücksichtigung der größten Anlageregionen ab. Dabei kommen Aktien- und Anleihen-ETFs zum Einsatz, mit denen eine breite Streuung der Anlagen zu niedrigen Kosten erreicht wird. Zusätzlich verfolgen alle Produktstrategien einen streng regelbasierten Ansatz. Während die Aktiengewichtung in easyfolio 30, easyfolio 50 und easyfolio 70 starr ist und auf Grundlage der weltweiten BIP-Gewichtung erfolgt, wird beim easyfolio flex die Gewichtung des Aktienteils und der Regionen durch die Anlagepolitik des Bankhauses Hauck & Aufhäuser bestimmt. Die Produkte richten sich damit an unterschiedliche Anlegertypen und ergänzen sich optimal. Dadurch eignet sich easyfolio flex besonders für jene Anleger, die eine Strategie bevorzugen, die sich dynamisch an jedes mögliche Marktumfeld anpasst und keine festgelegte Aktienquote verfolgt.

Reinhard Pfingsten: Zudem ist es natürlich auch möglich, verschiedene Anlagestrategien individuell zu kombinieren. Als Entscheidungshilfe bieten wir einen Test an, der aus zehn Fragen das persönliche Risikolevel eines Anlegers ermittelt. Auf dieser Basis erhält der Kunde eine Einschätzung darüber, welche easyfolio-Strategie seinen Bedürfnissen entsprechen könnte. Es findet aber keine Anlageberatung statt, sondern dient lediglich der Entscheidungshilfe. Die Entscheidung trifft der Kunde im Anschluss alleine.

Ihre Anlagestrategien berücksichtigen Aktien und Anleihen, abgebildet mittels ETFs, mit „easyfolio flex“ nun auch einen aktiv verwalteten Fonds. Sie verzichten aber auf Rohstoffe und Immobilien. Wieso bieten Sie nicht auch letztere Asset-Klassen an?

Reinhard Pfingsten: Bisher haben wir uns bewusst nur auf Aktien und Anleihen fokussiert. Dieser Entscheidung liegt die angestrebte Einfachheit zugrunde. Wir schließen jedoch nicht kategorisch aus, dass wir – insbesondere mit der Expertise von Hauck & Aufhäuser – zukünftig unser Portfolio weiter ausbauen werden.

Welche ETFs werden bei der Anlageempfehlung im Auswahlprozess miteinbezogen? Auch unter MiFID-II-Gesichtspunkten: Liegt für sämtliche empfohlene Aktien und Anleihen ein Research vor? Und wenn ja, woher beziehen Sie dieses?

Reinhard Pfingsten: Wir nutzen die ETFs der großen und renommierten Anbieter iShares, SPDR und UBS, um sehr breit gestreut an der Weltwirtschaft zu partizipieren, und vertrauen auf deren langjährige Erfahrung und Expertise. Seit dem Erwerb von easyfolio überwacht zusätzlich auch das Investment-Team von Hauck & Aufhäuser die ETFs.

In letzter Zeit liest man immer mehr davon, dass das Wachstum bei Robo Advisors auch dadurch ins Stocken kommt, dass die Neukundengewinnung sehr aufwendig ist; man schätzt die Kosten bei ca. 250–300 EUR pro Kunde. Wie gewinnen Sie Neukunden? Findet zum Beispiel eine „Weiterleitung“ von Kunden von Hauck & Aufhäuser statt?

Reinhard Pfingsten: Dank der Bekanntheit von easyfolio sind die Kosten zur Neukundengewinnung mittlerweile bei Weitem nicht mehr so hoch wie zu Gründungszeiten.

Stephan Rupprecht: Es gibt keine aktive Weiterleitung von Bankkunden zu easyfolio; hier findet eine strikte Trennung der beiden Vertriebskanäle statt. Bei Nachfragen von Kunden werden diese aber selbstverständlich über die Möglichkeiten bei easyfolio informiert. Davon unberührt gibt es auch Überlegungen, perspektivisch die digitale Angebotspalette für Kunden von Hauck & Aufhäuser auszubauen.

Wie wirkt sich der vollzogene Gesellschafterwechsel zu Hauck & Aufhäuser für die Kunden konkret aus?

Stephan Rupprecht: Neben dem neu entwickelten Produkt „easyfolio flex“ profitieren easyfolio-Kunden unmittelbar von der Expertise unserer erfahrenen Investmentexperten mit Markteinschätzungen und Prognosen, z. B. über Webinare, Fachkolumnen, Blogbeiträge und Newsletter. Des Weiteren profitieren sie indirekt von der fachlichen Kompetenz unseres Bankhauses, z. B. im Hinblick auf Produktüberwachung, Marketing und Kommunikation.

Wo sehen Sie den Robo-Advice-Markt mittelfristig? Wird es in fünf Jahren noch unabhängige Anbieter geben oder werden sie alle nach und nach Teil einer Bank oder klassischen Vermögensverwalters?

Reinhard Pfingsten: Wir sehen einen aufstrebenden Markt, ähnlich wie in den USA. Uns kommen dabei das Niedrigzinsumfeld, die zunehmende Digitalisierung und die wachsende Nachfrage nach schnell, einfach und günstig verfügbaren Produkten sehr entgegen. Natürlich liefert die schnell wachsende FinTech-Branche auch reichlich Diskussionspotenzial. Es gibt die Stimmen, die die fehlenden Ertragsmodelle anprangern und der FinTech-Szene die nächste Blase vorhersagen. Auf der anderen Seite sind die Investitionssummen in den letzten Jahren erheblich gestiegen.

Stephan Rupprecht: Die Wahrheit liegt also wie so oft in der Mitte. Sicherlich sind die Zweifel an der langfristigen Überlebensfähigkeit bzw. Unabhängigkeit von Robo Advisors gerechtfertigt. Dennoch sehen wir insbesondere in der Zusammenarbeit zwischen FinTechs und Banken ein riesiges Potenzial. Sie digitalisieren vorhandene Anlageprozesse und bringen dadurch frischen Wind in die Branche. Aus diesem Grund glauben wir, dass es vermehrt Kooperationen geben wird, nicht zuletzt weil sich der Markt langfristig konsolidieren wird.

Kurzfristig kann die Zahl an Robo Advisors also durchaus weiter zunehmen; langfristig wird sich ihre Zahl jedoch durch Verkäufe, Zusammenschlüsse und Kooperationen auf einige, wenige unabhängige Unternehmen reduzieren. Die restlichen Robo Advisors werden als sinnvolle Ergänzungen in das Geschäftsmodell der Banken integriert. Zudem bleibt offen, ob und wenn ja, wann auch Internet-Giganten wie Google, amazon und Co. die digitale Geldanlage für sich entdecken. Dann könnten die Karten noch mal ganz neu gemischt werden.

Weitere Informationen zu easyfolio finden Sie auf dem Fintech Hub by zeb.

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Dr. Hasan Gündogan

Manager Office Frankfurt

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