Carl Finance – eine Plattform für mittelständische Unternehmensverkäufe Interview mit Kurosch D. Habibi und Pascal Stichler, Geschäftsführer der Carl Finance GmbH

Hallo ihr beiden, vielen Dank, dass ihr euch Zeit für unser Gespräch nehmt. Lasst uns zu Beginn auf die Anfänge von Carl schauen.

Wie seid ihr auf die Idee einer Plattform für mittelständische Unternehmensverkäufe gekommen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Wir kommen beide aus der Nähe von Kaiserslautern, aus einer Region, die sehr stark durch die mittelständische Wirtschaft geprägt ist. Demzufolge ist die Nachfolgersuche bei den Unternehmen vor Ort eine relevante und drängende Angelegenheit. Wir haben jedoch gemerkt, dass das Thema in den seltensten Fällen von den Unternehmensinhabern angegangen wird. Darin sahen wir ein Problem und gleichzeitig eine Chance für uns, denn wir waren und sind auch heute noch der Auffassung, dass der Verkaufsprozess durch die aktuellen technologischen Entwicklungen deutlich effizienter ablaufen und gestaltet werden kann. Durch diverse Tätigkeiten im M&A-Bereich stellten wir fest, dass es nicht wirklich einen Ansprechpartner für den Mittelstand in dieser Frage gab. Daher entschlossen wir uns 2016, Carl Finance zu gründen, mit dem Ziel, eine professionelle Verkaufsbetreuung für den Mittelstand anzubieten.

Wie seid ihr eigentlich auf den Namen Carl gekommen? Hat er eine spezielle Bedeutung?

In unserer Gründungsphase arbeiteten wir zeitweise mit einem Arbeitstitel für unser Start-up, der aus dem Lateinischen kam und sehr generisch wirkte. Daher entschlossen wir uns, den Namen noch einmal zu überarbeiten und kamen auf „Carl“. Denn viele Gründer aus der Gründerzeit Ende des 19. Jahrhunderts hießen mit Vornamen Carl, wie zum Beispiel Carl Benz, Carl Zeiss oder Carl von Opel.

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Was macht Carl Finance genau aus? Was sind die Kernelemente eures Geschäftsmodells?

Carl Finance bietet als Plattform eine hohe Reichweite in verschiedenste Branchen der mittelständischen Wirtschaft. Denn unsere M&A-Berater, mit denen wir zusammenarbeiten, bringen eine tiefgehende Expertise in ihren jeweiligen Industriezweigen mit und können daher auf umfassendes Branchen-Know-how zurückgreifen. Zudem spielt bei unserer Plattform das Thema Vertraulichkeit eine äußerst wichtige Rolle. Interessenten erhalten erst Zugang zu unserer Plattform, wenn sie den intensiven Vorauswahlprozess erfolgreich bestanden haben. Darüber hinaus bringen wir die wichtigsten am Verkauf mittelständischer Unternehmen beteiligten Akteure durch unsere Plattform zusammen – angefangen vom Unternehmer selbst über den Berater bis hin zum Investor. Zudem konzentrieren wir uns auf Unternehmen des Mittelstands mit einem Jahresumsatz von ca. 1 bis 50 Mio. EUR.

In Deutschland gibt es bereits eine Reihe von Börsen zur Unternehmensnachfolge, zum Beispiel nexxt-change, die Deutsche Unternehmerbörse (DUB) oder Biz-Trade. Wie stark schätzt ihr aktuell die Wettbewerber ein und was sind eure Differenzierungsmerkmale?

Natürlich beobachten wir aktiv und intensiv die Situation am Markt und schauen, wie unsere Wettbewerber agieren. Beispiele wie nexxt-change oder die DUB bieten keine Betreuung im Verkaufsprozess. Diese Betreuung bilden wir über ein Netzwerk von 160 Partnerberatern ab, und sie wird hervorragend am Markt angenommen. Zudem legen die vorher genannten Börsen nicht so großen Wert auf Vertraulichkeit, denn ihr Prinzip ist nichts anderes als ein „Ebay-Kleinanzeigen-Portal für mittelständische Unternehmen“. Wir verfolgen einen anderen Ansatz, der auf Qualität, Vertraulichkeit und Verifizierung setzt. Im Gegensatz zu anderen Wettbewerbern kann man auf unserer Plattform nicht über eine öffentliche Postleitzahl des zu verkaufenden Unternehmens herausfinden, in welcher Region ein Unternehmensverkauf geplant ist.

Carl ist ein Netzwerk, das mittelständische Unternehmen, Berater und Investoren miteinander verbindet. Wie stellt ihr sicher, dass die drei Interessengruppen konstruktiv im Sinne des Kunden zusammenarbeiten und nicht ihre eigenen Interessen durchsetzen?

Bevor wir uns für eine Kooperation mit einem M&A-Berater entscheiden, führen wir mit diesem intensive Vorgespräche. Wir schauen uns seine Expertise, Erfahrungswerte, Transaktionen und seinen Track Record an, um uns einen Eindruck zu verschaffen, inwieweit der M&A-Berater für unsere Transaktionen geeignet sein könnte. Sofern der Berater unsere Kriterien erfüllt und seine ersten Transaktionen abgewickelt hat, erfolgen rollierende Feedbackrunden, bei denen wir schauen, ob unsere zu verkaufenden Unternehmen mit der Transaktion zufrieden waren. Sollte dies einmal nicht der Fall sein, greift unser internes Regelwerk. Dies kann im äußersten Fall dazu führen, dass wir die Zusammenarbeit mit dem M&A-Berater beenden. Ähnlich gehen wir bei den Kaufinteressenten vor. Durch persönliche Gespräche und detaillierte Kaufprofile bewerten wir, ob ein Käufer zum zu verkaufenden Unternehmen passt.

Welche Schritte müssen Führungskräfte und Gesellschafter mittelständischer Unternehmen ganz konkret unternehmen, um Teil eurer Plattform zu werden und einen Investor zu finden?

Der Weg zu uns ist sehr einfach. Am schnellsten geht es per Telefon. Dabei können die  Kontaktdaten ausgetauscht und ein Erstgespräch vereinbart werden, bei dem dann tiefergehend über das Anliegen des Unternehmers gesprochen wird. Natürlich kann man auch das Kontaktformular auf unserer Website www.carlfinance.de ausfüllen. Nach dem Erstgespräch folgen je nach Kundenanliegen weitere Schritte und der Einstieg in den Beratungs- und Verkaufsprozess. Weitere Informationen zum Verkaufsprozess sind auch über das von uns betriebene Informationsportal www.nachfolge.de erhältlich.

Aus welchen Branchen stammen die zu verkaufenden Unternehmen? Sind Schwerpunkte erkennbar? Und wenn ja, hat dies Auswirkungen auf den Unternehmensverkauf?

Wir beobachten bei unseren Unternehmensverkäufen verschiedene Cluster von Industriezweigen: aus den Bereichen der Informationstechnik, der IT-Systemhäuser, aber auch der Logistik und des Maschinenbaus. Dort ist nach unserer Einschätzung der Nachfolgedruck aktuell besonders hoch, und dies schlägt sich auch in unseren Transaktionen nieder. Auf den Verkaufsprozess hat die Branche nur bedingt Auswirkungen. Sicher ist bei dem Verkauf eines IT-Systemhauses eine umfassendere IT Due Diligence erforderlich, oder im Bereich Maschinenbau muss ein stärkerer Fokus auf dem Maschinenpark liegen. Dafür haben wir eben unsere M&A-Berater, die auf verschiedene Branchen spezialisiert sind und wissen, worauf es im jeweiligen Industriezweig ankommt.

Im Rahmen von Unternehmensverkäufen sind Vertraulichkeit und Datensicherheit während des Verkaufsprozesses unabdingbar. Inwiefern stellt ihr diese wichtigen Punkte sicher?

Zunächst ist Carl im Vergleich zu anderen Unternehmensbörsen eine geschlossene Plattform. Erst nachdem ein Verkaufsprojekt im System angelegt und erstellt wurde, erfolgt nach unserer Prüfung die Freigabe und somit das Onlinegehen auf der Plattform. Darüber hinaus kann der Verkäufer eine sogenannte „Black-List“ anlegen, auf der Wettbewerber des Verkäufers genannt werden können, die nichts vom geplanten Verkauf des Unternehmens wissen sollen.

Was sind die nächsten Meilensteine eurer Unternehmung (zum Beispiel Kunden, Märkte) und wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Eine wesentliche Herausforderung wird sein, unser Geschäft weiter zu skalieren und gleichzeitig unsere jetzige hochwertige Prozessqualität zu halten und auszubauen. Wir sind davon überzeugt, dass uns das gelingen wird. Darüber hinaus planen wir, neue europäische Märkte zu erschließen. In naher Zukunft wollen wir die Marke für mittelständische Unternehmensverkäufe in Kerneuropa sein. Wenn man Unternehmensinhaber, die sich mit dem Thema Nachfolgemanagement beschäftigen, nach professionellen Nachfolgeberatungen fragt, wollen wir mit Carl unter den ersten drei genannt werden.

Kurosch und Pascal, vielen Dank für das interessante Gespräch und die spannenden Einblicke in euer Unternehmen. Alles Gute für euch.

Weitere Informationen zu Carl Finance finden Sie auf dem Fintech Hub by zeb.

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Kevin Hänel

Analyst Office Berlin

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