Big Techs – Bedrohung oder Chance für Asset Manager? Status Quo, Stärken und Zukunftschancen

Big Techs verfügen über eine ausreichende Größe, Markenbekanntheit, Vertriebskapazitäten und Technologie, um auch in die Asset Management-Branche einsteigen zu können. So sind Big Techs wie Alphabet (Google), Apple, Facebook, Amazon, Alibaba und Tencent (WeChat) bereits heute in der Finanzdienstleistungsbranche aktiv. Aber würden Anleger Asset Management-Services von großen Big Techs überhaupt in Anspruch nehmen? Und wenn ja, wie könnte der Markteintritt eines Big Techs aussehen?

Status Quo – Big-Tech-Plattformen auf dem Vormarsch

Die größten Anbieter digitaler Plattformen, auch bekannt als Big Techs, haben ihren Sitz in den USA (Alphabet, Amazon, Apple und Facebook) und Asien (Alibaba, Tencent und Samsung). Gemeinsam repräsentieren sie 96 Prozent des globalen Plattformgeschäfts (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Die wertvollsten Plattformen weltweit / Big Techs – Bedrohung oder Chance für das Asset Management / BankingHubAbbildung 1: Die wertvollsten Plattformen weltweit

Wie in Abbildung 2 dargestellt, haben Big Techs bereits damit begonnen, ihr Geschäft auf den Finanzdienstleistungssektor auszuweiten und etablierte Marktteilnehmer herauszufordern. Die meisten ihrer Produktangebote wie Zahlungsvorgänge, Finanzierung und Mobile Wallets konzentrieren sich jedoch eher auf das reine Bankgeschäft als auf Asset Management-Services. Amazon hat beispielsweise im Jahr 2015 ein Finanzierungsprogramm gestartet, um seinen Kunden Kredite und inzwischen auch eigene Prämien-Kreditkarten anzubieten.

Abbildung 2: Aktuelles Finanzdienstleistungsangebot der Big Techs / Big Techs – Bedrohung oder Chance für das Asset Management / BankingHubAbbildung 2: Aktuelles Finanzdienstleistungsangebot der Big Techs

Asset Management gilt aus mehreren Gründen als ein sehr attraktiver Geschäftszweig[1]:

  • Vergleichsweise niedrige (aufsichtsrechtliche) Eigenkapitalanforderungen
  • Im Vergleich zur Finanzdienstleistungsbranche und zu anderen Branchen ist das Asset Management einer der profitabelsten Märkte mit einer hohen operativen Marge von 37 Prozent im Vergleich zu nur 34 Prozent im Banking bzw. vier Prozent in der Versicherungsbranche
  • Der Markt ist über die vergangenen fünf Jahre kontinuierlich um 14 Prozent pro Jahr gewachsen
  • Globale Megatrends werden die Nachfrage nach Asset Management weiter vorantreiben und dabei das kontinuierliche Wachstum unterstützen (z. B. durch eine wachsende Mittelschicht, die Abkehr von Bareinlagen zugunsten von Finanzanlagen sowie eine steigende Lebenserwartung).

Big Techs könnten daher ihren starken Zugang zu Privatkunden nutzen, um Vermögensströme über ihre Plattformen umzuleiten.

Wie Abbildung 2 zeigt, haben Big Techs bereits die Chance erkannt, Asset Management-Services anzubieten, und sammeln erste Erfahrungen. Im Jahr 2004 gründete Alibaba Alipay und bot Zahlungen und damit verbundene Dienstleistungen an. 2014 erweiterte das Unternehmen mit der Gründung der Ant Financial Services Group sein Angebot um Asset Management-Produkte. Heute ist der Yu’e Bao-Fonds von Alibaba mit einem Nettovermögen von 152 Mrd. USD Stand Mai 2019 (siehe Abbildung 3) der weltweit größte Geldmarktfonds, zu dem über 588 Mio. Nutzer des mobilen Zahlungsnetzwerks Alipay von Ant beitragen, was mehr als einem Drittel der chinesischen Bevölkerung entspricht.

Alibaba bietet auch innovative Aktienprodukte wie z.B. den Fonds auf Basis des Aktienindex CSI Taojin Big Data 100. Dieser fasst umfasst die 100 stärksten Aktien des CSI All Share Index auf Basis ihrer jeweiligen Online-Verkaufszahlen. Der Index bildet somit E-Commerce-Aktivitäten zur Messung der Geschäftsleistung ab, indem er den Datenschatz des chinesischen Internet-Shopping-Giganten mit dessen Finanzdienstleistungsambitionen kombiniert und für den Endkunden investierbar macht.

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Neben anderen Dienstleistungen startete Ant Financial 2015 mit Ant Fortune eine Asset Management-Plattform mit Fondsprodukten vieler verschiedener chinesischer Fondsgesellschaften. Seit 2018 besitzt Tencent, ebenfalls ein asiatisches Big-Tech-Unternehmen, eine Lizenz zum Verkauf von Investmentfonds an seine eine Milliarde monatlicher WeChat-Nutzer. Darüber hinaus nutzen Pfandleiher die Plattform bereits für den Verkauf ihrer Produkte.

Amerikanische Big Techs haben bislang zurückhaltender agiert. Im Jahr 2005 gründete Apple eine eigene Asset Management-Gesellschaft namens Braeburn Capital. Obwohl ihr eigentlicher Zweck darin besteht, die großen Liquiditätsreserven von Apple zu verwalten, könnte dies ein strategischer erster Schritt zum Ausbau der eigenen Asset Management-Kompetenzen sein, um diese in Zukunft auch externen Kunden anbieten zu können.

Abbildung 3: Weltweit größter Geldmarktfonds / Big Techs – Bedrohung oder Chance für das Asset Management / BankingHubAbbildung 3: Weltweit größter Geldmarktfonds

Was der Kunde wünscht – Bequemlichkeit schlägt Datenschutz

Trotz einiger Skandale um Datenlecks hat das Vertrauen der Konsumenten in Big Techs das über Jahre gewachsene Vertrauen in Banken in den letzten Jahren eingeholt.

Wie in Abbildung 4 dargestellt, zeigen aktuelle Studien, dass das Vertrauen von US-Verbrauchern in Finanzangelegenheiten zu Amazon & Co. im Vergleich zu traditionellen Finanzdienstleistern aufholt. Die Mehrheit der High Net Worth Individuals (HNWI) wiederum zeigt ein starkes Interesse an Asset Management-Services von Big Techs, da ihnen Bequemlichkeit über Datenschutz geht.

Abbildung 4: Kundensicht auf den von Big Techs angebotenen Finanz- und Asset Management-Service / BankingHubAbbildung 4: Kundensicht auf den von Big Techs angebotenen Finanz- und Asset Management-Service

5 Stärken der Big Techs – wie man die Asset Management-Branche beherrschen kann

Big Techs haben fünf Vorteile gegenüber klassischen Asset Managern, die es ihnen ermöglichen, ihren Kunden Asset Management-Services anzubieten:

  1. Verfügbarkeit von Daten (Big Data) über Kunden, Produktumsätze und Unternehmen
  2. Technologische Kompetenzen zur Verwertung nützlicher Informationen aus (großen) Datenmengen, z. B. Data Analytics (Big Data) und Innovationen (künstliche Intelligenz).
  3. Effizienz und Agilität durch ein dynamisches Unternehmensumfeld und eine positive Einstellung zu Innovationen
  4. Kundenkenntnis aus dem Bestandsgeschäft, z. B. Verkaufseinstellungen und Qualitätspräferenzen
  5. Vertriebsstärke durch Markenbindung, Kundenkomfort und wachsendes Kundenvertrauen

Vor allem technologische Leistungsfähigkeit, hohe Effizienz und eine agile Unternehmenskultur spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung benutzerfreundlicher Angebote für den digital affinen Kunden. Durch die Erfassung und Analyse großer Mengen an Kundendaten (z.B. Verkaufs- und Qualitätspräferenzen) sind Big Techs in der Lage, kostengünstige und maßgeschneiderte Angebote zu erstellen, und können diese auch durch die Entwicklung neuer Analysen als Grundlage für innovative Investment-Angebote nutzen.

Da asiatische Big Techs bereits auf ihren Vorteile aufbauen und im Asset Management erfolgreich sind, stellt sich nicht mehr die Frage “ob”, sondern “wann” andere Big-Tech-Unternehmen mit ähnlichen Aktivitäten in die Asset Management-Märkte außerhalb Asiens eintreten werden.

Wie man den Asset Management-Markt erschließt – mögliche Optionen für Big Techs

Im Allgemeinen gibt es vier Markteintrittsoptionen, die Big Techs in Betracht ziehen könnten und klassische Asset Manager kennen sollten: Aufbau einer eigenen Asset Management-Abteilung, White-Label-Produkte anderer Asset Manager, Fusion oder Übernahme anderer Asset Manager oder Ausbau bestehender Kooperationen. Wie in Abbildung 5 dargestellt, hat jede dieser Möglichkeiten ihre Vor- und Nachteile, die Big Techs bei der Beurteilung und Identifizierung der besten Option für einen erfolgreichen Markteintritt berücksichtigen müssen.

Abbildung 5: Markteintrittsmöglichkeiten von Big Techs / BankingHubAbbildung 5: Markteintrittsmöglichkeiten von Big Techs

zeb-Sicht auf die Zukunft der Asset Management-Angebote von Big Techs

Aufgrund ihrer technologischen Leistungsfähigkeit, Effizienz und Agilität, ihres Kundenwissens und ihrer Vertriebsstärke haben Big Techs bereits mit dem Einstieg in den Asset Management-Markt begonnen. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren verstärken wird. Daher muss die Asset Management-Branche ihr digitales Dienstleistungsangebot verbessern, um eine nachhaltig erfolgreiche Geschäftstätigkeit in einer wettbewerbsintensiven Umgebung sichern zu können.

Die derzeitigen Asset Manager sollten sich insbesondere auf die Nutzung der technologischen Möglichkeiten konzentrieren, um ihre Effizienz und Agilität zu steigern. Dazu gehört auch, das Datenmanagement auf die nächste Stufe zu heben, d. h. die Daten optimal zu nutzen, um den Umsatz zu optimieren, Kunden zu aktivieren und Investitionen zu bewerten.

Um mehr über die neuesten Entwicklungen und anstehenden Herausforderungen in der Asset Management-Branche zu erfahren, lesen Sie unseren Artikel und unsere Studie: Asset Management – jenseits der Komfortzone

 

[1] BankingHub (2019): Asset Management – jenseits der Komfortzone

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