„DeFi is eating Finance”: Was bedeuten dezentrale Finanzen für Finanzdienstleister?

DeFi (Decentralized Finance) hat das Potenzial, die Finanzwelt nachhaltig zu verändern. Schon heute sind bestimmte Anwendungsfälle weitaus effizienter als bei traditionellen Finanzdienstleistern. 

Mirco Recksiek, Mitgründer von Bitcoin2Go, zu Decentralized Finance

Mirco Recksiek, Mitgründer von Bitcoin2Go

Marc Andreessen erhielt vor zehn Jahren mit seinem Artikel „Software is eating the world“ große Aufmerksamkeit, als er die Hypothese aufstellte, dass Softwareunternehmen die bereits etablierten Firmen früher oder später ersetzen werden. 

Wir haben mit Mirco Recksiek darüber gesprochen, was DeFi für Banken bedeutet und wie sie mit der disruptiven Entwicklung umgehen können. 

Ist es wirklich notwendig, hochspekulative Finanzinstrumente wie Optionsscheine oder Knock-out-Zertifikate auf Kryptowährungen anzubieten, die als solche bereits sehr volatil sind – ist das nicht zu viel des Risikos?

Eine Besonderheit von Turbo-Optionsscheinen ist, dass das inhärente Risiko vorhersehbar und begrenzt ist. Für Trader von Knock-out-Zertifikaten wie dem turbo24 sind Volatilität oder nicht marktkonforme Schwankungen grundsätzlich kein unerwünschtes Szenario. Dabei kommt es auf die individuelle Einschätzung der Bandbreitengrenzen solcher Schwankungen und die auf Basis dieser Erwartung gewählten spezifischen Produkteigenschaften an. In Bezug auf das mit der volatilen Anlageklasse der Kryptowährungen verbundene Risiko ist ein transparentes, liquides und möglichst unterbrechungsfreies Handelsumfeld wichtig. Dies gilt sowohl im Hinblick auf den sehr schnellen Ersatz ausgeknockter Instrumente als auch im Hinblick auf die Handelszeiten insgesamt.

Wer ist Ihre Zielgruppe, institutionelle oder Privatanleger/-innen? Insbesondere angesichts der Verlusttragfähigkeit der letztgenannten Kundengruppe …

Unsere Zielgruppe sind Broker, die es ihren Privatanlegerinnen und -anlegern durch die Anbindung an Spectrum Markets ermöglichen, von Bewertungsschwankungen des jeweiligen Kryptowerts zu profitieren, ohne direkt in den Basis- bzw. Referenzwert investieren zu müssen. Unser Ziel war es, Privatanlegerinnen und -anlegern ein 24/5-Handelserlebnis zu ermöglichen, das ihnen vorher so nicht zur Verfügung stand.

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Wie können sich Privatanleger/-innen vor einem möglichen Totalverlust schützen, wenn sie Derivate auf Kryptowährungen handeln?

Im Handel mit Knock-out-Zertifikaten ist bei Erreichen der jeweiligen Knock-out-Schwelle das Risiko nur auf den Verlust des eingesetzten Kapitals begrenzt. Trader dieser Produkte sind sich dessen bewusst, können aber innerhalb dieser Schwellen ihren Verlust gegenüber einer Direktanlage um den jeweiligen Hebelfaktor reduzieren bzw. ihren Gewinn um diesen Faktor gegenüber einer Direktanlage erhöhen.

Gerade bei Kryptowährungen, die aufgrund zahlreicher Faktoren immer noch sehr starken Schwankungen unterliegen, bedeutet das transparente und sichere Handelsumfeld eines regulierten Handelsplatzes wie Spectrum Markets, der übrigens institutionelle Handelsbedingungen bietet, diverse Vorteile gegenüber dem aktiven Direkthandel mit Kryptowerten. Dazu gehört auch die aufsichtsrechtliche Perspektive, denn im Gegensatz zum Handel mit Bitcoin über eine der einschlägigen Kryptohandelsplattformen unterliegt der Handel mit verbrieften Derivaten über ein multilaterales Handelssystem einem strengen, schützenden Regulierungsrahmen. Unter Anlegerschutzaspekten ist ein transparentes und diskriminierungsfreies Umfeld dem noch unregulierten direkten Handel mit Kryptowerten vorzuziehen.

Der turbo24 ist ein aufsichtsrechtlich zugelassenes Produkt, das auf der Grundlage eines Basisprospekts ausgegeben wird, jedes Instrument hat eine eigene ISIN und wird mit endgültigen Bedingungen und den wesentlichen Anlegerinformationen geliefert. Hierbei handelt es sich nicht um Marketingmaterial, sondern um ein verpflichtendes Informationsdokument, das die Anleger/-innen beim besseren Verstehen der Art des Produkts, seines Risikos, der Kosten, der potenziellen Gewinne und Verluste, einschließlich des Risikos im Vergleich zu anderen Produkten unterstützen soll.

Können derivative Ansätze für Kryptowährungen auch für Absicherungsstrategien verwendet werden und wenn ja, wie aufwendig ist dieses Verfahren und wie können sich Privatanleger/ innen hier informieren?

Neben der Erzielung von Handelsgewinnen ist Absicherung ganz generell ein Hauptmotiv für den Handel mit Derivaten. Es gibt eine Vielzahl von Produkten auf dem Markt, und nicht alle Derivate sind gleich. Viele Broker stellen ihren Privatanlegerinnen und -anlegern umfangreiche Hintergrundinformationen zur Verfügung. Dies kann jedoch eine professionelle Beratung – insbesondere im Hinblick auf die individuelle Verlusttragfähigkeit und das persönliche Risikoprofil – nicht ersetzen. Bei verbrieften Derivaten können Anleger/-innen ein Absicherungs-Exposure aufbauen, das dem entspricht, was sie mit einem Standardderivat eingehen könnten. Durch die Hebelwirkung ist hierbei jedoch nur ein Bruchteil des ansonsten erforderlichen Kapitals nötig, und der Handel erfolgt auf Grundlage fairer, transparenter Handelsbedingungen.

Was sind die mit verbrieften Derivaten auf Kryptowährungen verbundenen Kosten bei Spectrum, die ja beim direkten Kauf von Kryptowährungen relativ hoch sind?

Die Transaktionsgebühr bei direkten Kryptoinvestitionen ist eine Art Belohnung für deren Schürfer, welche über die Zeit immer wichtiger wird, da sich die andere Komponente der Blockbelohnung, die Blocksubvention, alle vier Jahre halbiert. Hier hängen Transaktionsgebühren von Faktoren wie Blockchain-Auslastung, Transaktionsvolumen und Ausführungsgeschwindigkeit ab. Diese Gebühren sind für die Anleger/-innen von verbrieften Derivaten irrelevant. Als Handelsplatz berechnen wir Brokern keine Transaktionsgebühren. Die von diesen erhobenen „Commitment Fees“ können von Broker zu Broker variieren, sind aber eher niedrig und fallen normalerweise bei Erreichen eines bestimmten Mindestumsatzes weg.

Viele Dank für das informative Gespräch Mirco!

 

[1] MakerDAO (2021): Financial Presentation

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Julia Schraut / Redakteurin und Autorin BankingHub

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Expert Office Berlin
Autorin Madita Pesch / BankingHub

Dr. Madita Amelie Pesch

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