Wo steht die Konzernberichterstattung aktuell und welchen Herausforderungen muss sie sich stellen?
Die Konzernberichterstattung erfüllt eine Vielzahl von Funktionen: Für Investor:innen und Gläubiger:innen liefert sie ein konsolidiertes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage. Für Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfer stellt sie eine zentrale Nachweisgrundlage für die Geschäftstätigkeiten dar. Ferner nutzt das Management die konsolidierten Informationen als Grundlage für die Unternehmenssteuerung. In modernen Finanzorganisationen wachsen internes und externes Konzernreporting zudem zunehmend zusammen.
In der Praxis erweisen sich die konzernweiten Konsolidierungsprozesse häufig als komplex und herausfordernd: In vielen Konzernen sind heterogene, historisch gewachsene Systemlandschaften anzutreffen, welche geprägt sind durch zahlreiche Schnittstellen, Medienbrüche, redundante Datenhaltungen und hohe Abstimmungsaufwände. Die Vorteile moderner Technologien wie der Einsatz von KI für inhaltliche Ergebnisanalysen und für Konsistenzprüfungen werden häufig noch nicht oder nur in geringem Maße genutzt.
Dem gegenüber stehen eine wachsende Anzahl an handelsrechtlichen und regulatorischen Berichtserfordernissen sowie ein stark gestiegener Druck zur beschleunigten Bereitstellung von Konzernergebnissen (Time-to-Close).
Gleichzeitig wächst der Veränderungsdruck bei Legacy-Lösungen, da Teile der bestehenden Landschaft nur noch befristet gewartet oder funktional nicht mehr weiterentwickelt werden. Beispielsweise gilt es für die Nutzer:innen von SAP-Konsolidierungssoftware zu beachten, dass SAP strategisch nur noch die Lösung SAP S/4HANA Finance for Group Reporting weiterentwickelt, während die Lösung SAP Financial Consolidation (SAP FC) zwar noch bis Ende 2030 in der Mainstream Maintenance bleibt, aber nicht mehr ausgebaut wird. Bei SAP BPC wird für Varianten, die nicht mit der herstellereigenen SAP Analytics Cloud (SAC) betrieben werden, die Wartung nach 2026 eingeschränkt beziehungsweise beendet.
Zusammenfassend ist der Handlungsbedarf zur Modernisierung der bestehenden Konsolidierungslandschaft stark angestiegen. Betroffene Unternehmen müssen sich hierbei auch die Frage stellen, ob eine Aktualisierung der bestehenden IT-Lösung oder ein Systemwechsel auf eine moderne Vendorenlösung erforderlich ist.
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Marktüberblick: Welche Marktentwicklungen sind derzeit prägend?
Der Markt für Konzernreporting- und Konsolidierungslösungen lässt sich in mehrere Segmente gliedern: Enterprise-Lösungen für große und komplexe Konzernstrukturen, Mid-Market-Lösungen mit hohem Standardisierungsgrad für den Mittelstand sowie Speziallösungen für spezifische Anwendungsfelder wie die IFRS-Konsolidierung oder die Konsolidierung von Anhangangaben. Inhaltlich überschneidet sich das Lösungsangebot zunehmend. Die Unterschiede liegen aber weiterhin in der Komplexitätstiefe, dem Integrationsansatz und der Zielgruppe (Industrie, Unternehmensgröße).
Im Enterprise-Segment dominieren Plattformen, die auf größere Konzernstrukturen, komplexe Beteiligungsverhältnisse, Multi-GAAP-Anforderungen und hohe Datenvolumina ausgerichtet sind. Typische Vertreter sind SAP S/4HANA Group Reporting, Oracle Financial Consolidation and Close (FCCS) und IBM Cognos. Diese Lösungen sind besonders dann relevant, wenn Unternehmen viele Gesellschaften, heterogene ERP-Landschaften, hohe Governance-Anforderungen und einen starken Integrationsbedarf zwischen Konzernberichterstattung, Management-Reporting sowie Planungs- und Steuerungsthemen haben. Der Mehrwert betreffender Lösungen liegt in einer hohen funktionalen Breite und Skalierbarkeit.
Im Mid-Market-Segment stehen Lösungen im Vordergrund, die auf schnelle Implementierbarkeit und Standardisierung setzen. Typische Vertreter sind Lucanet oder Wolters Kluwer CCH Tagetik. Für Unternehmen im Mittelstand oder für Konzerne mit Fokus auf einen hohen Standardisierungsgrad sind diese Lösungen oft attraktiv, weil sie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Funktionsumfang und Betriebs- und Wartungsaufwand versprechen.
Im Segment Speziallösungen finden sich Lösungen, die nicht zwingend den gesamten Konsolidierungsprozess ersetzen, sondern gezielt eng umrissene Schwerpunkte im Close-to-Disclose-Prozess adressieren. Typische Vertreter dieses Segments sind IDL Konsis, Xero oder Konsolidator. Diese Lösungen sind vor allem dann geeignet, wenn bestimmte Abschlussprozesse beschleunigt und standardisiert werden sollen, ohne umfassende organisatorische und IT-seitige Veränderungen vornehmen zu müssen.
Laut der aktuellen BARC-Studie[1] „The Financial Consolidation & Group Accounting Survey“ entwickelt sich der marktseitige Trend, getrieben von neuen Technologien und wachsenden regulatorischen Anforderungen (wie ESG-Reporting), klar in Richtung integrierter Plattformen, die mehr als nur Konsolidierung abdecken. Vor allem im Enterprise-Segment werben entsprechende Anbieter mit einem besonders breiten Lösungsangebot – vom Konzernabschluss bis zur Planungsrechnung – einschließlich einer umfassenden Palette an KI-gestützten Analyse-, Automatisierungs- und Reportingtools.
Use-Case: Wie lassen sich Einzel- und Konzernabschlussprozesse mittels SAP Group Reporting integrieren?
Moderne ERP-Lösungen wie SAP S/4HANA Finance bieten umfassende Möglichkeiten zur Prozessintegration und -automatisierung, insbesondere im Zusammenspiel mit weiteren auf SAP-S/4HANA-Technologie basierenden Modulen wie der Konsolidierungslösung SAP Group Reporting: Statt die Einzelabschlussdaten periodisch aus dem Hauptbuchsystem in ein separates Konsolidierungstool zu exportieren, werden diese direkt aus einer zentralen Ergebnistabelle, dem Universal Journal, übernommen und mit konzernrelevanten Merkmalen angereichert. SAP Group Reporting greift unmittelbar auf diese Tabelle zu und kann die Daten direkt und ohne zusätzlich erforderliche Schnittstellenprozesse weiterverarbeiten.
Darauf folgt in SAP Group Reporting die Konsolidierungsvorbereitung. Im Datenmonitor werden die aus dem Accounting oder der Group Reporting Data Collection (GRDC) kommenden Daten geprüft, validiert, ergänzt und weiterverarbeitet.
Nach Durchlaufen eines entsprechenden Validierungsregelwerks und weiterer vorbereitender Schritte wird im sogenannten Konsolidierungsmonitor die eigentliche Konzernabschlussverarbeitung auf Ebene der Konsolidierungsgruppen durchgeführt. Dazu gehören u. a. die Beteiligungskonsolidierung und Eliminierungen. Letztere basieren auf integrierten Prozessen, die konzerninterne Transaktionen zwischen den Gesellschaften automatisch vergleichen und im Abschluss entsprechend bereinigen.
Im letzten Schritt werden die konsolidierten Ergebnisse analysiert und für das Berichtswesen aufbereitet. Hierbei können die Auswertungen direkt auf Basis der konsolidierten Daten erfolgen, ohne dass diese zuvor in separate Systeme übertragen werden müssen.
Durch diese integrierte Verarbeitungslogik zwischen Einzel- und Konzernabschlusssystemen lassen sich die Verarbeitungsdauer (Time-to-Close) in der Praxis signifikant reduzieren sowie Fehleranalysen und -korrekturen ohne zusätzliche Prozessschleifen durchführen. Ein weiterer Vorteil liegt in der besseren Rückverfolgbarkeit der Ergebnisse bis hin zu den jeweiligen Einzelbelegen.
Die folgende Grafik zeigt eine integrierte Systemarchitektur von SAP S/4HANA Finance mit SAP Group Reporting:
Wie erfolgt die Bedarfsbestimmung für eine zukunftsfähige Konsolidierungslösung?
Die Auswahl einer geeigneten, zukunftsfähigen Konsolidierungslösung für den eigenen Konzern ist abhängig von einer Vielzahl fachlicher sowie IT-seitiger Kriterien, die individuell zu bewerten und zu gewichten sind. Berücksichtigt werden sollten daher nicht nur die grundlegenden Konsolidierungsfunktionalitäten, sondern auch übergreifende Lösungseigenschaften wie insbesondere:
- Integrationsfähigkeit in Bezug auf die konzernweite IT-Systemlandschaft
- Erweiterungsmöglichkeiten und (herstellerunabhängige) Anpassungsfähigkeit
- Systemperformance und Skalierbarkeit
- Cloud-Fähigkeit
- KI-Nutzungsfähigkeit, beispielsweise für Ergebnisanalysen und für die Erkennung von Datenanomalien – sowohl durch herstellereigene Tools als auch durch Drittanbieterlösungen
- Sonstiger Lösungsumfang (beispielsweise Funktionalitäten des Management-Informationssystems (MIS), Planungstools oder Simulationsfähigkeit)
Nur durch die Ausarbeitung eines detaillierten Pflichtenhefts, welches im Vorfeld mit den relevanten Fach- und IT-Bereichen abgestimmt wird, kann eine möglichst objektive Entscheidungsbasis für die Selektion einer geeigneten Anbieterlösung geschaffen werden.
Welches Fazit lässt sich ziehen und wie sieht der Ausblick für die Branche aus?
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Modernisierungs- und Integrationsbedarf im Bereich der Konzernkonsolidierung aufgrund von marktseitigen, regulatorischen und IT-bezogenen Entwicklungen stark angestiegen ist. Während Anbieter eine relativ breite Palette an Systemlösungen zur Verfügung stellen, bleiben eine sorgfältige Analyse und Auswahl einer geeigneten Ziellösung von entscheidender Bedeutung, um unternehmensseitig sowohl die heutigen als auch die zukünftigen Reportinganforderungen vollständig und effizient abdecken zu können.
Bei zeb verfügen wir mit unseren Konzernreporting- und Konsolidierungsexpert:innen über tiefe Lösungskenntnisse und umfassende Benchmark-Expertise. Gerne begleiten wir Sie bei der Auswahl und Einführung einer zu Ihrem Unternehmen passenden Lösung.
