Einführung der Blockchain-Technologie im Bankensektor Wie realistisch ist eine zeitnahe Umsetzung?

Immer öfter taucht der Begriff Blockchain in Vorträgen und Debatten über die Zukunft des Finanzsektors auf. Dabei kann leicht der Eindruck entstehen, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre die gesamte IT-Infrastruktur der Banken auf Blockchain-Technologie umgerüstet wird.

Zwar ist die Blockchain als dezentrale und manipulationssichere Datenbank dazu prädestiniert, vernetzte Transaktionsbücher aufzubauen und folglich die Finanzarchitektur entscheidend umzugestalten. Andererseits gibt es auch Gründe, die gegen eine zeitnahe Implementierung der Technologie im Finanzsektor sprechen.

Auch wenn viele Banken und FinTechs gegenwärtig an Blockchain-Applikationen arbeiten, ist es wahrscheinlicher, dass die Technologie zuerst in anderen Branchen ihren entscheidenden Durchbruch haben wird. Gegen die weitverbreitete Meinung, dass die Blockchain-Technologie ihr disruptives Potenzial zuerst im Bankensektor entfalten wird, sprechen vor allem die gegenwärtige Regulierung und die bestehenden IT-Infrastrukturen.

Das Hindernis der Regulierung und Investitionsbereitschaft

Die Bankenbranche zählt zu den am stärksten regulierten Branchen überhaupt, sodass losgelöst von den technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen die Umsetzung gesetzlicher Auflagen sehr lange dauern kann. Schließlich gibt es strenge Regeln für das Sammeln, Lagern und Teilen von Kundendaten. Hier müssen verschiedene Ebenen der Validierung, Verifizierung und internen Freigabe durchlaufen werden. Dies sind alles Aspekte, die durch die Blockchain als Transaktionssystem und Datenbank tangiert werden.

Ebenfalls müssten zur vollumfänglichen Umsetzung der Blockchain-Technologie als Grundlage für jegliche Arten der Transaktionen – egal ob Wertpapierabwicklung oder Zahlungsverkehr – viele verschiedene Akteure eingebunden werden. Nationale, europäische und internationale Standards, wie beispielsweise die Richtlinien zum einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum (SEPA), müssten neu ausgerichtet werden. Neben Aufsichtsbehörden und Zentralbanken wären auch Abwicklungsstellen bzw. Clearinghäuser betroffen.

In einem Bericht vom SWIFT-Institut („The Impact and Potential of Blockchain on the Securities Transaction Lifecycle“) wird der Blockchain zwar ein enormes Potenzial insbesondere im Bereich der Kostenersparnis eingeräumt, allerdings werden die Erwartungen an eine zeitnahe Umsetzung im Transaktionsabwicklung gedämpft. So ist es laut dem SWIFT-Institut nur schwer darstellbar, zeitnah eine Koordinierung von Geschäftsprozessen zwischen den Abwicklungsgesellschaften durch die Blockchain flächendeckend und praxisnah umzusetzen.

Der institutionelle und infrastrukturelle Apparat, der hinter der Transaktionsabwicklung steckt, ist enorm und kann nicht innerhalb kürzester Zeit ausgetauscht oder gänzlich transformiert werden. Neben dem Eigeninteresse, an der bestehenden IT-Infrastruktur festzuhalten, sei hier auch auf die hohen Kosten hingewiesen, die eine Umstellung mit sich bringen würde. Angesichts eines zunehmenden Kostendrucks aufseiten der Banken und millionenschweren Investments in die IT-Infrastruktur in der Vergangenheit hält sich die Bereitschaft der Finanzinstitute, größere Summen in die Technologie zu investieren, noch in Grenzen.

Erste Anwendungen im Datenmanagement

Bevor es zu einem flächendeckenden Transaktionssystem auf Blockchain-Basis kommt, wird sie erste Schritte als unternehmensinterne Datenbank machen. Denkbar ist ein Einsatz in weniger regulierten Sektoren, wo Herausforderungen im Datenmanagement und der Gewährleistung von Datenintegrität bestehen. Insbesondere im Bereich der sensiblen, persönlichen Daten, wie beispielsweise bei Mitarbeiterdaten oder wettbewerbsrelevanten Unternehmensinterna, bietet sich auch jetzt schon ein Einsatz der Blockchain an – erste IT-Unternehmen haben entsprechende Lösungen bereits in ihrem Portfolio.

In diesem Kontext erfüllt die Blockchain vor allem eine Registerfunktion, die es ermöglicht, jede jemals getätigte Änderung nachzuvollziehen. Denkbar für eine Bank wäre unter anderem der Einsatz in der Kreditabteilung. Hier könnten beispielsweise Hypothekenschulden in ein Register eingetragen werden, das auf der Blockchain-Technologie beruht.

Allerdings sei darauf hingewiesen, dass es sich hierbei nicht um eine öffentliche, transparente Blockchain handelt, wie es bei der bekannten Bitcoin-Blockchain der Fall ist. Vielmehr geht es um einzelne Eigenschaften, die mit der Konzeption einer Blockchain verknüpft werden. Diese primären Eigenschaften in den vorliegenden Beispielen beruhen vor allem auf der Dezentralität und dem Schutz vor Manipulation.

Ein Blick in die Zukunft

Trotzdem wird langfristig (zehn Jahre und mehr) kein Weg an einer neuen Netzwerkinfrastruktur in der Transaktionsabwicklung vorbeiführen. Der Innovations- und Kostendruck insbesondere durch Fin-Techs und digitale Währungen wie etwa Bitcoin, wird zunehmend größer. Entsprechend wird es auch innerhalb des Bankensektors zu einer flächendeckenden Transaktionssteuerung auf Blockchain-Basis kommen – nur eben nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Bis es soweit ist, müssen Banken alles daran setzen, die Implikationen dieser neuen Technologie zu verstehen. Der Dialog darf dabei nicht nur in IT-Abteilungen und Innovation Hubs stattfinden, sondern muss auch die gesamte Belegschaft einer Bank miteinbeziehen. Schließlich müssen auch die Bankmitarbeiter am Schalter eine Antwort auf Kundenfragen bezüglich Bitcoin & Co. haben – ein Ignorieren oder Totschweigen ist nicht der richtige Weg. Auch Geldwäscheabteilungen müssen bereits jetzt schon geschult werden, um verdächtige Umsatzbewegungen durch Kauf und Verkauf von digitalen Währungen einordnen zu können.

Die Banken stehen nun vor der Herausforderung, zwischen Hype und Notwendigkeit zu unterscheiden und proaktiv die richtigen Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.

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