zeb.innovation Panel: FinTechs & Banken im Honeymoon – Wem gehört der Kunde?

Unbestreitbar liegt großes Potenzial in der Zusammenarbeit von FinTechs und Banken. Die digitale Transformation der Finanzbranche hält für beide Seiten Gewinne bereit, doch in der Andersartigkeit der Partner liegt auch Potenzial für Konflikte und Unstimmigkeiten. Um die vielfältigen Aspekte der Zusammenarbeit von FinTechs und Banken fachlich zu thematisieren, führte zeb am 25.11.15 rund 30 ausgewählte Vertreter der Banken- und FinTech-Szene zum zeb.Innovation Panel „Fintechs & Banken im Honeymoon – Wem gehört der Kunde?“ in Hamburg zusammen. In einem Loft einer ehemaligen Schokoladenfabrik diskutierten die Teilnehmer ungezwungen über Herausforderungen und Erfolgsfaktoren eben solcher Kooperationen.

Beiträge zur Kooperation von FinTechs & Banken

Markus Sauerhammer von Startnext vertrat zum Auftakt die Ansicht, Banken sollten sich für Innovationen stärker im Bereich der Crowd-Dienste engagieren und dort nach geeigneten Ideen suchen. Mit Kooperationen könne man hier auf hervorragende Ideen stoßen – häufig inklusive einer bereits versammelten Community. In der Diskussion wurde deutlich, dass dieses Thema Potential birgt und Banken auch bereits anfangen, dieses Potential zu nutzen. Erste Wagnisfinanzierungen werden z.B. erst dann ausgereicht, wenn die sogenannte „Crowd“ zumindest einen Teil mitfinanziert und damit das Marktpotential bestätigt hat. Letztendlich zeigte sich aber, dass es sich um erste vorsichtige Schritte handelt. Eine Nutzung von Crowd-Mechanismen auf breiter Front ist – auch wenn dazu im Panel viele Ideen diskutiert wurde – noch nicht zu erkennen.

Die Möglichkeiten der Crowd spielten auch beim nächsten Thema eine wesentliche Rolle. Hier stand im Vordergrund, wie Kundendaten in einer Kooperation besser genutzt werden können. Mit Catharina van Delden von innosabi war dafür die richtige Ideengeberin mit von der Partie. Welche spannenden Ergebnisse die Mischung aus innovativem Startup und etablierter Bank ergeben können, wurde nach der Vorstellung einiger Beispiele angeregt erörtert. Vor allem der Vorschlag, knappe Entwicklungsmittel nach Kundenwünschen zu priorisieren, fand Anklang. Wie man dabei auch wirklich relevante und neue Funktionen entwickelt und nicht die von Henry Ford angeführten schnelleren Pferde anstatt von Autos, konnte Frau van Delden überzeugend darlegen.

In der Folge erläuterte Dr. Thilo Weichert, einer der bekanntesten und engagiertesten Datenschutz-Experten Deutschlands, Datenschutz-Aspekte im Spannungsfeld zwischen klaren gesetzlichen Regelungen, deren unterschiedlichen Auslegungen und Spielräume sowie dem pragmatischen Umgang damit. Seinen Ausführungen nach kommt es darauf an, die Interessen von Unternehmen und Kunden abzuwägen und die richtigen Wege durch den dichten Dschungel aus Gesetzen, Paragraphen und Verordnungen zu finden. Für Kooperationen zwischen FinTechs und Banken jedenfalls, bei denen eventuell beide Partner ein Interesse an der Datennutzung haben, sah er durchaus viele Möglichkeiten.

Die Erfahrung aus FinTech-Sicht, wie eine Kooperation entsteht und gelebt wird, brachte Malte Klussmann von Cringle in die Diskussion ein. Vor allem die Dauer von sechs Monaten vom Start der Gespräche bis zum GoLive des Produkts bei der DKB ließ aufhorchen – aber in sehr unterschiedlicher Weise. Während Bankvertreter sehr erstaunt waren ob der Geschwindigkeit, in der diese Kooperation Früchte getragen hatte, hielten die FinTech-Vertreter das halbe Jahr eher für einen sehr langen Zeitraum, vor allem, weil das eigentliche Produkt zu Beginn der Kooperation schon fertig war.

Es lag bei Michael Heinks, für Verständnis auf beiden Seiten zu werben. Er stellte die zentralen Erfolgsfaktoren für eine Kooperation mit einer Bank heraus und ging auch auf die Ursachen ein, warum Banken und FinTechs unterschiedlich „ticken“. Vor allem schilderte er, worauf beide Seiten achten müssen, wenn eine Ehe trotz aller Anstrengungen zu Bruch gehen sollte. Er räumte auch mit der Annahme auf, dass eine Kundenbeziehung immer nur Freude ist sondern schilderte, dass, auch wenn die rechtliche Kundenhoheit womöglich bei der Bank liege, diese nicht unbedingt daran interessiert sei, die vom FinTech beim Kunden geweckten Bedürfnisse auch nach einer Scheidung weiter bedienen zu müssen.

Fazit

Gerade die Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren in einer Kooperation von FinTech und Bank führten zu intensiven Diskussionen bei allen Teilnehmern. Zu der These, dass es sich für FinTechs eher lohnt, mit kleineren und dadurch flexibleren Banken zusammen zu arbeiten, gab es kontroverse Meinungen, allerdings mit dem klaren Konsens, dass gute, ehrliche und transparente Kommunikation ein erheblicher Erfolgsfaktor für eine gedeihliche Kooperation ist.

Angeregte Diskussionen ohne politische Agenda, meinungsstarker Austausch und das Zusammenbringen unterschiedlicher Perspektiven in ungezwungener, inspirierender Atmosphäre stand im Vordergrund des ersten zeb.Innovation Panel und bildete den Auftakt – die Fortsetzung ist für Frühjahr 2016 geplant. Sie sind herzlich eingeladen, Vormerkungen für die nächste Veranstaltung an innovationpanel@zeb.de zu senden!

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