„Die Welt ist voller Geschichtenerzähler, ich schreibe die Geschichten lieber selbst.“

Während der zeb.Uni 2017 trafen wir Aric Dromi, Berater (TEMPUS.MOTO) und leitenden Zukunftsforscher von Volvo, um mit ihm über seine Sicht auf Innovation, Wandel und digitale Transformation zu sprechen.

Die digitale Transformation ist „kein Technologie-, sondern ein Führungsthema […]“, erklärt Aric, „die meisten weitreichenden Entscheidungen werden heute noch von Führungskräften getroffen, die die Folgen  dieser Entscheidungen nicht verstehen. […] Daher werden keine strategischen, sondern lediglich taktische Entscheidungen getroffen“.

Zukünftig ergeben sich neue Herausforderungen für Führungskräfte. Es geht vor allem um einen positiven und strategischen Zugang zu Wandel und Innovationen. Digitale Transformation und die Entwicklung der Technologien um uns herum sind dabei nicht mehr umkehrbar. Technologien entwickeln sich „viel schneller als unsere Fähigkeit, diese zu beherrschen“. Noch ist nicht absehbar, wie dies die Zukunft verändern wird. Das Kundenverhalten hat sich in den letzten zehn Jahren aber beispielsweise bereits massiv verändert. Und die nächste radikale Veränderung steht bereits bevor: die „Generation Z“ kennt nur noch die digitale Welt. Daher ist eine weitere Beschleunigung der digitalen Entwicklung in den nächsten Jahren zu erwarten.

„Wandel im Umgang mit Technologien bereits begonnen“

Dromi erklärt, dass unser Umgang mit Technologien und Innovationen durch unsere Erwartungen und Erfahrungen bestimmt ist. Seiner Meinung nach gibt es allein zwischen der „Generation Y“ (häufig als „Digital Natives“ beschrieben) und der „Generation Z“ (aktuell unter 20 Jahre alt) große Unterschiede. Die „Generation Z“ hat bereits einen veränderten Zugang und neue Ansprüche. Angehörige dieser Generation zweckentfremden hierbei digitale Technologien mehr „als jede Generation vor ihr“.

Hierzu führt Dromi aus: „Sie nutzen Technologien auf eine neue Art und in neuen Kontexten. Die Generation Z fragt sich immer zuerst, was die Technik für sie tun kann, statt an mögliche Probleme zu denken, die aus der Anwendung entstehen.“ Dieses Verhalten, diese Fähigkeiten und Werte führen zur Notwendigkeit eines neuen Führungsverständnisses. Hierbei handelt es sich um die erste post-industrielle Generation von Managern. Sie werden laut Dromi nicht nur anders denken, sondern sich auch anders verhalten und handeln.

„Warum etwas besser machen, wenn man es auch anders machen kann?“

Für Dromi ist es nicht absehbar, wie sich neue Technologien zukünftig entwickeln. Er meint: „Das große Problem einer Firma ist heute das Umdenken der eigenen Kultur und des eigenen Verhaltens. […] Die meisten Innovationen […] geschehen heute aus einer Wettbewerbssituation heraus, nicht aus Neugierde.“ Neugierde und Offenheit zu entwickeln, statt Ideen und Technologien zu kopieren, wird in der Zukunft über den Erfolg eines Unternehmens bestimmen.

Hierbei denken viele Unternehmen noch in den Grenzen des industriellen Zeitalters, doch „die Welt des Besitzes verblasst, die Welt der Verfügbarkeit ist die Zukunft“. Viele Menschen, die heute noch keinen Zugang zu Technologien haben, werden diesen in der Zukunft bekommen. So wird sich auch die Gruppe der zukünftigen Nutzer ändern.

„Es geht nicht darum, den Bankangestellten durch einen Roboter zu ersetzen“

Dromi ist davon überzeugt, dass sich Banken in Zukunft drastisch verändern. „Das Wort `Bank´ wird es weiterhin geben, denn `Bank´ beschreibt eine Idee. Eine Idee, die in der Gesellschaft verankert ist. Aber diese Idee wird anders interpretiert werden.“ Entscheidungsträger in Kreditinstituten sollten mit einer offenen Einstellung nach neuen Wegen suchen, für ihre Kunden Mehrwert zu generieren. Und dabei im Gedächtnis behalten: in Zukunft wird es um Zugang gehen, nicht um Besitz.

Im Institut selbst geht es auch in Zukunft nicht darum, Mitarbeiter zu ersetzen, sondern darum „einen Algorithmus zu erschaffen, der den Angestellten in seiner Arbeit verbessert“ […] „Es geht darum, hier eine neue Einheit zu erschaffen.“ Für Dromi sind digitale Lösungen und künstliche Intelligenz kein Ersatz für Menschen – sondern eine Technologie, die hilft, statt zu ersetzen. „Mit künstlicher Intelligenz gemeinsam neue Lösungen erschaffen ist viel sinnvoller, als gegen die künstliche Intelligenz zu arbeiten“.

„Keiner Technologie kritisch gegenüber“

Dromi steht für einen positiven Umgang mit neuen Technologien, für den Fokus auf Chancen statt auf Risiken. „Nur der Art und Weise, wie wir Menschen Technologien nutzen, stehe ich kritisch gegenüber. Aber wir brauchen hier keine neuen Gesetze, die dann gebrochen werden.“ Die Gesellschaft braucht stattdessen „eine neue Definition von Moral und Vertrauen“. Die Regeln des analogen Zeitalters können nicht auf das digitale Zeitalter übertragen werden. Denkweisen und Einstellungen ändern sich bereits heute. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit „neue Handlungsweisen für das digitale Leben zu definieren“ und aktiv darüber nachzudenken „wie viel (von unserem Tun und Handeln, Anm.) wir zukünftig an Technologien auslagern möchten“.

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