Innovation nach Drehbuch?

Etablierte Unternehmen schauen neidisch auf die Agilität von Unternehmen wie Facebook, Google, Amazon und Co. Diese Unternehmen haben es geschafft, innerhalb von 10 (Facebook), 16 (Google) bzw. 20 (Amazon) Jahren eine Marktkapitalisierung von zusammen fast 700 Mrd US-$ zu erreichen, alle in neuen Märkten. Google entwickelte sich seither von einer reinen Suchmaschine zu einem Anbieter von Kartendiensten (Google Maps), Mobiltelefonen/Tablets (Android), Cloud Diensten (Google Cloud Platform), zuletzt auch zum Entwickler selbstfahrender Autos und vielem mehr; Amazon, gestartet als Online Buchhändler, erweiterte sein Geschäftsmodell um Cloud Dienste (Amazon Web Services), eBook-Reader/Tablets (Kindle Fire), Online Streaming Angebote (Amazon Prime Video) oder sogar einen Bezahlservice für Drittanbieter (Amazon Payments).

Auch Google scheitert

Auf den ersten Blick ist Google der Inbegriff des erfolgreichen Start-Ups, dennoch war auch bei Google nicht jeder Versuch einer Innovation erfolgreich. Zwei Beispiele sollen dies verdeutlichen:

Google Lively

Google versuchte sich öffentlich an einem Projekt zu 3D-Charträumen Namens Lively, stellte dies aber 2008 ein (Google Blog)

Google Wave

Ein weiterer Versuch, die Internetkommunikation zu revolutionieren, scheiterte 2010 mit Google Wave. Google stellte letztendlich das Projekt ein (Google Blog)

(k)Ein Drehbuch für Innovation

Bei der Entwicklung eines wirklich neuen Produktes stellen sich immer Fragen und Ungewissheit über die Methodik & Maßnahmen, Entwicklungsdauer, technische Machbarkeit und natürlich dem ROI ein. In etablierten Unternehmen wird dieser Ungewissheit mit möglichst strikten Prozessen begegnet. Eine neue Idee muss zunächst einmal auf Papier gebracht werden und wird, nach Absegnung durch alle relevanten Instanzen, dann im Wasserfall-Ansatz durch die einzelnen Schritte (z.B. Erstellung eins Lastenheftes, Ableitung eines Pflichtenheftes, etc.)  geschoben. Lernen und damit Anforderungsänderungen innerhalb des Prozesses sind nicht vorgesehen und werden durch diesen strikten Prozess auch möglichst unterbunden. Es wird versucht, ein Drehbuch für die Entwicklung zu schreiben und dann abzuarbeiten. Schon Hollywood zeigt, dass dies oft genug schief geht, selbst wenn bei Fortsetzungen der vermeintliche „Kunde“ bekannt sein sollte.

Probleme des Wasserfall-Ansatzes bei innovationen

  • Die Überprüfung der initialen Hypothesen bzgl. Nutzer- und Marktakzeptanz geschieht erst zum Ende des Prozesses
  • Es ist ein großes finanzielles und zeitliches Investment nötig, um diese Hypothesen zu verifizieren
  • Im Laufe der Entwicklung können sich Funktionen am Endprodukt ändern, evtl. waren sie zu Beginn nicht auf der Agenda. Häufige Change-Requests verkomplizieren den Prozess
  • Ggf. ist sogar der konkrete Endkunde des Produktes ungewiss
  • Am Ende des Prozesses steht das (zu Anfang definierte) Produkt

Lernen vom Lean Start-Up Ansatz

Sehr naheliegend ist ein Blick auf den Start-Up Bereich, denn die dort agierenden Unternehmen stehen im Kern vor den gleichen Herausforderungen, haben in der Regel aber nur einen einzigen Versuch, erfolgreich zu sein. Der Erfolgsdruck ist in solch einem Umfeld größer und die Wahl der Methodik deutlich kritischer. Kern der Entwicklung sollte die Verifizierung der zu Anfang aufgestellten Hypothesen bzgl. Nutzer- und Marktakzeptanz sein und damit die Unsicherheiten im Prozess reduziert werden können. Die in jedem Projekt begrenzten Ressourcen, müssen möglichst intelligent eingesetzt werden, um schnell ein minimal marktfähiges Produkt zu erhalten (Minimum Viable Product). Ziel ist es, die anfänglichen Hypothesen an einem echten Produkt, unter Einbindung von Nutzern, zu testen. Der gesamte Produktentwicklungsprozess muss als schlanker Lernprozess im kontinuierlichen Sparring mit potentiellen Kunden verstanden werden, bei dem Anforderungen flexibel verschiebbar bleiben. Der Lean Startup Ansatz geht hier Hand-in-Hand mit einer agilen Entwicklungsmethodik.

Abbildung 1: Grundlagen des Lean Startup Ansatzes

Abbildung 1 visualisiert die Grundlagen des Lean-Startup Ansatzes, welcher als kontinuierlicher Entwicklungsprozess zur Erlangung eines marktreifen Produktes verstanden werden muss.

  • (IDEAS) – Ausgangspunkt ist die Idee über ein potentielles Produkt, …
  • (BUILD) – … welches auf dem bestmöglichen Weg in …
  • (CODE) – … ein funktionierendes Produkt übersetzt werden muss, …
  • (MEASURE) – … auf dessen Basis, mit Hilfe von ausgewählten Analysemethoden …
  • (DATA) – … Daten über die Akzeptanz und Qualität des Produktes gesammelt werden, …
  • (LEARN) – mit deren Hilfe, in einem Lernprozess, nötige Anpassungen an der ursprünglichen Idee aufgedeckt werden.

Die Große Herausforderung ist die Effizienz dieses sich wiederholenden Prozesses sicherzustellen, um mit möglichst geringem Ressourceneinsatz ein stark auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtetes Produkt zu erhalten, welches letztendlich am Markt bestehen kann.

Für weitere Informationen und als Einstieg ins Thema „Lean Startup“ ist das folgende Buch empfehlenswert: Amazon.de: The Lean Startup: How Constant Innovation Creates Radically Successful Businesses

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