Learnings & Inspiration von der SXSW 2018 Eindrücke einer der bedeutendsten digital conventions

Dass Virtual Reality, Mixed Reality oder Augmented Reality im Alltag angekommen sind, weiß jeder, der eine Spielekonsole besitzt, neuere Formen der Verkaufsunterstützung sucht oder einfach nur „hip“ sein möchte. Ob dies eine Spielerei bleiben oder im Banking an der Kundenschnittstelle Einzug halten wird, bleibt abzuwarten. Lässt man sich auf der SXSW 2018 in Austin (TX) von Konferenzteilnehmern, Referenten und Panelists etwas weiter inspirieren, wird schnell klar, dass der Fokus künftig auf den unterschiedlichsten Bots und AI-Anwendungen liegen wird – auch wenn sich Elon Musk neben seiner Mars-Mission und den damit zusammenhängenden Demokratisierungs- und Kolonialisierungsüberlegungen zu Entwicklung und Entwicklungsgeschwindigkeit von Artificial Intelligence im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern höchst defätistisch äußert und AI für gefährlicher hält als nukleare Sprengköpfe.

Die in Austin allgegenwärtige Blockchain-Euphorie, die nur von wenigen Teilnehmern substanziell unterfüttert wird (die meisten Panel-Teilnehmer geben als vermeintliche Spezialisten generische Plattitüden von sich), trägt dazu bei, dass man irgendwann zu der Frage kommt, welche Auswirkungen langfristig im Retailgeschäft der Financial-Services-Industrie zu erwarten sind. Nachdem es keine Fachmesse für die Branche ist, sondern eher ein branchenübergreifendes Happening für digitalaffine Festivalbesucher und damit klassische Finanzdienstleistungen zunächst nur am Rande thematisiert werden, muss man sich selbst einen Reim darauf machen. Vor dem Hintergrund der rasanten technologischen Entwicklung stellt man sich automatisch die Frage, ob Financial Services Player z. B. Eckpfeiler eines thematisch fokussierten Ökosystems sein können. Dafür spricht, dass Financial Services gebraucht werden und Regulierung für eine gewisse Zeit noch als Schutzschild wirkt. Gleichzeitig steht die breite, mantraartig vorgetragene SXSW-Erkenntnis, das Smartphone-Zeitalter neige sich langsam dem Ende zu, den Tatsachen gegenüber, dass sich in Deutschland gerade erst das Mobile Banking durchsetzt und sich etablierte Marktteilnehmer sukzessive von einigen ihrer Filialen trennen. Dies bestätigt, dass über beschleunigte graduelle Entwicklungen hinaus die wirklichen Durchbrüche vielleicht doch eher von Technologieunternehmen bzw. den Online-/AGFA-Giganten zu erwarten sind.

Greift man die technologischen Quantensprünge auf, dann wird schnell klar, dass sich durch IoT-Entwicklungen nicht nur die Grenze zwischen physischer und digitaler Welt auflöst, sondern perspektivisch auch die Abgrenzung der finanziellen Sphäre des täglichen Lebens. Dass intelligente Algorithmen, künftige Errungenschaften der Blockchain und eine umfangreiche Vernetzung nahezu aller Dinge des täglichen Lebens irgendwann dazu führen werden, dass die finanziellen Implikationen des Verbraucherverhaltens im Alltag „subkutan“ abgebildet, kontrolliert und gesteuert werden, ist letztlich nur eine Frage von Rechnerleistung und Energie und damit eine Frage der Zeit. Die intensive Diskussion über ethische Verantwortung bei hohen Innovationsgeschwindigkeiten und exponentiell steigenden Möglichkeiten der Datennutzung, die auf der SXSW 2018 von US CIOs in äußerst positiven Statements zur GDPR der EU operationalisiert wird, ist zwar angenehm überraschend, lässt einen allerdings nicht vollständig entspannen. Dass in diesem Zusammenhang dann John Cryan als CEO der Deutschen Bank bei einem abendlichen Dinnertalk avisiert, dass sich sein Haus in Richtung eines Technologieunternehmen wandeln wird, wundert und beruhigt da ebenfalls nur noch wenige.

Ulrich Hoyer

Partner Office München

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