Innovation & Digital

cashpresso – der digitale Dispokredit Interview mit Daniel Strieder (Co-Founder der Credi2 GmbH)

Hallo Herr Strieder, seit September 2016 bieten Sie zusammen mit Ihren weiteren Co-Foundern unter der Marke cashpresso (Credi2 GmbH) in Deutschland und Österreich Dispokredite für Verbraucher an. Zuletzt haben Sie in einer weiteren Finanzierungsrunde, u. a. von Dieter von Holtzbrinck Ventures, Venturecapital erhalten. Aufgrund der hohen Anzahl an Anbietern scheint dieser Markt auf den ersten Blick gesättigt zu sein. Was hat Sie dennoch von der Gründungsidee überzeugt?

Wir sind deshalb von cashpresso überzeugt, weil wir damit eine Nische abdecken, die bisher nicht umfassend bedient wird. Einerseits starten Banken mit Kleinkrediten und Konsumfinanzierungen oft erst bei Beträgen ab 3.000 EUR, da geringere Kreditsummen aufgrund des häufig noch vorhandenen manuellen Aufwands unrentabel sind. Andererseits gibt es Kurzzeitkreditanbieter, die ein paar hundert Euro für einen kurzen Zeitraum zu meist sehr hohen Kosten anbieten. Der Finanzierungsmarkt ist hart umkämpft, und es drängen immer mehr Anbieter auf den Markt. So ähnlich die Angebote auf den ersten Blick auch scheinen, so sehr unterscheiden sich diese, sobald man etwas genauer hinsieht. Die größten Unterschiede gibt es in den Bereichen Antragsstecke, Verwaltung des Kredits und beim Kostenmodell.

Abgesehen von der Direktvermarktung sehen wir eine große Chance für cashpresso im Bereich E-Commerce-Finanzierung. Kleine bis mittelgroße Onlinehändler können ihren Kunden meist keine Finanzierung direkt im Shop anbieten. Für die großen Banken und Ratenzahlungsanbieter haben diese Shops ein zu geringes Volumen und die Shop-Betreiber wiederum sind mit den Kosten der Finanzierungsanbieter überfordert. Genau in diesem Segment möchten wir mit cashpresso ansetzen und diesen Shops sowie deren Kunden eine einfache Finanzierungsmöglichkeit anbieten.

Der Effektivzins pro Jahr bei cashpresso beträgt derzeit 9,99 %. Laut einer Umfrage von Stiftung Warentest aus dem Jahr 2016 liegen Sie damit im Vergleich zum Wettbewerb im Durchschnitt – wie unterscheidet sich das Angebot von cashpresso dennoch vom Wettbewerb und insbesondere von Direktbanken sowie weiteren FinTechs?

cashpresso punktet mit der Antragsstrecke, der Nutzerfreundlichkeit und der Flexibilität. In vielen Punkten ist cashpresso einen Tick einfacher als der Wettbewerb. Es sind weniger Daten anzugeben, der Prozess ist papierlos und komplett online in wenigen Minuten abzuschließen. Bei vielen Direktbanken und teilweise auch bei FinTechs ist es nach wie vor so, dass der Vertrag noch ausgedruckt und teilweise postalisch versendet werden muss. Mit unserer Smartphone-App, über die sowohl der Anmeldeprozess als auch die Verwaltung des Kredits möglich ist, unterscheiden wir uns ebenfalls von den meisten Anbietern. Ein weiterer großer Unterschied liegt in der flexiblen Verwaltung des Kredits. Jeder Kunde erhält ein cashpresso-Konto, das einem Onlinebanking-Account ähnelt. Über dieses Konto verwalten Kunden über App oder Onlineportal ihre Auszahlungen, ändern Höhe, Fälligkeit sowie Art der Rückzahlung und nehmen Einsicht in die getätigten Transaktionen. Unsere Erfahrungen der ersten Monate zeigen, dass speziell die schnelle Antragsstrecke und die Flexibilität von unseren Kunden geschätzt werden.

Die Deutsche Handelsbank (Marke der Deutsche Kontor Privatbank AG) ist Ihr Kooperationspartner zur Vergabe und Finanzierung der Kredite. Welche Kriterien waren für Sie für die Auswahl Ihres Kooperationspartners entscheidend?

Wir waren auf der Suche nach einem verlässlichen Bankpartner, der uns als gleichwertig ansieht und mit uns auf Augenhöhe arbeitet. Als FinTech versuchen wir, unser Produkt ständig zu verbessern und neue Services hinzuzufügen. Hier braucht es einen Partner, der Innovationen unterstützt und gemeinsam umsetzt. Im Vorfeld wurden Gespräche mit vielen Banken geführt, die Deutsche Handelsbank hat sich für uns als optimaler Partner herauskristallisiert.

Sie bieten eine einkommensunabhängige Gewährung von Krediten an, die sich insbesondere an Personen richtet, die bei ihrer Bank keinen Dispokredit erhalten. Inwiefern wird dieses erhöhte Risiko des Rückführungsausfalls in der Bonitätsprüfung berücksichtigt? Aktuell lässt sich beobachten, dass im Rahmen der Bonitätsprüfung vermehrt auch „innovative Datenpunkte“ wie etwa von Facebook in die Analyse mit einbezogen werden. Wie ist Ihre Meinung hierzu?

Unsere vorrangige Zielgruppe sind nicht unbedingt Personen, die keinen Dispokredit bekommen, sondern wir legen den Fokus auf Studenten, Selbstständige und den Bereich der Konsumfinanzierung. Da wir bereits vor der Gründung von cashpresso langjährige Erfahrung bei der Gewährung von einkommensunabhängigen Finanzierungen gesammelt haben, sind wir der Meinung, die Ausfallsquote gut einschätzen zu können, und diese wurde dementsprechend einkalkuliert. Aufgrund der flexiblen Rückzahlung haben unsere Kunden die Möglichkeit, kleine Rückzahlungsbeträge zu wählen, die einfacher zu bedienen sind, und was sich positiv auf die Rückzahlungsquote auswirkt. Innovative Datenpunkte sind ein spannendes Thema, mit dem wir uns natürlich auch beschäftigen. Diesbezüglich gibt es bereits erste Gespräche bzw. konkrete Verhandlungen mit potenziellen Partnern.

Derzeit gibt es keine Standardlösung für eine digitale Personenidentifizierung. Zur Überprüfung der Person arbeiten Sie mit dem Anbieter WebID zusammen. Die BaFin hat angekündigt, die Regeln in diesem Bereich verschärfen zu wollen. Inwiefern sehen Sie eine Verschärfung des Videoidentifizierungsverfahrens als Risiko für das Onlinegeschäftsmodell von cashpresso an?

Viele Punkte, wie beispielsweise das Durchsuchen von sozialen Netzwerken, sind noch nicht klar, und hier bleibt abzuwarten, welche Verschärfungen nun tatsächlich in Kraft treten. Aus Risikosicht sind Maßnahmen, die zur Betrugsprävention führen, selbstverständlich zu begrüßen. Ein tatsächliches Risiko für unser Geschäftsmodell sehen wir nicht, da sich die Videoidentifizierung bereits etabiliert hat und unserer Meinung nach sicher weiterbestehen wird. Wir sehen es als Herausforderung und Aufgabe an uns, unser Produkt so umzugestalten, dass die Verschärfungen unsere Kunden so wenig wie möglich treffen und trotzdem eine positive Nutzererfahrung zu schaffen. Es muss ein Weg gefunden werden, der sowohl für Regulierungsbehörden als auch für Finanzdienstleister sowie Kunden machbar ist. (Aktuelle Informationen hierzu siehe: Rundschreiben 3/2017 (GW) – Videoidentifizierungsverfahren)

Abschließend möchten wir gerne noch etwas über Ihre Zukunftspläne erfahren. Was sind Ihre nächsten Meilensteine und welche allgemeinen Herausforderungen sehen Sie in naher Zukunft für cashpresso?

Hauptfokus liegt auf dem Aufbau weiterer Vertriebsmöglichkeiten für cashpresso. Dazu zählt vor allem der bereits erwähnte Bereich der E-Commerce-Finanzierung. Wir führen aber auch Gespräche mit Banken und Unternehmen, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten. Natürlich arbeiten wir bereits an Produkterweiterungen wie der Herausgabe einer eigenen cashpresso-Kreditkarte und einem Programm zur Kundenbindung. Langfristig sind die Themen Expansion und die Vergabe höherer Volumina auf unserer Agenda. Die Herausforderung sehen wir vor allem darin, sich am Markt zu behaupten. Wir müssen unsere USPs klar hervorheben und uns als verlässlicher Anbieter positionieren.

Herr Strieder, vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen zu cashpresso finden Sie auf dem Fintech Hub by zeb.

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