Mehr Phantasie, bitte! #dbmomentum - Daten als Rohstoff der digitalen Gesellschaft – wie viel Smart Data wollen wir?

Am 06. Juni war es wieder soweit, die Deutsche Bank hatte im Rahmen der Reihe #dbmomentum eingeladen zu einer Podiumsdiskussion rund um das Thema Smart / Big Data und die Nutzung von Daten.
Die Diskussion startete mit allgemeiner Einigkeit: Alles wird digital, und es kam die Frage auf, aus welchem Grund die Banking-Industrie mit einem voll digitalisierbaren Produkt anderen Branchen so weit hinterher sei. Diese Frage wurde im Verlauf der Diskussion nicht explizit beantwortet, im Rückblick lassen sich jedoch Erklärungsansätze finden. Diskutiert haben Philipp Gossow, COO Germany Deutsche Bank, Ulrich Kelber, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär, Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, André Bajorat, CEO, Figo GmbH, und Frank Krüger aus dem Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur, der kurzfristig für Dorothee Bär eingesprungen war.

Zum Auftakt wurde die enorme Wichtigkeit von Daten betont und mit Erdöl, dem bis dato wichtigsten Rohstoff der Welt, in eine Reihe gerückt. Kurz war der Sprung zum Schutz von Daten und dessen besondere Rolle in Deutschland. Seine Wichtigkeit war unstrittig, jedoch schieße man in manchen Stellen über das Ziel hinaus, bis zu dem Punkt, dass man sich für jede Datennutzung rechtfertigen müsse und manche Akteure am Markt fast schon in vorauseilendem Gehorsam auf die Nutzung dieses so elementaren Rohstoff verzichteten.

Wozu die bisher vorliegenden und auch legal nutzbaren Daten dienen könnten herrschte ein wenig Ratlosigkeit – die Diskussion verharrte bei der Kategorisierung von Kontoumsätzen und dem Anheften von Fotos an selbige. Führt man sich einmal vor Augen, in welch atemberaubenden Tempo z.B. Tesla die Daten seiner sich auf den Straßen befindenden Fahrzeuge nutzt, um den Autopiloten intelligenter zu machen und so das Autonome Fahren einzuleiten, war dies zugegebenermaßen etwas ernüchternd. Kam die Sprache auf neue Technologien, sei es amazon echo – die Sprachsteuerung im heimischen Wohnzimmer zur Mediennutzung und zum Einkauf – oder neue Ansätze im Bonitätsscoring, sah die Politik wenig Alternativen zur heute den Markt dominierenden Schufa, primär begründet durch regulatorische Vorgaben. Eine andere Sicht hatte André Bajorat: Er war überzeugt, dass neue Player mit neuen Ansätzen diese umsetzen und einen Weg finden werden, diese in den Markt zu bringen.

Wie sollten sich Banken in dieser neuen, bereits jetzt teilweise von US-Konzernen dominierten Welt positionieren, die Banking als Teil ihres Ökosystems begreifen und so ein Interesse haben, entsprechende Angebote zu lancieren? Die alte Weisheit, dass die Kundenschnittstelle auch weiterhin der Schlüssel für eine erfolgreiche Positionierung ist, wurde auch hier genannt. Aufhorchen ließ demgegenüber die Aussage von Philipp Gossow, die Positionierung einer Bank als Infrastruktur-Dienstleister für z.B. Apple sei ein Zukunftsszenario.
Zurück bleibt bei mir die Befürchtung, bei der aktuellen, durch Übervorsicht und Phantasielosigkeit gekennzeichneten Herangehensweise in Deutschland wird es DAS Zukunftsszenario.

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Laura Pfannemüller

Manager Office Berlin

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