Blick über den Tellerrand: „Nullwachstum – Schicksal einer alternden Gesellschaft?“ Beitrag & Rolle der Finanzdienstleistungsindustrie zur Meisterung dieser gesamtgesellschaftlichen Herausforderung

Am 3. November war es wieder soweit, eine weitere Veranstaltung der Reihe „Gespräche in der Burgstraße“ fand in den Räumlichkeiten des Bundesverbands deutscher Banken statt, dieses Mal zum Thema „Nullwachstum – Schicksal einer alternden Gesellschaft?“. Der Begrüßung durch Dr. Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Vorstands des Bundesverbands deutscher Banken, folgten ein Impulsreferat von Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, sowie eine von Henning Krumrey, stv. Chefredakteur der WirtschaftsWoche, moderierte Paneldiskussion der Teilnehmer:

  • Prof. Dr. Michael Hüther
  • Dr. Thomas Gambke MdB, Mittelstandsbeauftragter der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
  • Dr. Carsten Linnemann MdB, Bundesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU
  • Lutz Diederichs, Mitglied des Vorstands, UniCredit Bank AG

In seinem Eingangsstatement attestierte Dr. Kemmer der Politik eine abhanden gekommene Lust zur Beschäftigung mit dem Thema „alternde Gesellschaft“. Angesichts einer um 7 Mio. geringeren Zahl Erwerbstätiger im Jahre 2030 forderte er einen politischen Aufbruch bzw. eine Agenda zur Bewältigung dieser enormen Herausforderung. Gleichzeitig blieb er optimistisch, dieser positiv begegnen zu können. In einer ähnlichen Richtung äußerte sich Prof. Hüther in seinem von vielen Zahlen untermauerten Vortrag als er dazu aufrief, die Frage des demographischen Wandels in einem Potenzial- und nicht in einem Defizitdiskurs zu behandeln. Im Folgenden ging er auf den Zusammenhang von Investitionsquote, Lebensarbeitszeit, geänderten Familienstrukturen, Innovation und Wachstum ein. So wird bei längerer Rentendauer ein erhöhtes Sparvolumen nötig sein, was gleichzeitig die Frage aufwirft, wohin diese Volumina zu investieren seien. Zumindest eine Kapitalknappheit müsse man vor diesem Hintergrund auf längere Dauer nicht befürchten.

In der anschließenden Diskussion wurde zunächst die Frage diskutiert, inwieweit ein Wachstumsziel notwendig erscheint oder ob Wachstum nicht eher Werkzeug sein müsse zur Erreichung eines anderen, noch zu bestimmenden Ziels. Zu dieser Frage positionierte sich Dr. Linnemann mit der Aussage, der Sozialstaat in seiner jetzigen Form werde auf andere Weise nicht finanzierbar sein. Dem entgegnete Dr. Gambke mit der Frage, ob sich Lebensqualität ausnahmslos an einer Wachstumszahl festmachen ließe; und lies verlautbaren, dass man bereits daran arbeite, einen alternativen Index zu erstellen, der z.B. auch die Sauberkeit von Flüssen beinhalte. Inwieweit die Gewichtung dieses und anderer Faktoren die Präferenzen des Einzelnen wahrheitsgetreu abbildet, blieb offen.

Handlungsfelder aus Finanzdienstleistersicht

Was die Vorgehensweise zur Sicherung von Wohlstand und Wachstum angeht, wurde auch die Frage nach der Notwendigkeit von Innovationen gestellt. Erschreckend war das Ergebnis einer Umfrage unter Studenten, nach der 94% in keinem Fall eine Beschäftigung in Selbständigkeit anstreben. Zwar sei aktuell ein Wandel hin zu einer „Kultur der 2. Chance“ zu erkennen, bei der Finanzierung insbesondere von Startups durch Wagniskapital sahen die Diskussionsteilnehmer Raum für Verbesserungen. Zwar warf Lutz Diederichs ein, Banken könnten lediglich Fremd- und kein Eigenkapital stellen und somit lediglich die Rolle eines Intermediärs einnehmen. Aber auch dies ist heute mitnichten in der Breite zu beobachten. Vor dem Hintergrund eines voraussichtlich andauernden Niedrigzinsumfeldes wurde durch das Podium der Rückschluss gezogen, der Risikoappetit der Menschen müsse sich verändern, risikoreichere Anlagen sollten Einzug in die Portfolios halten.

Denke ich dies nun weiter mit dem Ziel einer ernsthaften Breitenwirkung, bedeutet das im Umkehrschluss eine stärkere Verbreitung der Assetklasse Aktie. Auf der einen Seite ist es an der Politik, die Hürden für eine bankseitige Anlageberatung durch Schaffung von unsicheren Rechtslagen und Einführung von den Kunden nur vermeintlich schützenden Vorschriften nicht zu hoch zu setzen. Auf der anderen Seite obliegt es der Finanzdienstleistungsindustrie, ihren Teil der Verantwortung bei der Alterssicherung insbesondere im Bereich der Wertpapierberatung zu übernehmen.

(für das Bild herzlichen Dank an den Bundesverband deutscher Banken)

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Laura Pfannemüller

Manager Office Berlin

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