Software- und Finanzdienstleister mit Plattformkonzept auf Wachstumsstrategie Interview mit Karl im Brahm, CEO von Avaloq Sourcing (Europe) AG und Head of Germany der Avaloq Gruppe

Avaloq ist ein Schweizer Software- und Finanzdienstleister, dessen Kernaktivität die Entwicklung und Einführung des eigens entwickelten Kernbankensystems ist, welches momentan weltweit bei mehr als 140 Banken im Einsatz ist. Doch Avaloq sieht in sich mehr als einen Softwareanbieter: Eine weitere Aufgabe des Unternehmens besteht in der Verwaltung und dem Ausbau des eigenen Ökosystems. In diesem Ökosystem vermarktet Avaloq nicht nur die eigene Kernbankensoftware als Software-as-a-Service und den automatisierten Backofficebetrieb als Business-Process-as-a-Service, sondern schafft auch Platz für die Einbindung von Softwarelösungen von Drittanbietern – meist FinTech-Unternehmen – und somit auch für eine Kooperation von FinTechs mit Avaloq.

2018 wurde dem Ökosystem mit Avaloq Ventures ein eigenes Venture-Capital-Unternehmen zur Förderung von FinTechs, mit denen bereits eine Kooperation besteht, zugeführt. Außerdem stellt das Unternehmen mit avaloq.one eine Plattform zur Verfügung, über die FinTechs ihre Software Banken in einer Art App-Store direkt zur Verfügung stellen können.

Vor dem Hintergrund dieser neuesten Entwicklungen im Ökosystem hatte ich die Gelegenheit, mit Karl im Brahm zu sprechen. Karl im Brahm ist CEO der Avaloq Sourcing (Europe) AG und verantwortet als Head of Germany der Avaloq Gruppe  die Aktivitäten der Avaloq-Gruppe (www.avaloq.com) im deutschen Markt. Er war unter anderem Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung der Deutschen Postbank AG sowie Vorstandsmitglied bei der S Broker AG & Co. KG und der Deutschen WertpapierService Bank AG. Bevor er 2018 als Vorstandsvorsitzender der Avaloq Sourcing (Europe) AG zu Avaloq wechselte, bekleidete er als CEO einer Beratungsgesellschaft diverse Mandate für Digitalisierungs- und Vertriebsprojekte bei verschiedenen deutschen Großbanken.

Wie ist Avaloq entstanden? Befindet sich das Unternehmen noch auf dem Pfad, der zur Gründungszeit 1985 vorgesehen war?

Avaloq entstand als Spin-off einer Schweizer Bank und hat sich seither rasant entwickelt – sowohl im Schweizer Heimmarkt als auch international, das heißt in Europa, Asien und Australien. In Deutschland etwa sind wir seit 2012 aktiv. Das Unternehmen hat mit 2.000 Mitarbeitern weltweit natürlich an Größe gewonnen, es aber auch geschafft, den Start-up-Groove zu bewahren.

Ist es trotz der Neugründung von Avaloq Ventures und avaloq.one noch möglich, das Geschäftsmodell von Avaloq ganzheitlich zu beschreiben?

Beide Projekte sind spannende Ergänzungen zum Software- und Dienstleistungsangebot von Avaloq und geben unserem Ökosystem noch mehr Energie – deshalb sind sie eine logische Fortsetzung unserer Innovationsstrategie.

Zukunftsperspektive: Wo sehen Sie sich in 2025? Wie viele neue Plattformen werden bis dahin unter Avaloq gegründet sein? Ist da etwas Konkretes in Planung?

Wir werden bis dahin weiter unsere Wachstumsstrategie umsetzen und mit unserer Plattform unsere Kunden in die digitale Zukunft führen.

Kommen wir nun zu Avaloq Ventures: Was genau ist Avaloq Ventures, wie passt es zu Ihrer Strategie und wie unterscheidet es sich von anderen Venture-Capital-Unternehmen?

Avaloq Ventures erleichtert FinTechs das Wachstum, indem es ihnen den Zugang zu Kapital ermöglicht. Damit identifizieren wir neue Partner und beschleunigen Innovation. Solche kollaborativen Modelle helfen unserer gesamten Community dabei, mit der Geschwindigkeit der FinTech-Branche mithalten zu können. Dabei richten wir uns spezifisch an FinTech-Unternehmen.

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Und wie steht es mit avaloq.one? Wie lässt sich avaloq.one am besten beschreiben?

Die Zukunft des Avaloq-Ecosystems ermöglicht es FinTechs, ihre Lösungen zu entwickeln und zu vermarkten. avaloq.one stellt die dazu benötigten Services bereit und bietet eine Plattform für FinTechs, ihre Lösungen in unserem Marketplace zu offerieren.

Wo liegen die Vorteile für Banken, Endkunden und FinTechs?

Als Plattformprovider sehen wir hier die Chance, eine „Win-win-win-Situation“ zu generieren: FinTechs können ihre Lösung mit einer Bankenplattform testen und integrieren. Wir stellen unser Banking- und IT-Know-how über Dokumentation und Experten zur Verfügung und können mit Avaloq Ventures auch Kapital bereitstellen, um FinTechs mit Potenzial finanziell zu unterstützen. Für Banken wollen wir ein Innovationspartner sein und helfen, FinTech-Lösungen schnell und sicher zu integrieren. Mit dem Onboarding von FinTechs auf die avaloq.one-Plattform unterstützen wir unsere Banken im gesamten Prozess – von der Evaluierung der Lösung bzw. der FinTechs bis hin zur technischen Integration. Dies hilft den Banken, die richtigen FinTechs für ihre Bedürfnisse auszuwählen und die Produkteinführungszeit zu verkürzen. Die Vorteile für die Endkunden kommen von der jeweiligen Bank. Wenn die Bank eine oder mehrere Lösungen integriert, haben Endkunden diese Informationen, Produkte oder Funktionalitäten sofort zu ihrer Verfügung. Mit unserem „web banking store“ möchten wir dann in einem weiteren Schritt die Vorteile für die Endkunden so einrichten, dass diese FinTech-Lösungen bei ihrer Bank ganz nach ihren Bedürfnissen auswählen können.

Gibt es noch weitere Vorteile  für den Endkunden? Warum sollten Endnutzer nicht einfach auf konventionellem Weg ihre Apps beziehen?

Avaloq bietet keine „Apps“ für Endkunden. Unser Kunde ist die Bank, Endkunden werden von uns keine Lösungen oder Dienstleistungen direkt beziehen können. Wir stellen der Bank einen „App-Store“ zur Verfügung, in dem sie „plug & play“ von Avaloq evaluierte und integrierte FinTech-Lösungen nach ihrem Wunsch auf ihrer Banking-Plattform aufschalten kann. In einer zweiten Ausbaustufe wollen wir dann unser Web-Banking für unsere Kunden, also die Banken, so ausbauen, dass die Bank ihren Endkunden FinTech-Lösungen zur Verfügung stellen kann. Damit wollen wir erreichen, dass Bankkunden alle von ihnen gewünschten Services bequem und sicher über ihre Hausbank beziehen können. Dies ermöglicht der Bank, weiterhin die Kundenschnittstelle zu managen, und dem Bankkunden ermöglicht es Zugriff auf verschiedene Lösungen und Informationen – von unterschiedlichen Anbietern, aber alles von einer Bank.

Wie geht die Entwicklung voran und wann kann ein Update erwartet werden?

Die Entwicklung der APIs und des Portals avaloq.one gehen sehr gut voran und wir planen, die Plattform mit einigen FinTechs integriert noch vor dem Sommer zu lancieren.

Karl im Brahm, vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!

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Autor Tobias Behrens

Tobias Behrens

Consultant Office Hamburg

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