Wie finCraft Börsenneulingen hilft, ihre Finanzen in die Hand zu nehmen

„Die finanzielle Zukunft selbst in die Hand nehmen“ – das ist laut Dr. Stefan Steib, Gründer von finCraft, das Motto der Stunde. Wir haben mit ihm über das Geschäftsmodell von finCraft, die finCraft-White-Label-Lösung für Kreditinstitute und dem Wettbewerb im Neo-Broker-Markt gesprochen.

Neo-Advice für private Anlegerinnen und Anleger

Stefan Steib, Gründer von finCraft, im Interview
Stefan Steib, Gründer von finCraft

Hallo Stefan, schön, dass wir die Gelegenheit haben uns heute auszutauschen. Du hast finCraft 2018 gegründet und die App ging vor wenigen Wochen live. Was verbirgt sich eigentlich genau hinter finCraft und was hat dich dazu bewegt, finCraft zu gründen?

Ich habe selbst mehr als 20 Jahre als Analyst im Investmentbanking gearbeitet und mich immer gefragt, warum die Deutschen so große Hemmungen vor der Börse haben. Die Börse bietet wirklich Lösungen für viele aktuelle Probleme. Deshalb sollten alle Zugang haben, nicht nur die Herren in den dunklen Anzügen. Untersuchungen belegen: Die Angst vor falschen Entscheidungen und der Mangel an Know-how waren und sind die größten Hürden für private Anlegerinnen und Anleger. Die Entwicklungen seit der großen Finanzkrise haben zudem das Vertrauen in die Beratung von Geldinstituten massiv beschädigt. „Die finanzielle Zukunft selbst in die Hand nehmen“ – das ist das Motto der Stunde. Mit unserem Angebot schließen wir die Beratungslücke auf digitalem Wege und öffnen allen Nutzenden so die Tür zum Kapitalmarkt, indem wir sie zu „Selbst-Vorsorgern“ machen.

Also geht es euch im Kern darum, die finanzielle Bildung in der Bevölkerung zu erhöhen. Habt ihr dabei eine bestimmte Zielgruppe besonders im Blick?

Wir von finCraft glauben daran, dass jeder Mensch sein eigener Anlagestratege sein kann – und das unabhängig vom Lebensalter. Denn so kompliziert wie viele der Expertinnen und Experten uns das glauben lassen wollen, ist die Materie gar nicht. Es braucht Interesse, das richtige Basis-Know-how und eine unabhängige Plattform, die Börseneinsteiger/-innen genauso wie Fortgeschrittene mit allem versorgt, was benötigt wird, um kompetente Investmententscheidungen treffen zu können.

Welche Funktionen können solche „Börseneinsteiger/-innen“ auf eurer Plattform erwarten und welche Vorteile ergeben sich für sie daraus?

Wir führen Börseneinsteiger/-innen gleich beim Onboarding durch einen strukturierten Anlageprozess. Anlageziel und Risikobereitschaft werden ermittelt und die Nutzerinnen und Nutzer einem unserer Archetypen zugeordnet. Auf dieser Basis werden eine passende Anlagestrategie entwickelt und hierzu passende Wertpapiere aus verschiedenen Anlageklassen vorgeschlagen. Bereits im Onboarding bauen sich die Nutzenden so ihr erstes, diversifiziertes Portfolio.

Das Wichtigste: All dies erfolgt ohne jedes Risiko! Die Wertpapierportfolios werden unter realen Bedingungen zusammengestellt, es wird aber noch nicht mit „echtem Geld“ und „echtem Risiko“ gearbeitet, sondern vorerst nur mit einer Simulation. Gerade Börseneinsteigerinnen und -einsteigern ermöglichen wir so einen risikolosen Zugang zur Börse. Sie können Börse einfach mal ausprobieren, experimentieren, Erfahrungen sammeln. Unsere Nutzer/‑innen entscheiden, wann sie sich fit genug fühlen, ihre „virtuellen“ Investments in „reale“ umzuwandeln und dann auch echte Risiken einzugehen.

Anlegerinnen und Anleger werden bei uns auf der Plattform mit Finanzdaten zu Unternehmen und Wertpapieren, Börsendaten in Echtzeit sowie aktuellen und relevanten News versorgt. finCraft bietet zudem umfassende Analyse-Tools, um diesen Datenbestand auswerten und selbstständig Investmententscheidungen herleiten zu können. Das hierfür erforderliche Know-how wird über Video- und andere Formate gleich mitgeliefert. Monitoring-Funktionalitäten unterstützen Anleger/-innen schließlich bei der Beobachtung und Optimierung ihrer Portfolios im Zeitablauf.

Es soll demnächst auf eurer Plattform möglich sein das eigene Musterportfolio direkt in ein „echtes“ Depot umzuwandeln. Wird es dann auch die Option geben Depots, welche bei anderen Brokern geführt werden, mit finCraft zu verknüpfen?

Es besteht bereits heute die Möglichkeit, vorhandene Depots ganz einfach per Excel-Import auf die finCraft-Plattform hochzuladen. So können alle Funktionalitäten auch auf schon bestehende Portfolios angewandt werden. Wir arbeiten zudem mit Hochdruck an unserem Broker-Service. Unser Produkt ist erst komplett, wenn wir „Neo-Advice und Neo-Brokerage“ verbinden – weil wir unseren Nutzerinnen und Nutzern eine innovative One-Stop-Solution an die Hand geben wollen. Eine Anlagestrategie zu entwickeln und umzusetzen, ist nicht an einem Wochenende erledigt. Dies ist eine mittel- und langfristige Aufgabe. Deshalb ist es uns wichtig, einen optimalen und vollständigen Service anzubieten, bei dem alles aus einem Guss ist.

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Wettbewerb im Neo-Broker-Markt

In den letzten zwei Jahren ist das Interesse an Aktien und Neo-Brokern rapide gestiegen. Hast du dieses Interesse auch bemerkt und wie hat sich dieses aus deiner Sicht auf Anleger/-innen und den Wettbewerb ausgewirkt?

Aber ja, der „Meme Stock“-Hype der Pandemiejahre war nicht zu übersehen. In dieser Phase war die Meinung vorherrschend, dass Anlegerinnen und Anleger – Börseneinsteiger/-innen genauso wie Fortgeschrittene – nichts weiter brauchen als eine coole App, mit der sie zu günstigen Konditionen Wertpapiere kaufen und verkaufen können. Zocken ohne Plan, das reicht. In steigenden Märkten hat das bei vielen auch häufig funktioniert. Aber nach den dramatischen Kursverlusten seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs stehen viele dieser Zocker jetzt vor einem Scherbenhaufen. Hier hat nun auch der letzte verstanden, dass Börse so eben nicht funktioniert.

Es braucht einen passenden Plan und erst dann den Trade – nicht umgekehrt. Die Neo-Broker müssen sich deshalb schnell etwas einfallen lassen, um diese Lücke zu schließen und ihre Userinnen und User nicht wieder zu verlieren.

Dennoch hat der von dir beschriebene Hype zahlreiche neue Player in den Neo-Broker-Markt gelockt. Inwieweit stellt finCraft eine echte Alternative da, um sich im stark umkämpften Markt abzusetzen?

Private Anlegerinnen und Anleger, die ihre finanzielle Zukunft selbst in die Hand nehmen wollen, müssen vier Schritte durchlaufen. Schritt (1) besteht darin, Know-how aufzubauen, zu experimentieren und Erfahrungen zu sammeln – nach Möglichkeit ohne Risiko, um sich nicht gleich die Finger zu verbrennen. In Schritt (2) muss ein individueller Investmentplan entwickelt werden, eine Anlagestrategie, die zur Ausgangslage und den persönlichen Zielen passt. In Schritt (3) erfolgt dann die Umsetzung. Wertpapiere werden gekauft, die Anleger/-innen gehen jetzt „echtes Risiko“ ein. Schritt (4) besteht schließlich aus laufendem Monitoring und dem regelmäßigen Anpassen eines Portfolios bei Bedarf.

finCraft ist der einzige Anbieter, der alle vier Schritte aus einer Hand anbietet. Unsere App ist ein Gegenentwurf zum „wilden Anlage-Western“. Unser Angebot richtet sich an Nutzende, die systematisch, kompetent und langfristig anlegen wollen. Denn nur so funktioniert Börse. Dabei haben unsere Kunden das Tempo selbst in der Hand, zu keiner Zeit wird Druck aufgebaut, irgendwelche Anlagen zu erwerben.

Erfahrene Anleger/-innen können die ersten Schritte auch überspringen und ihr Wissen mithilfe unserer Analyse-Tools und Prognosedaten voll ausspielen sowie ihre eigenen Strategien entwickeln und testen. Hierfür haben wir uns auch technologisch perfekt aufgestellt, sodass wir ein bisher noch nicht vorhandenes Spektrum an Services bieten können und – ganz nebenbei – die finCraft Advice Suite auch als White-Label-Lösung für Kreditinstitute nahtlos in deren Produktangebot integrieren können.

Wie geht es weiter mit finCraft?

Mit einer solchen White-Label Lösung könntet ihr mit eurem Produkt schnell eine Vielzahl von Anleger/-innen zu einem durchdachteren Anlageverhalten verhelfen. Zukünftig soll auf eurer Plattform zusätzlich ein Community-Bereich eingerichtet werden. Was verbirgt sich dahinter?

Gerade Börseneinsteiger/-innen brauchen Orientierungshilfe und kreative Impulse. Was liegt da näher als der Austausch mit Gleichgesinnten? Der Community-Bereich wird es den Nutzenden ermöglichen, mit Anlegerinnen und Anlegern in den Dialog zu treten, die ein ähnliches Profil haben und ähnliche Anlageziele verfolgen. Darüber hinaus soll eine Art Marktplatz für Anlagestrategien geschaffen werden. Performance und Profil der Strategiemodelle und Portfolios von teilnehmenden Userinnen und Usern werden ausgewertet und anderen Userinnen und Usern zur Verfügung gestellt. Social Trading wird so auf ein neues Niveau gehoben.

Laut deinen Erzählungen sind derzeit weitere Features in der Entwicklung und sollen in naher Zukunft live gehen. Welche weiteren Meilensteine wollen du und dein Team in den nächsten Jahren mit finCraft erreichen?

Ganz aktuell steht die Fertigstellung unseres Broker-Service im Fokus. Auf diesen Meilenstein konzentrieren wir uns in den kommenden Monaten. Daneben haben wir noch eine lange Liste weiterer Funktionalitäten und Features, mit denen unser Service in den kommenden Quartalen permanent weiterentwickelt und verbreitert wird: neue Analyse-Tools, mehr Inhalte, zusätzliche Assetklassen.

Wir arbeiten auch bereits an einer internationalen Version unserer App, denn die bereits erwähnte Beratungslücke ist nicht auf Deutschland allein begrenzt. Das spannendste Thema ist aber: Wir werden unseren Nutzerinnen und Nutzern Investment-Advice auf Basis künstlicher Intelligenz anbieten. Die Entwicklung ist bereits in vollem Gange. Es wird aber sicher noch einige Quartale brauchen, bis wir hier in die Offensive gehen können.

Gerade als Gründer eines Unternehmens gibt es oftmals die ein oder andere Hürde zu überwinden. Auf welche Herausforderung bist du bisher gestoßen und wie hast du diese gemeistert?

Über die Hürden, die Start-ups in Deutschland zu nehmen haben, ist schon viel berichtet worden. finCraft ist da keine Ausnahme. Mit unserem Thema bewegen wir uns zudem in einem extrem regulierten Bereich, was manches noch zusätzlich verkompliziert. Beharrlichkeit und Leidensfähigkeit sind da unabdingbar. Aber wenn es einfach wäre, würden es ja alle machen.

Die größte Herausforderung bestand und besteht aber zweifellos in der Überwindung der aus der ungewöhnlichen Ansammlung an externen Problemen resultierenden Konsequenzen. Corona, Ukraine-Krieg, Inflation, Zinswende, Rezessionsängste … all das hat die Rahmenbedingungen massiv beeinträchtigt und die Börsen durchgerüttelt. Die Hightech-Lieblinge sind abgestürzt, die FinTech-Bewertungen sind kollabiert und das Funding-Umfeld hat sich deutlich eingetrübt. Wir haben finCraft in eine AG umgewandelt, um uns für dieses Umfeld flexibler sowie widerstandsfähiger zu machen, und wir haben unseren Aufsichtsrat hochkarätig besetzen und damit enorm wertvolles Know-how gewinnen können, um gestärkt aus der aktuellen Krise hervorzugehen.

Lieber Stefan, vielen Dank für den interessanten Austausch! Wir wünschen dir und deinem Team weiterhin viel Erfolg!

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