Thema Digitalisierung im Versicherungswesen – Herausforderungen, Ziele und Veränderungen Ein Interview mit Armin Molla, CEO von Virado

Armin, wir freuen uns dich heute bei zeb in Berlin begrüßen zu dürfen. Du bist in der Versicherungsbranche schon lange kein Unbekannter mehr. Erzähle uns doch kurz deinen Werdegang und wie du an Versicherungen geraten bist.

Das begann bei mir damals mit einem Schülerpraktikum bei der Signal Iduna in der neunten Klasse. Nach dem Studium habe ich dort ein Trainee Programm im Außendienst/Vertrieb angefangen. Nach zwei Jahren Leitung einer eigenen Agentur wollte ich das Ganze mal von einer anderen Seite sehen und bin zur Ergo Direkt gewechselt.

Wieso bist du gewechselt und wieso gerade zur ERGO Direkt?

Bei der Signal Iduna war es 2007 doch eher „ruhig“ und ohne Tempo. Mir persönlich ist es dort schlicht langweilig geworden und ich brauchte einen Tapetenwechsel – ein toller Konzern, aber meine Zukunft habe ich dort nicht gesehen.
Die ERGO Direkt hatte ich vor meinem Wechsel schon als unglaublich innovativ wahrgenommen. Das Team dort war sehr jung und dynamisch, da war beispielsweise mit 40 Einstellungen pro Monat richtig was los. Ich habe dort die Aufgabe übernommen, das Innovationsmanagement in der Unternehmensentwicklung (damals noch Karstadt Quelle Versicherung) aufzubauen.

Welche besonderen Herausforderungen siehst du beim Thema Digitalisierung im Versicherungswesen?

Zunächst geht es darum, die Menschen davon zu überzeugen, dass es notwendig ist das Thema Digitalisierung anzugehen. Es muss ein Kulturwandel stattfinden und die Branche muss die richtige Einstellung dahingehend entwickeln.

Den Versicherern sind aber auch ihre eigenen Ziele in diesem Bereich gar nicht klar.
Neben dem Definieren der eigentlichen Ziele, müssen diese anstehenden Veränderungen auch als solche akzeptiert werden. Ich glaube, dass ist in der Versicherungswirtschaft bis heute nicht geschehen. Die meisten wissen, da ist ‚Irgendwas‘, aber das hat für mich erst in fünf bis sieben Jahren eine gewisse Relevanz.

Du warst in der Versicherungsbranche an der Stelle, welche man zu dieser Zeit als das innovativste Feld bezeichnen konnte – sowohl was den Arbeitgeber angeht, als auch von den Aufgaben welche du übernehmen durftest – und warst dort eine maßgeblich treibende Kraft.
Was hat dich dazu gebracht deine Karriere dort nicht weiterzuführen und das Wagnis einzugehen, etwas völlig Neues zu machen.

Das war wirklich ein toller Job, aber nach den zwei Jahren in Berlin, nach dem Aufbau des Digital-Labs, war ich sehr begeistert von der Start-up Szene, vom Unternehmertum, von den anderen Möglichkeiten und so ist für mich anschließend die Entscheidung gereift, dass ich das auch machen möchte und jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist. Ich bin zurück nach Köln gegangen und habe ein eigenes Start-up aufgemacht. Ganz einfach aus dem Grund, weil es noch spannender war als bisher. In den Chancen als auch in den Risiken, in den Lernkurven und im Tempo. Es war ein konsequenter und richtiger Schritt für mich, welcher in meiner Karriere noch fehlte.

Wieso bist du dann nach Köln und nicht in Berlin geblieben, einem der ‚Start-up Hotspots‘ schlechthin?

Aus zwei Gründen. Zu einem wegen meiner Frau und den Kindern. Zum anderen darf man das Rheinland als Versicherungshochburg nicht unterschätzen. Ich glaube auch, dass es gar nicht so darauf ankommt, wo man das Start-up aufmacht, sondern was man anbietet.

Wieso hast du dich für ein Start-up im InsurTech Bereich entschieden und was macht für dich die Zukunftschance gerade in dieser Branche aus.

Ich hatte lange überlegt ein branchenfremdes Start-up aufzubauen, habe aber dann schnell erkannt, dass ja meine gesamte Kompetenz in der Versicherungswirtschaft liegt. Ich glaube ein InsurTech Start-up, ist mit das Schwerste was man machen kann, da es im Vergleich zum Banking oder eCommerce lange dauert, um Tempo aufzunehmen. Ein Versicherungsprodukt ist das am leichtesten zu digitalisierende, das am schwersten zu verkaufende und dazu noch ein sehr komplexes und unattraktives Produkt. Doch darin liegen die größten Chancen und ein enormes Potential. Der Markt ist möglicherweise noch größer als der FinTech Markt (Banking/Payment). Die Branche schreit praktisch danach, in jeder Hinsicht verändert zu werden.

Was zeichnet genau dein Geschäftsmodell mit Virado aus?

Virado bietet eine kostenfreie App für Makler an. Die Makler registrieren sich über unsere Homepage und können direkt loslegen. Mit Virado bieten wir Versicherungsmaklern erstmals einen einfachen und strukturierten Zugang zu Versicherungsprodukten, die junge Leute heute erwarten. Das sind z. B. Versicherungen für Smartphones, Tablets, Fahrräder, Drohnen aber auch Nischenprodukte wie Oldtimer, Kunstsammlungen und Versicherungen gegen Cyber-Risk.

Alles digital, schnell und einfach. Die Makler können Virado im direkten Kundengespräch nutzen aber auch die Produkte auf ihrer Homepage und allen Social-Media-Kanälen einbauen.

Virado dient als Ventilprodukt für den Makler und generiert eine zusätzliche Einnahmequelle, gleichzeitig ist sie ein modernes und digitales Werkzeug, mit denen Maklern sich der modernen Zeit und Erwartungshaltung ihrer Kunden anpassen können.

Virado ist praktisch die Schnittstelle zwischen einer Versicherung und einem Makler. Wie plant ihr den Ausbau von Virado?

Die Anbindung an Virado, ermöglicht dem Makler bereits heute über 100 Nischen- und Produktversicherungen zu verkaufen. Diese Anbindung ist wie gesagt kostenlos und er erhält nahezu dieselben Provisionen als bei der Anbindung an einen Direktversicherer.

Wir haben drei Ausbaustufen der App:

Als erstes werden wir alle Antragsstrecken vollständig und aufwendig überarbeiten und somit in ein modernes, cooles und dialogorientiertes Interface übergehen. Hier sind wir bereits in der Umsetzung. Das wird ein großer Wurf!

Zweitens werden wir alle Geschäftskunden des Maklers anbinden können, die ebenfalls Annex-Produkte verkaufen können. Auch hier testen wir bereits unsere Lösung. Eine Hammerlösung für alle Makler, so etwas hat es bisher überhaupt noch nicht gegeben!

Drittes optimieren wir Virado im Bereich Claim-Management. Alle Schäden sollen zukünftig auch über die App eingereicht werden.

Bestehen bereits Partnerschaften mit Versicherungen, um schneller und unkomplizierter agieren zu können?

Ja, wir haben aktuell auf nationaler Ebene 15 Versicherungspartner. Aufgrund der großen Nachfrage, sind wir auch auf der Suche nach einem weiteren, internationalen Partnerversicherer, um Anfragen und Angebote diesbezüglich schneller beantworten und bearbeiten zu können.

Wie siehst du den aktuellen Wettbewerb im Bereich InsurTech und wo siehst du dein Geschäftsmodell in fünf Jahren?

Ähnlich unserer Lösung gibt es zwei ähnliche Mitbewerber: ‚Kasko‘ und ‚massUP‘. Wir haben aber eine ganz andere Technologie dahinter. Ich sehe das auch als gutes Zeichen, denn wo Wettbewerb ist, ist auch ein Markt.

In fünf Jahren haben wir das modernste Versicherungsinterface weltweit im Einsatz, alles wird in Echtzeit, ohne Transaktionskosten, voll digital abgewickelt. Im Grunde wird das Interface, also Virado, bis dahin fast alles können. Wir wissen, dass wir mit Virado ein riesiges Potenzial im Bereich der Standardisierung und im Micro-Insurance haben. Dieses ist ein enormer Hebel für Südostasien und Zentralafrika, das sind unsere Zukunftsmärkte. 

Die Versicherer hingegen werden in fünf Jahren ihre Prozesse vielleicht besser in den Griff bekommen, jedoch werden die meisten Versicherer in Zukunft eher noch langsamer werden, weil sie mit den ständigen neuen Anforderungen hoffnungslos überfordert sind. Das kann eigentlich nicht gut gehen für die meisten von ihnen.

Wie kann sich denn ein Versicherer gegenüber Start-ups besser positionieren und was bedeutet für dich im Wesentlichen Digitalisierung im Versicherungswesen? 

In puncto Positionierung ist das relativ einfach. Zum einem muss sich ein Versicherer erstmal entscheiden ob er Versicherungsprodukte/-lösungen für Start-ups überhaupt anbieten möchte und ob es Sinn macht. Zum anderen, wenn er sich dafür entscheidet, muss es feste Ansprechpartner geben. Es muss sich ein Team bilden, welches sich auch für dieses spezielle Thema ‚Start-ups‘ kümmert und interessiert.

Zur Digitalisierung im Versicherungswesen muss ich als Versicherer erkennen, was ist das jetzige und zukünftige Kerngeschäft. Dann muss ich verstehen wohin sich dieses Geschäft im Markt entwickelt (Prozesskosten etc.) und wie es sich auch technologisch verändert, um sich anschließend entsprechend am Markt zu positionieren.

Zum Abschluss noch eine private Frage an dich: Was sind deine Key Learnings als Gründer bisher? 

Meine wichtigsten Learnings

1.) Brutal fokussiert sein auf das was man tut.

2.) Die Einstellung zu gewinnen, lieber ein klares ‚Nein‘ hören zu wollen, als ein unklares vielleicht.
3.) Jedem sollte klar sein, dass er nicht nur selbständig bzw. Freelancer ist, sondern dass er Unternehmer wird. Das ist nochmal eine ganz andere Art des Tuns und des Handelns.

Armin, vielen Dank für das Interview mit uns.

Für die Zukunft wünschen wir dir weiterhin alles Gute und gutes Gelingen!

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Dr. Matthias Uebing

Partner Office Berlin
Autor Max Steinmetz

Max Steinmetz

Senior Consultant Office München

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