Hamburg Startups Mixer – ‘Corporates meet Start-ups’ Erfolgsgeheimnisse funktionierender Kooperationen zwischen Konzernen und Start-ups

Was können klassische Unternehmen von Start-ups lernen et vice versa? Welche Möglichkeiten der Kontaktaufnahme gibt es? Wie sehen erfolgreiche Kooperationsformen aus und welche Hürden sind zu meistern? Diese Fragen und viele weitere galt es am 09.05. im Hamburger Mindspace bei der Veranstaltung ‘Corporates meet Start-ups’ von Hamburg Startups durch Start-ups sowie etablierten Unternehmen, die bereits Erfahrungen in Kooperationen sammeln konnten, zu beantworten.

Insbesondere die aktive Paneldiskussion, an der André M. Bajorat (CEO des FinTech-Start-ups figo) Andreas Kramer (Head Digital Offering & Processes in Private, Wealth and Commercial Clients der Deutsche Bank), Oliver Risse (CEO und Gründer von Floatility) sowie Rocky Wüst (Gründer von der Brüder Gleich GmbH [Veganer Joghurt aus Reis]) beteiligt waren, bot interessante Einblicke. Diese und der Input aus der anschließenden Diskussion mit anderen Besuchern kristallisierten folgende Voraussetzungen, Chancen sowie Herausforderungen bei Kooperationsmodellen von Start-ups und Unternehmen heraus:

Voraussetzungen für erfolgreiche Kooperation sind insbesondere Vertrauen und ein Agieren auf Augenhöhe

Als Grundbedingung ist insbesondere eine Kooperation auf Augenhöhe zu nennen. Wenngleich einer der Partner naturgemäß wirtschaftlich grundlegend anders aufgestellt ist, sollte der gemeinsame Arbeitsmodus von gegenseitiger Wertschätzung und Respekt geprägt sein. Dabei ist auch elementar, dass beide Partner ihr Geschäft verstehen und gegenseitig Vertrauen in die Leistung des anderen einbringen können. Ein hervorragendes Beispiel ist die erfolgreiche Kooperation des Mobilitätsdienstleisters  Floatility, dem Hersteller des Stadtrads der nächsten Kooperation, mit dem Chemiekonzern BASF. Oliver Risse konnte sich von Tag eins dieser Kooperation sicher sein, dass BASF mit seiner über 150-jährigen Geschichte tiefe Kenntnisse von Beschaffenheit und Zusammensetzung von Werkstoffen innehält. Neben der fruchtbaren Zusammenarbeit auf persönlicher Ebene sowie der Kompetenzvermutung ist auch eine rechtlich saubere Dokumentation erforderlich, damit beide Parteien, auch im Kriesenfall, nicht mit unerwarteten, negativen Überraschungen  rechnen müssen.

Sind diese grundlegenden Voraussetzungen gegeben, sind vor einer erfolgreichen Zusammenarbeit noch Herausforderungen zu meistern, bevor der Startschuss fallen kann.

Herausforderungen für Konzerne insbesondere in Einhaltung gültiger Regulierung, Start-ups mit Furcht vor reinem Know-how-Diebstahl

Die Kernherausforderung besteht darin, diese bereits bei der Kooperationsanbahnung zu erkennen und nach Möglichkeit so gering wie möglich zu halten. Die Deutsche Bank wendet beispielsweise analog zur Zusammenarbeit mit klassischen Unternehmen auch bei Start-ups einen umfassenden Vendor-Risk-Management Prozess an.

Obgleich auch Start-ups geltendes Recht einhalten müssen, kann ein grundlegend unterschiedliches Verständnis von sensitiven Themen (wie beispielsweise dem Datenschutz) vor allem in konservativen Industrien wie der Bankenbranche Konfliktpotenzial in sich bergen. Daher ist vor einer Kooperation durch Konzerne umfassend zu prüfen, ob es sich bei potenziellen Geschäftspartnern um ein Unternehmen handelt, mit dem man einerseits gerne zusammenarbeitet, andererseits diese Zusammenarbeit aber auch nach außen vertreten möchte. Darüber hinaus sind auch wirtschaftliche Risiken zu berücksichtigen.

Doch nicht nur Konzerne sind in diesem Kooperationsanbahnungsprozess zu einer umfassenden Prüfung des Partners gezwungen. Auch das Start-up als der vermeintlich kleinere Partner muss sich vor einer Zusammenarbeit die Frage nach Sinnhaftigkeit und etwaigen Risiken stellen. Dient die Kooperation am Ende des Tages insbesondere zum Abzweigen von Kompetenzen und Wissen aus dem Start-up und bietet diesem im Gegenzug keinen oder nur einen geringen Mehrwert, ist Vorsicht geboten und eine Zusammenarbeit sollte vermieden werden. Auch sind reine Zweckgemeinschaften keine optimale Voraussetzung für ein gutes Gelingen. Eine gemeinsame Vision kann als Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit dienen.

Als Anreiz zur Überwindung dieser Herausforderung sollte insbesondere die Berücksichtigung der Chancen aus einer Kooperation dienen.

Chancen vielfältig – für Start-ups insbesondere Zugang zu großem Kundenkreis interessant

Anhand einer Zusammenarbeit mit einem Start-up können etablierte Unternehmen ohne aufwendigen Forschungsprozessen und Innovationsaktionen innerhalb des Unternehmens Zugang zu bahnbrechenden Innovationen gelangen und sich parallel als innovativer Anbieter auf dem Markt positionieren. Auf der anderen Seite erhält das Start-up sofortigen Zugang zum Netzwerk des Unternehmens sowie seinem Kundenkreis. Die kritische Herausforderung der Kundenreichweite und des Vertrauensaufbaus in das Start-up kann somit simpel und effizient überwunden werden. Ein erfolgreiches Praxisbeispiel ist die Kooperation der Deutschen Bank mit dem FinTech figo. Diese setzt in Zukunft die Technologie von figo für die Aggregation von Finanzdaten in ihrem Onlinebanking ein. figo erhät so Zugang zu den mehr als 2 Millionen täglichen Nutzern des Onlinebankings der Deutschen Bank und diese wiederum eine smarte und innovative Lösung für ihre Nutzer.

Insgesamt blicken wir auf eine spannende und kurzweilige Veranstaltung zurück, die einen idealen Rahmen für einen fruchtbaren Austausch geboten hat, und freuen uns schon auf das nächste spannende Thema des Hamburg Startups Mixer!

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Autor Artjom Kartaschow

Artjom Kartaschow

Senior Consultant Office Hamburg

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