BITKOM-Kongress Bargeldlose Gesellschaft – Wie bezahlen wir übermorgen? Ideen zur Zukunft des Bezahlens – weitestgehend ohne Banken

Am 25. Juni fand in Berlin der durch den BITKOM organisierte Kongress zum Thema „Bargeldlose Gesellschaft – Wie bezahlen wir übermorgen?“ statt. Podiumsgäste mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen teilten ihre Sicht auf Gegenwart und Zukunft des Bezahlens in Keynotes und Paneldiskussionen mit einem ebenso unterschiedlichen Teilnehmerfeld. Nachfolgend sind Ergebnisse und Erkenntnisse dieses interessanten und spannenden Nachmittags zusammengefasst.

Bezahlen heute – nur Bares ist Wahres

In seiner Opening Keynote präsentierte Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, zunächst einige Zahlen zum aktuellen Bezahlverhalten der Deutschen. Weiterhin wird für einen überwiegenden Teil aller Zahlungen Bargeld genutzt, mit hohem Abstand gefolgt von EC-Karten und dem Lastschriftverfahren. So hat es bisher keines der bestehenden Bezahlverfahren auch nur annähernd geschafft, dem Bargeld Konkurrenz zu machen.  Und auch speziell für den Einsatz von Kleinstbeträgen geschaffene Systeme wie die Geldkarte werden allenfalls von Liebhabern genutzt.

Voraussetzungen für Veränderung  – Sicherheit, Convenience, Preis

Bei der Frage, welche Eigenschaften ein neues Zahlungsangebot aufweisen müsse, bestand bei drei Kriterien weitgehend Einigkeit:

  • Sicherheit: Nur ein Zahlverfahren, das höchste Sicherheitsansprüche erfüllt, wird auf breite Akzeptanz stoßen.
  • Convenience: Ein neues Verfahren muss ein konkretes Kundenproblem lösen, bzw. muss mindestens genauso einfach und genauso schnell sein wie bestehende Angebote. Angebote, bei denen
    1. das Smartphone entsperrt
    2. eine App geöffnet
    3. eine App entsperrt
    4. eine Aktion in der App ausgelöst
    5. ein Datenübertrag vorgenommen werden muss lösen kein Problem.
  • Preis: Die Kosten eines Verfahrens, seien sie direkt bezifferbar als prozentualer Anteil oder indirekt über die Bargeldver- und entsorgung, sind entscheidend sowohl aus Händler- als auch aus Verbrauchersicht. Ein sich aus dem Markt preisendes System wird kaum eine Chance gegen etablierte Modelle haben.

Bei der Implementierung wurde auf das sogenannte „Henne-Ei-Problem“ hingewiesen: ein neues Bezahlsystem ist für Konsumenten nur interessant, wenn es an vielen Akzeptanzstellen einsetzbar ist. Auf der anderen Seite haben Händler zunächst keinen Anreiz, ein durch die Kunden nicht nachgefragtes System anzubieten. Diese Konstellation macht neuen Angeboten, die nicht auf bestehender Infrastruktur aufsetzen, eine schnelle Verbreitung praktisch unmöglich.

Rahmenbedingungen für Wandel

Ebenso wurde diskutiert, inwieweit der Bitcoin bzw. andere Kryptowährungen als neue, internationale Währung eine tragende Rolle übernehmen können. Viele Teilnehmer vertraten die These, jede neue Lösung müsse international umsetzbar sein – ein Kriterium, das bei Bitcoins und anderen Kryptowährungen gegeben ist. Diesen Währungen wurde auf der einen Seite eine weiter wachsende Bedeutung attestiert, auf der anderen Seite wurde die Einnahme einer tragenden Rolle jedoch verneint. Begründet wurde dies u.a. durch die nicht vorhandene Wertaufbewahrungsfunktion (aufgrund der starken Kursschwankungen) und mit fehlender Regulierung.
Kontrovers wurde diskutiert, ob es sich dabei um die Wurzel allen Übels oder um ein notwendiges Übel handele. Vertreter der Politik machten dabei deutlich, dass eine Regulierung in erster Linie den Schutz der Marktakteure erreichen und Unsicherheiten reduzieren möchte. Als Beispiel wurde das kenianische Unternehmen M-Pesa genannt, das großen Bevölkerungsteilen ohne Bankbeziehung eine Möglichkeit zum sicheren und kostengünstigen Geldtransfer über das Mobilnetz eröffnet. Eine Pleite dieses unregulierten Anbieters würde jedoch ca. 17 Mio. Kunden ihrer Ersparnisse berauben.

Und was bringt die Zukunft?

Mit Spannung erwartet wird ein Engagement einer der großen Konzerne von der US-Westküste, da diese Akteure zum Einen über eine große Anzahl registrierter Nutzer auf ihren Payment-fähigen Plattformen verfügen und zum Anderen eine enorme Finanzkraft besitzen, um ihre Lösungen auf breiter Front in internationale Märkte zu bringen. Bezogen auf die Geschwindigkeit herrschte die Meinung vor, man stehe erst am Anfang eines immer schneller werdenden Prozesses, dessen Ergebnisse ungewiss sind. Nur bei einer Sache waren sich die Teilnehmer sehr sicher: das Passwort in seiner heutigen Form wird es bald nicht mehr geben.

Erstaunlich war, dass unter den gut 15 Panelteilnehmern bzw. Keynote Speakern kein einziger Vertreter einer regulären Geschäftsbank vertreten war – ist doch die Abwicklung von Zahlungen die ureigenste Funktion einer Bank . Vielleicht ist auch das ein Hinweis auf die Zukunft.

(für das Bild herzlichen Dank an BITKOM)

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Laura Pfannemüller

Manager Office Berlin

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