Bausparkassen – Quo vaditis in „zinsloser“ und digitaler Zeit?

Bausparen hat in Deutschland eine lange Tradition und ist nach wie vor fest in der Bevölkerung verankert. So wundert es nicht, dass auch 2013 im Bausparneugeschäft ein Rekordniveau erreicht wurde. Hohe Erwerbstätigkeit, steigende Einkommen und stabile bis boomende Immobilienmärkte treiben das Bausparneugeschäft hierbei an. Voraussichtlich kann das hohe Niveau mittelfristig gehalten werden – weiteres Wachstumspotenzial ist aber auch bei den unterstellten positiven Rahmenbedingungen limitiert. Ähnlich verhält es sich mit den privaten, außerkollektiven Wohnbaufinanzierungen. In dem dynamisch wachsenden Markt konnten Bausparkassen ihren Marktanteil zwar halten, doch perspektivisch wird sich das Marktwachstum in den kommenden Jahren auch hier deutlich verflachen. Bausparkassen müssen daher Marktanteile auch in der außerkollektiven Baufinanzierung gewinnen, um nachhaltig zu wachsen.

Einbrechende Erträge bei bestenfalls konstanten Kosten gefährden Gewinne

Bereits heute prägt das historisch niedrige Zinsniveau die Bilanz- und Ergebnisstruktur der Bausparkassen. Die Alleinstellungsmerkmale einer Bausparkasse, die Bauspardarlehen, machen aktuell nur noch einen Bilanzanteil von 10% aus, ein historisches Rekordtief. Zwar konnte der durch stark wachsende Bauspareinlagen reduzierte Anlagegrad durch außerkollektive Finanzierungen kompensiert werden. Jedoch geraten Zinsspanne und Betriebsergebnis bedingt durch bestehende Tarifstrukturen und Niedrigzinsen dennoch stark unter Druck. Bei Annahme eines konstanten Zinsumfelds zeigen Simulationen, dass ohne Gegen­steuerungsmaßnahmen das Zinsergebnis bis 2020 sektorweit um bis zu 18% einbrechen kann, so dass bei weiter konstanten Kosten der Bausparsektor insgesamt Nullgewinne schreiben würde. Es würden also mehr als die Hälfte der Bausparkassen ein negatives Betriebsergebnis ausweisen (vgl. Abbildung 1).

Abbildung 1: Auswirkungen Niedrigzinsen für Bausparkassen ohne Gegensteuerung

Derzeitige und zukünftige Herausforderungen können durch verschiedene Ansätze gemeistert werden

Um gegen die drohenden Ergebnisrückgänge zu steuern, stehen Bausparkassen einerseits „klassische“ Ergebnismaßnahmen zur Verfügung: Auf der Ertragsseite vor allem die Forcierung des außerkollektiven Aktivgeschäfts, auf der Aufwandsseite insbesondere Prozessverbesserungen, Outsourcing und Komplexitätsreduktion. Zusätzliche wirksame Stellhebel zur Stabilisierung des Betriebsergebnisses sind darüber hinaus alle Maßnahmen, die den Bauspareinlagenzins ermäßigen, sowie die Kollektivmodellierung in der Zinsrisikosteuerung (vgl. Abbildung 2). In Summe ergeben sich, durch die Anwendung verschiedener Maßnahmen und durch Erfahrungen aus der Praxis grundsätzlich bestätigte, bedeutende Einsparpotenziale.

Abbildung 2: Mögliche klassische Ergebnismaßnahmen
Andererseits werden durch aktuelle (Mega-)Trends auch „moderne“ Ansätze realisierbar. Vor allem die Digitalisierung bietet für Bausparkassen Chancen. Im Mittelpunkt steht hier die Möglichkeit, Kunden in ihrer medialen Welt abzuholen und ihnen ein einzigartiges Kundenerlebnis zu bieten. Für Bausparkassen werden die Herausforderungen insbesondere darin bestehen, Kundenerlebnisse rund um Ihre Kernkompetenz „Immobilien“ zu entwickeln. Erfahrungen zeigen, dass die Wünsche von Kunden seit Jahren unverändert sind und sie vor allem Wert auf die Geschwindigkeit von digitalen Dienstleistungen, Transparenz, Individualität, sowie auf sicherheitsrelevante Aspekte legen (vgl. Abbildung 3).
Abbildung 3: Kundenwünsche Digitalisierung
Sich diesen neuen Wünschen anzupassen erfordert einige Anstrengungen. Durch die Digitalisierung von Produkten und Prozessen können die Bedürfnisse der Kunden abgedeckt und ein hoher Mehrwert sowohl für Kunden als auch Bausparkassen geschaffen werden. Mit einer steigenden Kundenzufriedenheit können insbesondere auch Ertrags- und vor allem Kostenverbesserungen erzielt werden (vgl. Abbildung 4).
Abbildung 4: Effekte Digitalisierung

Fazit

Die Zins- und Marktsituation in Verbindung mit sich änderndem Kundenverhalten haben starken, bisher zumeist ungünstigen Einfluss auf das Geschäftsmodell von Bausparkassen. In den kommenden Jahren ist eine weitere Verschärfung dieser Einflüsse zu befürchten und es muss diesen bereits heute durch aktives Management begegnet werden. Klassische Ertrags- und Kostenprogramme sind für jede Bausparkasse ein Pflichtprogramm, die dabei individuell auf die Position der Bausparkasse im Markt zugeschnitten sein müssen. Zusätzlich müssen sich die Bausparkassen den Marktveränderungen insbesondere durch die fortschreitende Digitalisierung stellen.

Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Erhalten Sie alle 2 Wochen die neuesten Analysen und Berichte unserer Banking-Experten.

Send this to a friend