IFZ-Konferenz – Innovative Angebote im Retail Banking

135 Teilnehmer strömten am 25. Juni 2015 in die ausverkaufte IFZ-Konferenz zum Thema „Innovative Angebote im Retail Banking“. Der Titel der Konferenz hielt, was er verspricht. In einer kurzen Begrüssung beleuchtete der Organisator Prof. Dr. Andreas Dietrich innovative Entwicklungen im Schweizer Markt aus einer Makroperspektive. Danach stellten Vertreter führender Banken ihre digitalen Angebote vor. Es ist erfreulich zu sehen, dass sich Banken in den letzten Jahren zunehmend in diese Richtung positioniert haben und sich einige zukunftsträchtige Angebote in der Pipeline befinden, die in nächster Zeit lanciert werden.

Als erstes präsentierte die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) ihre vor einem halben Jahr aufgeschaltete Crowdfunding-Plattform, welche die Bank in Kooperation mit Swisscom aufgebaut hat. Auf der Plattform mit dem Namen „miteinander-erfolgreich.ch“ können BLKB-Kunden ihre Projekte vorstellen und um finanzielle Unterstützung werben. Nach Zustandekommen des Projekts wird den Geldgebern eine Entschädigung, welche von der Höhe des Unterstützungsbeitrages abhängt, angeboten. Die BLKB verfolgt mit der Plattform zwei Ziele: eine neue Ertragsquelle zu erschliessen und in fünf Jahren schwarze Zahlen zu schreiben. Im Bereich Crowdfunding sieht das IFZ grosses Potenzial. Das Institut schätzt, dass Plattformen in der Schweiz im Jahr 2015 ein Volumen von CHF 25-30 Millionen umsetzen und in den nächsten Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten zu rechnen ist. Wie an der Konferenz zu vernehmen war, werden weitere Banken demnächst in den Crowdfunding-Bereich einsteigen.

Als zweites wurden zwei mobile Zahlungsverkehrslösungen, TWINT und Paymit, vorgestellt. TWINT ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Postfinance, welche ihre Shopping- & Payment App im August 2015 auf den Markt bringen wird. TWINT konzentriert sich beim Start auf Point of Sales-Zahlungen (POS), wofür bereits wichtige Partner wie Coop, die SBB und SV Restaurants gewonnen werden konnte. TWINT ist als offene Plattform gestaltet, an der andere Banken andocken können. Die App-Lösung überzeugt, da sie für den Handel günstiger als bisherige bargeldlose Zahlungsmethoden ist und Mehrwertdienste wie die Coop-Supercard automatisch in den Zahlungsprozess einbindet, was das Bezahlen deutlich schneller macht. Die zweite mobile Zahlungslösung nennt sich Paymit und wurde von der UBS, der ZKB und SIX Group im April 2015 lanciert und fokussiert sich auf P2P-Payment, also auf direktes Bezahlen zwischen Privatpersonen via Mobiltelefon. 2016 soll das Bezahlen am POS integriert werden. Auch Paymit ist als offene Plattform gestaltet. Bei Paymit beeindruckt, dass die drei Kooperationspartner über eine hohe Marktmacht verfügen und die App in den ersten 20 Tagen über 3.000 mal aktiviert wurde.

Als drittes wurden im Bereich digitales Anlegen zwei Neuigkeiten auf dem Schweizer Markt gezeigt. Zum einen hat sich Wikifolio, welche seit diesem Frühjahr auch in der Schweiz aktiv ist, vorgestellt. Die Socal-Trading-Onlineplattform für Anlagestrategien (sogenannte Wikifolios) von privaten Tradern und professionellen Vermögensverwaltern hat einen überaus positiven Track Record. Seit der Gründung im 2011 wurde ein Kapital von EUR 300 Millionen investiert und ein Volumen von über EUR 6 Milliarden umgesetzt. Zum anderen hat die UBS ihr neues Wealth Management Online Portal präsentiert, das durch eine kompetitive Preisgestaltung (ca. 1% des Depotvolumens) und den Health Check, eine sehr sophistizierte, tägliche Risikoüberwachung, besticht.

Der letzte Teil widmete sich zwei Kantonalbanken. Die Glarner Kantonalbank stellte ihre -omat-Familie vor, mit welcher die Bank in der Vergangenheit digitale Akzente in der Schweiz setzte. Besonders hervorzuheben ist das neuste Kind, der Investomat, mit welchem sich Kunden basierend auf ihrem persönlichen Risikoprofil eine individualisierte Anlagestrategie zusammenstellen können. Die Schwyzer Kantonalbank (SZKB) ihrerseits präsentierte die Onlinehypothekenplattform e-hypo, welche mit einem Zinssenker aufwartet. Der Hypothekarzins senkt sich beispielsweise bei Transferierung von Sparkonten, Wertschriften- oder Vorsorgedepots zur SZKB. Diese Lösung ist in dieser Form einzigartig in der Schweiz.

Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass sich der Schweizer Retail Banking Markt im digitalen Bereich stark bewegt, bereits eine Reihe innovativer Angebote hervorbrachte und weitere folgen werden. Für die Teilnehmenden bot die Konferenz eine ideale Networking-Plattform, an welcher Ideen ausgetauscht, neue Trends kennengelernt und Wissen über bestehende Angebote vertieft wurden. Die hervorragende Organisation und die hochkarätigen Referenten motivieren, auch nächstes Jahr wieder dabei zu sein.

(Für das Bild herzlichen Dank an das IFZ )

(Für das Bild herzlichen Dank an das IFZ )

Sprechen Sie uns gerne an!

Martin Eschenmoser

Manager Office Zürich

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