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Standardzinsschock

Einer der zentralen regulatorischen Bausteine zur Messung des Zinsänderungsrisikos im Bankbuch ist die Ermittlung der Auswirkungen des Standardzinsschocks (auch als Baseler Zinsschock oder Basel-2-Zinsschock bezeichnet). Hierbei wird die Auswirkung eines ad hoc („über Nacht“) wirkenden Zinsschocks (Parallelverschiebung der Zinsstrukturkurve in beide Richtungen) auf den Barwert der zinssensitiven Aktiv- und Passivpositionen des Bankbuchs quantifiziert. Der ermittelte Barwertverlust stellt das Risiko und das zugehörige Zinsszenario das Risikoszenario für das Institut dar.

Gem. den aktuellen regulatorischen Vorschriften (BaFin RS 11/2011 (BA), EBA/GL/2015/08 und CRD IV, Artikel 98) beträgt der Standardzinsschock +/- 200 Basispunkte. Darüber hinaus sind verschiedene weitere Anforderungen (Aufstellung und Modellierung der Cashflows, Diskontierungskurve etc.) bei der Ermittlung des Risikowerts zu berücksichtigen. Der auf dieser Basis ermittelte Risikowert wird in Relation zum vorhandenen regulatorischen Eigenkapital (Kern- und Ergänzungskapital) gesetzt. Diese Kennzahl, auch als Zinsrisikokoeffizient bezeichnet, bildet einen Indikator für die Höhe des Risikos im Verhältnis zum vorhandenen Eigenkapital und erlaubt es zudem, Institute untereinander besser zu vergleichen. Gem. aktuellen Regularien gilt ein Institut mit einem Zinsrisikokoeffizienten von mehr als 20 Prozent als Institut „mit erhöhtem Zinsänderungsrisiko“. Ab diesem Schwellenwert sind die Aufsichtsbehörden angehalten Maßnahmen zu ergreifen (z. B. Anforderung einer zusätzlichen Eigenkapitalunterlegung). Darüber hinaus wird der im Standardzinsschock (+/- 200 Basispunkte) ermittelte Barwertverlust auch im Kontext anderer Regularien als Input-Größe genutzt (z.B. zur Ermittlung des Eigenkapitalzuschlags für Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch im Rahmen des LSI-SREP bzw. der Allgemeinverfügung für das Zinsänderungsrisiko).

Im Entwurf für die neuen CRD V wird analog dem in BCBS #368 formulierten Vorgehen eine Überarbeitung der Zinsschockszenarien vorgeschlagen. So soll künftig nicht mehr auf eine einfache +/- 200 Basispunkte-Parallelverschiebung abgestellt, sondern insgesamt sechs währungsspezifische Szenarien betrachtet werden. Der relevante Risikofall ergibt sich als der höchste Barwertverlust in allen Szenarien. Darüber hinaus soll der o. g. Schwellenwert für den Barwertverlust in Relation zum regulatorischen Kernkapital auf 15% gesenkt werden. Dies stellt aufgrund der Absenkung bei gleichzeitiger Einschränkung der einzubeziehenden Kapitalbestandteile eine deutliche Verschärfung gegenüber der aktuellen aufsichtsrechtlichen Praxis dar.

 

Quelle: BaFin, Bundesbank, BCBS, EBA, zeb

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